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Zul-aer /lnzeiger

Erscheint jeden Werktag. Bezugspreis: monat­lich 2 Mark. Bei Lieferungsbehmöerungen durch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Fulda, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsver­leger. Postscheckkonto: Frankkurt a. M. He. 16009

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- und Haunetal >§ul-aer Kreisblatt Reüaktkon und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Fernsprech-flnschluß Nr. 984 Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit chgeUenangabe .Fuldaer slnzeiger'gestattet.

NrTl^N- 1929 l^^limMWB^^ ,

Fulda, Freitag, 23. August

Tlnzekgenpreks: Für Behörden, Genossenschaf­ten,Banken usw. beträgt die Kleinzeile 0.Z0Mk., für auswärtige Tlustraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mark 9 Bel Rechnunosstel» lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen Tag- und Plahvorschristen unverbindlich.

6. Jahrgang

" filier dem Pazifik.

rvLb. Tokio, 23. August. Das LuftschiffGraf Zeppelin" ist um 3.13 Uhr nachm. japanischer Zeit (7.13 Uhr Mez.) zur Fahrt nach Los Angeles aufgestiegen.

W

Der Start.

wtb. Tokio, 23. Aug. Noch vor 1 Uhr nachmittags hielt man es für unmöglich, daßGraf Zeppelin" vor morgen fei­nen Weiterflug antreten könnte. Auf Grund bei Mel­dungen des Wetterbüros muß die Abfahrt mindestens um 24 Stunden verschoben werden, da die starken Nord­winde unvermindert anhalten. Die zahlreiche Menschen­menge, die sich auch heute wieder auf dem Flugfelde von Kasumigaura eingefunden hatte und hoffte, daß der Start erfolgen würde, sah sich abermals enttä^cht. Wer eine Stunde später bereits traten glückliche Aenderungen der Wetterlage auf, und kurz nach 2 Uhr wurde auf Grund der neuen Wetterlage der Start des Luftschiffes auf 3 Uhr nachmittags festgesetzt. Wenige Minuten später erfolgte die Alarmierung der Wach- und Haltemannschaften. Die Passagiere desGraf Zeppelin" waren am Vormittag nicht nach Tokio zurückgekehrt. Sie wollten auch für den Fall, daß der Start auf morgen hätte verschoben werden müssen, in ihren Kabinen im Luftschiff übernachten. Um 3.13 Uhr erfolgte danm unter den begeisterten Zurufen der Menge der Abflug, der sich ohne Schwierigkeiten vollzog. Das Luft­schiff entfernte sich in schneller Fahrt in nordöstlicher Rich­tung. Bereits um 3.20 Uhr war es den Blicken ent­schwunden.

wtb. Tokio, 23. Aug. Die Wetterlage, die heute früh noch so ungünstig war, daß ein baldiger Wiederaufstieg des Graf Zeppelin" nicht in Frage zu kommen schien, besserte â^fich in den ersten Nachmittagsstunden. Sie Windstärke nahm plötzlich ab, und Dr. Eckener beschloß, mit Rücksicht darauf, datz in dieser Jahreszeit, in der die Taifune beson­ders zahlreich auftreten, der Sturm wieder ausbrechen könne, den Vorteil des ruhigeren Wetters wahrzunehmen unb_ die Weiterfahrt anzutreten. Die Fahrgäste und die Passagiere erhielten die Weisung, sich an Bord zu begeben.

20 Minuten vor dem Aufstieg desGraf Zeppelin" wurden die Motoren in Gang gesetzt. Um 3 Uhr begannen dann die Haltemannschaften die Stützen unter dem Luft­schiff zu entfernen, worauf es an den Halteseilen aus der Halle geführt wurde. Die Abfahrt erfolgte nach offizieller Angabe um 3.14 Uhr japanischer Zit bei ruhigem Wetter und bewölktem Himmel. Hin und wieder blickte die Sonne durch die Wolken.

Verminderung der Zeppelin-Besatzung in Los Angeles.

wtb. Newyork, 23. Aug. Acht Mitglieder der Besatzung desGraf Zeppelin" werden das Luftschiff in Los Angeles verlassen, um die Belastung des Luftschiffes bei der Ueber- fliegung des Rocky Mountains-Gebirges zu vermindern.

Wirtschaftsforgen desGraf Zeppelin".

