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ul-aer Anzeiger

Erscheint jeden Werktag.Bezugspreks: monatlich 2.20 NM. Bei LieferungsbehinSerungen durch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Fulda, ^lieö des Vereins Deutscher Zeitungsver­leger. Postscheckkonto: Franksurt a. M. Nr. 16009

Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg

Iulöa- und Haunetal *Zul-aer Kreisblatt

Reâaktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernsprech-Anschluß Nr. 984

Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit <5s»Uenangabe .Zulâaer Fnzeiger'gesiattet.

Nr. 228 1929

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Anzeigenpreis: Für BehSr-en, Genossenschaf, ten,Banken usw. beträgt die Kleinzeile 0.30 mt., für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für die Neklamezekle 0.90 Mk. u. alle endeten 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mark Bei Nechnungsstel- lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen Tag- und Plahvorschristen unverbindlich.

K. Jahrgang

Fulda, Samstag, 28. September

Ein Millionenschwindel.

0er Kreditbetrug

der Gebrüder Sklarek.

Die Stadt Berlin glaubt gedeckt zu sein.

Über die Verhaftung der Rennstallbesitzer Gebrüder Marek erfährt man jetzt genaue Einzelheiten.» '

Bei der Stadt Berlin war vor einigen Tagen der Ver­dacht entstanden, daß L e o , M a r und Willi Sklarek in Firma K. V. G. (Kleidervertriebsgesellschaft) Gebrüder Sklarek durch umfangreiche Betrügereien und Urkunden­fälschungen die Berliner Stadtbank geschädigt haben. Als sich dieser Verdacht durch sofortige Revisionen verdichtet hatte, erstattete der Magistrat Strafanzeige. Die drei Brüder, die als Millionäre gelten, wurden daraus einem Verhör unterzogen. Im Anschluß an diese Ver­nehmung fanden Durchsuchungen der Wohnungen und der Geschäftsräume der Beschuldigten statt, die zur Beschlags nähme erheblichen Beweismâterials führten. Die drei Sklareks, die in gewissen Kreisen Berlins eine große Rolle spielten, wurden darauf für verhaftet erklärt. Mit ihnen wurde ihr Sekretär und Oberbuchhalter Lehmann fest« genommen.

Worin bestelft nun der Betrug der drei Brüder? Die Sklareks hatten auf Grund eines Vertrages mit der Stadt ein Recht auf Belieferung der städtischen Dienststellen, An­stalten und Bezirksämter mit sämtlicher Bekleidung, Textilien und Schuhwaren. Dieser Vertrag läuft noch bis 1935. Die Gebrüder Sklarek haben sich nun ihre Forde­rungen an die Bezirksämter und Anstalten von der Berliner Stadtbank bevorschussen lassen, und zwar in der Weise, daß sie die Rechnungen für gelieferte Waren an die Stadtbank mit dem Vermerk gaben, daß Zahlung nur auf das Konto der Gebrüder Sklarek bei der Stadtbank zu leisten sei. Die Stadtbank gab diese Rechnungen durch ein­geschriebenen Brief an die Bezirksämter und andere Dienststellen weiter. Die auf dieser Grundlage gegebenen Kredite erreichten im Laufe der Zeit

einen Umfang von mehreren Millionen Mark.

Daneben sind dann später außer den Rechnungen in der vorgenannten Weise auch die Bestätigungen großer Auf­träge von städtischen Dienststellen und Anstalten als Kredit unterläge benutzt worden, und zwar in der Weise, daß eine Abschrift des Bestätigungsschreibens der Gebrüder Sklarek an die Bezirksämter der Stadtbank ein­gereicht wurde. Diesen Bestätigungsschreiben war die Durchschrift eines von zwei städtischen Beamten unter­schriebenen Bestellnachweises beigefügt. In diesen Fällen sind dann die Aufträge bzw. Rechnungen nicht in der üblichen Weise an die Bezirksämter usw. mit eingeschrie­benen Brief geschickt worden, sondern es wurde die Ab­schrift des Bestätigungsschreibens nebst Durchschlag des Auftrages als ausreichend angenommen und in den Kreditakten der Stadtbank verwahrt.

Gefälschte Ünterfchristen.

