Zulöaer Anzeiger
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Nr. 193 — 1929
Fulda, Montag, 19. August
6. Jahrgang
„Gras Zeppelin" in Tokio gelandet.
Tokio, 19. August. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" landete nach mehrstündigem Kreuzen über der Stadt um 7,27 Uhr abends (11.27 Mez.)
Man erwartet den Zeppelin.
Große Festlichkeiten geplant.
Die gesamte japanische Bevölkerung erwartet mit Spannung das Luftschiff „Graf Zeppelin", zumal, im-, mehrere Japaner die Reise mitmachen. Die Wetterlage 1 iiber Japan ist aber durchaus unsicher, da nach den letzten
Oie Lustschiffhalle in Tokio,
in welcher der eintreffende „Gras Zeppelin" unter- gebrachr werden soll. Die Halle stand einst in Jüterbog (bei Berlin) und mußte auf Grund des Friedensvertrages an Japan ausgeliefert werden. Das Bild zeigt den Aufbau der jetzt längst fertigen Halle, der unter Leitung der deutschen Herstellerfirma geschah.
Sturmtagen einneuerTaisunvon den Philippinen aus im Anzuge ist. Die Behörden trafen mit dem Kriegs- und Marineministerium zusammen alle erforderlichen Vorbereitungen für den Empfang des Luftschiffes. Der Flugplatz bei Tokio ist sorgfältigst instandgesetzt worden. Festlichkeiten sind zunächst für zwei Tage von feiten der Behörden, der Stadt, der Presse und der deutschen Botschaft vorgesehen. Der Kaiser von Japan soll beabsichtigen, Dr. Eckener zu empfangen.
1 Das japanische Marineministerium hat sechs Kriegsschiffe dem Luftschiff „Graf Zeppelin" für das überfliegen des japanischen Meeres zur Verfügung gestellt. Die Schiffe sind bereits ausgelaufen und sollen das Luftschiff während der überfahrt über das japanische Meer begleiten.
Tokio in Erwartung des „Graf Zeppelin".
wtb. London, 19. Aug. Der Korrespondent der Times meldet vom 18. Aug.: Das schöne Wetter, das den Flug des „Graf Zeppelin" über Sibirien begünstigte, dauerte an. Das Luftschiff wird also voraussichtlich eine klare Endstrecke vor sich haben. Vier Marineflugzeuge werden ihm entgegenfliegen, um es einzuholen. Sonderzüge stehen auf dem Bahnhof in Tokio bereit, um 1400 bevorzugte Kaste nach dem Landungsplatz zu befördern. Die Marine- -Luftfahrtbehörden haben alle Vorbereitungen getroffen. Besondere Wetterberichte werden stündlich an das Luftschiff gefunkt und starke Abteilungen ausgebildeter Mannschaften werden bei der Unterbringung des Luftschiffes helfen. Diè Halle ist zwar etwas klein und läßt nur einen Spielraum von 18 Zoll, aber es sind Schienen gelegt worden, und es ist möglich, das Luftschiff heil in die Halle zu bringen. Ein Wirbelsturm, der sich während der letzten Tage über die See hin auf Japan zu bewegte, hat sich endgültig in nördlicher Richtung verzogen.
Deutsche, japanische und amerikanische Ingenieure, die tritt den Vorbereitungen für die Landung beschäftigt sind, erklärten, die Einnahme von Betriebsstoff lasse sich innerhalb von drei Stunden durchführen. Die Weiterfahrt des Luftschiffes wird für Donnerstag oder Freitag erwartet. Die Wetterlage, insbesondere die Windrichtung, wird als günstig gemldet. Der „Graf Zeppelin" kommt nicht in die Taifun-Zone. ______________
Der letzte Teil der Fahrt.H^S
Sonntag hatte das Luftschiff „Graf Zeppelin" nach einem in Friedrichshafen eingegangenen Funkspruch um ? Uhr früh mitteleuropäischer Zeit Port Ajan an de"- Südwestküste des Ochotskischen Meeres erreicht. An Boro war alles klar. Port Ajan liegt in der Luftlinie etwa 3300 Kilometer von Tokio entfernt. Das Luftschiff über- flog um 6.40 Uhr früh die Stadt Jakutsk in Richtung aus Dchotsk an der Mündung der Ochota. Man rechnet in Tokio damit, daß das Luftschiff am Montag um 6 Uhr morgens mitteleuropäischer Zeit (2 Uhr nachmittags Tokioter Zeit) in Tokio eintreffen werde. Um 1 Uhr früh in der Nacht auf Sonntag befand sich das Luftschiff nach mnem anderen Funkspruch 150 Kilometer südöstlich von Jakutsk.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" teilte dem Verkehrs- Ministerium durch Funkspruch mit, daß es sich Sonntaa
7 Uhr abends Tokioter Zeit (11 Uhr vormittags mitteleuropäischer Zeit) auf 53,38 Grad nördlicher Breite und 140 Grad östlicher Länge befand. Daraus geht hervor, ^aß das Luftschiff den Weg längs des Tatarensunds ge- •nommen hat. Sonntag vormittag 9 Uhr (mitteleuropäischer Zeit) ging in Jwatsuki (nördlich von Tokio) ehr Funkspruch von Bord des „Graf Zeppelin" ein, daß alles wohl und das Wetter gut sei. Anscheinend hat das Luft- schiss von Jakutsk ab seinen Kurs geändert. Aus dem Tokioter Flugplatz wurden Sonntag von den Landungsmannschaften unter dem persönlichen Befehl des Kommandanten des Flughafens die Landungsmanöver erprobt.