Zur Auffüllung der Vorratskammer des Luft­schiffes wurden 50 Flaschen Sekt, 50 Flaschen Wein sowie Whisky und Liköre ausgenommen. Der Biervorrat wurde nicht ergänzt. Obwohl mau damit rechnet, daß der Flug über den Pazifik nur drei bis vier Tage dauern wird, nahm derGraf Zeppelin" genügend Proviant an Bord, um die 20 Passagiere und 41 Mann der Besatzung sechs Tage lang voll verpflegen zu können. Auch eiserne Rationen für den Notfall sind ausgenommen worden. Der Proviant ist in Mctallbchälter verpackt und wird durch Trockeneis frisch erhalten.

Für das Mittagessen des ersten Flugtages ist das folgende Menü vorgesehen: Gänseleberpastete, Sar­dinen, Kraftbrühe, gedämpftes Huhn, Spargel und son­stiges Gemüse, Salat, Speiseeis und Obst. Die Vorrats- kammer des Luftschiffes enthält auch die japanische Delika­tesse Sukiyaki.

Oie Versicherungsreform.

Arbeit im Sozialpolitischen Ausschuß.

Den Standpunkt der Deutsch nationalen zur Re gtcrunqsboriagc über die Reform der Arbeitslosenversicherung legte der Abgeordnete Haßlacher dar. Er erklärte die Zu­stimmung seiner Fraktion zum größten Teil der Vorschläge. Es fehle aber das Hauptstück, das deutschnationale Anträge hatten fördern wollen, der Gedanke der Unterstützungs­zumessung nach den gezahlten Beiträgen. Außerdem müßten angesichts der harten Notwendigkeiten, denen Deutschland unterworfen ist, die Vcrsicherungsleistnngen abgebaut werden, da eine Erhöhung der Beiträge nicht trt Frage kommen könnte. Ein Vertreter des R c i ch s f i n a n z m i n i st e r r u in s er­klärte, daß bei der gespannten Lage der Reichsfinanzeir an eine Deckung des Defizits von 47 Millionen Mark aus Reichs­mitteln nicht zu denken sei.

Der Ausschuß lehnte Donnerstag bei der Einzelberatung einen d e u t s ch n a t i o n a l en Antrag ab. wonach die Er­satzkassen der Angestelltcnvcrbände befugt sein sollten, die Er­ledigung der Arbeitslosenversicherung für ihre Mitglieder auf dem Wege der Selbsthilfe unter Rctchsaufsicht durchzuführen. Abgeordneter R i e s e n c r (Zentrum) erklärte, ehe Vertagung eintrat, eine baldige Verabschiedung der Vorlage, der seine Freunde im großen und ganzen zustimmten, sei im Interesse einer Beruhigung auf sozialpolitischem Gebiete erforderlich.

Wertschasfende Fürsorge.

Die wcrtschaffendc Arbeitslosenfürsorge war Gegenstand einer vorhergehenden Besprechung von Mitgliedern des So­

über dem größten Meer der Erde.

Die Fahrt, dieGraf Zeppelin" auf der dritten v Etappe seiner Weltreise zurücklegt, geht über die g r ö ß t e -Wasserfläche der Erde, deren Ausdehnung über 150 Millionen Quadratkilometer beträgt. Die Gäste Dr. Eckeners werden auf dieser Fahrt einen regen Schiffs­verkehr unter sich sehen, denn der Stille Ozean ist von zahlreichen regelmäßigen Schiffahrtslinien durchkreuzt. Zwischen dem japanischen Hafen Bokohama und

Das Rathaus von Los Angeles, wo der Desatzung und den Fahrgästen desGraf Zeppelin" ein feierlicher Empfang bereitet wird.

S a n F r a N z i s k o verkehren viele modern ausgestattete Passagierdampfer unter japanischer und amerikanischer Flagge. Sie legen die Reise in durchschnittlich vierzehn Tagen zurück; die kürzeste Fahrtdauer wurde mit zehn Tagen erzielt. Auch für Segelschiffe ergeben sich aus dem Stillen Ozean günstige Fahrtverhältnisse durch die dort herrschenden Windströmungen. Für eine Fahrt mit dem Segelschiff rechnet man von Japan nach Amerika mit 45 Tagen, für die Gegenfahrt aber mit 40 Tagen.

