Zulöaer Anzeiger
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Nr. 192 — 1929
Fulda, Samstag, 17. August
6. Jahrgang
Die Hälfte der Strecke Friedrichrhafen-Tokio zurückgelegt.
Sas Lilstschiff überfliegt den Ural.
Moskaus Enttäuschung-
In der Nacht zum Freitag teilte Dr. Eckener der Moskauer Gesellschaft der Freunde der Luftflotte in einem Funkspruch mit, daß das Luftschiff wegen der ungünstigen Wetterlage seinen Kurs ändern müsse und Moskau nicht ansteuern werde. Die Enttäuschung bei den Moskauern war groß, da bis tief in die Nacht hinein Menschen
Der Flugweg des „Graf Zeppelin" bis vormittags 10 Uhr des 16. August. Die ge. strichelte Linie gibt die ursprünglich beabsichtigte Route an Augenscheinlich hat ein Schlechtwettergebiet das Luftschiff zu weitem Ausweichen nach Norden genötigt.
mengen auf den Straßen und Plätzen gewartet hatten, um das Luftschiff zu sehen. Erst gegen drei Uhr morgens zerstreute sich die Menge.
Freitag früh wurde dann nach Moskau gemeldet, daß der „Graf Zeppelin" um 8 Uhr 15 mitteleuropäischer Zeit etwa 200 Kilometer nördlich von Perm gesichtet worden sei. Er fliege mit einer durchschnittlichen Stundengeschwindigkeit von 130 Kilometern in ostnordöstlicher Richtung auf den Ob zu. Und kurz darauf kam die Nachricht, daß das Luftschiff
den Ural überflogen habe.
Zwischen %10 und 10 Uhr vormittags sei cs in einer Entfernung von etwa 80 bis 100 Kilometern nördlich von der Funkstation Nadeshdinsk gesichtet worden. Das Wetter sei um diese Zeit günstig gewesen, über die Wctterverhältnisse in Sibirien erhält das Luftschiff Meldungen von der Wetterstation in Turm- ck a n f k.
Der Ständort des „Graf Zeppelin".
Hamburg. Wie die Hambürg-Amerika-Linie mitteilt, befand sich das Luftschiff „Graf Zeppelin" um 16 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf 60 Erad nördlicher Breite 64 östlicher Länge. An Bord des Luftschiffes ist alles wohl. „Graf Zeppelin" hat somit den Ural bereits überflogen und befindet sich über Sibirien, etwa 200 Kilometer von Ob entfernt.
wtb. Friedrichshafen, 17. Aug. Um 21 Uhr befand sich Luftschiff „Graf Zeppelin" etwa 400 km nördlich der Stadt Tara an der Irtysch auf 61.3 Grad nördlicher Breite Grad östlicher Länge, um 24 Uhr auf 68 Grad nördlicher -Breite und 80 Grad östlicher Länge.
Rußland in China einmarschieri.
Wo bleiben die Kellog-Mächte?
. Nach in Schanghai eingetroffenen Nachrichten sind die Aussen in chinesisches Gebiet einmarschiert. Der chinesische Gesandte in Washington wurde beauftragt, die Unter« Hühner des Kellogg-Paktes davon in Kenntnis zu setzen, Rußland die Feindseligkeiten begonnen hätte, während Ehina dazu entschlossen sei, nach dem Geist des Paktes zu bandeln.
Der chinesisch-russische Konflikt.
