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Zul-aer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg

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Nr. 216 - 1929

Fulda, Samstag, 14. September

6. Jahrgang

Waffenlager in der Lüneburger Heidel

Die Suche nach den Attentätern.

Die Hamburger Höllenmaschine.

Auf dem Anwesen des Vaters des festgenommenen Landwirts Amandus Vick in Rönne (Kreis Winsen) wurde von der Altonaer Polizei bei einer Durchsuchung ein größeres Waffenlager entdeckt. Auf dem Hausboden be­fanden sich in einem Versteck zwei Maschinengewehre, 28 Gewehre, 35 Handaranaten. einiae Kästen Maschinen-

Hauptangeschuldigte in der Boinbenasfäre sind (von links) der angebliche Polizeihauptmann Hans Friedrich Nickels, der die Bombe nach Hamburg brachte der ehemalige Feuerwerker Willi Wilske, der in seiner Wohnung in Berlin eine Bombenwerkstatt eingerichtet hatte der Hamburger Kaufmann Alfred Punier, tn dessen Wohnung die von Nickels überbrachte Höllen­maschine gejunden wurde.

gewehr- und Gewehrmunition, außerdem Sprengkapseln, einzelne Gewehrläufe, Ersatzteile, Werkzeuge, Oel- und Wtäierkästen. Die Gegenstände waren in einen! drei Meter tief äusgmauerten Schacht untergebracht. Der ! Fußboden war an der Stelle herausgeschnitten und die

Ümerika für Schiedsgerichtsbarkeit.

Weitere Arbeiten in Genf.

Die Völkerbundversammlung ist für Sonnabend nachmittag zu einer Vollsitzung einberufen worden. In dieser Vollsitzung soll das Ergebnis der Staatenkonferenz für die Revision des Haager Statuts und zur Erleichte­rung des Beitritts der Vereinigten Staaten von Amer, a zum Ständigen internationalen Gerichtshof im Haag ge­nehmigt werden.

Man glaubt, daß in der Sonnabendsitzung die Aus­sprache vollständig erledigt wird und bereits in der nächsten Woche die verschiedenen Protokolle über die Revision des Haager Statuts und den Beitritt der Ver­einigten Staaten zur Allgemeinunterzeichnung aufgelegt werden.

Aus den Kommissionen.

Besonderes Interesse ruft die Einbringung des chinesischen Antrages hervor, der verlangt, der Völkerbund möge erneut prüfen, ob internationale Ver­träge, die nicht mehr zeitgemäß sind, abgeschafft werden sollen. China versucht nachdrücklich, die ihm auferlegten Exterritorialrechte der fremden Staaten abzuschaffen. Es besteht aber starker Widerstand dagegen, wie die kürz­lich erfolgten Abweisungen des chinesischen Verlangens durch verschiedene Mächte beweisen. In der 6. Kom­mission des Völkerbundes gab Staatssekretär von Schubert den deutschen Standpunkt zu den Mandats- fragen, in gleicher Weise wie früher Dr. Stresemann, be­kannt. Der englische Unterstaatssekretär Dalton legt« dem Wirtschaftsausschuß einen gemeinsamen englisch-fran­zösischen Entwurf über die Lösung der K o h l e n f r a g c vor. In der Kommission für Abrüstungsfragen vertrat Graf Bernstorff nachdrücklich die deutschen Forde­rungen in dieser Beziehung.

Englisch-französische Vereinbarung über Zollfrieden.

Nach längeren privaten Besprechungen soll es zwischen den englischen und den französischen Vertretern zn einer Vereinbarung gekommen sein, nach der sämtliche Mächte aufgefordert werden sollen, bis Ende November d. I. ihre grundsätzliche Stellung zu einem Plan für den Zollfrieden bekanntzugeben. Allgemeine Richtlinien und Einzelheiten für diesen Zollfrieden sollen dann im Januar von einer internationalen Konferenz ausgearbeitet werden.

Die Vorbereitung des Wirtschaftsfriedens.

