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Zul-aer /lnzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

Zulöa- und Haunetal »Iui-aer Kreisblatt

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Nr. 198 1929

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6. Jahrgang

Fulda, Samstag, 24. August

Graf Zeppelin" im Sturm.

In voller Fahrt.

Nach dem Aufstieg schlug das Luftschiff nördliche Richtung ein und wurde in schneller Fahrt um 10 Uhr MEZ. über Taire, etwa 200 Kilometer nördlich von Tokio, gesichtet. Um 11.10 Uhr MEZ. befand sichGraf Zeppelin" über der Stadt San- nohe an der Nordspitze der japanischen Hauptinsel Hondo.

Um 9 Uhr abends japanischer Zeit (1 Uhr mittags mitteleuropäischer Zeit) haben die japanischen Funk­stationen Funkmeldungen desGraf Zeppelin" aufgefan­gen, in denen die Position des Luftschiffes mit 35 Grad 40 Minuten nördlicher Breite und 145 Grad 20 Minuten östlicher Länge angegeben war. Aus dieser Positions­meldung läßt sich entnehmen, daß das Luftschiff in sechs Stunden etwa 3 6 0 Meilen in östlicher Richtung von Tokio zurückgelegt hat.

Wie aus San Franzisko berichtet wird, ist die Positionsmeldung auch von dem DampferAstral" auf- gesangen worden. Wie die Positionsangabe anzudeuten scheint, ist Dr. Eckener ostwärts auf das offene Meer hin- ausgesteuert, statt zunächst, wie es schien, einen nördlichen Kurs einzuschlagen. Wahrscheinlich geschah das in der Absicht, einem lokalen Sturmgebiet auszuweichen.

Dr. Eckener hofft in Los Angeles innerhalb 80 Stunden anzukommen, d. h., daß er am Sonntag abend die amerikanische Küste bei Seattle erreicht und in L 0 s Angeles etwa um 6 Uhr morgens pazifischer Zeit am Montag eintrifft.

Aus den Standortmeldungen desGraf Zeppelin" t^i der Fahrt über den Stillen Ozean am Freitag abend geht hervor, daß das Luftschiff, statt der Großzirkelroute zu folgen und sich in der Nähe der langgestreckten Insel» gruppen zu halten, die sich von Japan bis nach Alaska hin­ziehen, einen südlichen Kurs verfolgt. Dr. Eckener bekundet dabei hinsichtlich der Wetterlage die gleiche scharfe Beob­achtungsgabe, die schon bei den früheren Flügen den Er­folg gewährleistete. Obgleich das Luftschiff auf dem süd­licheren Kurs eine größere Sttecke zu bewältigen hat, so x-ntgeht es doch dem ungünstigen Wetter, das nördlich seines jetzigen Standorts herrscht. Die Durchschnitt?- geschwindigkeit betrug 96 Kilometer in der Stunde. Wenn diese Geschwindigkeit beibehalten wird, dürste Los Angeles am Dienstag morgen 2 Uhr erreicht sein.

Keine Funkverbindung desGraf Zeppelin" mit der amerikanischen Küste.

San Franzisco, 23. Aug. (WB.) Die Funkstationen an der amerikanischen Küste sind bisher nicht imstande gewesen, Funkverbindungen mit demGraf Zeppelin" herzustellen. Auf ihre fortwährenden Anrufe haben sie noch keine Antwort er­halten. Man vermutet, daß elektrische Störungen, die zwischen dem Standort des Luftschiffes und der amerikanischen Küste liegen, die Funkverbindung verhindern.

Am Samstagabend wird derGraf Zeppelin" voraussicht­lich den 180. Meridian, die internationale Datumsgrenze in der Mitte des Stillen Ozeans, überfliegen. Dabei wird das Luft­schiff einen Tag gewinnen, so daß die Passagiere also Samstag­nacht zu Bett gehen und nach Verlauf der Nacht am Sonnabend­morgen wieder aufwachen.

In Sturm geraten.

