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Nr. 180 — 1929
Fulda, Samstag, 3. August
6. Jahrgang
„tos ZeWelin"
Sonntag Eintreffen in Lakehurst.
Die amerikanischen Nuudfunkstationen waren der Überzeugung, daß sie durch besondere Empfangsapparate /chou Freitag direkte F u n k s p r ü ch e vom Zeppelin erhalten würden. In L a k e h u r st wurde auf dem Flugfeld ein Tonverstärker aufgestellt, der die Passagiere während der Landungsmanöver unterhalten und den Offizieren des „Graf Zeppelin" die Landungsorien- tierung übermitteln soll.
Die ersten Neugierigen sind in Lakehurst bereits Freitag eingetroffen, um sich „einen Platz zu sichern". Insgesamt werden 50 000 Besucher erwartet. Die lAolUei traf umfassende Vorbereitungen, um Vorkomm- ur'sse, wie sie im letzten Herbst vorkamen, zu verhüten. Die Aewyvrker .Hafenbehörde gab Anweisungen, um den nach New Werfen flutenden Autoverkehr zu verteilen.
Der Fingweg Oes Luftschiffes bis zum Morgen des 2. August. Die punktierte Linie zeigt die ungefähre Route des Weltfluges, der am 7. oder 8. August von Lale hurst aus angetreten werden und über Friedrichshafen, Ostpreußen, , Rußland, Sibirien, Tokio, San Diego, Lakehurst nach Friedrichshafen zurück führen soll.
Das Wetter über dem Atlantik.
Das Newyorker Wetterbureau erklärte, daß eine Begegnung mit Stürmen aus so langer Flugstrecke kaum vermeidlich erscheine. Es sei jedoch wenig wahrscheinlich, daß „Gras Zeppelin" mit einem ernstlichen Unwetter zusammentreffen werde. Aus der Strecke von Gibraltar nach den Azoren herrschte in der Unterschicht Westlvind, in der Oberschicht leichter Nordwind. Jedenfalls hatten die Gegenwinde erheblich nachgelassen, seit der Zeppelin den europäischen Kontinent verlassen habe.
Standortmeldungon.
An Bord des Zeppelins alles wohl.
Paris. Wie Havas aus Casablanca meldet, ist die dortige Funkstation Freitag um 12.30 Uhr mit dem Lustschiff „Graf Zeppelin" in Verbindung getreten. Das Luftschiff befand sich um diese Zeit 600 Meilen westlich von Gibraltar. Es teilte mit, daß an Bord alles gut gehe.
Horta (Azoren), 3. August. „Graf Zennelin" hat gestern abend um 9 Uhr die Insel Sao Miguel über- flogen und machte gute Fortschritte.
„Graf Zeppelin" über den Azoren.
Funkverbindung des Luftschiffes mit Amerika.
wtb. Newyork, 3. Aug. Nach einer Meldung der „Associated Preß" aus Lissabon hat das Luftschiff „Graf Zeppelin" mitgeteilt, daß über Santa Maria (Azoren) ein Postbeutel abgeworfen worden sei.
wtb. Washington, 3. Aug. „Graf Zeppelin" teilte der Funkstation 6 des Marine-Departements durch direkten Funkspruch mit, daß die Position abends 7.05 Uhr 166,9 Kilometer südlich Pico (Azoren) war. „Graf Zeppelin" flog um diese Zeit in nordwestlicher Richtung mit 83,4 km Stundengeschwindigkeit.
„Graf Zeppelin" von einem deutschen Schiff gesichtet.
wtb. Hamburg, 3. Aug. Das Motorschiff der Ham- burg-Amerika-Linie „St. Louis" meldet durch Funkspruch, daß es das Luftschiff „Graf Zeppelin" gestern abend 10 Uhr englischer Zeit passierte. Das Luftschiff befand sich zu dieser Zeit über Santa Maria (Azoren). Das Wetter war gut, die See klar.
Einstündigcr Nadioverlehr Amerika—Zeppelin.
wtb. Newyork, 3. August. „Associated Chatham Massachusetts" konnte sich heute nacht über eine Stunde lang mit dem „Graf Zeppelin" verständigen. Er gab eine große Anzahl von Privat- und Pressenachrichten durch. Die augenblickliche Position des Luftschiffes wurde nicht angegeben.
Amerikanische Wettermeldungen.
wtb. Newyork, 3. August. Das Washingtoner Wetterbüro meldet aus Sandy Hook und Kap Hatteras mäßige Südost« und Südwinde und teilweise Bewölkung.