Die Funkstation Irkutsk drahtete in der Nacht vor Sonntag nach Moskau, daß das Luftschiff „Graf Zeppelin" um 16 Uhr Moskauer Zeit die Lena nördlich der Mündung des Nebenflusses Witim überflogen habe. Trotz des über dem Aldangebirge herrschenden Regenwetters habe das Luftschiff gute Fahrt.
Die Funkstationen Tschita und Chabarowsk hatten den ständigen Wetterdienst für das Luftschiff übernommen. Im Funkverkehr mit dem Luftschiff stellte Tschita fest, daß dieses auch mit japanischen Funkstationen Verbindung habe. Zunächst sei Verbindung mit dem japanischen Regierungssender ausgenommen worden. Der japanische Sender habe gefunkt, daß ständige Wetterberichte zur Lage über dem japanischen Meer und an der Küste gesandt würden.
„Graf Zeppelin" am Ochotskischen Meer.
Friedrichshafen, 18. Aug. (WB.) Nach einem bei der Werft eingegangenen Funkspruch hat das Luftschiff „Graf Zeppelin" heute früh 7 Uhr MEZ. Port Ajan an der Südwestküste des Ochotskischen Meeres erreicht. An Bord ist alles wohl. Port Ajan liegt in der Luftlinie etwa 2300 Kilometer von Tokio entfernt.
„Graf Zeppelin" über Nikolajewsk.
Tokio, 18. Aug. (WB.) Die Regierungsfunkstation in Jwatsuki, nordöstlich von Tokio, erhielt um 5 Uhr nachmittags Tokioer Zeit (etwa 9 Uhr vormittags me. Z.) die folgende Meldung von Bord des „Graf Zeppelin":
„Befinden uns nahe Nikolajewsk auf 55 Grad nördlicher Breite und 139 Grad östlicher Länge. Das Wetter ist gut."
Die Sachverständigen der Regierung nehmen an, daß das Luftschiff den Kurs genau nach Süden nimmt, und dabei dem 140. Längegrad folgt. Der „Graf Zeppelin" dürfte am Montag, 2 Uhr nachmittags, Tokioer Zeit (6 Uhr morgens me. Z.) nach etwa 100 Stunden Flugzeit von Friedrichshafen auf dem Flugfeld Kafumigaura bei Tokio eintreffen.
Friedrichshafen, 18. Aug. (WB.) Funksprüche von Bord des „Graf Zeppelin" an die Werft in Friedrichshafen haben als Standorte angegeben: um 21 Uhr MEZ. 62,7 Grad Nord, 123 Ost; und um 1 Uhr früh MEZ. 150 Kilometer südöstlich der Stadt Jakutsk am Lena.
Der Jüngste an Bord des „Graf Zeppelin"
ist der 15jährige Hilfssteward Ernst Furchtbar Mit seinen 90 Pfund Lebendgewicht belastet er das Luftschiff nicht allzusehr, er soll sich aber recht zufriedenstellend in seinem Amt bewähren.
Der Marinekommandant Fujijoshi, der sich an Bord des Luftschiffes befindet, hatte um 7 Uhr morgens Tokioer Zeit dem Marineministerium durch Funkspruch den Standort des Luftschiffes mit 162 Grad nördlicher Breite und 129 Grad östlicher Länge angegeben. Anscheinend hat das Luftschiff etwa um 9 Uhr heute morgen (1 Uhr me. Z.) in der Gegend von Jakutsk seinen Kurs geändert. Die japanischen Korrespondenten, die sich an Bord befinden, haben durch Funkspruch mitgeteilt, daß sie etwa um Mitternacht Tokioer Zeit (4 Uhr nachmittags me. Z.) japanisches Gebiet zu erreichen hoffen.
Auf dem Flugplatz Kafumigaura wurden heute nachmittag von den Landungsmannschaften unter dem persönlichen Befehl des Kommandanten des Flughafens, Konteradmiral Edahada, die Landungsmanöver erprobt.
„Graf Zeppelin" über japanischem Gebiet.
