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Nr. 182 1929

Fulda, Dienstag. 6 August

6. Jahrgang

Die Haager Konferenz.

Die Deuischen im Haag.

Dienstag Konferenzeröffnung.

Die deutsche Delegation zum Haager Kongreß traf Montag vormittag gegen % 12 Uhr unter Führung Dr. Stresemanns und der übrigen drei Reichsminister im Haag ein. Die Abfahrt von Berlin war Sonntag abend erfolgt. Zum Empfang hatten sich der holländische Außen- minister Beelaerts van Blockland sowie der deutsche Ge­sandte im Haag. Graf Zech, aus dem Bahnsteig eingefunden. Hinter der Absperrung wurde die deutsche Delegation durch eine große Menschenmenge erwartet, die Minister Stresemann Ovationen brachte. Ein Vertreter der Stadt Haag begrüßte die Delegation feierlich. Dann begaben sich die Deutschen nach ihrem Hotel in Schcneningen.

Jm Laufe des Montagvormiltags trafen weiter die belgische Abordnung mit dem Ministerpräsidenten Jaspar und dem Außenminister Hymans, ferner die italienische Ab­ordnung mit dem Finanzminister Mosconi und dem Staatssekretär des Auswärtigen, Grandi, im Haag ein. Die englische Abordnung mit dem Außenminister Hender­son und dem Finanzminister Snowden ist bereits am Sonntag angelangt. ebenso die Japaner, an deren Spitze das japanische Ralsmitglied der Pariser Botschafter Graf Adatschi, steht. Die französische Abordnung mit Briand und Lyucheur ist ebenfalls eingetroffen. Voraussichtlich soll die Konferenz Dienstag vormittag 11 Uhr eröffnet werden. Wahrscheinlich wird der belgische Ministerprä­sident J a s p a r den Vorsitz erhalten, da die drei Mächte Deutschland, Frankreich und England nicht in Wettbewerb um den Vorsitz eintreten wollen.

Erste Vorbesprechungen im Haag.

Haag, 5. Aug. Heute abend um %20 Uhr kamen die Hauptdelegierten der sechs als Einberufer der Haager Konferenz geltenden Mächte, nämlich Deutschland, Frank­reich, England, Belgien, Italien und Japan, beim fran­zösischen Ministerpräsidenten Briand im Hotel des Indes zu eitler ersten formellen Vorbesprechung zusammen. Briand war mit dem Hauptteil der französischen Delega­tion erst um 1814 Uhr im Haag angekommen, so daß die meisten der zur Besprechung erschienenen Delegierten sich bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal wieder sahen. Von deutscher Seite waren Reichsaußenminister Dr. Strese­mann und Reichsfinanzminister Dr. Hilferding erschienen.

Wie verlautet, stand die Frage der Wahl des Kon­ferenzvorsitzenden und die eventuelle Ernennung eines Generalsekretärs für die Konferenz sowie auch die Auf­stellung eines vorläufigen Arbeitsprogramms im Mittel­punkt dieser Besprechungen, die um 20.45 Uhr noch nicht beendet waren.

Die Vorbesprechungen im Haag.

Haag, 5. Aug. Die heute abend zwischen Vertretern der sechs Hauptkonferenzmächte abgehaltenen offiziellen Vorbesprechungen, über deren Eröffnung bereits berichtet wurde, dauerte 1% Stunden. Nach ihrem Ablauf wurde ein Kommunique herausgegeben, das folgenden Wort­laut hat:

Die Delegierten der Mächte, die die Konferenz einbe­rufen haben, haben sich heute abend in den Räumen der französischen Delegation vereinigt, um die Bedingungen

Zum Amerikaflug desGraf Zeppelin".

Was die Passagiere sagen.

Sämtliche Passagiere äußerten ihre größte Befriedi- gnng über den Atlantikflug, der voll herrlicher, unver­gleichlicher Eindrücke gewesen sei und weder Unbequem­lichkeiten noch Befürchtungen verursacht habe. Von vielen Passagieren wurde hervorgehoben, daß der Atlantikflug ein reiner Genuß gewesen sei und daß man nicht unter derLuftkrankheit" zu leiden gehabt habe. Das Luftschiff sei ruhig dahingeglitten, während tief unten die Schiffe auf den Wellen tanzten. Sir Hubert Wil­kins, der Nordpolflieger, sprach begeistert von der genußreichen Fahrt. Dr. Kiep von der Hamburg- Amerika-Linie erklärte:Unsere Überfahrt war äußerst erfolgreich und angenehm. Das Luftschiff zeigte sich allen Anforderungen gewachsen, so daß wir sicher sein können, daß d a s n e u z u e r b a u e n d c L u f t s ch i f f mit stärkt ren Maschinen und höherer Geschwindigkeit eine werr schnellere Überfahrt mit größerer Regelmäßigkeit durch­führen kann."

