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Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg
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Nr. 195 — 1929
Fulda, Mittwoch, 21. August
6. Jahrgang
Vor neuen Taten.
Me „Graf Zeppelin" in Tokio geehrt wird.
Weiterflug voraussichtlich Donnerstag.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin", seine wackere Besatzung und seine Passagiere sind in Tokio der Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Dr. Eckener sind nach der Landung unzählbare Glückwunschtelegramme aus aller Welt zugegangen. Eckener meinte dazu: „Verschafft uns zunächst einmal guten Schlaf und etwas Gutes zum Rauchen." Die Blätter sind des Lobes voll über die Haltung der Mannschaft des deutschen Lustkreuzers und unterstreichen die bescheidene Zurückhaltung ihres Führers, der aber trotzdem den großen Ehrungen und Festlichkeiten, die eine bewundernde Nation ihm geben wolle, nicht entgehen könne.
Der Kaiser von Japan wird Dr. Eckener sowie die Offiziere und Passagiere des Luftschiffes in seinem Privatpalast zum Tee empfangen. Am Eingang des kaiserlichen Palastes werden die Gäste von dem japanischen Verband christlicher junger Männer empfangen werden, wobei die deutsche und die japanische Nationalhymne gesungen werden sollen. Im Anschluß an den Tee-Empfang im kaiserlichen Palast wird Dr. Eckener Gast des Verkehrsministeriums sein. Einen weiteren Empfang plant der japanische Pfadfinderbund, zahlreiche andere Verbände werden folgen. Die japanische Zeitung „Asahi" will den Zeppelinleuten ein riesiges Festessen geben. Am Mittwoch findet der große Empfang durch die japanische Regierung statt.
Die Radioansprache, die Dr. Eckener nach der Landung zur Begrüßung des japanischen Volkes hielt, lautete wie folgt: „Ich freue mich, in Japan gelandet zu sein. Ich hatte stets den Wunsch, das Land der ausgehenden Sonne und der Kirschblüten zu besuchen. Es ist dies ein Wunsch, der allen Deutschen eigen ist. Der Flug über die Wüsten Sibiriens, wo so viele deutsche Gefangene im Kriege im Exil lebten, wird uns unvergeßlich bleiben. Die wundervollen und kultivierten Felder Japans übertrafen alle unsere Erwartungen. Ich wünsche dem japanischen Volk meinen herzlichsten Dank für fein Willkommen zu übermitteln." Dr. Eckener schloß seine Rede mit drei B a n z a i s auf den japanischen Kaiser.
Nach der Landung des Luftschiffes klagten die Passagiere befonders über die Hitze, die nach den sibirischen Temperaturen der vorhergehenden Tage doppelt unangenehm war. Dr. Eckener erhielt im Namen des Kaisers von Japan
zwei Silbervasen zum Geschenk, die übrigen Fahrtteilnehmer je einen Silberbecher. Sämtliche Passagiere äußerten ihre lebhafte Freude über den herzlichen Empfang, der ihnen in Tokio bereitet wurde.
Die Festlichkeiten in Tokio.
Newyork, 20. Aug. (WV.) Associated Preß meldet aus Tokio: Den Höhepunkt des heutigen Festprogramms bildete ein von der Regierung am Abend gegebenes Festessen im Hotel Imperial, an dem auch vier Kabinettsmitglieder und zahlreiche Würdenträger teilnahmen. Die Banketthalle war mit deutschen und japanischen Fahnen reich geschmückt.
Eine kleine Nachbildung des Luftschiffes war an der Decke aufgehängt. An das Festessen schloß sich der Besuch eines japanischen Theaters an.
