Zul-aer Anzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
Zulöa- und Haunetal * Zulöaer Kreisblatt
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Nr. 199 — 1929
Fulda, Montag, 26. August
6. Jahrgang
„Gras Zepp«
wtb. Los Angeles, 16. Aug.
2.16 Uhr MEZ. zu Boden gegangen,
Notte Fahrt über den Stillen Ozean.
DieVorbereitungeninLosAngeles.
Die Fahrt des „Gras Zeppelin" über den Stillen Ozean geht flott voran. Die Geschwindigkeit richtet sich ganz nach der Wetterlage und beträgt, sofern keine Gegenwinde herrschen, etwa 100 bis 130 Kilometer in der Stunde. Sonnenschein. Regen und Nebel wechseln einander ab.
Die Datuinsgrenze überflogen.
Am Sonnabend abend hat der „Graf Zeppelin" den 180. Meridian, die internationale Datumsgrenze in der Mitte oes Stillen Ozeans, überflogen. Dabei gewann das Luftschiff einen Tag, so daß die Passagiere also Sonnabend nacht zu Bett gingen und nach Verlauf der Nacht am Sonnabend morgen wieder aufwachten.
*
Auf dem Flugplatz in Los Angeles wird eine Patrouille von zehn Flugzeugen bereitgehalten, die bei Annäherung des „Graf Zeppelin" aufsteigen wird, um ihm den Weg zum Ankerplatz freizuhalten. Sie wird das Luftschiff bis zur erfolgten Verankerung in einer Entfernung von 500 Meter umkreisen und alle anderen Flugzeuge zwei Meilen vom Luftschiff entfernt halten. Während der Landungsmanöver dürfen keine Flugzeuge vom Flugfeld aufsteigen oder landen.
In Newyork hat sich ein Empfangskomitee gebildet, das damit beschäftigt ist, unter Mitwirkung der deutschamerikanischen Verbünde ein großzügiges Programm zum Empfang des „Graf Zeppelin" auszuarbeiten. Es ist beabsichtigt, die Führer und die Besatzung des Luftschiffes in einer großen Parade von der Battery, der Südspitze der Stadt, zum Rathaus zu geleiten.
Tokio, 25. Aug. (WB.) Associated Preß. — Die Funkstation Ochiischi hat im Laufe des Tags zahlreiche Funk- sprüche von Borda des „Graf Zeppelin" aufgefangen. Den letzten Standortmeldungen zufolge hat das Luftschiff etwa ein Drittel der Strecke über dem Stillen Ozean zurückgelegt. Dr. Eckener teilte mit, daß „Graf Zeppelin" seine Geschwindigkeit erhöht habe, da seit Anbruch der Nacht eine Besserung der Wetterverhältnisfe eingetreten sei. Die Geschwindigkeit betrage jetzt etwa 115 Stundenkilometer. Das Wetter habe im Laufe der letzten 24 Stunden ständig gewechselt. Auf Perioden schönen Wetters seien Regen, dichter Nebel, Bewölkung und Gegenwinde gefolgt, die das Luftschiff zwangen, seine Geschwindigkeit erheblich zu vermindern.
Die Leitung des „Graf Zeppelin" teilte der Funkstation Ochiischi ferner mit, daß sie mit amerikanischen Funkstationen in Verbindung gestanden und von diesen Berichte über die Empfangsvorbereitungen in Los Angeles erhalten habe. Dr. Eckener kündigte ferner an, daß er wahrscheinlich infolge des Tiefdruckgebietes im Golf von Alaska gezwungen werde, den beabsichtigten Besuch in Seattle aufzugeben. Zn diesem Fall würde das Luftschiff die amerikanische Küste in der Gegend von San Francisco erreichen.
Die Wetterlage für den »Gras Zeppelin".
San Francisco, 25. Aug. (WB.) Die Funksprüche vom „Graf Zeppelin" ergeben, daß das Luftschiff seine Geschwindigkeit erhöht hat, als es in den Weg der um diese Jahreszeit an der Küste herrschenden Nordwinde gelangte. Die genaue Zahl der von dem Luftschiff zurückgelegten Meilen läßt sich erst feststellen, wenn Los Angeles erreicht ist, doch wird angenommen, daß die Flugstrecke etwas länger ist, als ursprünglich geschätzt wurde, da Dr. Eckener sich auf der ganzen Strecke wegen der Wetterlage südlich der Erotzkreisroute gehalten hat. Der nördlichste Punkt, den das Luftschiff durchfuhr, war 46 Grad nördlicher Breite und 161 Grad westlicher Länge. Dieser Punkt wurde Samstag abend 9 Uhr Ostnormalzeit (Sonntag früh 3 Uhr MEZ.) erreicht. Hier wurde offenbar der Plan, Seattle zu besuchen, endgültig aufgegeben. Der Wetterbericht von heute früh verzeichnete Regen an der Küste von Nordkalifornien und das Luftschiff begünstigende mäßige, frische Nordwestwinde.