Zunächst zweijähriger Z o l l f r i e d e n.

Die bisherige Besprechung in Genf zwischen der französischen nnd der englischen Delegation "ber ihre wirtschaftlichen Anträge hat unter Mitwirkung & an Vertretern des Ständigen Wirtschastskomitees des Völkerbundes und dès Berichterstatters Doktor -V r e i t s ch e i d dazu geführt, daß für die Herbeiführung Anes zweijährigen Zollfriedens und die in dieser Zeit vorznbereitende Organisierung eines allgemeinen 2Bir>* schaftsfriedens folgendes Verfahren eingeschlagcn werden soll. Zwischen Mitgliedern und Nickitmitgliedern des Völ­kerbundes. die fid) an diesen Arbeiten beteiligen wollen.

entstände»^ Lücke wieder eingesügt. Darüber stand eine große Futterkiste. Der Vater Amandus Vicks wurde nun­mehr auch festgenommen.

Die in Hamburg beschlagnahmte Höllenmaschine war umhüllt mit braunem Packpapier. Darin befand sich eine Zigarrenkiste, aus der vier Schraubenköpfe und eine Flügelmutter herausragten. Die Kiste enthielt ein Uhr­werk, mehrere Taschenlampenbatterien und in einer Blech­büchse 733,5 Gramm Ammonsalpetersprengstoff. Im Innern der Ladung befand sich die Zündung. Ein Glüh­zünder war eingerichtet und eine Sprengkapsel verwendet.

Oie Untersuchung in Altona.

Die im Zusammenhang mit der Nachforschung nach den Bombenanschlägen in Mülheim verhafteten drei Per­sonen sind von Essen nach Altona gebracht worden, wo die Vernehmungen stattfinden. Bei den Verhafteten handelt es sich um den Juwelier Fritz Rehling, den Kauf­mann Kurt Rudolfs und den Konditor Anton Groß. Sie hatten einer deutschvölkischen Tagung in Rostock bei­gewohnt und besuchten von dort aus den sogenannten Polizeihauptmann Nickels in Hamburg.

Gcständniffc?

Nickels und der frühere Syndikus Weschke sollen einigen Meldungen zufolge Geständnisse abgelegt haben, doch lag für diese Behauptung eine bestimmte amtliche Verlautbarung nicht vor. Die Verhöre in Altona gehen weiter. Auch spricht man von bevorstehenden sonstigen Verhaftungen.

Auch in Berlin werden die Untersuchungen und die Vernehmungen angelegentlich fortgesührt. Besonders handelt es sich um den Nachweis, wozu der verhaftete ehe­malige Feuerwerker W i l s k e die in seiner Wohnung be­schlagnahmten Chemikalien verwendet hat und wer ihm die Mittel zur Anschaffung lieferte. Wilske selbst gibt am M Sachen für Fc. uikation von Parfümerien gebraucht zu haben. Es befindet sich darunter allein ein Pfund Quecksilber.

sollen möglichst schon zu Anfang nächsten Jahres Ver­handlungen ausgenommen werden, um durch den Völker­bundrat eine Zusammenkunft einberufen lassen zu können, die das Ziel hätte, einen ersten Kollektivvertrag zur Ver­ringerung der Handelshindernisse und zur Ver­stärkung und Erleichterung der Wirtschaftsbeziehungen aufzustellen.

Die Teilnehmerstaaten sollen sich dahin verständigen, daß sie zwei Jahre lang auf die Erhöhung ihres Schutzzolltarifes über den gegenwärtigen Stand, ferner auf die Erhebung neuer Schutzzölle oder auf die Schaf­fung neuer Handelshindernisse verzichten. Gleichzeitig sollen in diesen beiden Jahren die Regierun­gen soweit irgend möglich durch autonomes Vorgehen oder durch zweiseitige Handelsverträge ihre Zollsätze herabsetzen. Die Völkerbundversammlung wird ihre Mitglieder wie auch die Nichtmitgliedsstaaten auffordern, noch vor dem 30. November d. J. Mitteilung zu machen über ihre Bereitschaft zur Teilnahme an einer Präli - minarkonferenz von Regierungsvertretern zum Abschluß des vorgesehenen zweijährigen Zollfriedens.