Der blinde Passagier heißt Buschke, ist 18 Jahre alt, aus Düsseldorf gebürtig und angeblich Bäckerlehrling. Der Junge wurde während des Fluges eingeschlossen, weil man befürchtete, er könne noch weiteren Unfug anrichten. Dr. Eckener war über seinen blinden Passagier recht aufgebracht.

Den Pressevertretern gab Eckener folgende Erklärung ab: Die Reise war sehr interessant. Wir hatten alle Arten mm Wetter, Stürme als wir abflogen und zwar zunächst so heftig, daß wir sogar schon zögerten, den Flug fortzusetzen. Wir ent­schlossen uns aber doch und wählten den Weg über Gibraltar. Dann hatten wir längere Zeit gutes Wetter, aber die letzten 40 Stunden waren wieder abscheulich. Ueber bem Golfstrom hatten wir starken Regen. Der Flug von Friedrichshafen bis zur ersten Ankunft in Lakchurst (Donnerstag früh 3.30 bis Montag früh 12.30 Uhr) hat 93 Stunden gedauert. Zunick­gelegt haben wir eine Strecke von 5003 Seemeilen (9255 Kilo­

zu prüfen, unter denen sich die Arbeiten der Konferenz ab- > spielen werden. Sie haben beschlossen, daß morgen vor- 1 mittag um 11 Uhr die Konferenz mit einer öffentlichen Sitzung eröffnet werden soll. Herr Briand ist von seinen Kollegen gebeten worden, die Eröffnungsrede des Herrn Belaerts van Blockland zu beantworten. Die ersten sach­lichen Beratungen (sëances effectives) werden morgen nachmittag um 16 Uhr mit einer geschlossenen Sitzung beginnen.

Henderson über die Rheinlandsrage.

wtb. London, 6. Aug. Reuter berichtet aus dem Haag: Un­ter den dortigen Staaten herrsche großer Optimismus vor, ob­wohl sie sich der Schwierigkeiten bewußt seien. Henderson er­klärte, die Konferenz werde seiner Ansicht nach sicher die Räu­mung des Rheinlandes sowohl durch die Engländer als auch durch die Franzosen führen.

Me Hauptarbeit der ßon'erenz bis 25. August beendet?

Paris. In einer Havasmeldung aus dem Haag über die Vorbereitungen zur Konferenz wird angedeulet, daß man die Hauptarbeil der Konferenz gegen den 22. bis 25. August beendet haben möchte, und daß die Delegierten der auf der Konferenz vertretenen Staaten beschlossen hätten, sofort mit­einander Fühluna zu nehmen.

Der Wirtschaftsausschuß für die besetzten Gebiete fordert Räumung des Rheinlandes oder Ablehnung des Young-Planes.

Koblenz, 5. Aug. Der Wirtschaftsausschuß für die be­setzten Gebiete faßte in seiner heutigen Sitzung eine Ent­schließung, die der deutschen Delegation im Haag zuge- icitet werden wird. Sie hat folgenden Wortlaut:

Der Wirtschaftsausschuß für die besetzten Gebiete als Gesamtvertretung von Industrie, Handel, Handwerk und Landwirtschaft des besetzten Rheinlandes hart sich ange­sichts der sich von Tag zu Tag verschärfenden Wirtschafts­lage für verpflichtet, von der Reichsregierung zu verlan­gen, bei den kommenden polirischen Verhandlungen im ; Haag darauf zu bestehen, daß die sofortige Räumung des besetzten Gebiets und die Wiedervereinigung des Saar- ! gebiets mit seinem Mutterlande zur Vorbedingung der Annahme des Young-Planes gemacht werde, der für die deutsche Wirtschaft kaum tragbare Belastungen bringen wird. Die Rheinlandräumung darf nicht von irgend­welchen wirtschaftlichen oder politischen Zugeständnissen abhängig gemacht werden. Insbesondere muß die Ein­setzung einer Feststellungs- und Vergleichskommission nach- drücklrch abgelehnt werden, weil sie der Ausdruck eines die endliche Befriedigung gefährdenden Mißtrauens ist. Das Saarland bildet eine mit dem deutschen Mutterland un­trennbare wirtschaftliche Einheit. Die unnatürliche Grenz­ziehung schädigt insbesondere die Grenzgebiete aufs schwerste. Eine Wiedervereinigung des Saargebiets mit Deutschland ist umso notwendiger, als Deutschland die ihm auferlegten ungeheuren Lasten des Young-Plans nur dann wird tragen können, wenn es seine gesamten wirt­schaftlichen Kräfte, zu denen eine starke Wirtschaft des Saarlandes von jeher gehört hat, wieder einheitlich zu­sammenfassen und in voller Freiheit entfalten kann.

meter). Der Flug von Gibraltar bis zum amerikanischen Festland dauerte 67 Stunden und 30 Minuten. Auf dieser Strecke, also über dem Ozean, hatten wir eine Durchschnitts­geschwindigkeit von 55 Knoten (101,86 Kilometer) in der Stunde. Die Reise zeigt endgültig, daß das Zeppelinluftschiff alle Arten von Wetter überstehen kann. Wir hatten an Bord genügend Unterhaltung. Wir machten Musik, wir tantzten und hatten auch genügend Wein zu trinken. Drei Passagieren sagte die Reise so zu, daß sie mich baten, die Reise wieder mit­machen zu dürfen. Zu meinem Bedauern mußte ich das ab­lehnen, da für die Rückreise die Plätze bereits vergeben sind.

Ich bin von dem Ergebnis dieses Fluges so befriedigt, daß, wenn alles, bereit wäre, sofort die Weltreise angetrctcn werden konnte. Am nächsten Mittwoch abend werden wir wieder nach Friedrichshafen zurückfliegen "

wtb. Lakchurst, 5. Aug. Dr. Eckener erklärte, die Luftschiff­motoren seien in völlig betriebsfähigem Zustande. Die herr­schenden Winde haben nur einige winzige Löcher in die Hülle gerissen, die leicht auszubessern seien. Die Rückfahrt erfolge vor­aussichtlich int Laufe des Mittwoch.

Erklärungen Dr. Eckeners über die Zukunft der Zeppelinfahrten.

wtb. Lakehurst, 6. Augustst. Dr. Eckener erklärte in einem Interview, er beabsichtige, im nächsten Jahre ein neues Luftschiff zu bauen, das einen größeren Durchmesser und kürzer und schneller als derGraf Zeppelin" sein werde. Das neue Luftschiff werde 8 Motore statt 5 haben, und die Ozeanfahrt werde 12 Stunden weniger beanspru­chen. Es werde 24 Fahrgäste befördern können, werde aber für Frachten unb Post, die mehr bringen als die Passagiere, viel mehr Raum haben. Dr. Eckener sagte zum Schluß, die Entwicklung eines Lufttransportgeschafts, das eine gute Rentabilität hätte, würde mehrere Jahre erfordern. Um die Unkosten zu vermindern, sollten meh­rere Luftschiffe im Dienst sein.

Am Ziel.

Und wieder ist das Ziel erreicht. Wieder hat ein Zeppelin in stolzem Fluge den Ozean überquert und, ein wahrer König im Reich der Lüfte, Friedensbotschaft getragen von Kontinent zu Kontinent. Und alles ist, wie es früher schon war, denn wir haben ja das alles schon freudig miterlebt, und unser Herz schwoll und quoll über vor Glück, weil esunser Schiff" war, das den großen Sieg errungen hatte. Und doch erscheint uns das alles mit jedem neuen Male, da es geschieht, wieder neu, und mit jedem Male werden wir stolzer auf den deutschen Riesenvogel, der mit Adlerschwingen über Länder und Meere, über Tausende von Meilen hinweggleitet zu neuen Welten und eines nicht allzufernen Tages bis zur allerfernsten Thule Kunde bringen wird von deutscher Art und zielbewußtem deutschen Streben.