San Francisco, 25. Aug. (WB.) Die Funkstation der Associated Preß fing eine Funkmeldung vom „Graf Zeppelin" auf, in dem der Standort des Luftschiffes um 10 Uhr abends MEZ. mit 39.18 Grad nördlicher Breite und 129.42 Grad westlicher Länge angegeben wird.
Friedrichshafen, 25. Aug. (WB.) Das Luftschiff „Graf Zeppelin" teilt der Werft in Friedrichshafen folgenden Standort mit: 21 Uhr MEZ. 39.30 Grad Nord, 131 Grad West. Alles in Ordnung.
Newyork, 25. Aug. (WB.) Associated Preß meldet aus San Francisco: Das Luftschiff „Graf Zeppelin" gab um 6 Uhr abends MEZ. seinen Standort mit 41 Grad nördlicher Breite und 134 Grad westlicher Länge an. Demnach befand sich das Luftschiff zur angegebenen Zeit 1260 Kilometer von San Francisco entfernt.
»Graf Zeppelin" aus dem Wege nach San Francisco.
_ San Francisco, 25. Aug. (WB.) Associated Preß. — Der Standort des „Graf Zeppelin" war um 6 Uhr abends Ostnormalzeit (12 Uhr nachts MEZ.) 38.46 Grad nördlicher Breite und 128.24 Grad westlicher Länge, d. h. etwa 450 Kilometer von San Francisco entfernt. Die Geschwindigkeit des Luftschiffes betrug etwa 108 Kilometer in der Stunde.
in“ gelandet.
>as Luftschiff Graf Zeppelin ist um und die Haltetaue wurden ergriffen.
»Gras Zeppelin" noch 2 bis 3 Stunden von San Francisco entfernt.
San Francisco, 25. Aug. (WB.) Associated Preß. — Flugsachverständige, die den Kurs des „Graf Zeppelin" genau verfolgt haben, haben ausgerechnet, daß das Luftschiff zwischen 6 und 7 Uhr abends Pacificzeit (Montag früh zwischen 2 und 3 Uhr MEZ.) Uber San Francisco zu erwarten sei.
Ueber San Francisco.
wtb. SanFrancisco, 26. Aug. San Francisco und die Orte an der Bay haben den Zeppelin nur etwa eine Stunde für sich gehabt, aber sie haben das große Ereignis der Ueberquerung des Pacific mit Sirenengeheul von allen Schiffen im Hafen, mit dem Hupen der Tausende von Autos, mit jubelnden Menschenmassen an allen Dächern und Fenstern gebührend gefeiert, solange der silberglänzende Leib des Luftschiffes, von zahlreichen Flugzeugen umschwärmt, zu sehen war. Um 6.45 Uhr glitt das Luftschiff über Marketstreet, San Franciscos bekannteste Straße dahin und überflog dann das Stadtinnere. Diejenigen, die den Ereignissen mit den Radiohörern an den Ohren folgten, hörten, wie die Beamten einer Funkstation sich bei der Fahrtleitung des „Graf Zeppelin" erkundigten, ob ihnen von da oben San Francisco gefalle und hörten, wie man aus der Höhe antwortete: „Za, großartig". Nach Ueberfliegen des Präsidiums drehte das Luftschiff südwärts ab und schien der Küste zu folgen, ein Kurs, der offenbar bis Los Angeles beibehalten wird.
Zwischen dem Abflug des Luftschiffes von Kasumigaura und der Sichtung über San Francisco verstrichen nur 67 Stunden 49 Minuten.
Um 7.45 meldete die Stadt Santa Cruzcal das Auftauchen des Luftschiffes. Dort hatte man drei mächtige Scheinwerfer bereitgestellt, die den „Graf Zeppelin" 10 Minuten lang in ihr weißes Licht tauchten, ehe er in der Richtung nach Los Angeles entschwand.