Die Prüfungen haben nun ergeben, daß diese Auf­träge und Bestätigungsschreiben fingiert gewesen sind, wobei auf den Bcstellnachweisungcn die Unterschriften der städtischen Beamten gefälscht wurden, so daß für diese Aufträge Ansprüche und Forderungen der Gebrüder Sklarek an städtische Dienststellen und Anstalten gar nicht bestehen. Die vorläufige Untersuchung bei zwei Bezirks- amtern hat ergeben, daß den angeblichen Forderungen der Gebrüder Sklarek in Höhe von mehreren hundert- wusend Mark tatsächlich nur ganz geringe rückständige Zahlung«» der Bezirksämter gegenüberstehen. Hiernach beftefjLbie Wahrscheinlichkeit, daß auch bei den angeb­lichen Forderungen an andere Bezirksämter Fälschungen in großem Stil voraenommen worden lind

Staatsreform und

Delltsther Städtelag in Frankfurt ax

Kundgebung für d ie Saar.

Im Festsaale des Palmengartens zu Frankfurt a. M. wurde Freitag die Jahresversammlung des Deutschen Städtetages eröffnet. Präsident M u l e r t begrüßte die Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden, insbesondere den preußischen Innenminister G r z e s i n s k i, den pren- ßischen Finanzminister Dr. H ö p k e r - A s ch o f s, den Oberpräsidenten Dr. S ch w a n d e r. den Vertreter des Memellandes und den hessischen Staatspräsidenten Dr. A d e l u n g. Die Reichsminister Severing und Dr. Hilferding sind durch wichtige Staatsgeschäfte ver- hmdert gewesen, zu erscheinen. Dr. M u l c r t gab der Hoffnung Ausdruck, daß mit der Stunde der Befreiung w die besetzten Gebiete auch das Saargebiet und seine Städte in kurzer Zeit zu uns gehören mögen.

Der Präsident wies weiter auf die kommenden KommunaP- Wahlen hin. Ein Antrag auf Absetzung der Tagesordnung und Ersetzung derselben durch eine Erörterung des Erwerbslosen« Problems wurde abgelehnt.

Über Sinn und Form der Selbstverwaltung gab Dr. Mulert dann längere Ausführungen und in Ver- vmdung damit über die deutschen Finanzen. Deutschland habe eme linzahl verschiedenartiger Städteversassungen, Preußen allem lujien- diesem Wirwarr solle burd? ohne Reichsstädte-

Der Oberbuchhalter Lehmann' hat inzwischen bereits gestanden, daß betrogen worden ist, und er hat auch eingehend geschildert, in welcher Weise er i m A n s - trage und mit Wissen seiner Chefs die Be­trügereien mit gefälschten, durchgepausten Unterschriften verübt hat.

Wie Berlin sich schadlos halten will.

Die Stadt Berlin ist aber der Meinung, daß sie trotz alledem keine nennenswerten Verluste erleiden werde da sie durch das Vermögen der Sklareks, richtiger Kriegs-

Die verhafteten Sklareks, Leo Sklarek (rechts) und Willi Sklarek (links).

und FnklationsaeMrnler, gedeckt zu fein glaubt. Die drei Brüder verfügen nachweislich in ihrem Abzahlungs- geschäft und in der Kleidervertriebsgesellschalt über ein Warenlager von rund drei Millionen Mark. Der erfolg­reiche Rennstall zweier Brüder dürfte einen Wert von mindestens einer Million Mark repräsentieren. Ferner besitzen die Sklareks in Berlin zehn Miethäuser, von denen sie selbst drei, die fürstlich ausgestattet sind und Kunsischätze aller Art bergen, bewohnen. Der Wert dieser Gebäude wird insgesamt von der Stadtbank auf sechs Millionen Mark veranschlagt. Schließlich haben die Sklareks an die Stadt Berlin noch Forderungen für Lieferungen in Höhe von mehreren hunderttausend Mark. Bei einer vorsichtigen Verwertung dieses Besitzes wäre es also möglich, den Schaden abzudecken.

*

Eine deutschnationale Anfrage.

Die deutschnationale Fraktion der Berliner Stadtver­ordnetenversammlung hat dem Magistrat eine Anfrage in Sachen Sklarek unterbreitet. Es wird gefragt, welche städtischen Dienststellen mit der Firma Sklarek unmittelbar oder als Verrechnungsstellen in Geschäftsverbindung ge­standen haben und welche städtischen Beamten und An­gestellten für diese Vermögensschädigung der Stadt Berlin verantwortlich sind.

