Arl-aer Anzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
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Nr. 207 — 1929
Fulda, Mittwoch, 4. September
6. Jahrgang
Willkommen, „Gral Zeppelin"!
wtb. Friedrichshafen, 4. September. „Graf Zeppelin" ist heute morgen um 8.48 Uhr von Lakehurst kommend, nach seiner Erd- Umfliegung, mit endlosem Jubel in der deutschen Heimat empfangen, in Friedrichshafen gelandet.
In Erwartung des „Graf Zeppelin".
wtb. Friedrichshafen, 4. Sept. Nachdem durch die ersten Ausgaben der neuen Zeitungen bekannt geworden war, daß das Luftschiff zwischen 7 und 8 Uhr in Friedrichshafen erwartet werde, begann gegen 6 Uhr morgens der Marsch der Massen nach dem Luftschiffgelände, dessen Umgebung bald von tausenden von Zaungästen, die zum Teil auf den Dächern der Nachbarhäuser standen, dicht besetzt war. Ein herrlicher Sommertag mit wolkenlosem Himmel und strahlendem Sonnenschein bricht an. Kurz nach 6 Uhr trafen nacheinander die Ehrengäste auf dem Gelände ein, wo zahlreiche auswärtige Polizeibeamten eine strenge Absperrung vorgenommen haben. Unter den Ehrengästen, die vor dem Verwaltungsgebäude Aufstellung nahmen, bemerkte man u. a. Reichsoerkehrsminister Dr. Stegerwald, Reichstagspräsident Löbe, Botschafter von Prittwitz und Eaff- ron als Vertreter des Auswärtigen Amtes und des Außenministers Dr. Stresemann, den bayrischen Ministerpräsidenten Dr. Held, den badischen Staatspräsidenten Dr. Schmitt, den preußischen Justizminister Schmidt, ferner den amerikanischen Botschafter Dr. Schurmann und den japanischen Botschafter Nagaoka. Besonders zahlreich hatten sich Vertreter Württembergs eingefunden, an ihrer Spitze Staatspräsident Dr. Bolz,, dann Wirtschaftsminister Dr. Beyerle, Finanzminister Dr. Deh- linger, das Präsidium des württembergischen Landtages und die Rektoren der Hochschulen.
Ueber dem Flugplatzgelände kreuzen mehrere Sportflugzeuge, deren Piloten die Wartezeit mit Sturz- und Kunstflügen aus- füllen. Auf der großen Halle, in die „Graf Zeppelin" nach seiner Weltreise wieder zurückkehren wird, wehen die Fahnen des Reiches und der Länder sowie die Landesfarben der Staaten, die das Luftschiff auf seiner Reise um die Erde überflogen hat.
Die Landung.
wtb. Friedrichshafen, 4. Sept. Um 8.40 Uhr nähert sich das Luftschiff der Halle. Es ertönen Böllerschüsse, das Publikum bricht in erneute Begeisterungsrufe aus. Das Schiff stoppt jetzt die Motoren ab, Ballast wird abgelassen, der Wasserstrahl trifft die Zuschauermenge. Um 8.45 Uhr fallen die Landetaue. Die Mannschaften haben sehr stark zu tun, um das Schiff herabzu- ziehen, das sich erst langsam, dann schneller senkt. Die Führergondel ist um 8.48 Uhr auf dem Boden, und das Schiff somit glücklich gelandet. Die Begeisterung ist ungeheuer. Um 8.55 Uhr wird das Schiff langsam auf das offene Osttor zu geführt. Es entwickelt sich bereits eine lebhafte Unterhaltung zwischen den Fahrgästen und den Außenstehenden, jedoch verlassen die Fahrgäste erst in der Halle ihre Plätze.
Glückwunschtelegramm des Reichspräsidenten.
wtb. Berlin, 4. Sept. Der Herr Reichspräsident hat an den Luftschiffbau Friedrichshafen das nachstehende Telegramm gerichtet:
„Zum erfolgreichen Weltflug des Luftschiffes „Graf Zeppelin" sende ich Herrn Dr. Eckener und allen an diesem bahnbrechenden Werk Beteiligten in Anerkennung ihrer hervorragenden Leistungen herzlichen Glückwunsch.
gez. v. Hindenburg, Reichspräsident."