Landung in Los Angeles um 5 Uhr morgens.
wtb. Los Angeles, 26. Aug. Die Leitung des Luftschiffhafens wurde von Bord des „Graf Zeppelin" funkentelegraphisch benachrichtigt, daß das Luftschiff gegen 5 Uhr morgens zu landen beabsichtige.
Französische Mi
MmmMorMge der BesasmMSchte.
Zu den Verhandlungen über die Räumungsfrage im Haag, an der die vier an der Rheinlandfrage interessterten Mächte teilnahmen, werden noch folgende Einzelheiten bekannt:
Die Sitzung am Sonnabend war nach 1K Stunden Dauer beendet. Wie verlautet, haben die Verhandlungen einen günstigen Verlauf genommen, über den Râumungs- termin konnte zwar noch keine Klarheit erzielt werden, es steht jedoch zu erwarten, daß die Besetzungsmächte zu Beginn dieser Woche Deutschland bestimmte Vorschläge in dieser Frage unterbreiten werden, so daß, vorausgesetzt, daß auch in den finanziellen Fragen eine Einigung erzielt wird, die Aussicht besteht, daß sowohl über die Räumung selbst wie über alle damit zusammenhängenden Frage« eine Regelung zustande kommt. Die Delegierten der Besetzungsmächte werden am Sonntag und Montag zu diesem Zweck interneBesprechungenmitchren militärischen Sachverständigen führen. Eine erneute Sitzung der vier an der Rheinlandfrage interessierten Mächte ist für bett kommenden Dienstag in Aussicht ge- nomrnen.
Wie Havas aus dem Haag meldet, werden die Erörterungen über die eventuellen Modalitäten der Räumung der dritten Zone fortgesetzt. Sie haben dre Entsendung militärischer Sachverständiger nach dem Haag notwendig gemacht. So ist auch General Guitry, stellvertretender französischer Generalstabschef, dort eingetroffen.
Nach Abschluß der Besprechung der Rhemlandmachte fand eine etwa anderthalbstündige Aussprache der an den Finanzfragen beteiligten Delegierten statt, an der auch die Außenminister Dr. Stresemann, Briand und Hymans teilnahmen. Die Besprechung galt der Formulierung der von den vier übrigen Gläubigermächte« an England zu machenden Vorschläge.
Nie Sonntagsverhandlungen.
Besprechung der Gläubigermächte mit deutschen Vertretern.
Am Sonntag vormittag fand eine Sitzung der französischen, belgischen, italienischen und japanischen Dele- gierten mit den Reichsministern Curtius und Hilferdmg statt, in der die Frage der Formulierung eines Angebotes der vier Gläubigermächte an England zur Befriedigung der englischen sinanziellen Ansprüche befriedigt wurde. Anschließend blieben die Delegierten dieser wer Machte Ai Gegenwart Briands unter sich noch etwa eine Stunde Zusammen. Diese Besprechung wurde dann nachmittags zwischen ihnen weitergeführt.
Gespannte Erwartung in Los Angeles.
wtb. Los Angeles, 26. Aug. Die Stadt, wie das ganze Südkalifornien, harrt mit immer gespannterer Erwartung dem Augenblick entgegen, wo der Zeppelin nach der Bezwingung des Pacifischen Ozeans auf dem Flugplatz von Los Angeles eintreffen wird. Vor Anbruch der Nacht hatte die Pilgerfahrt der ungezählten Tausende nach dem Flugfeld eingesetzt. Die meisten zeigten durch ihre Ausrüstung die Entschlossenheit, die ganze Nacht über draußen zu lagern, um auf alle Fälle dem großen Ereignis beizuwohnen. Man erwartet übrigens, daß sich noch weit größere Menschenmengen einfinden werden. An Absperrungs- und Ueberwachungsmannschasten stehen, wenn man die Polizei, die Marine und die ebenfalls herangezogene Feuerwehr zusammenzählt, 1200 Mann zur Verfügung. Der Flugplatz wird die ganze Nacht von zahlreichen kräftigen Scheinwerfern in helles Licht getaucht sein, um auch den Zuschauern zu ermöglichen, jede kleine Einzelheit der Landung deutlich zu verfolgen. Ueber 100 Flugzeuge halten sich bereit, dem Luftschiff entgegenzufliegen und ihm das Geleit zu geben, sobald es in der Ferne austaucht. An Bord eines dieser Flugzeuge wird sich Herbert Hoover jun. befinden, der durch das an Bord befindliche Mikrophon den Rundfunkhörern eine Beschreibung der Ankunft des Zeppelins geben wird. Die Rundfunkberichterstattung beginnt, sobald das Luftschiff auf 50 Meilen an Los Angeles herangekommen ist, und sie wird durch das ganze Land verbreitet werden. Zoll- und Einwanderungsbehörden haben alle Vorbereitungen getroffen, daß die nun einmal notwendigen Formalitäten sich glatt und ohne unerwünschte Zwischenfälle abwickeln.