Untersuchung des Falles Sklarek durch den Oberpräsidenten.

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der Oberpräsident der Provinz Brandenburg und von Berlin auf Grund seines Kommunalaussichtsrechts in der Angelegenheit Sklarek eine amtliche Untersuchung an­geordnet.

Selbstverwaltung.

ordnung, für die der Städtetag in einer Denkschrift bereits die Grundzuge entworfen habe, ein Ende gemacht werden. Be­sondere Aufmerksamkeit erfordere die Gestaltung bey kommu­nalen Anleihemarktes. Bleibe auch der Jahrcszuwachs an kommunalen Anleihen hinter den entsprechenden Zahlen der Friedcuszeit nicht unerheblich zurück, so mache doch die Ge- samtlagc unseres Geldmarktes größte Zuruckhaltung auf diesem Gebiete zur kennmnualpolitischen Pflicht.

preußischer Minister des Innern Grzesinski vertrat den Gedanken der Gemeinsamkeit zwischen Staat und Gemeinden. Das sei gerade das Ziel ber, großen E in - gemeindungsgesetze in Preußen gewesen. Der Minister kam auf die bevorstehenden preußischen Kommunalwahlen zu sprechen und führte aus: So heftig auch die Parteien sich in den einzelnen Gemeinden befehden, so mögen sie doch Nic vergessen, daß gerade die kommunale Arbeit im Gemeindeparlament und in der kommunalen Verwaltung auf ein und dasselbe ^iel gerichtet sein muß, dem Wohle der örtlichen Gemeinschaft und damit auch dem Wohle des ganzen Volkes zu dienen.

preußischer Finanzminister Nr. Höpker-Aschoff umriß den Sinn des schwebenden Reformplanes wie folgt: Zuschlagsrecht der Kommunen zur Einkommensteuer, Ausbau der 61 e tränkesteuer, die als Einkommensquelle bisher noch längst nicht in erforderlichem Maße ausgenutzt ist, Scukung, aber nicht völlige Aufhebung der Gewerbe­steuer. Die Haus zins steuer müsse auf längere Zeit sestgelegt, aber auch von den Härten befreit werden, die sie seht nock aufiueift.

.Als Vertreter des besetzten Gebietes führte Oberbürger- meister Dr. Weiß-Ludwigshafen u. a. aus:

Tie ziveite Zone wird in diesen Wochen frei sein und wir in der dritten Zone haben die Gewißheit, daß es der Reichs- regierung, wenn auch unter Opfern, gelungen ist, zu erreichen, daß wir bis längstens 30. Juni nächsten Jahres unsere Freiheit erhalten. Ich benutze diese Gelegenheit, der Freude des ge­samten besetzten Gebietes über diese Tatsache Ausdruck zu geben. Das nächste Ziel, das wir bald erreicht sehen wollen, ist die Rückkehr des Saargebietes in die deutsche Verwaltung. Möge es unserer Reichsregierung gelingen, diese treudeutfche Bevölkerung bald wieder frei zu machen von den auf ihr lastenden Fesseln.

Im weiteren Verlauf der Eröffnungssitzung des Deutschen Städtetages wurde der Versammlung zur Frage des Ausbaues der Selbstverwaltung eine Entschließung vorgelegt, welche die Durchführung der unerläßlichen inneren Reformen in Reich und Ländern und Ausbau der gemeindlichen Selbstverwaltung fordert.

Neugestaltung des Steuersystems

und endgültige Ordnung des Finanzausgleichs wünscht eine zweite Entschließung, ebenso gewisse Freiheit aus dem An­leihemarkt. Die Gemeinden, so heißt es weiter, fordern von dem kommenden Finanzausgleich die Wiederherstellung einer selbständigen Finanzwirtschast und die Eröffnung aus­reichender eigener und beweglicher Einnahmequellen, erhöht« Beteiligung an der Einkommensteuer, Gewerbesteuer ohne Überspannung und Ausbau der Getränkesteuern.

Aussprache auf dem Giädieiag.

Die Entschließungen angenommen.