Tokio, 18. Aug. (WB.) Das Luftschiff „Graf Zeppelin" teilte um 8.10 Uhr abends Tokioer Zeit (12.10 Uhr mittags me. Zeit) durch Funkspruch den folgenden Standort mit: 48 Grad nördlicher Breite westlich von Sachalin. Daraus geht hervor, daß das Luftschiff die russisch-japanische Grenze im Tataren-Sund überflogen hat und den Südkurs einschlägt.
wtb. Newyork, 19. Aug. Assicoated Preß meldet aus Tokio: „Graf Zeppelin" passierte heut morgen 10.50 Uhr (2.50 Uhr me. Z.), übr dem Meere fliegend, 48 km südlich Sameoki, das etwa 640 km nördlich von Tokio liegt.
Wie die Blätter aus Japan melden, zeigt die Bevölkerung angesichts der bevorstehenden Landung des Luftschiffes ungeheures Interesse. Die japanischen Zeitungen geben stündlich Extrablätter heraus. Die Landung wird durch Rundfunk verbreitet werden.
„Graf Zeppelin" 300 km vor Tokio.
wtb. Newyork, 19. Aug. Wie Associated Preß aus Tokio berichtet, überflog das Luftschiff 13.30 Uhr (5.30 Uhr me. Z.) Schiogama an der Sendai-Bai, das etwa 300 km nördlich vor Tokio liegt.
wtb. Berlin, 19. Aug. „Graf Zeppelin" befand sich am 18. August um 17 Uhr me. Z. 48 Grad nordwestlich von Sachalin und 23 Uhr auf 43.20 Grad nördlicher Breite und 140.21 Grad östlicher Länge in der Nähe des Kap Kamuin- Leuchtturmes, 100 km nördlich Tokio.
„Graf Zeppelin" über Tokio.
wtb. Tokio, 19. Aug. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" überflog um 4.35 Uhr japanischer Zeit (8.35 Uhr MEZ.) Tokio.
wtb. Tokio, 19. Aug. „Graf Zeppelin" wurde um 5.30 Uhr nachm. Tokioer Zeit (7.50 Uhr me. Z.) über dem Flugplatz Kasimagaura gesichtet.
Blutige Zusammenstöße zwischen Heimwehrleuten und Sozialdemokraten, wtb. Wien, 19. Aug. In der Ortschaft St. Lorenzen in Obersteiermark kam es gestern nachmittag zu schweren Zusammenstößen zwischen Heimwehrleuten und Sozialdemokraten, in deren Verlauf mehrere Schüsse fielen. Ein Mann wurde getötet, etwa 40 Leute wurden verletzt.
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Die Zusammenstöße in St. Lorenzen.
wtb. Wien, 19. Aug. Zu den gestrigen Zusammenstötzen in St. Lorenzen meldet eine Wiener Korrespondenz, daß von den 60 verletzten Heimwehrleuten und Schutzbündlern im Krankenhaus Bruck an der Mur etwa die Hälfte nach Anlegung von Notverbänden in die Krankenhäuser von Kapfenberg, Leoben und Donawitz abgeschoben wurden. Die Gerüchte, daß außer dem einen gemeldeten Todesopfer noch weitere zu beklagen seien, bestätigen sich bisher nicht, doch ist der Zustand von 4 Leuten, darunter je einem Heimwehrmann und einem Schutzbündler mit Bauchschüssen und zwei Personen mit schweren Kopfverletzungen sehr ernst. Die Erregung in ganz Obersteier- mark dauert an. Die Sozialdemokratische Arbeiterschaft verweigert die Zusammenarbeit in den Betrieben mit Heimwehrleuten. In Graz finden heute Vertrauensmännerversammlungen beider Lager statt, welche gegenseitig sich die Schuld an den Ereignissen zuschieben. In Wien haben die Vorstände der Sozialdemokratischen Partei und des Republikanischen Schutzbundes für heute nachmittag und abend ebenfalls Vertrauensmcinnerversamm- lungen einberufen, um zu den Vorfällen in St. Lorenzen Stellung zu nehmen.
Abreise Ves italienischen Geschwaders.
wtb. Kiel, 19. Aug. Die italienischen Kriegsschiffe „Pisa" und „Ferruccio" haben in den heutigen frühen Morgenstunden nach sechstägigem Aufenthalt Kiel wieder verlassen und die Weiterreise durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal nach der Nordsee angetreten. Nach Aeußerungen, die der Flaggoffizier des Admirals einem Pressevertreter gegenüber machte, sind die Besatzungen von dem Aufenthalt in Kiel äußerst befriedigt. Sowohl in Kiel als auch in Berlin wären sie nicht nur höflich und liebenswürdig gegrüßt, sondern gerdezu begeistert gefeiert worden.
Das Geschwader fährt zunächst nach Portsmouth, dann Le Havre, Vigo nach Italien zurück.