Tokio, 24. Aug. (WB.) (Associated Preß.) Die Führung desGraf Zeppelin" teilte der Regierungsfunkstation durch Funkspruch mit, daß er Freitagabend japanischer Zeit einen plötzlichen Eewittersturm mit Böen vor sich gehabt habe. Als das Luftschiff um 22 Uhr (14 Uhr MEZ.) seinen Standort bekannt gab, kündigte es zugleich an, daß es seine Geschwin­digkeit gesteigert habe und 130 Kilometer zurücklege. Dr. Ecke­ner ist nach dem Abflug von Kasumigaura nach Slldosten ab­gedreht, um den an der Küste von Okkaido herrschenden Winden auszuweichen. Anscheinend ist er aber doch in den Ausläufer des Sturmes hineingeraten.

Tokio, 23. Aug. (AW.) (Associated Preß.) Ein Funkspruch von Bord desGraf Zeppelin" teilt mit, daß das Luftschiff etwa drei Stunden nach dem Abfluge von Kasumigaura in einen Sturm geriet, der es heftig schüttelte. Es herrschte jedoch keine Unruhe an Bord. Die Sturmzone war bald durchfahren und die Passagiere konnten in aller Ruhe ihre Abendmahlzeit einnehmen.

Tokio, 23. Aug. (WB.) (Associated Preß.) Nachdem der Graf Zeppelin" das Sturmgebiet umfahren hat, nimmt das Luftschiff bei mondhellem, klarem Wetter und einer Flugge­schwindigkeit von nahezu 150 Stundenkilometern seinen Kurs etwa 800 Kilometer südlich der zuerst geplanten Route. Wenn sich die Wetterlage nicht wesentlich bessert, wird Dr. Eckener voraussichtlich den Kurs über den Stillen Ozean beibehalten. Das Luftschiff befindet sich jetzt zwischen der nördlichen und der südlichen Dnmpferstraße über dem einsamsten Teil des Stillen Ozeans.

Rewyork, 23. Aug. (WB.) Der Funker der Philadelphia Reading Eisenbahn fing eine Meldung desGraf Zeppelin" um 7 Uhr abends (11 Uhr nachts MEZ.) auf, in der der Stand­ort des Luftschiffes mit 154 Grad östlicher Länge und 39.40 Krad nördlicher Breite angegeben wird. In der Meldung heißt es noch, daß an Bord alles in Ordnung sei.

wtb. Tokio, 24. Aug. Die Funkstation Ochiischi hörte den Graf Zeppelin" 12.45 Uhr japanischer Zeit, das heißt 4.45 Uhr MEZ. Sein Standort war zu diesem Zeitpunkt 40 Grad nörd- k'chcr Breite und 163 Grad östlicher Länge. Das Luftschiff bewegte sich in einer Höhe von 850 ©Merv

Das Luftschiff gab um 1 Uhr nachts MEZ. an, daß es sich 39 Grad 20 Minuten nördlicher Breite und 161 Grad 25 Minu­ten östlicher Länge befinde. An Bord fei alles wohl. Um 5 Uhr früh MEZ. befand sichGraf Zeppelin" 40 Grad 5 Minuten

So steht eine Fahrkarte für die Wettfahrt mit dem Zeppetta aus.

Auf dem alten Fleck.

Hoffnungslosigkeit im Haag.

Die Gefahr einer deutschen Regierungskrise.x

Die Freitag morgen begonnene Besprechung der De» legierten der vier an der Rheinlandfrage interessierten Mächte im Haag wurde nach eineinhalbstündiger Dauer beendet. Sie soll nachmittags fortgesetzt werden. Von deutscher Seite nahmen die Reichsminister Dr. Strese­mann und Dr. Wirth daran teil. Eine Gesamt­besprechung der sechs Mächte, die für nachmittags anbe­raumt war, ist auf Sonnabend vertagt worden. In einer Beratung mit den deutschen Ministern Dr. Curtius ^nd Hilferding wurde lediglich über die Sachliefe­rungen gesprochen. Inzwischen sind im Haag sowohl der Reichsbankpräsident Dr. Schacht und der bei der deut- schen Sozialdemokratie an führender Stelle stehend* Reichstagsabgeordnete Dr. B r e i t s ch e i d eingetroffen, ferner sind anwesend zwei Mitglieder der Zentrumskrak- tion des Reichstages.