Deutschland Sieger beim Internationalen Europaflug.

wtb. Paris, 23. Aug. Der deutsche Flieger Morzik von der Deutschen Verkehrsfliegerschule ist als Sieger bei dem Internationalen Europaflug hervorgegangen. Unter den 31 am Ziel eingetroffenen Konkurrenten sind 11 Deutsche.

Erneuter Start zum Fluge MoskauNewyork.

wtb. Moskau, 23. Aug. Der Flieger Schestakow startete heute früh 3 Uhr auf dem Moskauer Flugplatz zum Fluge nach Newyork.

zialpolitischen und dcö Volkswirtschaftlichen Ausschusses des Reichstages mit Beamten des Reichsarbeitsministerwms. Im Wesentlichen handelt es sich dabei darum, ob Mittel zur Fort­führung und Beendigung von Arbeiten bereitgestellt werden können. Die Notwendigkeit und Dringlichkeit von Mast- nahmen, um dem Verfall wirtschaftlicher Werte vorzubeugen, wurde einmütig zugegeben. Der Reichsarbeitsnünister wurde gebeten, baldmöglichst eine Zusammenstellung solcher Arbeiten vorzulegen, deren Fortführung in Frage gestellt ist.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Das LuftschiffGraf Zeppelin" ist heute um 13.13 Uhr japanischer Zeit (7.13 Uhr MEZ.) zum Pazifikflug aufgestiegen.

* Bei der zweiten Besprechung der s'chs einladenden Mächte im Haag konnte abermals keine Entscheidung erzielt werden und cs wurde Vertagung auf Freitag beschlossen.

* In Kiel hat die Tagung'des Reichsstädtebuudes, der Ver­einigung der kleinen und mittleren Gemeinden begonnen. Es tourben eine Anzahl wichtiger Reden über die Bedeutung der Klein- und Mittelstädte im Staatsleben gehal'eu

* Auf der Tauerubahn ereignete sich rin schweres Zug­unglück, durch das fünf Personen getötet und 21) verletz« wurden.

* über dem Hafen von Hongkong tobte fünf Stunden l $ ein gewaltiger Orkan, der an Schiffen und Haflnb.mieu großen Sachschaden anrichtete.

Wir fragen.

Und abermals ging ein Tag vorbei bei den Verhand­lungen in der holländischen Residenz, ein Tag, von dem man endlich, endlich eine entscheidende Wendung erwartet hatte und abermals mutz mit niederschlagender Ent­täuschung konstatiert werden, daß Null und Null nur Null bleibt. Die große Besprechung der sechs an der Liquidierung der Kriegsfolgen an erster und maßgebender Stelle interessierten Mächte brachte nur ein überaus dürftiges Nefultat die Vertagung auf den andern Tag. Wieviel weitere Vertagungen werden sich noch an­schließen? über eines braucht man nicht im Zweifel zu sein. Die Vertretung der Deutschen machte sicher die nachdrücklichsten Anstrengungen, zu einem be­friedigenden Ende zu kommen. War sie es doch, die nach ermüdenden Stunden der Erfolglosigkeit, der erstaun­lichsten Vergeudung von Kraft und Zeit das entschiedene Verlangen stellte, nunmehr müsse eine deutliche Bewegung nach dem gesetzten Ziel unternommen werden.

Wie war es doch? Die allgemeine Erkenntnis von der Unzulänglichkeit des Dawes-Vertrages, die Einsicht, Deutschland könne seine Lasten nicht länger tragen, hatte zu neuer Beratung über Revisionsmöglich- keit gedrängt, und die zu diesem Zwecke berufene Kom­mission arbeitete in Übereinstimmung in Paris den Noung-Plan aus. Er bringt, weiß der Himmel, nur geringe Erleichterungen für den nun einmal in diese Eigenschaft gezwungenen deutschen Schuldner, er nimmt ihm kaum etwas von der durch noch ein halbes Jahr­hundert zu schleppenden riesigen Bürde. Aber es sollte hoch eine bestimmte Rechnung an die Stelle der bis­lang ins Nebelhafte gehenden Forderungen der Gläu- bigcrmächte gesetzt werden, eine Rechnung, deren Schluß­summe wenigstens fest auf dem Papier stand. Selbstverständ­lich mußte damit verbunden sein die Erledigung der aus der Kriegsverwicklung und dem Diktatsrieden von Ver­sailles restierenden Unmöglichkeiten, die verhängnisvoll ber Beruhigung Europas und der Gesundung feiner Wirtschaft widersprechen. Die Aufrechterhaltung der Rheinlandbesetzung durch sremdes Volk, die schiechtmaskierte Dauerokkupation der Saar erschienen un­vereinbar mit ausrichtiger und sauberer Bilanz. Deutsch­land muß Atem holen können, soll es nachhaltig an der Abtragung der zu übernehmenden Verpflichtungen arbei­ten können.