In derAussprache auf der Tagung des Deutschen Städte­tages stimmte zunächst Abg. Falk (Dem.) den beiden Ent­schließungen zu. Wir wissen nicht, führte er aus, ob der Young-Plan tragbar sein wird oder wie lange er von uns erfüllt werden kann, aber das eine wissen wir alle, daß der Young-Plan nur dann tragbar sein wird, wenn zwei Voraussetzungen erfüllt werden: eine stärkere, festere, ziel­bewußtere Zusammenfassung unserer Organisation und eine Befruchtung und Neugestaltung unseres Wirtschafts­lebens. Mönnig- Köln brachte am Namen des Zen­trums und der Bayerischen Volkspartei einen Antrag ein, wonach in der Entschließung zur Selbstverwal­tung der Teil gestrichen wird, der in dem Entwurf einer Reichsstädteordnung die Grundlagen für Fortentwicklung einer starken und verantwortungsbewußten SelbstverwaG tung sieht. Caspari- Berlin (D. Vp.) führte ausi Das hohe Gut der Selbstverwaltung darf nicht angetastet wer­den. Eine verstärkte Mitwirkung aller Bürgeram kommu­nalen Leben ist zu begrüßen. Der Redner beantragte 31t der Entschließung zur Finanzreform, daß dieGewerbe- st e u e r lediglich im gegenwärtigen Augenblick beizu­behalten ist. Gerlinger- Köln (Soz.) erklärte, daß noch viele Artikel der Weimarer Verfassung ihrer Erfüllung harren, so z. B. auf dem Gebiete des Wohnungsbaues, des Bildungswesens, der Fürsorge für Kinder und Er­wachsene. Langemarck-Stralsund (Dnt.) schließt sich dem Streichungsantrag Mönnig an. Kinscher (Wirtschaftspt.) beantragte Änderungen der Entschließung zur Finanz- reform.

In der Abstimmung wurden unter Ablehnung aller Änderungsanträge die Entschließungen angenommen. Am Abend waren die Teilnehmer des Städtetages Gäste der Stadt Frankfurt am Main.

Kabinett Schober im Aaiionalrai.

Österreichische Regierungserklärung.

Im Österreichischen Nationalrat stellte sich das neue Kabinett vor. In den Diplomatenlogen wohnten die ausländischen Gesandten dem Ereignis bei

Bundeskanzler Schober

erinnerte in seiner Erklärung an das Jahr 1921, wo er aus der Not der Zeit und des Landes zur Regierung berufen worden sei. Auch diesmal, fuhr Schober fort, sieht sich die Regierung einer schwierigen Lage gegen­über. Aus breiten Schichten der Bevölkerung ertönte der Ruf nach durchgreifenden Reformen auf dem Gebiete der Verfassung und der Verwaltung. Gerade in einem demokratischen Staatswesen kann und darf eine solche Bewegung als Ausdruck der Stimmung weiter Kreise der Bevölkerung von der Regierung nicht übersehen werden.

In diesem Zusammenhänge sei ein Wort über die Heimwehrbewegung gestattet. Der Aufschwung dieser Bewegung ist unzweifel­haft auf die Geschehnisse von Mitte Juli 1927 zurückzu­führen. Der Ruf nach Reformen ist immer lauter ge­worden. Manche Leute haben diese Erscheinung als eine auf Putsch und Bürgerkrieg abzielende bezeichnet. Das ist verfehlt und ungerechtfertigt. Ich muß mit aller Ent­schiedenheit der im Auslande verbreiteten Annahme ent- gegentreten, daß es sich nm eine gewaltsame, auf Umsturz gerichtete Bewegung handelt. Unsere Aufgabe wird cs fein, entsprechenden Kontakt mit den Heimwehren zu unterhalten, um jene Bewegung auf den Weg zu leiten, der zur Erfüllung ihrer Forderungen, soweit sie berechtigt sind, auf legalem Wege führt.

Unsere Politik ist eine friedliche. Sie lehnt in rück­haltloser Aufrichtigkeit den Krieg als Werkzeug staatlicher Politik ab und unterstützt alle Bestrebungen, welche auch im Verhältnis der Staaten zueinander Gewalt durch Recht ersetzen und eine gerechtere, vernünftigere und friedliche Ordnung der Dinge in Europa herbeiführen wollen. Wir wissen uns darin eins mit der Politik des Deutschen Reiches, dem wir in bösen wie in guten Tagen brüderliche Treue bewahren.