Moskau, 16. Aug. (WB.) —Telegr.-Agentur der Sow- Ktunion. — Nach Meldungen aus Charbin veröffentlicht hie Verwaltung der Ostchina-Bahn eine amtliche Erklärung, M sic infolge finanzieller Schwierigkeiten die Entlohnung v^r entlassenen Sowjetangestellten nicht durchführen könne, ^ie Masseniverhaftungen unter den Sowjetbürgern halten an: bei Charbin ist ein Konzentrationslager für die Verhaf- teten eingerichtet worden. In Charbin ist die Zensur ein« Geführt worden: Drahtberichte von Auslandskorresponden- ^ii werden teilweise zurückgehalten.
wtb. Moskau, 17. Aug. Beim Ueberfliegen von Kise- lowskij warf „Graf Zeppelin" um 17.30 Uhr einen Postsack SBofttarten mit folgender Aufschrift ab: „Die ungünstigen Winde nötigten Dr. Eckener, von einer lleberfliegung Moskaus abzusehen, da sonst eine Fahrtverzögerung von 8—10 Stunden eingetreten wäre.
wtb. Friedrichshafen, 17. Aug. (1.30 Uhr früh.) Die Funkstation der Friedrichshafener Werft hat die funkentelegraphische Verbindung des „Graf Zeppelin" bis zur
Stunde verfolgen können. Auch konnte heute nacht die Verbindung, wahrscheinlich mit sowjet-russischen Stationen, mit gehört werden.
wtb. Newyork, 17. Aug. Hier vorliegenden Meldungen zufolge befinbet sich „Graf Zeppelin" 450 km nordöstlich von Tomsk und hat somit die Hälfte der Strecke Friedrichshafen—Tokio zurückgelegt. Man nimmt an, daß das Luftschiff das nördliche Ende des Baikal-Sees überfliegen wird.
Japanische Hilfsstellung für ^Graf Zeppelin^.
Wie aus Tokio berichtet wird, sind die Flottenstationen Nokosuka, Maizuru und Ominate vom japanischen Marineministerium angewiesen worden, Kriegsschiffe bereitzuhalten, die dem Zeppelin zu Hilfe eilen sollen, wenn er während seines Fluges über dem Meer in Schwierigkeiten geraten sollte.
Amerika und Zeppelinbau.
Newyork, 16. Aug. (WB.) Die Stadt Lakewood (New Persey) hat der Hamburg-Amerika-Linie ein 1 000 Hektar großes Gelände für ein Landungsfeld des „Graf Zeppelin" angeboten. Lakewood wäre dann der östliche Endpunkt der geplanten Transatlantsk-Passagier-Linie. Das Angebot erfolgte in Telegrammen an die Hamburg- Amerika-Linie, den Zeppelin-Luftschiffbau, an Dr. Eckener und Commanoer Rosendahl. Die Drahtung an den Luftschiffbau lautet:
Wir erfahren, Ihre Gesellschaft erwägt die Errichtung einer Luftschiffstation in Amerika. Sie werden ernstlich eingeladen, die geplante Station Lakewood zu errichten. Ein angemessenes Gelände steht zur Verfügung.
Chinesisch-russische Spannung.
Nach in London vorliegenden Meldungen aus Mand- schuli hat eine aus Kavallerie und Artillerie bestehende Truppenabteilung in Stärke von etwa 700 Mann einen Angriff auf die 35 km südwestlich von Mandschuli an der oftchinoftschen Bahn gelegene Eisenbahnstation Iarainor unternommen. Die Chinesen erwiderten das Feuer der Angreifer. Es gab Verwundete, darunter 10 Zivilisten.
Grohfeuer in Mainz.
wtb. Mainz, 17. Aug. Gestern abend gegen 10 Uhr brach aus bisher ungeklärter Ursache in der Cellulosefabrik Mainz-Kost- Heim in einer mit Fertigwaren gefüllten Lagerhalle ein Brand aus, der auf die Turbinenhalle, den Maschinenraum, mehrere Lagerschuppen und das Bllrohaus Übergriff. Der Berufsfeuerwehr gelang es, mit Hilfe aller freiwilligen Feuerwehren der Umgegend nach mehrstündiger Löscharbeit den Brand zu lokalisieren. Die Turbinenhalle wurde vor der Zerstörung bewahrt, b^r Mafchincnraum und mehrere Lagerhallen sowie das Büro- yaus brannten fast vollständig nieder. Der Schaden ist sehr bedeutend, doch größtenteils durch Versicherung gedeckt. Der Betrieb dürfte eine mehrtägige Unterbrechung erfahren.