Ueber Los Angeles.
„Graf Zeppelin" ist um 1.16 Uhr nachts pacifischer Zeit
(9.16 Uhr MEZ.) über Los Angeles eingetroffen.
Glückwünsche des Reichsverkehrsministers an den Sieger des Europafluges.
Berlin, 24. Aug. (WB.) Reichsverkehrsminister Dr. Stegerwald beglückwünschte den Fluglehrer bei der Deutschen Verkehrsfliegerschule Morzik zu seinem Siege im Internationalen Europarundflug und richtete an ihn ein Schreiben, in dem er ihm die wärmste Anerkennung für seine hervorragende Leistung ausspricht. Aus dem gleichen Anlaß sandte der Reichsverkehrsminister Glückwunschtelegramme an den Aero-Klub von Deutschland, die Bayrischen Flugzeugwerke A. E. in Augsburg und die Firma Siemens und Halske A. G., Flugmotorenwerk in Berlin- Spandau.
ittärs im Haag.
Die Haager Bemühungen um eine Einigung mit England.
Haag, 25. Aug. (WB.) Der heutige Sonntagnachmittag ist seitens der Delegationen Frankreichs, Belgiens, Italiens und Japans zu einer fast ununterbrochenen Arbeit an dem Zustandebringen eines schriftlichen Angebotes an England benutzt worden. Um 4 Uhr traten die betreffenden Delegationen in der gleichen Zusammensetzung wie heute vormittag, d. h. zunächst unter Mitbeteiligung Briands, wieder zusammen. Der französische Ministerpräsident verließ die Sitzung nach etwa einer Stunde. Die übrigen Teilnehmer an der Beratung blieben bis 20.15 Uhr zusammen, ließen dann eine Pause eintreten und begannen um 22 Uhr von neuem mit ihren Arbeiten, die zur Stunde noch andauern, aber nur noch die Redaktion des Schriftstückes zum Gegenstand haben sollen, das aus einem Begleitbrief und einem Memorandum von fünf bis sechs Maschinenseiten bestehen soll.
Aus Erklärungen eines französischen Delegierten vor der französischen Presse geht hervor, daß die schriftliche Festlegung der jüngsten, Snowden zugedachten Vorschläge noch im Laufe des heutigen Abends abgeschlossen und entweder in späterer Abendstunde oder morgen früh der englischen Delegation überreicht werden wird. Wie weit die neuen Bemühungen der erwähnten vier Gläubigermächte zur Aufbringung einer England befriedigenden Summe unter sich gelingen und eine Regelung des dritten noch ausstehenden Punktes, der Frage der entsprechenden Beteiligung Englands an den ungeschützten Annuitäten, erreicht worden ist, läßt sich vorläufig nur aus der langen Dauer dieser Bemühungen und aus der erwähnten Erklärung schließen, außerdem feststellt, daß eine Ziffer von 55 bis 60 Prozent der englischen Forderungen erreicht worden sei. Das erwähnte Memorandum betont u. a. besonders die Vorteile, die England aus der gleichfalls damit zu erreichenden Regelung der Sachleistungsfrage erwachsen würden.
Aus englischer Quelle verlautet, daß das britische Kabinett gestern den hiesigen Delegierten Englands jede formelle Vollmacht erteilt habe, nach ihrem Ermessen mit dem zu erwartenden Angebot zu verfahren. Die deutsche Seite ist an den Auseinandersetzungen der Gläubigermächte heute nachmittag nicht beteiligt gewesen.
Englands Vertretung in der Rheinlandkommission.
wtb. Paris, 26. Aug. Der Sonderberichterstatter des „Oeuvre" im Haag erklärt, Briand habe noch nicht alle Hoffnung verloren, von Henderson die Zustimmung zu erlangen, daß ein britischer Vertreter in der Rheinlandkom- mission verbleiben werde, so daß die Besetzung bis zum letzten Tage einen interalliierten Charakter behalten könne.