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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 200 1929

Fulda, Dienstag, 27. August

6. Jahrgang

Zeppelin aus dem ginge nach Lakehurst.

wtb. LosAngeles, 27. August.Graf Zeppelin" ist, nachdem er gestern um 2.16 Uhr MEZ. in Los Angeles gelandet war, um 12.14 Uhr nachts pazifischer Zeit (9.14 MEZ.) zur Fahrt nach Lakehurst aufgestiegen.

Graf Zeppelin" in Los Angeles.

Die größte Wasser st recke überwunden.

Das LuftschiffG r a f Z e p p e l i n" ist um 2.16 Uhr mitteleuropäischer Zeit inLosAngeleszu Boden ge­gangen und um 14.40 Uhr am Ankermast festgemacht worden.

Einer Silberwolke gleich, näherte sich derGraf Zeppelin" im Licht der ersten Sonnenstrahlen von Norden her dem Flugplatz und steuerte, immer tiefer gehend, dem Ankermast zu. Das Luftschiff senkte sich langsam der Erde zu und das erste Haltetau wurde von der Bodenmann­schaft erfaßt. Damit hatte also derGraf Zeppelin"

den Kontakt mit der amerikanischen Erde hergestellt. Der Bug des Riesenschiffes wurde sodann langsam dem A n k e r m a st zugeführt. Der erste Versuch, das Schiff am Mast festzumachen, mißlang. Es wurde nochmals zurückgenommen und dann wieder langsam vorwärtsgezogen und am Landungsmast festgemacht. Wenige Minuten später verließen die Paffagiere die Gondel. Während des Landungsmanöverè umkreisten sechs Marineflugzeuge das Landungsfeld. Ein kleines Luftschiff vom sogenanntenBlimp"-Typ schwebte einige Augenblicke lang gerade über dem Zeppelin und bildete einen merkwürdigen Kontrast zu dem riesen­haften Weltumsegler. Inzwischen war die Sonne über die Berge aufgestiegen und überstrahlte das unver­gleichliche und unvergeßliche Bild. Beim Erscheinen des Luftschiffes brach

ein ungeheurer Begeisterungssturm der riesigen Menschenmaffen los. Gleichzeitig ertönten zahlreiche Sirenen. Nach einer Schleife über dem Flug­hafen machte sich das Luftschiff zur Landung fertig.

Auf dem Flugselde waren neben dem Ober« bürgermeister von Los Angeles, der die ganze Nacht dort verbracht hatte, zahlreiche andere Vertreter der staatlichen und der städtischen Behörden eingetroffen, um dem Luftschiff Willkommensgrüße darzu­bringen. Sofort nach der Landung wurden die Passa­giere in zwölf Automobilen zum Zollgebäude gebracht, wo die Einreiseformalitäten erledigt wurden.

Eine wahre Völkerwanderung zum Flughafen hatte eingesetzt. Die dorthin führenden Straßen waren schwarz von Schaulustigen, die selbst aus entfernten Gegenden kamen, um der Landung des deut­schen Luftschiffes beiwohnen zu können. Viele Tausende warteten schon seit Sonntag abend, obwohl die Führung des Luftschiffes bekanntlich in einem Funkspruch mitteilte, daß die Landung erst bei Tagesanbruch erfolgen solle.

Der Sturmflug über den Großen Ozean.

Die große Leistung desGraf Zeppelin" durch die Überquerung des Großen Ozeans geht am eindring­lichsten aus folgenden Zahlen hervor: Das Luftschiff hat den Pazifik von der japanischen bis zur westamert- kanischen Küste, eine Strecke von 8695 Kilometern, in 68 Stunden und 22 Minuten überquert. Die Strecke von Kasumigaura bis Los Angeles ist 9285 Kilometer lang. Die Fahrtleistung desGraf Zeppelin" ergibt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 118 Kilometern in der Stunde. Die Höchstgeschwindigkeit, die bei heftigen Rücken­winden erreicht wurde, betrug 180 Kilometer in der Stunde. Die Leistung des deutschen Luftschiffes ist um so höher zu bewerten, wenn man bedenkt, daß die Hälfte der Fahrt in dichtem Rebel zurückgelegt werden mußte, daß zeitweise stürmische Gegenwinde herrschten und das Schiff einmal in ein heftiges Gewitter geriet. Die Schiffsführung war zeitweise gezwungen, mit dem Luftschiff bis auf 100 Meter über dem Meeres­spiegel hinunterzugehen, um eine einwandfreie Navi­gation zn ermöglichen. Auf der dritten Etappe des Welt- fluges hatGraf Zeppelin"