Der Rhein-Mainische Negionalplanungs-
Verband.
Frankfurt a. M., 15. August.
Ueber die Bedeutung der vor kurzem erfolgten Gründung eines Rhein-Mainischen Regionalplanungsverbandes macht Stadtrat May-Frankfurt a. M. in der neuesten Nummer der „Mitteilungen der Industrie- und Handelskammern" u. a. folgende Ausführungen: Nachdem sich bereits in Oberschlesien und Mitteldeutschland im Ruhrgebiet sowie um die Städte Düsseldorf und Köln Verbände gebildet haben, um die Planung der gemeinsamen Aufgaben größerer Wirtschaftsbezirke durchzuführen haben sich neuerdings auch die bedeutendsten Städte des Rhein-Mainischen Wirtschaftsbezirkes zu einem Regionalplanungsverband zusammengefunden. Es werden zunächst die Städte Frankfurt a. M., Wiesbaden, Mainz, Darmstadt, Offenbach, Hanau, Aschaffenburg, Bad Homburg, Friedberg und Bad Nauheim mitwirken. Ein solcher Zusammenschluß muß in diesem Gebiete deshalb von besonderer Bedeutung sein, weil sich hier die politischen Grenzen nicht mit den wirtschaftlichen decken. Preußen, Hessen, Baden und Bayern haben Anteil an dem Rhein-Mainischen Bezirke. Eine gemeinsame Verständi- Süber eine zwischengemeindliche Regelung zwschen den en und Kreisen des Gebiets kann daher nicht durch Vermittlung übergeordneter Instanzen herbeigefühlt werden, sondern lediglich ourch die Initiative der unmittelbar beteiligten kommunalen Verbände. Gerade bei den Städten ist für eine solche Zusammenarbeit der Boden bereitet, weil sie in fortgesetzter Bemühung mit den praktischen Alltagsfragen am eigenen Gemeindekörper die zwingende Notwendigkeit zu einer Verständigung über gemeinsame Fragen ständig verspüren und wissen, daß ein Neoeneinanderarbeiten sie mit finanziellen Ausgaben belastet, die durch eine Verständigung erheblich verringert werden könnten. Hierbei ist insbesondere an eine gemeinsame Behandlung der Verkehrsfragen gedacht, z. B. an die so überaus wichtige Schiffung von Schnellverkehrsstraßen für den Automobilverkehr, wie wir sie bereits in manchen Ländern in weit fortgeschrittenerem Maße vorfinden. Gedacht ist auch an die Schaffung von Flugplätzen, die Freihaltung von Verkehrsbändern für eine eventuelle Erweiterung oder Aenderung des Eisenbahnnetzes in dem behandelten Gebiet, wobei mit den zuständigen Eisenbahnbehärden entsprechende Fühlung zu nehmen ist. Selbstredend wird sich das Tätigkeitsgebiet dësRegi- onalplanungsverbandes nicht auf diese Gebiete beschränken, drängen doch gemeinsame Interessen der Handels- und Wirtschaftspolitik, der Verkehrs- und Wirtschaftsprooaganda ebenso nach einer großzügigen Zusammenfassung, wie die Fragen der wirtschaftlichen Deckung gemeinsamer Kulturbedürfnisse. Eine der wichtigsten Aufgaben eines Regionalplanungsverbandes wird es sein müssen, das gesamte Plan- und statistische Material eines Bezirks zu sammeln, Untersuchungen über die Wohnungs- bedürfnisse, die Belange der Industrie-Ansiedlung, die Schaffung von Grünflächenzonen für Erholung, sowie für Landwirt- chaft und Gärtnerei anzustellen. Von großer Bedeutung ist die gemeinsame Behandlung und planmäßige Bearbeitung von tragen der Kraftbeschaffung und -Verteilung. Sieht man die Folgen des heutigen Nebeneinanderarbeitens benachbarter Städte mit an, die für einen Bereich, in dem ein Grosstanten« Haus genügte, deren zwei oder drei erreichten, die dann zu teilweisem Leerlauf verurteilt bleiben, bedenkt man. wie für ein kleines Gebiet, für das eine Kunstschule oder Kunstgewerbeschule ausreichte, zwei oder mehrere Anstalten sich in gegenseitigem Wettbewerbe das Leben erschweren, denkt man an die Möglichkeit einer gemeinsamen Regelung von Theater- und Ausstellungsfragen, so ist damit nur angedeutet, in welch segensreicher Weise sich ein Planungsverband über rein wirtschaftliche Belange hinaus betätigen könnte.
