Zulöaer Mzeiger
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Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg
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Nr. 191 - 1929
Fulda, Freitag, 16. August
6. Jahrgang
Rund um die Erde.
„Graf Zeppelin" Wer Rußland.
An Betriebsstoff befinden sich 9000 Kilogramm Benzin, 25 000 Kubikmeter Triebgas und 1500 Kilogramm Sl an Bord. Die Traggaszellen des Luftschiffes sind mit etwa 70 000 Kubikmeter Wasserstoffgas gefüllt. Für die Sicherheit der Fahrgäste aus der weiten Reise ist auf das gewissenhafteste durch Mitnahme von verschiedenen Ret- tungsgeräten Vorsorge getroffen worden. ,
20 Passagiere an Bord.
Die Zahl der Passagiere für den Flug nach Tokio ist auf 20 beschränkt geblieben, da die Bemühungen der Japanerin Kitamura, mitgenommen zu werden, ergebnislos geblieben sind. Lady Drummond- Hays Ruhm, als einzige Dame die Weltfahrt mitzumachen, ist also nicht geschmälert worden. Der bisher ungenannte 20. Passagier des Luftschisfes ist ein Schweizer und zwar der ehemalige Generalstäbler und Großkaufmann I s e l i n - Z ü r i ch. Er ist bereits 60 Jahre alt und somit der älteste Fahrgast auf der Weltfahrt. Er ist einer der wenigen Fahrgäste, die rein aus persönlichem Interesse die Fahrt mitmachen.
Der Weltreklamekongreß
begrüßt den »Graf Zeppelin^.
Mit lebhaftem Beifall wurde während der Donnerstagsitzung des Weltreklamekongreffes die Mitteilung ausgenommen, daß an Dr. Eckener folgender Funkspruch ergangen sei:
„Die Schlußsitzung des Wcltreklamclongresscs Berlin 1929 erfuhr eine Unterbrechung, köstlich für alle Teilnehmer, als das deutsche Luftschiff „Graf Zeppelin" im Strahlenglanz seiner Schönheit über uns hinzog. Wir grüßen den „Graf Zeppelin" und das Werk seines Führers, das einen Teil der gleichen weltumfassenden Arbeit driftet, von der auch wir einen Teil leisten, die Arbeit zur Vertiefung des Verständnisses unter allen Völkern der Erde. Wir grüßen den „Graf Zeppelin" als einen Bot- schaftcr des guten Willens über die ganze Erde hin und wünschen von Herzen gute Fahrt dem erprobten Schiff, seinem Führer, seinen Offizieren, Mannschaften und allen Mitreisenden. Der Jubiläumskongretz."
Das Zeppelinluftschiff in Amerika patentiert.
Das amerikanische Patentamt genehmigte den im November 19 2 2 eingereichten Antrag Dr. Eckeners auf Erteilung eines Patents an den Luftschiffbau Zeppelin G. m. b. H. für ein starres Luftschiffs mit getrennten Gaszellen.
Die Fahrt.
Das. Luftschiff „Graf Zeppelin" über Stettin.
Stettin, 15. Aug. (WB.) Das Luftschiff „Graf Zeppelin" erschien um 12.08 Uhr über Stettin und flog in schneller Fahrt in nordöstlicher Richtung weiter.
„Graf Zeppelin" über Danzig.
Danzig, 15. Aug. (WB.) Der „Graf Zeppelin" erschien um 14.55 Uhr von südwest kommend, vom Sirenengeheul der im Hafen liegenden Dampfer begrüßt, über der Stadt Danzig, beschrieb in langsamer Fahrt einen Bogen und verschwand dann in Richtung ostnordost. Das Luftschiff, das einen prächtigen Anblick bot, war 10 Minuten lang zu sehen.
„Graf Zeppelin" über Königsberg.
Königsberg, 15. Aug. (MB.) Der „Graf Zepplin" kam wenige Minuten vor 4 Uhr nachmittags aus östlicher Rich- tung hier an. Das Luftschiff, das von vier Flugzeugen umkretst wurde, befand sich um 4 Uh Uber dem Zentrum der Stadt wo es überall jubelnd begrüßt wurde. Nachdem das Luftschiff eine Schleife ausgeführt hatte, nahm es Richtung auf die russische Grenze und entschwand um 4.30 Uhr den Blicken.
