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Fuldaer Anzeiger!

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Nr. 194 1929

Fulda, Dienstag, 20. August

6. Jahrgang

12000 Kilometer in 100 Stunden.

Graf Zeppelin" in Tokio.

Der Jubel der Japaner.

Im Fernen Osten, im Bannkreis der japanischen Hauptstadt Tokio, istG r a f Z e p p e l i n" zu kurzer Rast auf seiner Weltfahrt niedergegangen. Als er am Montag mittag unter dem endlosen Jubel der Bevölke­rung von behenden japanischen Soldaten, die zu diesem Zweck vorher besonders ausgebildet worden waren, in die Luftschiffhalle gezogen wurde, da empfing mit weitgeöffneten Toren ein Landsmann den Weit­gereistei'. Stand doch die japanische Zeppelinhalle früher auf märkischem Saude in Jüterbog, von wo aus sie nach dem Kriege als Reparationsleistung nach Japan gebracht worden war.

Der Jubel in dem festlich geschmückten Tokio war unbeschreiblich. In den Straßen wehten überall neben den japanischen Fahnen die Farben des Deutschen Reiches. Vor der deutschen Botschaft staute sich eine be- souders große Menschenmenge, und der Flugplatz war dicht mit von überallher herbeigeeilten Menschen besetzt, die mit nicht endenwollenden Jubelrufen den deutschen Lüftkreuzer begrüßten, als er nach einigen Schleifen zur Begrüßung der Stadt in majestätischem Fluge sich zur Erde senkte.

Die zweite Etappe der großen Weltfahrt desGraf Zeppelin" ist glücklich beendet: Lakehurst Friedrichshafen, FriedrichshafenTokio. Auf der letzten Wegstrecke hat Dr. Eckener mit seinem treuen Schiff rund 12 000 Kilometer zurückgelegt und dafür nicht viel mehr als 100 Stunden gebraucht. Eine neue Rekordleistung in der Schnelligkeit der Luftschiffe. Was aber noch weit mehr wert ist, das ist die Erbringung des Beweises, daß das Luftschiff imstande ist, sich einen sicheren Weg unter Umgehung gefährlicher und hinderlicher Luftströmungen und Wittcrnngszonen zu suchen. Wenn Dr. Eckener nicht den ursprünglich ge- vt,guten kürzesten Weg nahm, sondern eine n ö r M i chere Bahn einschlug, so geschah es, um, wie der Seemann Riffe und Untiefen umschifft, unzuträglichen Winden itnb Unwettern aus dem Wege zu gehen. Er wollte den Kampf mit den Elementen vermeiden, und dies gelang ihm da­durch, daß er ihnen a u s w i ch.

Dieser glänzende Erfolg wird die Zuversicht in die Manövrierfähigkeit des Schiffes und seine sichere Führung noch weiter erhöhen und den Glauben an die Zukunft des deutschen Luftschiffes stärken.

Die Bewirtung der Zeppelingäste.

Das LuftschiffGras Zeppelin" wurde unter Mithilfe der 500 von der japanischen Kriegsmarine bereitgestellten -Matrosen sicher in der Luftschiffhalle Kasumigaura unter- gebracht. Rach Erledigung der Zollformalitäten, die nu» ^^Zeit in Anspruch nahmen, verließen die 20 Pasfagiere, die sämtlich wohlauf und in bester Stimmung waren, die große Halle, wobei jeder einzelne von der Volksmenge mit stürmischer Herzlichkeit begrüßt wurde. Noch auf dem Gelände des Lufthafens fand dann der formelle Empfang statt, bei dem Dr. Eckener und Admiral Takarabe Glück­wünsche austauschten. Auch während der Feier machte sich die Begeisterung der riesigen Menge in immer neuen Ausbrüchen Luft und wiederholt wurden die von Polizei und Militär gezogenen Absperrungen von begeisterten Zuschauern durchbrochen, die die Passagiere in der Nähe sehen wollten. Bei der Begrüßungsfeier wurde den Be­suchern aus Übersee ein leichter Imbiß nach japanischer Art, bestehend aus getrockneten Kastanien, ge­trocknetem Tintenfisch und R e i s w e i n gereicht. Der Kommandant des Flughafens veranstaltete für die Offiziere und Mannschaften des Luftschiffs ein Diner, dem Geishatänze eine besondere japanische Note gaben.

Reichspräsident und Negierung gratulieren.