Für morgen ist die Zeppelin-Besatzung zum Tee im kaiserlichen Palais Hama eingeladen, jedoch wird der Kaiser selbst nicht anwesend sein, da er sich heute in seine im Gebirge liegende Sommervilla Nikko begeben hat. — Die Offiziere des „Graf Zeppelin" werden von japanischen Beamten und Privatpersonen derartig mit Geschenken überschüttet, daß diese in großen Kisten nach Deutschland verschickt werden müssen, da in dem Luftschiff kein Platz dafür ist. —
Heute abend wurde bekannt, daß angesichts der guten Flugzeit nach Tokio die Offiziere des Luftschiffs den Weltreiserekord von I. S. Mears und C. V. Collyer von 23 Tagen 15 Stunden zu schlagen hoffen. Um dies zu erreichen, muß „Graf Zeppelin" bis zum 31. d. M. etwa 16 Uhr die Freiheitsstatue im Newyorker Hafen überfliegen.
Die Begrüßung Dr. Eckeners in Tokio.
Newyork, 21. Aug. (WB.) In einem Sonderbericht der „Herald Tribune^ aus Tokio vom 19. August heißt es: Im Laufe des Nachmittags vor der Landung des „Graf Zeppelin" trafen in Kasimugaura Hunderte' von Glückwunschtelegrammen von fast allen hervorragenden Persönlichkeiten Japans ein. Der Minister des Aeußeren, Schide- hara, richtete an Dr. Eckener vor der Landung ein Telegramm, in dem er die wissenschaftliche Bedeutung des Fluges sowie die gute Wirkung des Weltfluges betonte. Ministerpräsident Hamaguchi und der Bürgermeister von Tokio, Horikiri, telegraphierten, der Flug habe die deutsch- japanischen Freundschaftsbande weiter gefestigt. Auf die Begrüßungsansprache des Marineministers nach der Landung erwiderte Dr. Eckener mit einer durch Rundfunk verbreiteten Rede, in der er aussllhrte, es sei ihm eine große Freude, in Japan zu landen. Er habe wie alle Deutschen stets den Wunsch gehegt, das Land der Kirschblüten zu besuchen. Den Plan zum Fluge nach Tokio habe
er gefaßt, als er erfuhr, daß die Luftschiffhalle groß genug ! für den „Graf Zeppelin" sei. Die herrlichen gepflegten : Felder Japans hätten seine Erwartungen weit übertroffen, j — Zum Schluß dankte Dr. Eckener auf das herzlichste für
Das Jmperialhotel in Tokio, wo die Fahrgäste des „Graf Zeppelin" wohnen und wo der offizielle Empfang der Besatzung seitens des japanischen Verkehrsministers stattfand.
Die Vorbereitungen für den Weiterflug des „Graf Zeppelin".
Newyork, 20. Aug. (WV.) Associated Preß meldet aus Tokio: Ueber 100 japanische Marinesoldaten wirken Tag urrd Nacht mit an der Füllung des Luftschiffes „Graf Zeppelin" mit Wasserstoffgas und 950 000 Kubikfuß Pyrofax, dem Betriebsstoff, der das Blaugas ersetzt. Diese Menge genügt für 120 Flugstunden bei vollem Motorenbetrieb. Das Luftschiff wird außerdem eine Mischung von Benzin und Benzol mitführen. Die Füllung erfolgt unter der Leitung des deutschen Ingenieurs Beuerle und des amerikanischen Ingenieurs A. M. Scott, des Vertreters der amerikanischen Gesellschaft, die den Brennstoff liefert. Der Start des „Graf Zeppelin" ist nunmehr auf Donnerstag 4 Uhr früh (Tokioer Zeit) festgesetzt worden. Der für Dr. Eckener zusammengestellte Wetterbericht zeigt keine größere Störung im gesamten westlichen Pazifikgebiet. Offiziell wird erklärt, daß Dr. Eckener beabsichtigt, ungefähr die Dampferroute Yokohama—Seattle—Vancouver zu verfolgen. „Graf Zeppelin" würde etwa 2000 Meilen nördlich der Hawai-Gruppe und 200 Meilen südlich der Aleuten-Insel fliegen. Die japanische Regierung hat mit der Zeppelin-Leitung einen Vertrag über Postbeförderung durch den „Graf Zeppelin" abgeschlossen.
