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Nr. 184 1929 ' ^

Zul-a- und Haunetal -Zul-aer Kreisblatt

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Fulda, Donnerstag, 8. August

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6. Jahrgang

Unfrieden

Der Zwist der Aoung-Gläubiger.

Wirtschaft vor Politik.

Man war darauf vorbereitet, daß auf der Haager Konferenz ein heftiger Streit entbrennen würde um die Q u 0 t e n v e r t e i l u n g der deutschen Reparations­leistungen, und wußte, daß das Abweichen der Sachver­ständigen von dem Verteilungsschlüssel von Spa viel böses Blut gemacht hatte. Daß aber die verschiedenen Meinungen gleich zu Beginn, in den ersten Sitzungen, so kraß aufeinanderprallen würden, wie es geschehen ist, darauf war wohl niemand gefaßt. Der eng­lische Schatzkanzler Snowden zog gleich in scsncr An- trittsrede forsch vom Leder und schlug nach rechts und links aus.

Auf dem Präsidentenstuhl (rechts) der holländische Außen­minister Ionkhcer Beelaerts van Blookland (1). Rechts neben ihm der englische Schatzkantzler Snowden. Links der französische Ministerpräsident Bsriand. Weiter

Zunächst richteten sich seine Ausführungen besonders gegen die Bevorzugung F r a.n k r e i ch s durch die Neuverteilung der Reparationen, dann wandte er sich gegen die Regelung der deutschen Sachlieferungen, auf deren Gefährlichkeit für England er hinwies im Hin­blick auf

die deutsche Konkurrenz auf dem Weltmarkt.

Der Stein war ins Rollen gebracht worden und nachdem England so offen und freimütig seine Wünsche erklärt hatte, folgten in der Dicnstagsitzung die Rumänen, Portugiesen, Italiener, Franzosen, Grie­chen und Jugoslawen mit einer kurzen Skizzierung ihrer Verteilungswünsche. Der Vertreter Deutschlands, Dr. Stresemann, tat deshalb das, was zu tun für ihn m dieser Situation das einzig Gegebene war: er erklärte sich bei diesem Gläubigerstreit zunächst für unbeteiligt und kündigte seine politischen Erörterungen für den Zeit­punkt an, in dem die Diskussionen wieder in das politische Fahrwasser geleitet sein würden.

Die Erklärung Dr. Stresemanns

hatte folgenden Wortlaut: In den verschiedenen Er­klärungen, die hier abgegeben worden sind, sind gegen­sätzliche Meinungen zu wesentlichen Teilen des Young- Planes zum Ausdruck gekommen. Es handelt sich um diejenigen Punkte des Young-Planes, die in erster Linie das Verhältnis der Gläubigerregicrungen untereinander angeht. Ich glaube daher, daß ich mich darauf beschränken kann, mich auf die seinerzeit von der Rëlchsregierung abgegebene Erklärung zu beziehen, nach der Deutschland bereit ist, auf der Grundlage des Young-Planes zur Lösung des Reparations­problems zu gelangen.

Da, wie der Präsident betont hat, unsere General- aussprache sich lediglich auf den Y v u n g - P l a n , nicht aber auf politische Fragen bezieht, kann ich davon ab- sehcn, darauf hinzuweisen, welche politischen Fragen nach Auffassung der deutschen Reichsregicrung mit der Regelung der Rcparationsfragc im Zusammenhang stehen. Ich behalte mir vor, aus diese Fragen zurückzu- tummcn, sobald der wirtschaftliche und der politische Aus­schuß der Konferenz gebildet sind, die ihre Arbeiten gleich­zeitig anfnehmcn werden

Was die Regelung des Young-Planes an belangt, so möchte ich der dringende» Hoffnung Ausdruck geben, daß es dem Finanzausschuß der Konferenz gelingen wird, darüber eine Einigung unter den beteiligten Re­gierungen zu erzielen Die deutsche Regierung wird mit "llen Kräften dahin wirken eine R e g c l n n g z u m A b - schloß zu führe», die, tute der französische Finanz? Minister Chsrun sagte, die Vergangenheit (ionisiert und bie Grundlage eines dauerhaften gute n Verhältnisses zwischen den beteiligten Regierungen bilden kann

im Haag.

Schluß der Generaldiskusston im Haag.

Bildung eines finanziellen und eines politischen Ausschusses.

Mittwoch nachmittag ist im Haag die allgemeine Aus- spräche über den Young-Plan fortgesetzt worden, nachdem eine Privatbesprechung der Vertreter der sechs einladenden Mächte stattgefunden hatte.