^Der Neichsverkehrsminister hat an Dr. Eckener fol­gendes Glückwunschtelegramm gerichtet:

In stolzer Freude über die von Ihnen vollbrachte großart, ge Verkehrsleistung spreche ich ^hnen zugleich tm Namen des Herrn Reichspräsi-

? n und der Reichsregierung herzlichste Glückwünsche zur Überwindung der schwierigsten Etappe des Weltfluges mit dem LuftschiffGraf Zeppelin" und beste Wünsche für die Fortsetzung des Fluges aus. Die hervorragende Leistung von Schiff und Besatzung erfüllt das ganze deutsche Volk mit freudiger Genugtuung."

Außerdem liefen in Tokio zahllose weitere Glück­wunschtelegramme aus allen Teilen der Erde für Dr. Eckener ein.

Glückwunsch der Hapag an Dr. Eckener.

Hamburg, 19. Aug. (WB.) Die Hamburg-Amerika- Lune richtete an Dr. Eckener nachfolgendes Telegramm: "Die programmätzige Durchführung der zweiten Etappe des Weltfluges begrüßen wir Deutsche mit berechtigtem Stolz und mit unverbrüchlichem Vertrauen zumGraf Zeppelin" und feinem altbewährten Führer. Ihm und der Besatzung übersendet die Hamburg-Amerika-Linie in treuer Arbeitsverbundenheit aufrichtige Glückwünsche. Ihre geschichtliche Tat hat durch die sichere und klare Ausfüh­rung den Wert deutscher Arbeit für die Welt erneut und überzeugend zur Geltung gebracht und bietet damit die beste Gewähr für eine glückliche Vollendung, die wir Ihnen von Herzen wünschen." Eez. Dr. Cuno.

Graf Zeppelin" überbringt den Gruß Berlins an Tokio.

Berlin, 19. Aug. (WB.) Oberbürgermeister Böß hat durch den Korrespondenten der japanischen ZeitungTokio Asahi", Kitano, der an der Weltreise desGraf Zeppelin" teilgenommen hat, eine Botschaft an die Tokioter Bürger­schaft gesandt, in der es u. a. heißt:Die deutsche Reichs­hauptstadt übermittelt der Hauptstadt des großen japani­schen Kaiserreiches durch das LuftschiffGraf Zeppelin" die herzlichsten Grüße. Möge das Luftschiff eine neue . Brücke schlagen zwischen Berlin, der Zentrale Mitteleu- ! ropas, und Tokio, der großen Metropole Ostasiens. Die ' neue Weltfahrt desGraf Zeppelin" wird die neuen I freundschaftlichen Vziehungen zwischen dem deutschen und dem japanischen Volk festigen und vertiefen."

Hier liegt jetzt derGraf Zeppelin".

Die Lujlfchiffhalle im Flughafen Kasumigaura bei Tokio, mit einem der japanischen Militärluftschiffe, die jetzt die Halle für den Zeppelin geräumt haben. Die Halle hat eine Länge von 240 Metern, eine Breite von 60 Metern und eine Höh- von 35 Metern.

Vorbereitungen für die Weiterfahrt des Zeppelins.

wtb. Tokio, 20. Aug. Das LuftschiffEraf Zeppelin" ist auch weiterhin der Mittelpunkt des öffentlichen Inter­esses. Sofort nach dem Einbringen in die Luftschiffhalle wurde begonnen, die Brennstoff- und Traggasvorräte wie­der aufzufüllen. Man rechnet damit, daß diese Arbeiten morgen beendet sein werden. Wenn das Wetter günstig ist, wird das Luftschiff Donnerstag früh zur dritten Etappe seiner bewunderungswürdigen Weltreise starten. Inzwi­schen werden Offizieren und Mannschaften des Zeppelins die Sehenswürdigkeiten der Stadt gezeigt und Unterhal­tungen geboten. Der Kaiser hat durch den Verkehrsmini­ster Dr. Eckener und 11 Mann seiner Besatzung silberne Vasen überreichen lassen, die mit den kaiserlichen Chrysan­themen geschmückt sind.

Französische Anerkennung für,Graf Zeppelin'.