die größte Strecke über offener See zurückgelegt, die je von einem Luftfahrzeug bewältigt wurde.

30 Stunden Aufenthalt.

Dr. Eckener hat mitgeteilt, er hoffe, innerhalb 30 Stunden nach der Landung in Los Angeles den Flug fortzusetzen. Wie dazu ergänzend verlautet, dürste die Flugroute E l P a s oC ansas-Cit yS t. L o u i s Chikag oC levelan dL akehurst gewählt wer­den.

Erkrankung Dr. Eckeners?

Dr. Eckener, der, wie jetzt bekannt wird, während der Fahrt über den Stillen Ozean zwei Tage lang tränt war, wurde nach der Landung des Luftschiffes in einem Automobil nach einem Hotel im Innern der Stadt ge­bracht. Es war ursprünglich geplant, eine Erklärung von feiten der Führung desGraf Zeppelin" über den Verlauf der Fahrt auszugeben, aber die schriftliche Er­klärung, die Dr. Eckener vorbereitet hatte, ging ver­loren. Der Wind ritz sie ihm aus der Hand, als er sich aus einem Fenster der Führergondel hinauslehnte, Per­

sonen, die mit Dr. Eckener gesprochen haben, sagten, daß er sich s e h r b e g e i st e r 1 über den Erfolg der Fahrt aus­gesprochen und der Überzeugung Ausdruck verliehen habe, daß der Beweis für die kommerziellen Möglichkeiten der Verwendung von Luftschiffen im Ozeanhandelsdienst nun­mehr erbracht sei.

Die Ingenieure desGraf Zeppelin" erklären, daß sich das Luftschiff im besten Zustand befinde und nach Neu­füllung der Gaszellen, Ergänzung des Betriebsstoffes und Aufnahme von Vorräten sofort wieder start­bereit lei.

Wie zuletzt verlautet, ist der Zustand Dr. Eckeners trotz seiner zweitägigen Krankheit und der durch die Fahrt verursachten Abspannung gut. Er wurde eiligst in ein Hotel gebracht, um ihm Gelegenheit zu geben, sich für die geplanten Empfangsfeierlichkeiten auszuruhen und die Vorbereitungen für den Weiterflug zu treffen.

Sie fühlten sich wie im Himmel.

Lady Drummond-Hay erklärte, die Fahrt sei interessant, aber nicht so aufregend gewesen wie der Relordflug NewyorkFriedrichshafen. Die bemerkens­wertesten Erlebnisse für die Passagiere seien die Schau­spiele gewesen, die sich boten, als das Luftschiff bei farben­prächtigem Sonnenuntergang San Franzisko über­flog und als es bei herrlichem klaren Sonnenaufgang Los Angeles erreichte. Eommander Rosendahl meinte:Es war der schönste Flug, den ich mit­gemacht habe, und ich genoß jeden Augenblick. Die geschickte Ausnützung der Winde und die bemerkenswerte^ Geschwindigkeit desGraf Zeppelin" machten den Flug zu einem so ungewöhnlichen Erlebnis. Der japanische Kapitän Kusaka erklärte:Vertreter von vier Nationen verbrachten drei Tage auf dem Luftschiff, während derer sie sich wie i m H i m in e l fühlten. Diese bemerkenswerte Leistung, die durch den deutschen Erfindergeist ermöglicht wurde, ändert die Weltkarte und macht Japan zn einem wirklichen Nachbarn A m e r i - k a s. Der Flug desGraf Zeppelin" wtrd dazu dienen, eine neue Ära der Verständigung zwischen allen Nationen der Welt herbeizuführen, besonders zwischen Amerika, E n g l a n d , D e u t s ch l a n d und I a p a u.