Gruß der Stadt Königsberg an „Graf Zeppelin".
Königsberg, 15. Aug. (WB.) Die Stadt Königsberg sandte folgenden Funkspruch an den „Graf Zeppelin": Die Hauptstadt der vom Vaterland abgeschnürten Provinz Ostpreußen grüßt den „Graf Zeppelin". Wir huldigen dem Werke, seinem Heimgegangenen Erfinder, den Männern, die es weiter führen, an ihrer Spitze dm Kommandanten Dr. Eckener. Allen Teilnehmern an der Weltfahrt unseren Gruß. „Graf Zeppelin" verbinde uns mit dem Vaterland. Er befeuert mächtig unseren Willen, mit ihm wieder vereinigt zu werden. Wir danken für sein Erscheinen über unserer Stadt. Unsere Wünsche und unsere Hoffnungen begleiten ihn auf seiner Weltfahrt. Durch zähe Arbeit zum Ziel.
Stadt Königsberg, Oberbürgermeister Dr. L 0 h m e y e r."
„Graf Zeppelin" über Tilsit.
Tilsit, 15. Aug. (WB.) Das Luftschiff „Graf Zeppe- kam in Tilsit um 5 Uhr am westlichen Horizont in Sicht und flog bei bewölktem Himmel und völliger Windstille und niedriger Höhe in langsamer Fahrt über die Stadt, die es in östlicher Richtung wieder verließ, um nach Memelland zu fliegen. Das Schiff entschwand um 5.25 Uhr den Blicken der Zuschauer, die auf Dächern und Plätzen sich angcsammelt hatten und dem Luftschiff begeistert zujubelten. Von sämtlichen Kirchtürmen läuteten die Glocken, während die Zellstoffabrik ihre Dampfsirenen heulen ließ.
wtb. Berlin, 16. Aug. „Gras Zeppelin" überflog gestern mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 120 Km. Litauen in nordöstlicher Richtung. Die Fahrt war durch den Wind begünstigt.
Das Luftschiff befand sich um 18 Uhr über Seredziai, um 19.30 Uhr passierte es die litauisch-lettische Grenze, um 20.10 Uhr war es über Kreslawka, etwa 40 Km. östlich Dünaburg, 10 Minuten später überflog es die lettisch- russische Grenze, um 21 Uhr war es nördl. Polezk (Gouvernement Witebsk) und flog in Richtung Moskau.
wtb. Hamburg, 17. Aug. Die Hamburg-Amerika- Linie teilt mit: Das Luftschiff „Graf Zepplin" befand sich um 1.05 Uhr me. Z. über Wischnij-Wolotschek (Gouvernement Twer).
Der Gedächtnislranz auf dem „Graf Zeppelin".
Zu Ehren der in russischer Erde ruhenden Deuffchen wird vom „Graf Zeppelin^ ans über einem sibirischen Kriegs- gefangenenfriedhof ein Kranz abaeworfen werden, dessen Schleife in deutscher und in russischer Sprache die Aufschrift trägt: „Unsern in russischer Erde ruhenden Kameraden. Vereinigung ehemaliger Kriegsgefangener in Sibirien — Breslau."
Keine Uebersliegung Moskaus.
wtb. Moskau, 16. Aug. Ein Funkspruch des „Graf Zeppelin" teilt mit, daß das Luftschiff wegen ungünstigem Wetter nördlich Moskau abgebogen sei.
„Graf Zeppelin" über Nordrutzland.
wtb. Hamburg, 16. Aug. Nach einem bei der Hamburg- Amerika-Linie eingegangenen Funkspruch des Luftschiffes „Graf Zeppelin" befand sich der Zeppelin heute früh 5 Uhr (MEZ.) etwa 100 km östlich der Stadt Wologda im nordrussischen Gouvernement Wologda. An Bord ist alles wohl.
Japan und die Fahrt des „Graf Zeppelin".
Aus Tokio wird gemeldet: Der Aufstieg des Luftschiffes „Graf Zeppelin" zur Fahrt nach Tokio hat größtes Interesse in der japanischen Oeffentlichkeit erweckt. Seine Fortschritte werden in den Blättern an hervorragender Stelle gemeldet. Es sind offizielle und sonstige Empfangs- Feierlichkeiten vorbereitet.