Die Sitzung, die den Abschluß der allgemeinen Aus- spräche brachte, wurde vom belgischen Außenminister Hymans mit einer Erklärung eröffnet, in der er seine Anerkennung für die Leistungen der Sachverständigen aussprach. Er wies darauf hin, daß das ganze Werk ein Kompromiß darstelle. Die belgische Regierung habe den Young-Plan als Ganzes angenommen. Er hob her­vor, daß darum aus diesem Plane nichts herausgerissen

links Reichsaußemninister Dr. Stresemann, Reichs­finanzminister Dr. Hilferding, Reichswirtschafts- minister Dr. Curtius, Reichsminister für die besetzten Gebiete Dr. Wirth (2).

werden könne. Wenn man über Einzelheiten verhandeln wolle, müßte man vielleicht auch einen neuen Sachver­stand igsnausschuß einberufen. Hymans kam zu der mit großem Nachdruck ausgesprochenen Schlußfolgerung, daß

der Plan als Ganzes angenommen

werden müßte. Hierauf sprach A d a t s ch i - Japan, der zunächst dieschweren Opfer" Japans erwähnte und so­dann die Erklärung abgab, daß die japanische Regierung den Young-Plan als Basis für die endgültige Re­gelung angesehen haben wolle.

Der amerikanische Vertreter Wilson, der der Sitzung als Beobachter beiwohnte, behielt sich seine im Namen der amerikanischen Regierung abzugebenden Be­merkungen für die finanzielle Kommission vor.

Hierauf wurde die Generaldiskussion geschloffen.

Es folgten dann die geschäftsordnnngsmäßigen Vor­schläge Jaspars. Es wurden

ein finanzieller und ein politischer Ausschuß gebildet. Im finanziellen Ausschuß sollen alle Mächte durch je z w e i D c l e g i e r 1 e vertreten sein. Die finanziellen Probleme, die nur die einladenden Mächte be­treffen, sollen von deren Vertretern allein behandelt wer­den T i 1 u l e s c u , durch Marinkowitsch unterstützt, verlangte Klarstellung, ob die sechs einladenden Mächte gegebenenfalls einen besonderen Ausschuß bilden wollten, worauf fcstgcstellt wurde, daß nur ein Ausschuß gebildet werden solle, bei dessen Arbeiten die Materie nach Inter­essen geteilt werden soll. An den Beratungen, die nur dre Interessen der einladenden Mächte berühren, sollen dre sechs ein geladenen Mächte nicht teil - nehmen. Die politische Kommission besteht gleichfalls aus je zwei Delegierten, jedoch nur der ein­ladenden Mächte. Unterausschüsse für beide Kommissionen sind nach Bedarf voransgcsehen.

S n 0 w den- England schlug unter allgemeiner Zu- stimmung für den Finanzausschuß den belgischen Finanz­minister Baron H 0 n t a r t als Vorsitzenden vor; er nahm die Wahl dankend an. Für die politische Kommission wurde von BriandHenderson als Vorsitzender vor­geschlagen. Auch dieser Vorschlag wurde angenommen.

Dein Generalsekretär Sir Manrice Hankey sollen möglichst bald die Ramen der von den einzelnen Machten zu ernennenden Delegierten bekanntgegeben werden. Die Vorsitzenden der beiden Ausschüsse zählen als Delegierte nicht mit. Die erste Sitzung der beiden Ausschüsse ist aus Donnerstag nachmittag vier Uhr anberaumt worden.

Die Konferenz und die Königin Wilhelmine.

Höflicher T e l eg r a m m w e ch s e l.

In der Mittwochsitzung der Haager Konferenz las der belgische Ministerpräsident Ja spar als Vorsitzender der Konferenz ein Telegramm der Königin der Niederlande

Kleine Zeitung für eilige Leser.

*Graf Zeppelin" ist heute morgen zum Rückfluge nach Friedrichshafen gestartet.

* Auf der Haager Konferenz unternahm der englische Skbatz- kauzlcr Inowden einen heftigen Vorstoß gegen den Ver- teilungsplan des Young-Planes, der auch die anderen Gläu­bigerländer zur Opposition anregte,

* In Mecklenburg-Schwerin hat die Wohnungszwangswirt- schafl eine weitere Lockerung erfahren.