Der berühmte Polarflieger S i r H u b e r t W i l k i n s^ erklärte Pressevertretern gegenüber:Es war eine ange­nehme und sorgenfreie Fahrt, die mitzumachen ein Vergnügen war. Ehe jedoch ein regelmäßiger Ver­kehr mit Luftschiffen erfolgreich durchgeführt werden kann, brauchen wir eine bessere und weitgehendere Zusammen­arbeit der Wetterbureaus und der Meteorologen. Die nicht anbaufähigen Steppen Sibiriens, die regendurch­weichten Felder des Orients, die Wolkenbänke des Stillen Ozeans zählen zu den interessantesten Erscheinungen, die ich je sah."

Bor der Weiterfahrt desGraf Zeppelin".

wtb. Los Angeles, 26. Aug. Dr. Eckener, der denGraf Zeppelin" um 6.30 Uhr abends pacifischer Zeit besichtigte, stellte dabei fest, daß die Vrennstoffeinnahme beendigt und das Luftschiff reisefertig sei. Die Abfahrt ist zwischen 11 Uhr und Mitternacht zu erwarten. Es ist bemerkenswert, daß das Luftschiff bei seiner Landung noch Brennstoff ge­nug für den Weiterflug bis Lakeburst hatte.

Die Passagiere wurden benachrichtigt, daß sie um 10.30 Uhr an Bord sein müßten, da der Abflug so bald wie mög­lich stattfinden werde.

Abfahrtvorbereitungen in Los Angeles.

wtb. Los Angeles, 26. Aug. Die Flugplatzmannschaften schwenkten um 9.55 Uhr nachts das Heck des Zeppelins in westliche Richtung und trafen Vorbereitungen, um die Spitze des Luftschiffes vom Ankermast zu lösen. Die Ab­fahrt nach Lakehurst steht dicht bevor.

Dr. Eckeners Eintreffen auf dem Flugplatz.

wtb. Los Angeles, 26. Aug. Dr. Eckener und die 16 Passagiere sind um 10.37 Uhr abends auf dem Flugfeld ringet raffen. Sie kamen bireti von dem ihnen zu Ehren

gegebenen Empfangsfeierlichkeiten und waren unterwegs durch den Verkehr zwischen Stadt und Flugplatz aufgehal­ten worden.

Der Start zur letzten Etappe.

Die Passagiere des Luftschiffes begaben sich 11.10 Uhr abends an Bord. Um 11.15 Uhr gab Dr. Eckener Befehl, Ballast abzuwerfen. Dann wurde die Spitze des Luftschif­fes vom Ankermast gelöst, und die Haltemannschaft bewegte sich mit dem Luftschiff über das Flugfeld etwa eine halbe Stunde hin und her. Während dieser Zeit wurde noch Post an Bord genommen, und die technischen Einrichtungen wurden einer letzten Prüfung unterzogen. Schließlich mach­ten die Haltemannschaften inmitten des Flugplatzes Halt. Der Bug des Zeppelins war nach Osten gerichtet, alles war bereit, es blieb nur noch übrig, den Befehl zum Loslaffen der Haltetaue zu erteilen.

Auf den Landstraßen in der Umgebung des Flugfeldes drängten sich viele Kilometer weit die Autos derjenigen, die die Abfahrt hatten miterleben wollen.

Die voraussichtliche Flugroute desEraf Zeppelin".

Die zweitägige Krankheit Dr. Eckeners bestand in einer Verdauungsstörung. Wie mitgeteilt wird, wird das Luft­schiff auf seiner Fahrt nach Lakehurst voraussichtlich fol­gende Orte berühren: San Bernardino (Kaliforniens, Phoenix oder Tucson (Arizona) Lordsburg (Neu-Mexiko), ferner Oklahoma-City, Muskogee, Kansas-City, Jefferson- City, Springfield, Toledo, Syracuse, Buffalo und Albany. Die Besatzung desGraf Zeppelin" schätzt, daß Lake­hurst in 48 Stunden erreicht werden wird. Die Passagiere des Luftschiffes sind einmütig der Ansicht, daß die Zeit für den Transozeanluftschiffhandelsverkehr gekommen sei.