Ein entsprechender von Frankreich und England ge­meinsam ausgearbeiteter Entschließungsantrag ist den Völkerbunddelegationen zugegangen. Ein weiterer Entschließungsantrag wurde von Belgien eingebracht, der zur Erleichterung der Organisation des Wirtschafts- sriedens den Abschluß der Arbeiten für die internationale Vereinheitlichung der Zollverzeichnisse bis zur nächsten VUkerbundversammlung verlangt. In einem dritten Entschließungsantrag, der auf eine englisch-französische Verständigung zurückgeht, wird zum Kohlenpro­blem erklärt, daß der Verwaltungsrat des internationalen Arbeitsamtes bereits die Einberufung einer Konferenz der Hanptproduktion'sländer zur Angleichung der Arbeits­zeit und Lohnverhältnisse im Kohlenbergbau verlangt hat.

Daneben wird an eine Regieruugskonferenz gedacht, die sich auf Grund der Ergebnisse der Kohlenquote des Wirtschaftskomitees mit den Preisschwankungen auf dem Kohlenmarkt und dem Mißverhältnis zwischen Koh­lenproduktion und Kohlverbrauch im Hinblick auf die Be­seitigung der gegenwärtigen Schwierigkeiten der Kohlen­industrie zu beschäftigen hätte.

Petit Parisien" über die Vorschläge Cecils in der Abrüstungsfrage.

Der Genfer Sonderberichterstatter desPetit Parisien" mel­det zu den Vorschlägen, Lord Robert Cecil in der Abrüstungs­frage: Da der vorbereitende Abrüstungsausschuß, bereits in erster und zweiter Lesung den Korentwurf eines Abkommens über die Rüstungen zu Lande und in der Luft angenommen hat und feine Arbeiten auf diesen beiden Gebieten beendet sind, hat die von Lord Robert Cecil vorgeschlagene Prüfung offen­sichtlich keinen anderen Zweck, als sämtliche getroffenen Be­schlüsse wieder in Frage zu stellen. Die französische Delegation, deren Vertreter gegenwärtig mit den englischen Delegierten verhandeln, kann sich um keinen Preis auf diese neuerliche Prüfung des vollendeten Werkes einlassen.

Meine Zeitung für ettige Leser

* In Winsen an der Luhe wurde bei der fortgesetzten Unter­suchung wegen der Bombenattentate ein größeres Waffenlager im Gehöfte des verhafteten Landwirts Amandus Vick vor­gefunden.

* Aus dem Deutschen Richlertag in Köln hielten Reichs­justizminister von Guörard und der preußische Justizminister Schmidt bedeutungsvolle Ansprachen.

* In Gens haben die englischen und die. französischen Ver­treter einen Plan zur Herstellung des Zollfriedens in Europa eingebracht.

Zur amerikanischen Flottenabrüstung.

Washington, 13. Sept. Im Weißen Haus wurde Staats­sekretär Stimson die Mitteilung über die mit England erzielte Einigung in der Flottenabrüstung bestätigt und dahin erläu­tert, daß man sich entschied, auf der nächsten Seekonserenz eine starke Reduzierung vorzuschlagen, in der Erwartung, daß auch die anderen drei Seemächte entsprechend Abstriche vornehmen.

Die Vereinbarungen der Haager Konferenz.

Veröffentlichung des Wortlauts.

Die Reichsregierung veröffentlicht den Wortlaut der auf der Haager Konferenz getroffenen politischen Vereinbarungen über die Räumung des Rheinländer und über die Aufnahme der deutsch-französischen Ver« Handlungen wegen der S a a r f r a g e n. Der Wortlaut der finanziellen Vereinbarungen wird in den nächsten Tagen veröffentlicht werden.

Englands Sank an seine Rheinarmee.

