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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 201 1929

Fulda, Mittwoch, 28. August

6. Jahrgang

Einigung im Haag

Oie Nheinlandräumung.

Dienstag fand eine Sitzung der vier an der Rhein­landsrage interessierten Mächte statt, die nach l^ Stun­den wieder abgebrochen wurde. Irgendwelche Fortschritte sind bei dieser Sitzung, an der die deutschen Vertreter selbstverständlich teilnahmen, nicht erzielt worden. Viel­mehr begnügte man sich mit kurzen Erklärungen, daß in dieser politischen Frage mit Rücksicht auf die ungeklärte Lage der finanziellen Auseinandersetzungen jetzt nichts Entscheidendes getan werden könne. Die Weiter Verhandlung wurde deshalb ausgesetzt.

Anerkannt wurde, daß Deutschland alle Anstrengun­gen gemacht habe, um einen befriedigenden Ausgang der ganzen Konferenz mit schaffen zu helfen. Zu dem Ent­gegenkommen der Deutschen bei der sogenannten Ver - g l e i ch s k 0 m m i s s i 0 n im Rheinland wird noch ge­meldet, diese Vergleichskommission würde nicht eine Fort­setzung der bisherigen Kontrolle bedeuten, sondern immer einen berechtigten Vertreter Deutschlands unter ihren Mitgliedern haben und die Freiheit lassen, falls man mit der Entscheidung dieser Kommission in den einzelnen strittigen Fragen nicht zufrieden sei, den Völkerbund als Endinstanz anzurufen. Die Deutschen bestehen natür­lich auf vorheriger Lösung der Räumungsfrage, ehe sie sich zur Vergleichskommission endgültig erklären. Auch Snowden soll dabei beharren, selbst beim Scheitern der Konferenz über die finanziellen Fragen dem deutschen Standpunkt das weiteste Entgegenkommen zu zeigen.

Einigung zwischen England und den übrigen Gläubiger­mächten.

Haag, 28. Aug. (WB.) 1 Uhr holl. Zeit, 22.40 Uhr Berliner Zeit. Soeben trafen die deutschen Delegierten Dr. Curtius, Dr. Hilferding und Dr. Wirth im Konferenz­gebäude ein. Vor ihrem Eintreffen wurde bekannt, daß die Einigung zwischen den Eläubigermächten in der Tat um Mitternacht vollzogen worden ist und daß die Zuzie­hung der deutschen Minister zu dem Zweck erfolgt, um die deutsche Zustimmung zu denjenigen Punkten der erzielten Einigung zu erhalten, für die eine solche erforderlich ist.

Die Einigung.

wtb. London, 28. Aug. Reuter meldet aus dem Haag: Um Mitternacht ist ein grundsätzliches Einverneh­men erreicht worden mit dem Vorbehalt, daß Deutschland sich einverstanden erklärt Die deutschen Delegierten werden heute vormittag ihre Entscheidung treffen, doch gilt es als sicher, daß sie günstig ausfallen wird. Es wird angenom­men, daß Snowden 75 Prozent seiner Forderungen durch­gesetzt hat. Als er den Binnenhof verließ, brachten ihm die britischen Pressevertreter und andere wegen seines er­folgreichen Kampfes für die britischen Interessen große Kundgebungen dar. Der Staatssekretär des Aeußeren, Henderson, erklärte, er betrachte die zwischen den anderen Gläubigern und Großbritannien erreichte Regelung als sehr befriedigend. Briand soll Dr. Stresemann versprochen haben, daß am 30. Juni nächsten Jahres der letzte fran­zösische Soldat das Rheinland geräumt haben wird. Ein Gerücht, daß Dr. Stresemann während der Sitzung zusam- mengcbroche» und schwer erkrankt sei, hat sich glücklicher­weise nicht bestätigt.