Vor der Weiterfahrt.
wtb. Tokio, 21. Aug. Auch heute strömen riesige Menschenmengen hinauf zum Flughafen Kasimugaura, um den „Graf Zeppelin" in der Nähe zu sehen und nach wie vor bleibt die Landung des Luftschiffes der Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Der Besatzung des Luftschiffes werden immer neue Abwechslungen geboten und viele Japaner haben, um ihrer Bewunderung für den Flug Ausdruck zu geben, Offizieren und Mannschaft des Luftschiffes Ehrengeschenke überbracht.
Inzwischen schreitet die Uebernahme von neuem Betriebsstoff rüstig vorwärts. Da auch die Wetterlage zu einem Weiterfluge günstig scheint, so dürfte die auf Donnerstag, 4 Uhr früh, festgesetzte Abreise keine Aenderung erfahren.
wtb. Newyork, 21. Aug. Wie aus Tokio berichtet wird, hat die Prüfung der Motoren des „Graf Zeppelin" ergeben, daß es nicht notwendig sei, die Gesamtmotoren zu benutzen. Die japanischen Behörden treten den Behauptungen entgegen, daß „Graf Zeppelin" bei dem Flug nach Tokio nicht die vorgeschriebene Route eingehalten habe. Das Gerücht, daß bei dem kaiserlichen Palast eine Röhre vom Luftschiff abgeworfen worden sei, ist dahin aufgeklärt, daß ein an Bord befindlicher deutscher Korrespondent bei dem Fluge über dem Kaiserpalast eine Depesche abgeworfen hat. Dr. Eckener und die Offiziere des Luftschiffes werden, wo immer sie auch auf der Straße erscheinen, von der Bevölkerung mit Banzai-Rufen gegrüßt.
Nach einer Meldung der Herald Tribune aus Tokio betragen die Portokosten für die Zeppelinpost von Tokio nach Los Angeles 1 Dollar, nach Newyork 1,50 Dollar, nach Friedrichshafen 2,50 Dollar. Die in Japan aufgelieferte Post beläuft sich bis jetzt auf 3000 Stücke.
Die Rekordzeit.
Die genaue Flugzeit, deren das Luftschiff „Gras Zeppelin" für den Flug Friedrichshafen—Tokio benötigte, beträgt 99 Stunden und 40 Minuten. Die Höchstgeschwindigkeit auf der Fahrt betrug 142, die Durchschnittsgeschwindigkeit 109 Kilometer.
Amerikanische Unterstützung des Zeppelinfluges.
Das amerikanische Küstcnwachtschiff „Chelan" ist aus der zur Aleuten-Gruppe gehörigen Insel Attu eingetroffen, um dem Luftschiff „Graf Zeppelin" bei seinem Flug über den Stillen Ozean nötigenfalls Hilfe zu leisten.
Regelmäßiger Luftschiffverkehr Berlin—Tokio?
Auf dem Flughafen Staaken, der von der Stadk Be^rn zwecks Ausbau zum Zentralluftschiffhafen erworben wurde, beabsichtigt der Magistrat einen zweckentsprechenden hohen Ankermast zu errichten, der es ermöglichen soll, sowohl die deutschen, wie auch die großen, demnächst fertiggestellten englischen Luftschiffe, die den Verkehr zwischen England, Ägypten, Indien und Australien herstellen sollen, in sicherer und geeigneter Weise zu befestigen. Außerdem schweben seit langem gemeinsam mit dem Reichsverband der deutschen Industrie, der deutschen und der russischen Regierung Verhandlungen wegen eines regelmäßigen, transsibiri- scheu Luftschiffverkehrs Berlin—T 0 ki 0. Für diesen Verkehr sollen deutsche Zeppelin-Luftschiffe verwendet werden.
Verhängung des Kriegsrechts in der Zone der ostchinesischen Bahn.
wtb. Schanghai, 21. Aug. Wegen der Verschärfung der Lage, die sich durch Sabotageakte auf der ostchinesischen Bahn kundtut, haben die chinesischen Behörden in der Zone der ostchinesischen Bahn das Kriegsrecht verhängt.