Der dem SM
Programm des Europafluges.
wtb. Paris, 3. August. Der Europa-Flug der beiden internationalen Flugveranstaltungen von Orly, die unter starker deutscher Beteiligung gestern begonnen haben, sieht im Hauptprogramm eine Flugstrecke von 6288 Km. vor, deren einzelne Etappen folgende sind: Paris — Basel — Lyon — Marsaille — St. Raphael — Turin — Mailand — Venedig — Zagreb — Belgrad — Turnu — Severin — Bukarest — Turnu — Severin — Budapest — Wien — Brünn — Prag — Breslau — Warschau — Posen — Berlin — Hamburg — Amsterdam — Brüssel — Paris. In allen diesen Städten sind Landungen vorgeschrieben. Der Start erfolgt am 7. August, morgens 9 Uhr, auf dem Flughafen von Orly. Die Ankunft erfolgt am 14. August nachm. 15 Uhr und endigt am 20. August uni 20 Uhr.
Ein Ozeanflug Berlin—La Paz geplant.
Newyork. Kapitän Lucio Luiazaga vom b o l i v i a n i ' ^chen Armeeflugkorps kündigte an, daß er versuchen werde, einen Transozeanslug von Berlin nach La Paz in Bolivien mit einem Junkerseindecker des Brememop m W0-?8-Motor, einem Aktionsradius von 65 Stunden u>< einer Geschwindigkeit von 160 Kilometern durchpD^ Zwischenlandungen sind in Sevilla. Dakar, Natal und N>o oe Janeiro geplant.
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Amerikaflug des Flugzeugs „Das Land der Sowjets"
Wie aus Moskau gemeldet wird, soll das russische Flugzeug „Das Land der Sowjets" am 5. August nach Amerika starten. An dem Fluge beteiligen sich vier Personen, und zwar die Flieger S ch e st a k o w und Polos- sow und zwei Mechaniker. Die gesamte Flugstrecke beträgt 18 700 Kilometer, von denen 7950 Kilometer über dem Meere liegen. Das Flugzeug wird in Chabarowsk die Räder gegen Kufen und in San Franzisko die Kufen wieder gegen Räder vertauschen. Die Strecke von Petro- pawlowsk bis zu den Aleuten wird zum ersten Male beflogen. $
Zehntausendmeilenflüg der Herzogin von Bedford.
Die Herzogin von Bedford ist vom Flugplatz Lympne in England zu einem Zehniausendmeilenflnge nach Indien (und zurück) abgeflogen. Der Flug soll eine Woche dauern.
Die Haager Konferenz.
B o r b e reit u n g e n.
Wie von zuständiger Stelle aus dem Haag verlautet, steht immer noch nicht mit Sicherheit fest, ob die Haager Konferenz am 6. August beginnen wird. Die organisatorischen Vorbereitungen, soweit sie von den holländischen Behörden, die hierbei sehr selbständig vvrzngehcn genötigt sind, getroffen werden können, sind jedoch so weit gefördert, daß die Eröffnung der Konferenz am kommen den Dienstag möglich ist. . ~ ,
Es wird angenommen, daß die Delegierten der an der Konferenz teilnehmenden sechs Hauptmächte sich am Vormittag des 6. August oder vielleicht bereits am Montag nachmittag zu einer vorläufigen Besprechung zu- sümmenfinden iverden, an der sowohl über den genauen Zeitpunkt der Eröffnung wie auch über die Ernennung eines gemeinsamen Generalsekretärs, der dann die weitere organisatorische Durchführung der Konferenz von den holländischen Behörden zu übernehmen haben Wirb, ein Beschluß gefaßt iverden wird. Es dürste sofort nach dieser gegenseitigen Fühlungnahme der Regierung eine offizielle Einladung an die Vereinigten Staaten zur Teilnahme an der Konferenz gerichtet iverden. „ .
Der amerikanische Staatssekretär S t r m s o n hat beschlossen, daß ein inoffizieller amerikanischer Beobachter zur internationalen Konferenz nach dem Haag entsendet wird.
Meine Zeitung für eilige Leser
* Die „Bremen" ist nach glücklicher Fahrt, von Newyork kommend, in Bremerhaven eingetroffen und mit Jubel empfangen worden
* Freitag fand unter großer Anteilnahme von Behörden und Bevölkerung die Beisetzung der Opfer der Waldenburger Bergwerkskatastrophe statt.
* Zwischen England und Rußland ist eine Spannung entstanden, die zur Unterbrechung der schwebenden Ausgleichsverhandlungen in London führte.
* Die Vereinigten Staaten wollen einen nichtoffiziellen Beobachter zu der voraussichtlich am L August beginnenden Haager Konferenz entsenden.
Schreckgespenster.
Blinder Lärm. — Ruhiges Blut. — „Geschäft wie gewöhnlich." — 500 000 Arbeiter auf der Straße. —
Die Parteien streiten.