Die Begrüßung.
Nach der Landung begrüßte zunächst Graf Brandenstein- Zeppelin das Luftschiff, die Passagiere und die Besatzung. — Nach ihm sprach Gräfin Brandenstein-Zeppelin, die Tochter des Mannes, dessen Namen das Luftschiff trägt.
Darauf nahm Reichsverkehrsminister Dr. Stegerwald das Wort zu seiner Begrüßungsansprache. Er rief dem „Graf Zeppelin" und seiner Vefatzung ein herzliches Willkommen in der Heimat zu. „Sie haben", so führte der Minister aus, „eine Tat im höchsten Sinne des Wortes vollbracht, die weiterleben wird, nicht nur in der Geschichte des Luftverkehrs, sondern in der Geschichte überhaupt. Das deutsche Volk hängt mit allen Fasern seines Herzens an diesem Werk, und wir alle schätzen uns glücklich, Ihnen die Gefühle der Bewunderung und des Dankes übermitteln zu dürfen, die das deutsche Volk beseelen."
Der württembergische Staatspräsident, Dr. Bolz, hieß das Luftschiff im Namen seiner engeren Heilstat willkommen, im Namen des württembergischen Volkes und der württembergischen Staatsrcgiernng. Der „Graf Zeppelin" habe einem Volke, das sich in Not befindet, ein Vorbild eisernen Willens gegeben. Das Luftschiff sei nicht das Werk eines Augenblickes, sondern das Werk von Jahrzehnten. Es sei auch nicht die Vollendung, sondern nur ein siegreicher Anfang. Aber gerade deshalb sei es dem deutschen Volke ein Vorbild besonders in der Geduld, die auch den kleinen Schritt vorwärts im Hinblick auf das Gefamtziel wertet und anerkennt.
Direktor Leisler-Kiep begrüßte den „Graf Zeppelin" namens der Hamburg-Amerika-Linie, die stolz darauf sei, daß sie durch ihre weltumspannende Organisation zu dem Gelingen der Fahrt
habe beitragen können. Er dankte Dr. Eckener, den Kapitänen und der gesamten Besatzung, die er als Gäste der Hamburg-Ame- rika-Linie nach Hamburg einlud. Zum Schluß hieß der Stadtschultheiß von Friedrichshafen das Luftschiff in seiner Heimatstadt willkommen, mit der der Name Zeppelin auf immer eng verbunden sei.
Die deutsche Nationalhymne, die von der Menge mitgesungen wurde, beschloß die Begrüßungsfeier.
*
Am Donnerstag nachmittag 1 Uhr veranstaltet die württembergische Regierung und die Stadtgemeinde Friedrichshafen im Kurgartenhotel ein Frühstück, zu dem etwa 230 Personen einschließlich der Passagiere und der Besatzung Einladungen erhalten haben. Die Mehrzahl der auswärtigen Gäste ist im Laufe des gestrigen Tages hier eingetroffen.
Die letzte Fahrtstrecke.
Auf seiner Fahrt über den Atlantik hatte das Luftschiff „Graf Zeppelin" mehrere Gewitter zu umfahren. Nachdem es die A z o r e n überflogen hatte, nahm es Kurre auf C a p F i n i st e r r e, an der nordwestlichen Küste Spaniens. Der Semaphor vor Kap Finisterre gab nach einer Havasmeldung um 3.13 Uhr mitteleuropäischer Zeit Dienstag nachmittag bekannt, daß sich der „Graf Zeppelin" 25 Kilometer vom Kap Finisterre befand und Kurs auf die Hauptstadt der Provinz Galicien La Coruna nahm. Eine Viertelstunde später überflog das Luftschiff die Ortschaft Camerinas, um 5.10 Uhr wurde <rs auf der Höhe des San-Pedro-Berges gesichtet. Der Zeppelin überflog die Stadt La Coruna und nahm Kurs auf die Provinz Asturien. Um 17 Uhr mitteleuropäischer Zeit befand sich „Graf Zeppelin", nach einer Meldung de-^ Hamburg-Amerika-Linie, über Cap Ortegal an der Nordwestspitze Spaniens. An Bord war alles wohl.