Es wird ja sicher so sein, daß man einst nicht bei jedem Zeppelinfluge tagelang in schwebender Pein sich bangen, jede einzelne Phase des Weitfluges vom sicheren Port aus sorgenvoll verfolgen und um mehr sich kümmern wird als um Abflug und Ankunft. Denn kommen wird der Tag, an dem die Luftschiffahrt etwas Selbstverständ­liches, Gegebenes sein wird, wie es heute die Seeschiff­fahrt ist. Wer wünscht und erhält wohl heute noch von jedem Schiffe, das ausgefahren ist aus dem Hasen und das sich auf hohem Meere befindet, Tag um Tag bis ins einzelste gehende Nachricht: wo es in diesem und jenem Augenblick weilen mag, ob es über hohe Wellen­berge hinweggetragen oder in tiefste Täler hinein­geschleudert wird, und was ihm begegnen könnte, bis es am Ziele ist und vom Lotsen an die Ankerstelle bugsiert wird? Die Schiffahrtsgesellschaft, um deren Schiff es geht, ist unterrichtet, und wer einen lieben Nächsten auf dem fahrenden Schiffe weiß, verfolgt wenigstens in Ge­danken die Fahrt. Und das ist alles! So und nicht anders wird es gewiß auch sein, wenn einst die Zeppelin­flüge denn dieser Ehrenname wird ihnen sicher bis in die fernste Zukunft bleiben, wie immer das Luftschiff sonst auch heißen mag nicht mehr als etwas Außer­gewöhnliches, Ungewöhnliches und Ungewohntes, sondern als etwas Bestimmtes, Alltägliches, Fahrplanmäßiges in die Erscheinung treten werden. Noch aber ist es so, daß nicht nur dieunmittelbar beteiligten Kreise", sondern mit ihnen auch die übrige Welt das Luftschiff auf seinem ganzen Fluge begleiten und von Stunde zu Stunde, ja am liebsten von Viertelstunde zu Viertelstunde über seinen jeweiligenStandort" unterrichtet sein möchten. Nicht nur diedeutsche Welt", sondern schlechthin die ganze zivilisierte Welt! Funk und Kabel sind in fieberhafter Tätigkeit, um Meldungen in die gespannt aufhorchende Welt hinauszusenden, alle Seewarten verbreiten einzig und allein mit Rücksicht aus das fliegende Schift Nach­richten über die jeweilige Wetterlage, alle Schifte auf den Meeren sind in Alarmbereitschaft und alle Herzen schlagen aufgeregt, als wenn mit dem Schicksal dieses Schiffes ihr eigenes Schicksal verbunden wäre.

Haben wir das nicht auch diesmal wieder erlebt? Es waren nicht immer so pünktlich, wie man das er­warten zu dürfen glaubte, direkte Funknachrichten von dem auf dem Fluge befindlichen Schiffe eingetroffen. Werft und Luftschiffbau waren nicht auf dem laufenden über jede einzelne Tagesstunde der Flugzeit, und sofort verbreiteten sich von irgendwoher weiß man denn je. wo solches entsteht? unbestimmte Gerüchte, die geeignet waren, Zweifel zu erwecken und Sorge uns ins Herz zu säen. Aber auch dieses zeigt, wie sehr wir mit unserem Schiffe verbunden sind, wie sehr wir ihm die Treue be­wahren, wie alles, was diesen Zeppelin angeht, uns selbst, uns persönlich anzugehen scheint. Und jetzt, wo wir wie- der erleichtert aufatmen dürfen, fühlen wir und sagen wir:Nein, du prächtiges Schiff, wir haben nicht an dir gezweifelt, denn wir wußten, daß du ruhig und selbst- sicker trotz Sturm und Gegenwind und sonstiger Fähr- lichkeiten deinen Weg fliegen werdest, nur gebangt haben wird um dich, wie man immer um ein Liebes bangt! Aber nun sind wir froh und glücklich, denn du hast das Ziel wieder erreicht, und wieder sieht die ganze Welt auf dich und auf uns, die wir zu dir gehören!" Z.

Oie Trauerfeier in Waldenburg.

Das Befinden der Verletzten des Waldenburger Grubenunglücks.

Waldenburg, 5. Aug. (W.B.) Wie vom Knappjchafts- Lazarctt mitgeteilt wird, ist in dem Befinden der drei Schwerverletzten der Schlagwetterexplosion keine Ver­schlechterung' eingetreten. Es besteht die Hoffnung, sie am Leben zu erhalten. Die beiden anderen leichter Verletzten befinden sich außerhalb jeder Gefahr.