Der russisch-chinesische Konflikt.
Unklare Lage.
Wie aus Tokio gemeldet wird, ist man dort auf Grund der aus der Mandschurei eingetroffenen Berichte der Ansicht, daß die Nachrichten über den Beginn der russisch-chinesischen Feindseligkeiten u n b e g r ü n d e t sind. Auch von Moskau werden die Gerüchte über die Er- öffnung der Feindseligkeiten an der russisch-chinesischen Grenze durch russische Truppen amtlich in Abrede gestellt. Es handele sich nur um die Verfolgung von Ban- den, die die Grenze wiederholt überschritten hätten. Am 8. und 9. August hätten chinesische Banden die Grenz- überschritten, seien aber von der russischen Grenzwache zurückgeschlagen und verfolgt worden. Die chinesischen Grenztruppen wurden von diesem Vorgehen russischersetts recktzeitia in Kenntnis aeietzt.
wtb. London, 16. Aug. Eine Meldung aus Tokio besagt: Hier eingetroffene Meldungen bestätigen, daß es an der russisch-chinesischen Grenze zu Scharmützeln kommt, aber nach amtlicher Auffassung ist diesen Dingen keine größre Bedeutung beizumessen. Gut unterrichtete Kreise glauben, die Schwierigkeiten werden dadurch beendet werden, daß China in wesentlichen Punkten nachgibt.
Chinesische Mobilisierung an der sibirischen Grenze?
wtb. London, 16. Aug. Wie Reuter aus Mulden berichtet, soll auf Anweisung der Nanking-Regierung der Gouverneur der Mandschurei, Tschanghsüliang, gestern abend den Befehl gegeben haben, 60 000 Mann an der sibirischen Grenze zu konzentrieren. 300 russische Seeleute, die zwei kleine Städte am Sundarifluß besetzt hatten, sind von chinesischen Truppen vertrieben worden. 6 Russen und 2 Chinesen wurden getötet.
Abermals Genf.
Zur bevorstehenden Tagung des Völkerbundes.
Noch ist die Haager Tagung nicht zu Ende, und man beschäftigt sich schon sehr eifrig mit dem, was vermutlich auf der Anfang September in Genf beginnenden Vollversammlung des Völkerbundes geschehen wird. Bisher standen, wenigstens seitdem Deutschland im Völkerbünde ist, die Fragen dabei im Vordergründe des Interesses, die sich mit der endgültigen Liquidierung des Weltkrieges befassen. Trotzdem es sich dabei meistens um keine direkte Angelegenheit des Völkerbundes selbst handelte, weil die Regelung zwischen den ehemaligen Kriegsgegnern zu erfolgen hatte, so bildeten diese Ver- Handlungen doch immer das Kernstück der ganzen Tagung. Wenn es im Haag gelingt, den Aoung-Plan unter Dach und Fach zu bringen und damit für einige Zeit eine etwas ruhigere Atmosphäre in Europa und damit der ganzen Welt zu schaffen, dann dürfte über das Thema der Rheinlandräumung und der Reparationsfrage in Genf wohl kaum viel mehr geredet werden. Trotzdem bleibt aber noch eine ganze Reihe von Fragen zu erledigen, zumal die jetzt im Haag versuchte Regelung, wenn sie auch eine endgültige sein soll, eine ganze Reihe von Lücken aufweist.
Daß die bevorstehende Völkerbundtagung trotzdem für außerordentlich wichtig gehalten wird, geht wohl schon daraus hervor, daß der neue englische Ministerpräsident Macdonald die englische Delegation diesmal selbst führen wird. Ob Reichskanzler Müller nach Genf fahren wird, läßt sich zurzeit noch nicht überblicken. Sein Gesundheitszustand hat sich ja sehr gebessert. Aber es ist immerhin möglich, daß die noch erforderliche Schonung es ihm verbietet, sich sofort wieder voll in das politische Getriebe zu begeben. Die Haager Tagung sollte ja auch schon in ihrer Bedeutung durch die Anwesenheit aller in Frage kommenden Ministerpräsidenten unterstrichen werden. Vermutlich will man jetzt versuchen, das für den Haag Versäumte nachzuholen. Für Frankreich ist die Sache insofern nicht allzu schwierig, da Herr Briand ja neben dem Außenministerium auch gleichzeitig das Ministerpräsidium innebat.