„Graf Zeppelin" über Limoges.
Bei der Werftleitung in Friedrichshafen sind feit der letzten Meldung von Santander keine Bordtelegramme mehr eingetroffen. Dagegen funkt eine französische Station, mit der die Bodenfunkstation der Wdrft in Verbindung getreten ist, daß „Graf Zeppelin" um 2.24 Uhr Limoges passiert hat. Von hier bis Friedrichshafen beträgt die noch zurückzulegende Strecke etwa 700 km.
Voraussichtliche Landung zwischen 7 und 8 Uhr früh.
Die Funkstation des Luftschiffbaues Zeppelin hat um 4 Uhr früh einen Funkspruch von Bord des Luftschiffes erhalten, in dem die Schiffsleitung mitteilt, daß sie zwischen 7 und 8 Uhr früh in Friedrichshafen zu landen beabsichtigt.
„Graf Zeppelin" über Dijon.
Wie wir von der Werftleitung erfahren, passierte das Luftschiff um 5.20 Uhr Dijon. Das Luftschiff wird seinen Kurs über Basel nehmen.
„Gras Zeppelin" über Basel.
„Graf Zeppelin" hat um 7.05 Uhr früh Basel überflogen.
Ueber dem Bodensee.
Um 8.20 Uhr kam das Luftschiff von Westen her über dem Bodensee in Sicht. Um 8.25 Uhr befand es sich über dem Flugplatz, und die Menge brach in jubelnde Begeisterung aus. Eine 10 Meter lange Flagge ist ausgelegt zur Bezeichnung des Landungsfleckes, Zahlen liegen auf dem Rasen und geben die Vodentemperatur an, die 20 Grad beträgt. Es ist fast Windstille. Flugzeuge umkreisen das Luftschiff.
wtb. Friedrichshafen, 4. Sept. Das Luftschiff wurde um 8.24 Uhr gesichtet und überflog, von mehreren Flugzeugen begleitet, unter stürmischen Hochrufen und Glockengeläute, das Werft- gelände. Darauf beschrieb es einen Kreis über dem Dach der Luftschiffhalle und flog dann zum See hinaus. Hierauf folgte die Landung unter stürmischen Rufen der Menge und Spielen einer Musikkapelle.
Flaggen zur Rückkehr des „Graf Zeppelin".
Zn Erwartung der glücklichen Rückkehr des Luftschiffes „Graf Zeppelin" von seinem Weltfluge hat die Reichsregierung zur Feier dieses Erfolges deutschen Unternehmungsgeistes und friedlicher deutscher Arbeit «»geordnet, daß die Reichsbehörden am Mittwoch, den 4. September, flaggen. Die gleiche Anordnung hat die preußische Staats- regicrung für die Staats- u. Kömmunalbchörden getroffen.
Auch in Danzig Schulfeiern.
Aehnlich dem Vorgehen der deutschen Schulbehörden hat auch die Schulverwaltung der Freien Stadt Danzig für den Tag der Rückkehr des Luftschiffes „Graf Zeppelin" bzw. dem darauf folgenden Tag entsprechende Schulfeiern und Unter- richtsausfall angeordnet.
Neue Flugpläne des Zeppelins.
Zwei Deutschlandfahrten im September.
„Graf Zeppelin" wird noch im September zwei Deutschlandfahrten unternehmen, und zwar wird das Luftschiff auf der ersten Reise von Friedrichshafen über Schlesien nach Berlin fahren und dort am Ankermast festmachen. Die zweite Reise führt dann von Berlin über O st Preußen nach Friedrichshafen zurück. Die Plätze für diese beiden Reisen sind bereits ausverkauft. An den Fahrten werden 22 Passagiere teilnehmen. Am 17. September wird Dr. Eckener voraussichtlich wieder in Deutschland eintreffen.
Eckener - Feier in Cleveland.