DasJournal des Debüts" widmet dem Flug des Graf Zeppelin" nach Tokio vorbehaltlose Worte der An­erkennung. Man kann sagen, so schreibt das Blatt, daß i die ganze Welt seit vier Tagen mit gespannter Aufmerk- j samkeit diese großartige Fahrt verfolgt hat. Wie sich auch ; der zweite Teil dieser einzig dastehenden Reise gestalten möge, ein beträchtliches, man kann sagen, unerhofftes Er­gebnis liegt schon jetzt vor. Man kann von Dr. Eckener nicht sagen, daß erein tapferer Soldat sei, der keine Gc- : fahr kennt," er kennt sie, und seine Kühnheit ist i shalb : um so verdienstlicher. Den wenigen, die ein solches Aben- 1 teuer bestehen, wünscht man von Herzen Glück.

Nicht weniger aufrichtig spricht derParis Soir" seine Bewunderung für die Fahrt aus. Er schreibt: Angesichts dieses prachtvollen Rekords macht vor allem eines auf uns Eindruck, nämlich, die vollkommene Zuverlässigkeit dieses großartigen Fluges. Es sind schon andere Klugtaten mit Erfolg ausgeführt worden, die uns Bewunderung ab- : nötigten; aber allzu oft hinterließen sie den Eindruck, daß ! ein außergewöhnlicher Zufall ihr Gelingen begünstigt hat.

DerExcelsior" schreibt: Worüber muß man mehr er­staunt sein, über die meisterhaften Luftschiffführer-Eigen­schaften, die Dr. Eckener bewiesen hat oder über die Zu­verlässigkeit des Luftschiffes selbst, das mit einer Ruhe­pause von nur 1'0 Tagen die Strecke NewyorkFriedrichs­hafenTokio zurückgelegt hat? Erkennen wir an, daß der Eraf Zeppelin" eine einzig dastehende Leistung vollbracht hat.

DerAmi du Peuple" sagt: Von Friedrichshafen nach Tokio in 4 Tagen, während die schnellsten Dampfer mehr als 40 Tage brauchen: An der Gegenüberstellung dieser bei- - den Ziffern wird in weitestem Maße besser als durch alle i anderen Argumente der Wert der Leistung gepriesen, die Dr. Eckener vollbracht hat.

Die Newyorker Presse über den Zeppelin-Flug.

wtb. Newyork, 20. Aug. Die hiesigen Zeitungen be- ' richten über die Landung desEraf Zeppelin" in Tokio in : großer Aufmachung. In den Uebrschriften wird auf die } glänzende Flugzeit hingewiesen, die das Luftschiff zu der , Strecke »FriedrichshafenTokio brauchte.

wtb. Newyork, 20. Aug. Die Morgenblätter bringen ! die Berichte über den Rekordflug desEraf Zeppelin" ( mit mehrspaltigen Ueberschriften. Sie betonen, daß die : Landung mit uhrwerkartiger Genauigkeit erfolgte u. schil- dern den enthusiastischen Empfang. Der Berichterstatter der Times beschreibt ausführlich den Eindruck, den das

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Die Ankunft desGraf Zeppelin" in Tokio gestaltete sich 1 zu einem Fest der japanischen Regierung.

* Das Reichskabin-tt hat dem Entwurf des Reichsarbeits- $ mimsters Wissel für die Arbeitslosenversicherungsreform zu- gestimmt. Der Entwurf wird nunmehr sofort dem Reichsrai | zugcleitei.

* Wie verlautet, ist eine Erhöhung der Eisenbahntarife be- f reits zum 15. September dieses Jahres geplant.

* In der Nordsee ertranken bei einem Schiffszusammenstoh | 16 Mann eines spanischen Dampfers.

* Bei einer Zugentgleisung im Staate Oklahoma verun- $ glückten 13 Personen tödlich.

Erscheinen des Luftschiffes auf die Bevölkerung machte: | Nachdem die Sirenen sein Herannahen angekündigt hatten, - war wie in einem Taubenschlag jedes Dach, jeder offene f Platz besetzt. Der ganze Verkehr stand still, da tatsächlich $ die ganze Stadt an der Begrüßung teilnahm. Viele wein- U ten vor Erregung. Times hebt in ihrer Ueberschrift das begeisterte Urteil der amerikanischen Marineoffiziere her- H vor, die an der Fahrt teilnahmen. Associated Preß zufolge K bezeichnete Kommander Rosendahl den Ostasienflug als wunderbar, ähnlich äußert sich Richardson.

Eine vorläufige Untersuchung ergab, daß weder das M Luftschiff noch die Maschinen irgendwie gelitten hatten.

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Tritt der Reichstag bald zusammen?