Die Tagung deutscher Auslandslehrer in Darmstadt.
Darmstadt, 16. Aug. Zum drittenmal versammeln sich frühere und jetzige Auslandslehrer und -lehrerinnen, soweit sie sich z. Z. in Deutschland auf Urlaub befinden, in der hessischen Landeshauptstadt zu wichtigen beruflichen, organisatorischen und wirtschaftlichen Besprechungen. Staatsrat Block, der Gründer und erste Vorsitzende des Vereinsverbandes deutscher Auslandslehrer und -lehrerinnen leitet auch diesmal die Tagung. Vor Wei Fahren fand auf seine Veranlassung zum erstenmal eine Zusammenkunft von Äuslandslehrern in Darmstadt statt, bei der sich der einmütige Wunsch ergab, solche Tagungen zur ständigen Einrichtung werden zu lassen. 1928 wurde demgemäß auf einer zweiten Tagung in Darmstadt der Vereinsverband gegründet, der nun bei seiner dritten Tagung zum erstenmale seine Versammlung in Anwesenheit der Spitzen von Stadt und Staat abhält. Die diesjährige Tagung beginnt mit zwei Vorver- fammlungen am 22. und 23. August. Am Nachmittag des 23. August findet die Hauptversammlung in Anwesenheit des Staatspräsidenten statt, wobei namhafte Redner über das Auslandsschulwesen sprechen werden. Mit der Tagung verbunden ist eine Ausstellung neuester pädagogischer Literatur. Am 24. August findet eine Festsitzung statt. Mit einer Besichtigungsreise nach dem Deutschen Auslandsinstitut in Stuttgart am 25. August schließt die Tagung wirkungsvoll ab.
Einbruch in eine Ortskrankenkasse
Ein 2 Zentner schwerer Kassenschrank entführt und erbrochen.
Alzey, 16. Aug. Als heute früh die Beamten der hiesigen Ortskrankenkasse ihren Dienst antreten wollten, bemerkten sie, daß die Büroräume in der Nacht von Einbrechern heimgesucht worden waren. Die Schreibtische der Angestellten waren erbrochen und daraus etwa 200 Mark privater Gelder verschwunden. Anscheinend war den Dieben diese Ausbeute zu gering erschienen, denn auch der zwei Zentner schwere Kassenschrank war verschwunden. Die Diebe haben ihn zunächst auf den Hof transportiert. Dort bemühte man sich vergeblich mit seiner Oeff- nung. Die Einbrecher haben dann von einer nahen Straßenbaustelle einen Handwagen geholt. Dann wurde der Schrank aufgeladen und in Richtung Kettenheim die Wormser Straße entlang abgefahren. Der dort am Bahnübergang stationierte Schrankenwärter hat in der Frühe zwei Männer mit einem Handwagen beobachtet und der Polizei Meldung gemacht. Als man das Gelände kurz hinter dem Bahnübergang absuchte, fand man den Kassenschrank erbrochen und seines Inhalts beraubt vor. Er enthielt einen Betrag von etwas über 300 Mark. so daß den Einbrechern insgesamt 500 Mark in die Hände gefallen sind.