Die Aufnahme in Paris.

wtb. Paris, 28. Aug. Die Nachrichten über den Verlauf der Nachtsitzung der Haager Konferenz sind so spät in Paris eingetroffen, daß sich kaum ein Blatt über das erzielte Einverständnis geäußert hat.

letzten fünf Monaten des Dawesplanes in Verbindung mit der Frage der Besatzungskosten. Die deutsche Delegation ist in dieser Frage in keiner Weise festglegt und hat freie Hand für ihre Entschließungen. Eine Behandlung dieser Frage noch in der heutigen Nacht wurde von den deutschen Delegierten abgelehnt, weil Dr. Stresemann, der sich we­gen Uebermüdung durch die anstrengenden Verhandlungen ckgezogen hatte, daran nicht hätte teilnehmen können.

enden Verhandlungen

zurückgezogen hatte, daran nicht hätte teilnehmen können. Gelangen diese Verhandlungen zu einem Ergebnis, so ist für Donnerstag eine Vollsitzung vorgesehen, der am heuti­gen Nachmittag um 4 Uhr eine Sitzung der vier Rheinland- mächte und um 5 Uhr eine politische Konferenz vorangehen sollen.

Zivil- und Militärlustfahri.

Ablehnung deutscher Anträge.

Der in Vorbereitung für die nahende Versammlung des Völkerbundrates in Genf tätige Sonderausschuß für die Ausarbeitung einer Konvention über die Kontrolle der R ü st u n g s p r 0 d u k t i 0 n hat den deutschen An- trag, die Zivilluftfahrt in diese Konvention einzubeziehen, mit zehn gegen drei Stimmen abgelehnt. Für den Antrag stimmten außer Deutschland die Vereinigten Staaten von Amerika und Holland. Eine tschechoslowakische Kompromißanregung, zur Unterscheidung zwifchen Ver­kehrs- und Militärflugzeugen zwei getrennte Rubriken-^ in die statistische Tabelle der Konvention einzuführen, wurde zwar nicht weiterverfolgt, aber auf besonderen deutschen Wunsch in das Sitzungsprotokoll ausgenommen, Damit später ohne weiteres darauf zurückgegriffen wer­den kann.

Die letzte Etappe

Graf Zeppelin" im Endspurt.

Ein Zwischenfall beim Start.

Beim Star: kam es zu einem Zwischenfall, da die Schwanzflosse kurz nach dem Aufsteigen eine elektrische Hochspannungsleitung streifte. Als man im Luftschiff /emerfte, daß der Aufstieg sich nicht rasch genug vollzog, rourde eine ziemliche Menge Proviant in Gestalt üo^' vollen Konservenbüchsen, Tee und Gemüse^' über Bord geworfen. Eine drahtlose Mitteilung des Luftschiffes besagt, daß die Beschädigungen, die das Hängenbleiben an der Leitung verursachte, nur unbe­deutend sind, und nicht die Absicht besteht, die Fahrt deshalb zu unterbrechen.

Die letzte Etappe Les Weltfluges desGraf Zeppelin" von Los Angeles nach Lakehurst. Bei günstigem Wetter soll die nördliche, bei schlechter Wetterlage die südliche Route gewählt werden.

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An Bord alles in Ordnung.

wtb. Friedrichshafen, 28. Aug. LuftschiffEraf 31 teilte der Werft mit, daß es 1 Uhr früh ME<

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Z. El

Nur die radikaleHumanito" nimmt Stellung. Er schreibt: Nicht nur Frankreich wird Briand für seine Ge­duld eine tausendmal verdiente Dankbarkeit zollen, auch Deutschland, das die Aufgabe des Poungplanes in eine schreckliche politische Verwirrung gebracht hätte, ja selbst England, das in letzter Minute der Mißbilligung der ge­samten Welt entging. Bemühen wir uns, zu vergessen, aus welch dornenvollem Wege, den uns Snowden geführt hat, man zu einem Ergebnis gelangt ist, über dessen Preis wir nicht diskutieren wollen. Von nun ab haben die guten Anhänger des Friedens den Weg frei, um die

Regelmäßiger Luftschiffverkehr über den Stillen Ozean?