Der Reichstag wurde Anfang Juli in die Sommer- ferien geschickt, nicht mit der sonst üblichen Voraussetzung, $

erst im Spätherbst wieder zusammenzutreten. Angesichts der außenpolitischen Lage und anderer dringender gesetz­licher Maßnahmen erhielt der Präsident die Ermächti­gung, das Haus nach eigenem Ermessen zusammenzu­berufen. Man rechnete damit, daß der Reichstag im August, spätestens Anfang September wieder zu­sammentreten müsse.

Seit Anfang des Jahres hatte in Paris der Sach­verständigenausschuß getagt und endlich den Young-Plan fertiggestellt. Trotz vieler Schönheitsfehler und trotz vieler Bedenken auf allen Seiten hatten sich die betreffen­den Regierungen im allgemeinen auf den Boden des Planes gestellt, so daß man annehmen konnte, die Ver­handlungen zwischen den Regierungen selbst würden sehr schnell verlaufen. Es gab da aber zunächst das große Hindernis, daß man sich über den Beginn dieser Ver­handlungen nicht einigen konnte. Dazu kam der Re­gierungswechsel in E n g l a n d , der neuen Aufenthalt brachte. Dieser schien Frankreich gar nicht so un­angenehm zu sein, kam man doch um die unangenehme Pflicht herum, sich möglichst rasch über den Endtermin der Rheinlandbesetzung äußern zu müssen. Nun schleppen sich augenblicklich die Verhandlungen im Haag zögernd weiter. Möglicherweise gehen sie aus wie das Hornberger Schießen, um in anderer Form im September während der Völkerbundtagung wieder aufzuleben. Aus den Haagverhandlungen läßt sich also zurzeit noch nicht übersehen, wann der Reichs­tag wieder zusammentreten soll.

Wenngleich also die Stellungnahme des Parlaments zum Young-Plan noch in der Ferne liegt, so hat der Reichstag unter Umständen genug dringenden Be- ratungsstoff, der seine frühere Einberufung rechtfertigen

dürste. Da ist in erster Linie die Frage der Reform der Arbeitslosenversicherung. Welches Schmerzenskind das dabei bisher geübte Verfahren ist, haben wir in der letzten Zeit genügend erfahren. Ein großer Teil der Unstimmigkeiten bei der Balancierung g des Reichsbudgets und des Defizits in ihm werden zurück- | geführt auf die Zuschußsummen, welche die Arbeitslosen- 8 Versicherung erforderte. Durch eine Reihe provisorischer Maßnahmen hat man es verhindert, daß das durch diesen 5 Gegenstand in der Reichskasse entstandene Loch nicht 3 größer wurde. Diese Maßnahmen haben aber große Un- - Zufriedenheit erregt, so daß die Reform unbedingt not- wendig erscheint. Um einen ungestörten Verlauf der späteren Reichstagsarbeiten zu ermöglichen, wäre baldige ; Klärung erwünscht. Zur Erledigung der Arbeitslosev- frage wäre eine Sondertagung des Reichstages wie ge­schaffen, da dieser dann nicht mit anderen gesetzgeberischen Arbeiten überlastet wäre und hier sozusagen das Feuer auf den Nägeln brennt.

Eine andere von den Parteien ebenso umstrittene Frage und zur Erledigung drängende Angelegenheit ist diejenige des Gesetzes zum Schutze der Repu­blik. Während die Opposition hier keinen besonderen Wert auf das Wiederaufleben dieses oder eines ähnlichen Gesetzes legt. tritt ein Teil der Regierungsparteien sehr energisch für eine baldige Ersetzung des im Reichstage mangels einer Zweidrittelmajoritäk gefallenen Gesetzes durch ein neues ein. Gerade wegen der Meinungsver- ; schiedenheit wäre es im Interesse des inneren Friedens : dienlich wenn der hier vorhandene Zündstoff möglichst bald unschädlich gemacht würde. Wenn das Thema aus « der öffentlichen Diskussion verschwände, so bedeutete das schon einen Gewinn.

Man wird allerdings sagen, dass es besser ist, erst den Young-Plan unter Dach und Fach zu bringen, weil - eine Erörterung über innenpolitische Probleme leicht eine Krise Hervorrufen könnte. Eine solche will man ver­meiden. Das haben die Regierungsparteien bezüglich des Arbeitslosenproblems zugesagt. Eine ähnliche Abmachung liebe sich auch beim Gesetze zum Schutze der Republik treffen. Ob das geschehen wird, steht dahin, immerhin könnte eine plötzliche Einberufung des Reichstages kaum überraschen.