Zweistündiger Kampf vor Mandschuli.
wtb. Tokio, 21. Aug. Aus Mandschuli wird gemeldet, daß russische Panzerzüge sich gestern bis auf 500 Meter der chinesischen Stellung in Mandschuli näherten. Aus den Zügen stiegen Infanteriesoldaten, die unterstützt von Artillerie, auf die chinesische Stellung feuerten. Die Chinesen erwiderten das Feuer mit Haubitzen. Nach einem zweistündigen Kampfe zogen sich die Russen zurück. Die Chinesen verloren 13 Mann, erbeuteten jedoch zahlreiche Geschütze und viel Munition.
Attentat auf die mandschurische Eisenbahn.
Charbin, 20. Aug. (WB.) Bei Tapinlin wurde gestern abend die Lokomotive eines aus Charbin kommenden Zuges in die Luft gesprengt, und zwar, wie man glaubt, durch auf den Bahnkörper gelegte Bomben. Ein Zugbeamter wurde schwer, zwei andere Beamten wurden leicht verletzt.
Oie Genfer Freizonen.
Die Schweiz obsiegt gegen Frankreich.
Vom Völkerbundsekretariat wurde bekanntgegeben, daß der Ständige Internationale Gerichtshof im Haag in der alten schweizerisch-französischen Streitfrage über die Genfer Freizonen mit überwiegender Mehrheit eine Verfügung getroffen hat, die den schweizerischen Standpunkt gutheißt und die eine Verwerfung der französischen Ansprüche bedeutet. Frankreich hatte sich im Jahre 1924 verpflichtet, die Frage vor den Haag zu bringen, ob der Artikel 435 des Versailler Diktats die im Jahre 1815 geschaffene Freizone Genf aufgehoben habe oder — lvie die Schweiz behauptete — jener Artikel bloß ausspreche, daß sich die beiden Staaten über eine N e u - regelungzu einigen hätten. Im Haag wurde jetzt entsprechend dem Ansuchen beider Staaten noch kein eigentliches Urteil gefällt, sondern nur — unter Klarstellung ^er Rechtsfrage — beiden Parteien ein Termin gesetzt, bis zu welchem sie sich einigen sollen, widrigenfalls der Gerichtshof zum wirklichen Schiedsspruch schreitet. 1923 hatte Frankreich die Freizonen unter dem Protest der Schweiz einfach aufgehoben.
Hoover und die englisch-amerikanischen Marinebesprechungen.
wtb. Washington, 21. Aug. Präsident Hoover erklärt, daß er gegenwärtig nicht in der Lage sei, eine Mitteilung übr die im Gange befindlichen englisch-amerikanischen Marinebesprechungen abzugeben. Der Präsident fügte aber hinzu, daß er in absehbarer Zeit dazu im Stande sein werde.
Oie Erregung in Oesterreich.
Einberufung des Nati0nalrates?
Die blutigen Zusammenstöße in St. Lorenzen zwischen dem Republikanischen Schutzbund und den sich zu entgegengesetzten Tendenzen bekennenden Heimwehrcn haben eine so starke Wirkung gehabt, daß von einer Beruhigung der Öffentlichkeit nicht gesprochen werden kann. Die Einberufung des Nationalrates nach Wien ist sehr wahrscheinlich. Sie wurde auf das entschiedenste von einer Konferenz der sozialdemokratischen Vertrauensmänner gefordert. Auch die Landeshauptleute der Bundesländer sollen sich einfinden. Der Schutzbund, vcssen Führer Dr. Deutsch ist, wie Heimwehren beabsichtigen, die Beerdigung der beiderseits gefallenen Opfer zu großen Kundgebungen zu gestalten.
Zwei Oefferretcher in der Türkei getötet.
Raubüberfall auf österreichische Ingenieure.
Auf dem schwedischen Bauabschnitt der anatoliscken Eisenbahn erfolgte, wie aus Angora gemeldet wird, ein überfall auf ein Baulager, der auf die Beraubung her Bankasse abzielte. Zwei österreichische Ingenieure u^mcn getötet. Die Räuber wurden Vertrieben. , Da dieser Überfall innerhalb weniger Wochen das zweite derartige Ereignis ist, trifft die Gendarmerie umfassende Maßnahmen.