Man sollte sich eigentlich, auch in der deutschen Ofsent- lichkeit, an den Gebrauch starker, furchterregender Worte schon längst gewöhnt haben Namentlich seitdem gewisse Vorbilder maßgeblich geworden sind. Die mit großem Getöse angekündigten Antikriegskundgebungen der ersten Augusttage sollten der ganzen Welt Angst und Schrecken einjagen, den Sturz der bürgerlichen Gesell- schaf! als solcher und des von ihr angeblich getragenen imperialistischen Herrschaftswillens vorbereiten. Die französische Regierung hat diese Drohungen buchstäblich ernst genommen und ihnen ein gewaltiges militärisches Aufgebot entgegengestellt. Daß nun auch in Paris alles ruhig geblieben ist, wird Herr Tardieu, der französische Polizeiminister, wahrscheinlich in der Hauptsache als einen Erfolg seiner vorbeugenden Kriegs- maßnahmen ansehen.
In Deutschland sind die Behörden wesentlich zurückhaltender geblieben. Sie haben damit die Sache richtig als blinden Lärm eingeschätzt. Es sind nirgends Barrikaden gebaut worden, so daß auch nirgends wieder Maschinengewehre in Tätigkeit zu treten brauchten. SÄlachtengetümmel hat es nur in den Spalten gewisser Zeitungen gegeben, während die „Massen", die sich in den Straßen zeigten, einen recht harmlosen Eindruck hinterließen. Das soll man sich nun auch für die Zukunft merken. Aufpassen — gewiß, und für alle Fälle soll man immer vorbereitet sein, aber in der Regel wird es schon genügen, aufgeregtem Geschrei mit dem ruhigen Blut eines guten Gewissens zu begegnen. Die Welt wird sich nicht sobald wieder in Tod und Verdammnis stürzen; vorläufig hat sie alle Veranlassung, sich um den Aufbau dessen, was der große Krieg zerstört hat, zu kümmern.
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Allerdings, der Wiederaufbau stößt immer wieder auf Schwierigkeiten. Am meisten dort, wo man sich in den Hoffnungen auf Kriegsnutzen am schwersten und bittersten getäuscht hat. Wir haben noch nicht vergessen, wie der britische Außenminister der ersten Kriegsjahre die ängstlich gewordene Londoner City mit dem berühmten Ausspruch zu beruhigen suchte: „Business as usual," wollte sagen: die Kaufleute brauchten sich keine Sorge zu machen, das Geschäft werde im Kriege, nach dem Kriege weitergehen wie gewöhnlich, ihren geliebten Profit würden sie also schon nicht verlieren. Es ist, gerade für England, anders gekommen, ganz anders. Schon lange bevor bei uns in Deutschland das Problem der Arbeitslosigkeit eine so große Rolle spielte wie seit 1926, mußte man drüben in England für diesen Zweck ganz ungeheure Summen aufwenden, und die jetzt zur Herrschaft gelangte Arbeiterpartei verdankt dem ungeschwächten Fortbestehen dieses nationalen Unglücks mit in erster Reihe ihren großen Wahlsieg.
Run sind plötzlich im Bereich der englischen Baum- wollindustrie 500 000Arbeiter auf dieStraße gesetzt worden, eine Zahl, die sich sehr bald infolge der unausbleiblichen Auswirkungen der Aussperrungsmaßnahmen auf die verarbeitende Industrie um weitere Tausende oder Hunderttausende von Händen erhöhen mutz. Der Kampf geht nicht, wie zumeist bei uns, um Ablehnung oder Bewilligung von Forderungen der Arbeitnehmer, sondern es handelt sich um die Durchsetzung einer Lohnherabsetzung von 12,5 Prozent, die von den Arbeitgebern für notwendig erklärt wird, wenn anders die Baumwoll- industrie am Leben bleiben solle. Die Parteien streiten natürlich darüber, ob diese Behauptung zu halten oder ob nicht andere, weniger empfindliche und doch wirksamere Mittel zu finden seien, um den in ihrer Existenz bedrohten Baumwollindustriellen zu Hilfe zu kommen. Das ist eine Frage, welche die Engländer unter sich auszumachen haben. Wir Deutsche können uns daraus beschränken, den Verlaus des Kampfes aufmerksam zu beobachten, auch wenn wir von ihm nicht die gleichen vorteilhaften Auswirkungen für unsere eigene Volkswirtschaft erwarten können, wie sie der große Bergarbeiterausstand vor drei Jahren für unsere Kohlenindustrie gezeiligt hat. Für England aber ist mit diesem gewaltigen Ringen ein neues Schreckgespenst sichtbar geworden: der Ausbruch einer heimischen Krisis von ganz unübersehbarer Wirtschafts« politischer Tragweite. Dr. Sy.
Italienische Flieger über französischem Gebiet.
wtb. Paris, 3. August. Nach einer Agcnturmeldung aus Grenoble sollen gestern früh italienische Flugzeuge französisches Gebiet in 10 Kilometer Breite und zwar in der Gegend des Mont Cenis überflogen haben. Sie sind dann wieder über die Grenze zurückgekehrt. Dr Nachricht wird hinzugefügt, daß in dieser Gegend französische Truppenübungen stattfinden.