Sollten diesmal Reparations- und ähnliche Fragen aus der Völkerbundsdebatte ausscheiden, so bleibt doch unser Interesse an den Verhandlungen recht groß. Wir erwarten vor allen Dingen eine endgültige Lösung der Minderheitenfrage, in der man sich bekanntlich auf der Madrider Ratstagung vorläufig auf ein Provisorium einigte. Es ist anzunebmen, daß Herr Stresemann diese ganze Frage in ihrem vollen Umfange aufrollt und dabei noch einmal den deutschen Standpunkt unterstreicht, daß die Beschwerden der Minderheiten schnell erledigt und deshalb einem ständigen Minderheitenausschuß unterbreitet werden. Denn die bisherigen Beschlüsse lassen alles beim alten. Wie nötig aber gerade eine baldige restlose Regelung der Minderheitenfrage ist, zeigen die vielen Beschwerden der Deutschen, die noch immer aus Polen und auch aus der Tschechoslowakei in Genf eingehen. Leider bietet sich keine Handhabe, auch für die deutsche Minderheit in S ü d t i r 0 l etwas zu tun. Aber vielleicht läßt es sich in diesem Zusammenhänge doch erreichen, daß Italien etwas ins Gewissen geredet wird. Denn es kann nicht dazu beitragen, das Verhältnis zu Italien allzu freundschaftlich zu gestalten, wenn man sehen muß, wie ein so treudeutscher Stamm, die Südtiroler, trotzdem stets ihre loyale Gesinnung gegenüber Italien dokumentiert wird, um ihr Volkstum gebracht und damit entwurzelt werden sollen.
Von besonderer Bedeutung dürfte die Völkerbundstagung auch dadurch werden, daß endlich das Verhältnis zu den südamerikanischen Staaten wieder geregelt wird. Ein Teil von ihnen steht noch immer grollend abseits. In Argentinien ist zwar beschlossen worden, sich wieder dem Völkerbünde anzuschließen, oder, besser gesagt, die Mitarbeit wiederaufzunehmen. Prakttsche Schritte in dieser Hinsicht sind jedoch noch nicht von Buenos-Aires aus unternommen worden. Einzig Peru hat seinen Wiederanschluß feierlich bekundet und gleichzeitig bekanntgegeben, daß es seinen Pariser Gesandten zum Völker- bundskommissar ernennen wird. Es ist möglich, daß dieses Beispiel auf die anderen südamerikanischen Staaten nicht ohne Eindruck bleibt. Diese haben übrigens auch ein Interesse daran, diesmal ziemlick zahlreich vertreten zu sein, steht doch eine Reihe von Wahlen für nichtständige Ratsmitglieder bevor, bei denen Lateinamerika, wenn es bei seiner bisherigen Haltung bliebe, leicht zu kurz kommen könnte. Deutschland hat den Wunsch, daß der südameri- kanische Einfluß im Völkerbund gestärkt wird, und würde es begrüßen, bald wieder ganz Südamerika in Genf vertreten zu sehen.
Wann darf die Polizei schietzen?
In einem demnächst erscheinenden Runderlaß des preußischen Innenministers sind in Ergänzung des Rund- erlasses vom 11. Juli v. I., der den Gebrauch der Schuß- waffe bet der Polizei neu regelte, eine Reihe von Bestimmungen erschienen, die das Waffengebrauchsrecht bet Polizeibeamten für bestimmte Fälle ihrer Verwendung, z. B. im Gefängnisdienst, bei Gefangenentransporten und im Grenzaufsichtsdienst regeln. Wie hierzu verlautet, handelt es sich nicht um eine Neuregelung, sondern um eine Angleichung der Waffengebrauchsbestimmungen der Polizei an die Bestimmungen, die für die Beamten gleicher Verwendungsart innerhalb anderer Ressorts (z. B. die Strafanstaltsbeamten der Justizverwaltung, die Zollbeamten der Reichsfinanzverwaltung) schon seit längerer Zeit besteben.