Dr. Eckener erklärte in einer Unterredung, die er kurz vor dem Start mit einem Pressevertreter hatte, ein regel * mäßiger Reiseverkehr über den Stillen Ozean- mit dem Luftschiff sei durchaus durchführbar, jedoch wäre es wünschenswert, daß ein derartiges Luftschiff stärker und schneller sei als derGraf Zeppelin". Die jetzt fast be­endete Fahrt habe bewiesen, daß die Zeppelinluftfchiffe meteorologische Störungen nicht zu fürchten haben. Man sei 14 Stunden lang durch Nebel und Regen ge­fahren und habe am Ende feststellen können, daß das Luft­schiff sich trotzdem auf dem richtigen Kurs befand. Die mit demGraf Zeppelin" erreichte Reisegeschwindigkeit bezeichnete Dr. Eckener als zufriedenstellend, sie -könne aber mit neueren, stärkeren und schnelleren Schiffen -noch verbessert werden. Seiner Ansicht nach sei die Zeit für die wirtschaftliche Ausnutzung des Zeppelinluftschiffes im Transozeanverkehr bereits gekommen.

Paso mit 85 km Geschwindigkeit überflog und daß an Bord alles in Ordnung fei.

wtb. Fort Worth, 28. Aug.Graf Zeppelin" passierte Lockney in Texas um 1.05 Uhr mit nordöstlichem Kurs in einer Höhe von etwa 300 Metern.

Graf Zeppelin" über Karlsbad (Neumexiko).

wtb. Friedrichshafen, 28. Aug. Das LuftschiffGraf Zeppelin" überflog nach einem an die Werft in Friedrichs­hafen gerichteten Funkspruch 5 Uhr MEZ. Karlsbad (Neu­mexiko).

wtb. Clovin (Neumexiko), 28. Aug. Das Luftschiff passierte um 12.25 Uhr den 92 Meilen östlich von Clovin gelegenen Ort Abernathy.

wtb. Dallas, 28. Aug.Graf Zeppelin" befand sich, wie hierher gemeldet wird, um 1 Uhr 30 Meilen südlich der Grenze von Oflahoma.

wtb. Wellington (Texas), 28. Aug. Der Zeppelin hat um 2,20 Uhr mit großer Geschwindigkeit die Stadt passiert und ist in der Richtung Mangun in Oklahoma weiter­gefahren.

Graf Zeppelin" zur lleberfliegung der Niagarafälle eingeladen.

Niagarafalls. Die Stadtbehörden haben Dr. Eckener auf funkentelegraphischem Wege ersucht, die Niagarafälle zu überfliegen. Falls derEraf Zeppelin" die Fälle wäh­rend der Nacht überfliegen follte, wird er durch Riesenschein­werfer von insgesamt 2500 Millionen Kerzenstärke beleuch­tet werden.

Die Empfangsvorbereitungen in Newyork.

wtb. Newyork, 28. Aug. Die Blätter heben die Begei­sterung hervor, mit der der Zeppelin in El Paso begrüßt worden ist. Seit den Tagen des Waffenstillstandes sei dort ein solcher Jubel nicht mehr gehört worden.

Für den Empfang Dr. Eckeners in Newyork ist der Frei­tag vorgesehen. Man plant ein umfassendes Programm, in dem der Triumphzug durch die Stadt, wie im Falle Lindberg und der Bremenflieger, nicht fehlen wird. In Kreisen der Deutsch-Amerikaner plant man die lleberrei- chung einer Ehrengabe, die wissenschaftliche Zeppelinflüge ermöglichen soll. Man erwartet, daß das Luftschiff am Mittwoch um 8 Uhr abends in Lakehurst eintreffen wird. Bei der Begrüßung wird das Marineamt durch Konterad­miral Latimer, den Kommandanten der Werft von Phila­delphia, vertreten sein.

Staatssekretär Dr. Meißner, der zurzeit in Washington zu Besuch weilt, wird in Begleitung des Botschaftsrats Dr. Kiep nach Lakehurst fliegen, um Dr. Eckener bei Been­digung des Weltfluges desGraf Zeppelin" die Glück­wünsche der Reichsregierung zu übermitteln.