Dr. Eckener traf in Cleveland ein, um an dem ihm zu Ehren von der Stadt gegebenen Essen teilzunehmen. Bei seiner Ankunft wurde er von der am hunderttausend Köpfe zählenden Menge, die sich aus Anlaß der nationalen Luftwettkämpfe in Cleveland eingefunden hatte, begeistert begrüßt. Dr. Eckener begab sich zum Flugplatz, um ^en Wettkämpfen zuzuschauen. Auch hier jubelte ihm die -Menschenmenge lebhaft zu. Später flog Dr. Eckener an Bord eines Kleinluftschiffes nach Akron, wo er eine Woche bei den Goodyear Zeppelinwerken verbringen wird.
Dr. Eckeners Pläne.
Cleveland, 3. Sept. (WB.) Dr. Eckener hat vor seiner Abreise Nach Akron erklärt, er habe bewiesen, daß das Luftschiff ein sicheres Verkehrsmittel fei; er hoffe jetzt, daß man die Schaffung von Verkehrslinien unterstützen werde. Der Luftschiffverkehr könne nicht mit der Einrichtung eines Fluges Rund-um-die-Welt beginnen. Die Lustschiffverkehrslinien, deren Einrichtung sich zunächst empfehle, seien: eine Verbindung zwischen Kalifornien und Honolulu, eine zwischen Europa und Asten und eine zwischen Nordamerika und Südamerika.
Die nördlichste Wetterwarte der Welt.
Moskau. Auf Franz-Josef-Land im Nördlichen Eismeer ist die nördlichste Wetterwarte und Funkstation der Welt errichtet worden. Profeflor Wiese, der an der Expedition des Eisbrechers „Sedow" teilgenommen hat, teilte mit, daß er im nördlichen Teil von Franz-Josef-Land eine Zweigströmung des Golfstromes entdeckt habe, durch die eine höhere Wasser- temperatur in nördlicher Richtung hervorgerufen werde. In der Teplitzbucht wurden Depots der Expedition des Herzogs der Abruzzen aufgefunden, die für künftige Polarforschungen, insbesondere für den geplanten Zeppelinflug, von praktischer Bedeutung sein dürften. Im nächsten Jahre sollen
verschiedenen Teilen der Inselgruppe kleine Hutten mi*- Uebensmittelvorräten als Stützpunkte für die künftigen Forschungsexpeditionen errichtet werden.
rraiierfeier für Die SchwesterSin-enburg- Weitere Beileidstelegramme an den Reichspräsidenten.
Die Leiche der verstorbenen Schwester des Reichspräsidenten ist in der Kapelle des Augustc-Viktoria-Kran- kenhauses in Potsdam aufgebahrt. Am Mittwoch nachmittag 6 Uhr soll dort eine Trauerfeier im engsten Familienkreise stattfinden.
Wie der amtliche preußische Pressedienst mittcilt, hat Ministerpräsident Dr. Braun an den Reichspräsidenten von Hindenburg das folgende Telegramm gesandt: Zum Heimgänge Ihres Fräulein Schwester bitte ich, den Ausdruck meiner herzlichsten Teilnahme entgegennehmen zu wollen. — Ebenso hat der Staatssekretär im preußischen Staatsministerium, Dr. Weismann, int Namen des Reichsrats dem Reichspräsidenten zum Hinscheiden seiner Schwester das herzlichste Beileid ausgesprochen.
Die deutsche Himalaja-Expedition.
wtb. London, 4. Sept. „Times" meldet aus Kalkutta: Die ersten Berichte von der deutschen Himalaja-Expedition besagen, daß am 15. bis 20. August zwei Gruppen vom Ausgangslager auf dem Zemugletscher sich befanden, die in Betracht kommenden Annäherungswege auf dem Kintchinjunga zu erforschen. Eine Gruppe, die aus drei Bergsteigern bestand, erreichte eine Höhe von etwa 5700 m auf dem Simvusattel. Da sie jedoch feststellte, daß der Boden infolge der Lawinen verräterisch war, kehrte sie zum Ausgangslager zurück. Die zweite Gruppe stieg bis zur Höhe von 6600 m am Zemugletscher auf, stieg jedoch dann auf einen steilen Felsen und auf eine Eiswand, die für die beladenen Träger unsicher war. Weitere Erkundungen werden notwendig sein, bevor ein ernster Angriff auf den Kintchinjunga unternommen werden kann.