Gegenüber den Vermutungen, die sich auf eine Er­klärung Louchcurs vor der französischen Presse stützen, dass die deutsche Delegation von sich aus ergänzende Vor­schläge zu dem von den vier übrigen Gläubigermächten Freitag durch Jaspar der englischen Delegation über­reichten Angebot gemacht hätte, ist festzustellen, daß die deutsche Delegation weder in der Frage der Summe von 300 Millionen Mark aus der Überschneidung von Dawes- Plan und Noung-Plan noch in derjenigen der Ansprüche der Besatzungsschäden oder mit Bezug auf irgend welch* Verschiebung der geschützten und ungeschützten Annuitäten ioes Young-Planes ihrerseits Angebote gemacht hat. Auch ist Deuffchland in keiner Weise an dem Angebot der vier übrigen Gläubigermächte an England beteiligt, das von Snowden als ungenügend abgelehnt worden ist.

Es erübrigt sich, alle umlaufenden Gerüchte, deren -Zahl bei der unzweifelhaft kritischen Situation Legion ist, zu verzeichnen. Trotz aller bestimmten Versicherungen, die Konfeenz werde am Sonnabend resultatlos ge­schlossen werden, stellen französische und englische Blätter­stimmen es noch immer so hin, als wenn bei ihren Re­gierungen keineswegs die Absicht bestände, dieses Ende herbeizuführen. Vorläufig ist aber kaum zu erkennen, wie weitergearbeitet werden soll, wenn es^wirklich wahr ist, daß die gewünschte Einigung zwischen Frankreich und England nun auf dem Rücken Deutschlands ausgetragen werden soll.

Oie neuen Forderungen an Deutschland.

Die Deutschen, das wird ziemlich unwidersprochen behauptet, sollen als Antwort auf ihren begreiflichen Vor­stoß die Zumutung erhalten haben, neue zusätzliche Zah­lungen zu leisten. Man soll ihnen vorgeschlagen haben, nicht allein die durch den Young-Plan etwa erzielten 300 Millionen des ersten Young-Jahres zu opfern, sondern auch noch anstatt 660 Millionen sogenannter ungeschützter Jahreszahlungen etwa 700 hereinzubringen.Ungeschützt ist der Teil der Reparationssummen, für den kein Trans- fersckutz ailt. die aus den Überschüssen der Reichsbahn

nördlicher Breite und 165 Grad östlicher Länge. Diese letzte Standortmeldung wurde von einem Amateurfunker in San Franzisko aufgefangen, demzufolge das Luftschiff weiter mel­det: Wir treten in ein Tiefdruckgebiet ein. Unsere Geschwin­digkeit ist nicht sehr groß.

Graf Zeppelin" 2 200 Kilometer von Kasumigaura entfernt.

wtb. Tokio, 24. Aug. (Associated Preß.) Die Funkstation Ochiischi erhielt heute vormittag 10 Uhr Tokioter Zeit (2 Uhr früh MEZ.) einen Funkspruch vomGraf Zeppelin", in dem sein Stand mit 161.25 Grad östlicher Länge und 39.20 Grad nördlicher Breite angegeben wird. Hiernach ist das Luftschiff von Kasumigaura etwa 2 200 Kilometer entfernt Eine etwas spätere Meldung gibt die Position des Luftschiffes mit 1350 Kilometer südlich und etwas östlich von der Südspitze der Halb­insel Kamtschatka an. Das Luftschiff verfolgt nach dieser Mel­dung nordöstlichen Kurs in Richtung auf die Aleuten. Passa­giere und Mannschaft befinden sich in bester Verfassung.

wtb. San Franzisco, 24. Aug. Nach einer Mitteilung des hiesigen Wetterbüros liegt ein großer Nebelgürtel in der Fahrtrichtung desGraf Zeppelin". Auch werde das Luft­schiff bei der Fahrt nach Amerika frischen Winden begegnen. Westlich vom 170. Grad westlicher Länge ist die Windrichtung von der Behringsee her südlich. Wie das Wetterbüro erklärt, ist die Gegend der Aleuten stets sehr neblig. Dr. Eckener werde aber gewiß im Stande sein, seinen Kurs den Windrichtungen anzupassen.