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Die Flugroute.

Graf Zeppelin" über Arizona.

Puma (Arizona). DerEraf Zeppelin" wurde hier um

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DerAvenir" erklärt kurz: Das Kompromiß ist ge­funden, der Poungplan gerettet.

In derEre Nouvelle" heißt es: Wenn ein grundsätz­liches Einverständnis erzielt worden ist, dann haben wir uns nur darüber zu freuen und uns dazu zu beglllckwün- ichen, daß die nationalen Interessen einem Ministerprä- ndenten anvertraut wurden, der den Mut hatte, gegen jede Hoffnung zu hoffen und in Beharrlichkeit ein Einverständ- uw. zu wollen, trotzdem alles dagegen sprach.

Heute Sitzung der sechs einladende» Mächte im Haag.

Haag, 28. Aug., (WB.) 2.25 Uhr morgens. Heute vormittag um 11 Uhr wird eine Sitzung der sechs einla- benden Mächte stattfinden, in der die Punkte zur Beratung tchen, in denen die Einigung zwischen demEläubigermäch- len eine Mitwirkung Deutschlands notwendig machen wird, â beiden wichtigsten Punkte hierbei sind die Frage des des geschützten und zu dem ungeschützten Teil aer Annuitäten und die Frage des Ueberschusses aus den

Sjuma (Arrzona). DerGras Zeppelin" würd 4.43 Uhr früh (1.43 Uhr mittags MEZ.) geriet . , augenscheinlich mit erhöhter Geschwindigkeit, die auf an­nähernd 160 Stundenkilometer geschätzt wurde.

Am Sonntag Start nach Friedrichshafen?

Newyork. Wie das Bureau der Hamburg-Amerika- Linie erklärt, beabsichtigt Dr. Eckener, vier Tage nach An­kunft in Lakehurst, also etwa am kommenden Sonntag, mit demEraf Zeppelin" den Rückflug nach Friedrichshafen anzutreten.

Graf Zeppelin" befand sich um 16.54 mittel­europäischer Zeit über Maricopa, etwa 50 Kilometer südöstlich von Phönix (Arizona). Das Luftschiff flog sehr hoch. Es hatte bei klarem Wetter gegen einen leichten Gegenwind anzukämpfen.

Dr. Eckener hat sich anscheinend mit Rücksicht auf die Schwierigkeiten, die sich für den schwer belastetenGraf Zeppelin" bei dem Versuch, größere Höhen zu erreichen, ergeben würden, veranlaßt gesehen, das Felsengebirge in seinen südlichen Ausläufern, die eine verhältnismäßig geringe Höhe aufweisen, zu überfliegen.

Die S t a d t N e w v 0 r k beabsichtigt, einen groß­artigen Empfang des Luftschiffes zu veranstalten. Umfangreiche Vorbereitungen wurden bereits zu diesem Zwecke getroffen. Dr. Eckener selbst wird feierlichst im Rathause von Newyork durch die Spitzen der Behörden begrüßt werden.

Sie schlechte Lage des Angestelltenmarttes.

Gesteigerte Belastung der Gewerkschaftskassen.

Aus der Leistungsstatistik des Gewerkschaftsbundes der Angestellten für den Zeitabschnitt Januar bis Juni 1929 ist zu entnehmen, daß rund 895 000 Mark für soziale Unterstützungen an die Mitglieder ausgezahlt wurden. Diese 895 000 Mark gliedern sich in 551 000 Mark Stellen- losengeld, 130 000 Mark Hinterbliebenengeld, 47 000 Mark Unterstützungen an notleidende Mitglieder, 147 000 Mark .Altershilfe, 20 000 Mark Perheiratetenbcihilse. In dem gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres verausgabte der Gewerkschaftsbund der Angestellten 640 000 Mark. Ein Vergleich ergibt also schon heute eine Mehrbelastung von 255 000 Mark für das laufende Geschäftsjahr. Von einschneidender Bedeutung ist dabei nicht zuletzt die sich verschlimmernde Lage des Angestellten- Marktes.