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Der neue Kolumbus.

Als ein neuer Kolumbus, der auf bisher unbefahrenen Wegen die Gestade Amerikas, diesmal von Westen her, anfteuert, ist Dr. Eckener in Los Angeles gelandet. Nach Überquerung der russischen Steppen und Wüsten flog Graf Zeppelin" von Astens Küsten auf und schlug eine neue Brücke zwischen dem Reich der ausgehenden Sonne und dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Der Stille Ozean, über dessen Wogen er feinen Weg hoch in den Lüften nahm, sah schon einmal in uralter Zeit einen in seinen Auswirkungen großartigen ZugderKultur Nimmt man doch an, daß unsere Kultur, von der Süß.^ küste Asiens kommend, sich von dort nach Osten und Westen verbreitend, auf den schnellen Booten der Südseeinsulaner von Eiland zu Eiland getragen worden ist, bis nach Afrika auf ber-einen und Amerika auf der anderen Seite. Neue Bahnen über uralten Pfaden fand Dr. Eckener, an die vor kurzem noch kein Mensch recht glauben wollte. Aber des kühnen Luftpiloten Zuversicht, daß er das an­gestrebte Ziel erreichen werde, stand so fest wie einst der Glaube des K o l u m b u s' an die Erfüllung seiner Mission. Er machte seine Hand am Steuer fest, in den Gewitterstürmen, die seinem braven Schiff sich über dem Meer entgegenstemmten, und brachte Schiff und Ladung zum sicheren Hafen. Was bisher nur ein Erlebnis von Europa und Amerika war, das ist jetzt Ereignis ge­worden auch fürAsien und den Archipel des größten Weltmeeres. Schaudernd sah der Asiate über Wüstensteppen ein unerklärliches Wunder unter Sausen und Brausen an seinem Himmel dahingleiten, mit wissen­dem Lächeln begrüßte der Japaner den sehnlichst er­warteten Boten aus Europa und mit frommem Schauder mag der Insulaner des Pazifiks das ihm auf dem Wasser vertraute Schiff hoch oben im sonnengleitzenden Äther dahinschwebend gesehen haben. Kann man ermessen, welches erschütternde und aufrüttelnde Erlebnis das Er­scheinen des Zeppelins für die Naturvölker war, die von dem Dasein und dem Wirken dieses Luftriesen noch nie etwas gehört hatten?

Nun jubelt ihm die Westküste Amerikas be­geistert zu, und neue Zukunftsaussichten und Verkehrs­hoffnungen eröffnen sich diesem Lande, das bisher auf der Abseite des amerikanischen Kontinents von den Vor­teilen und Verbindungen des Atlantischen Ozeans nur geringeren Nutzen hatte. Für neue Handelswege und als neuer Kulturpfad ist das Luftmeer ihm jetzt erschlossen. Und der Bringer so guter Kunde ist Dr. Eckener mit seinemGraf Zeppelin". Jst's da ein Wunder, daß sie dort jubeln und den wagemutigen Luftschiffer begrüßten als neuen Kolumbus?

Heute wird es weitergehen. Himmelhohe Ge­birgsmassen, die das Land bisher in zwei scharf gesondeâe -Hälften trennten, werden keine Hindernisse mehr bieten und werden zusammenschrumpfen unter dem Adler-- flug des Zeppelins. Dann wird er in Lakehurst wieder den Knoten schürzen können des Bandes, das er um die Erde geschlungen hat. Allen Völkern ein Beweis von deutschem Willen und Wollen, deutschem Wissen und -Können, von Deutschlands nicht erlahmter Kraft trotz aller Stürme und aller Hindernisse, die auf dem Weg seines Aufstiegs sich türmten. bt