Für ihre Ritterlichkeit und Höflichkeit.

Der Staatssekretär für das Kriegswesen hat an den Oberstkommandicrenden der britischen Rheinarmee ein Schreiben gerichtet, in dem er den Armeeangehörigen aller Dienstgrade seinen tiefsten Dank für die Art zum Ausdruck bringt, in der sie sämtlich Englands Ruf der Ritterlichkeit, der Höflichkeit und de^ . F a i r Play während der ganzen Zeit aufrecht erhalten hätten, wo das Rheinland von britischen Truppen besetzt war. Weiterhin bringt der Brief tiefe Genugtung dar­über zum Ausdruck, daß es den englischen Truppen ver­gönnt sei, vom Rhein zurückzukehren, begleitet von der Achtung des Volkes, in dessen Mitte sie so lange einquar­tiert gewesen seien.

Die Londoner Presse zum Beginn der britischen Räumung.

Daily News" schreibt in einem Leitartikel zu der heute beginnenden britischen Räumung: Unsere Besatzung läßt keine Bitterkeit zurück. Unsere Männer sind nie wie Erorberer ein­her gegangen. Es ist selbstverständlich, daß das deutsche Volk als ganzes froh sein wird, die Truppen abziehen zu sehen, denn sie mußten die sichtbaren Symbole der Niederlage für eine stolze gedemütigte Nation sein.

Der Sonderkorrespondent desDaily Telegraph" in Wies­baden sagt: Wenn in einigen deutschen Kreisen in Köln Be­dauern ausgedrückt wurde, als die britischen Truppen auszogen, so wird dieses Bedauern noch stärkeren Ausdruck in Wiesbaden finden, wo unsere Truppen von Anfang an gut mit der Be­völkerung standen.

Der Sonderkorrespondent desDaily Expreß" in Wiesbaden schreibt dagegen: Das Rheinland steht den heutigen Tag als das wirkliche Ende der Kriegsperiode mit England an und den Beginn seiner nationalen Freiheit. Seit fast 11 Jahren hatten die Bewohner fremde Soldaten unter sich, die durch ihre Stra­ßen marschierten und in ihren Häusern untergebracht waren. Jetzt zählen sie die Tage bis zu dem Augenblick, wo der letzte Soldat den Zug nach der Heimat besteigt. Eine schwere Ent­täuschung herrscht in Wiesbaden gegen das Verbleiben der Rheinlandkommission. Dies bedeutet wieder die Anwesenheit französischer Truppen in der Stadt und die Aufrechterhaltung der fremden Besatzung.

Sofortige Räumung des rechtsrheinischen Hessens gefordert.

Groß-Gerau, 13. Sept. Die hessischen Intellektuellen rich­teten nach demGroß-Gerauer Tagblatt" einen offenen Brief an die Interalliierte Rheinlandkommiston, in dem die Kom­mission ersucht wird, als Beginn der Zurücknahme der Be­satzung schon sofort die nachträglich und gewissermaßen zusätz­lich besetzten Orte an der Bahnlinie FranffurtDarmstadt zu räumen.'

Explosion in einer Dynamitfabrik.

Fünf Tote.

Bei der Fabrik Förde der Aktiengesellschaft Siegener Dynamitfabrik, Köln, ereignete sich eine Explosion, welcher der stellvertretende Betriebsdirektor, der Betriebschemiker, ein Meister und zwei bewährte Arbeiter zum Opfer fielen.

Eine fünfköpfige Familie verbrannt.

In der Gemeinde Schönwald in Rordmähren ist das Haus des ehemaligen Legionärs Hetzel niedergebrannt. In den Trümmern des Hauses wurden fünf Leichen v o r g e f ü n d e n, nämlich die des Ehepaares Hetzel und der drei Kinder, von denen das älteste zehn Jahre, das jüngste sechs Monate alt war. Es verlautet, daß Hetzel in einem Anfall von Schwermut Frau und Kinder er­mordet und dann das Haus angezündet hat.