* Die baverische Staatsregierung erklärt, daß zu Befürch- luitgen wegen einer vollständigen Abschließung des Eibsees kein Anlaß bestehe.

* In Orly (Frankreich) begann Mittwoch der Europarund­flug, an dem 18 deutsche Flugzeuge beteiligt sind.

vor. Im Namen aller Delegierten der Konferenz hatte Ja spar an die Königin Wilhelmine das fol­gende Telegramm gerichtet:Dankbar für die liebens­würdige Gastfreundschaft, die ihr im Haag geboten wird, bittet die Konferenz Ew. Majestät, ihre ehrfurchtsvollen Grüße entgegenzunehmen."

Die Antwort der Königin lautete:Ich bin glücklich, n meiner Hauptstadt die Internationale Konferenz zu- ammentreten zu sehen und bitte Ew. Exzellenz der Kon- erenz für die Gefühle, die in Ihrem liebenswürdigen Telegramm ausgedrückt sind, meinen Dank zu über­mitteln."

Französische Blätterstimmen über die Haltung Briands auf der Haager Konferenz.

wtb. Paris, 8. Aug. Zum gestrigen Beschluß der Haager Konferenz, zwei Ausschüsse einzusetzen, schreibt der Sonderbe­richterstatter desM a t i n, es sei klar, daß Briand dadurch, daß er einwillige, sich mit politischen Fragen, also mit der Rheinlandfrage, beschäftige, bevor die Annahme des Young- planes gewährleistet sei, in keiner Weise der deutschen These recht gebe, wonach die Räumung ein absolutes Recht sei. Aber durch diese Methode gewinne man Zeit, man verschaffe Strese­mann die Gelegenheit, seine These vollkommen auseinanderzu­setzen, und falls der Finanzausschuß zu einem Ziele käme, würde die Arbeit zur Lösung des Räumungsproblems bereits Fortschritte gemacht haben.

Der im Haag weilende Außenpolitiker desEcho de Paris". schreibt; Sie finanziellen und politischen Fragen wurden nunmehr parallel verfolgt und gleichzeitig in Angriff genommen. Man könne jetzt voraussehen, daß Briand durch eine rasche Räumung des Rheinlandes nicht etwa die Anwen­dung, sondern die bloße Annahme des Youngplanes erkaufen müsse. Er habe einen großen Fehler begangen, und man be­merke leider nicht das geringste Anzeichen für ein Wieder­ausgleichen dieses Fehlers. Der Fehler könne die Lösung zu der die Haager Konferenz gelange, beherrschen. Man begreife nicht die Schwäche Briands im Vergleich zu den Auffassungen, die er und die ihm nahestehenden Persönlichkeiten noch am Tage zuvor entwickelten. Nach einem Hinweis darauf,. daß private Unterredungen zwischen Briand und Siresmann auch über die Saarfrage statffinden, schließt der Korrespondent mit der Bemerkung, im Haag erkläre man einmütig, bei einem Poincars würden die Dinge nicht diesen Verlauf nähmen.

Der Korrespondent desPetit I 0 u r n a l" schreibt, nie­mand denke daran, England überstimmen zu wollen. Die eng­lische Regierung denke ebenso wenig daran, die Verantwortung für die Zerstörung des Sachverständigenplanes zu übernehmen. Es sei noch zu früh, um genauere Angaben über die möglichen Lösungen zu machen, aber im Haag glaube jeder an einen Ver­gleich.

Der Sonderberichterstatter desJournal" im Haag er­klärt, die Engländer begnügten sich diesmal mit der Festell ung ihrer Isolierung. Hoffentlich verständen sie die Lehre und richteten sich danach. Ihre Isolierung sei in der Tat voll­ständig. Da sei die entscheidende Tatsache des gestrigen Tages.

Der VersaffungStag in Bayern.

München. In einer Bekanntmachung der sämtliche« Staatsministerien wird angeordnet, daß am Berfaffungstage die Staatsgebäude und die Gebäude der Hochschulen sowie der staatlich verwalteten Anstalten und Stiftungen in den Landes färben zu beflaggen sind. Den staatlichen Beamten, Angested- ten und Arbeitern ist zur Teilnahme an Vcrfaffungsfeicrn auf Ersuchen Dienstbcfreiung zu gewähren, soweit cs die dienst­lichen Verhältnisse Anlassen.

Italienischer Flottenbesuch in Danzig.

In ben Hasen von Danzig lief ein Geschwader italienischer Kriegsschiffe ein, das sich auf einer Reise durch die Ostsee befindet.