Eine Verbindung mit demGraf Zeppelin".

wtb. San Franzisco, 24. Aug. Die kalifornische Marine­funkstation Marshal hat eine direkte Verbindung mit demGraf Zeppelin" hergestellt.

wtb. San Franzisco, 24. Aug. Die Marinefunkgesellschaft teilt mit, daß sie mit demGraf Zeppelin" während seiner Fahrt nach Los Angeles nunmehr ständig in Verbindung zu bleiben hoffe.

wtb.San Franzisco, 24. Aug. Die Funkstation Mackay er­hielt um 9 Uhr vorm. MEZ. eine Meldung vomGraf Zeppe­lin", die den Standort des Luftschiffes mit 168 Grad 30 Mi­nuten östl. Länge und 40 Grad 5 Minuten nördl. Breite angibt. In der Meldung heißt es weiter: Wir machen 50 Knoten durch dichten Nebel.

fließen und für die Deutschland kein Moratorium bean­tragen darf. Für die darüber hinausgehenden Summen kann Deutschland im Noffall ein Transfer- und Aufbrin­gungsmoratorium in Vorschlag bringen. Es würde also im ganzen darauf hinauslaufen, daß England bei seinem Streit um die Beute nicht wie es verlangte, durch Frank­reich befriedigt werden soll, sondern durch weitere Opfer Deutschlands.

Regierungskrise in Sicht?

Daß davon kaum die Rede sein kann, steht unzweifel­haft fest; denn der Young-Plan war doch darauchin ge­richtet, die nicht mehr zu tragende Überleistung Deutsch­lands etwas herabzumindern statt zu steigern.

Reichsaußenminister Dr. Stresemann soll denn auch in den verschiedenen Erklärungen deutlich darauf hinge­wiesen haben, daß es unmöglich sei, die deutsche Delegation mit einem solchen gerade in das Gegenteil verkehrten Resultat nach Hause reisen zu lassen. Unter Umstände«, so soll Dr. Stresemann sich angeblich ausgedrückt haben, würde direkt die Gefahr einer Regierungskrise in Deutsch­land beraufbeschworen werden.

Die Besprechungen im Haag.

Haag, 23. Aug. (WB.) Im Anschluß an das Diner, das die Königin der Niederlande zu Ehren der Hauptdele­gierten der a*uf der Haager Konferenz vertretenen Länder hèute abend veranstaltete, wurden um 22.30 Uhr die Be­sprechungen der Delegierten Frankreichs, Belgiens, Ita­liens, Japans und Deutschlands fortgesetzt. Von deutscher Seite nahmen wieder die Reichsminister Dr. Curtius und Dr. Hilferding an den Besprechungen teil, die um 23.40 Uhr beendet waren. Die Erörterungen galten wieder der Frage der Sachleistungen, insbesondere der Kohlenliefe­rungen unter besonderer Berücksichtigung des Falles eines Moratoriums für die deutschen Zahlungen. Die Bespre­chungen werden morgen vormittag 11.15 Uhr fortgesetzt werden. Die für morgen in Aussicht genommene Sitzung der sechs einladenden Mächte soll um 16 Uhr beginnen.

Mitte September Räumung durch die eng­lischen Truppen.

Paris, 23. Aug. (WB.) Der Havasvertreter berich­tet aus dem Haag: Wie ich aus Kreisen der Konferenz er­fahre, hat der englische Außenminister Henderson an Dx. Stresemann ein Schreiben gerichtet, in dem er die Absicht der britischen Regierung bestätigt, die britischen Truppen aus dem Rheinland in allernächster Zeit und unabhängig von dem endgültigen Schi^al des Youngplanes zurückzu­ziehen. Das Schreiben behandelt außerdem gewisse Fra­gen, die sich auf die praktische Durchführung und die finan­zielle Liquidierung der Besetzung beziehen, und erklärt zum Schluß, daß, wenn diese Fragen gleöst wären, die Räu­mung des Rheinlandes durch die britischen Truppen Mitte September beginnen und innerhalb dreier Monate durch­geführt sein könne.