Was geschah? Im Haag versammelten sich die führenden Staatsmänner Englands, Frankreichs, Italiens, Japans, Belgiens mit Einschluß Deutschlands, also die Hauptbeteiligten; der Doung-Plan sollte, in Einzelheiten vielleicht noch korrigiert, vom 1. September d. I., dem Ablaufstermin des Dawes-Vertrages, sanktioniert werden. Gleichzeitig mit diesem wirtschaftlichen Problem sollte das politische, eben die Rheinlandräumung, Lösung finden.

Es kam anders. Seit beinahe drei Wochen vertreiben Die Staatsgewaltigen der Gläubigerstaaten im Haag sich die Zeit, besuchen einander, besprechen sich, zersplittern sich in Ausschüsse, veranstalten Spezialdebatten und ge­rieten allmählich in hinterhältige Busch- und Hecken­gefechte, die weit ab von der gebotenen Richtung führten. Nicht mehr vom Uoung-Plan war die Rede, nicht von der Freilassung der Rheinlande, sondern nur von der größeren oder geringeren Quote, die jeder von der herausgehan- velten deutschen Beute einzustecken wünschte. England fühlt sich, vielleicht nicht ganz mit Unrecht, durch die über- aus gewaltigen Ansprüche Frankreichs, um dessentwillen ja der ganze Krieg nach dessen Ansicht geführt worden ist und dem die anderen selbstverständlich Heeresfolge und Sukkurs zu leisten hatten geschädigt und protestiert. Briand will auf keinen Pfennig verzichten, sträubt sich hartnäckig gegen jede Zusage in bezug auf den Rhein, er fürchtet den Zorn der ziemlich unsicheren Deputierten­kammer daheim. Italien möchte sich ebenfalls eine kleine Extrawurst braten, Belgien weicht in Vasallentreue nicht vom französischen Wimpel ab und Japan sieht keinen be­sonderen Anlaß, sich für den britischen Konkurrenten im Fernen Osten zu erwärmen. Die Deutschen, obwohl Teilnehmer der Konferenz, aber schließlich doch das O b - test der Veranstaltung und schwerlich von entscheiden­dem Einfluß, waren gezwungen, dem Getue und dem Ge- nächel, den Sophistereien und nichtsfördernden Redens­arten ohnmächtig zuzusehen. Die Erfüllung ihrer wohl­berechtigten Erwartungen wich in immer weitere Fernen zurück. Anzuerkennen und begreiflich, wenn sie, lange genug übcrgeduldig, einen Stein in die zur Versumpfung neigenden Konferenzgewässer warfen, wenn sie die übrigen Mächte zu einem klaren Entschluß aufriefen. Besser Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende!

Der 1. September steht vor der Tür, die Finanzlage des Reiches ist höchst ungeklärt. Was soll mit uns werden, sollen wir unter den Fesseln des Dawes-Vertrages weiter vegetieren, allmählich zugrunde gehen oder wird der Noung-Plan Gesetz für uns? Erhalten wir das Rheinland zurück, -ist man auf der Gegenseite ehrlich ge­willt, die wirkliche Friedensatmosphäre wiederherzu- ftcKeii, damit wir in den Stand gesetzt werden, an unserem eigenen und damit an dem Aufbau der Gesamt- Wirtschaft, der Herstellung der Völkersolidarität mit» zuwirken?

Danach mußten wir angesichts der im Haag ein» gerissenen Verworrenheit fragen und unsere Beauftragten haben die Frage laut und vernehmlich erhoben. Der zu­nächst noch undeutliche Widerhall kann nicht befriedigen, klare Töne verlangen wir recht bald zu hören, soll die Hoffnung nicht ganz ersterben, aus der Haager Konferenz werde mehr herauskommen als die Gleichung: Null und Null bleibt Null.es.