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Nr. 236 — 1929
Fulda, Dienstag, 8. Oktober
6. Fahrgang
Slotteoionftreui m 20.3mm in Sonbou.
Die Abrüstung zur Gee.
Britisch-amerikanisches Einverständnis.
Der englische Ministerpräsident Macdonald weilte als Wochencndgast bei dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika in dessen Hau«, da« fern von Washington und Newyorl in den Bergen Virginia« liegt. Ohne weitere Zeugen unterhielten sich die beiden Staatsmänner über die gegenseitigen Pläne zu einem Übereinkommen betr. die Herabminderung der Rüstungen zur See Im Laufe des Sonntags gab Präsident Hoover seinem Privatsekretär in Washington die telegraphische Nachricht, das britische Außenministerium werde bereit« am Montag Einladungen zu einer SecabrüstungSkonsv- rcnz nach Paris, Rom, Tokio und Washington gehen lassen.
Am Mittwoch soll der Wortlaut der Einladung in London und in Washington bekanntgegeben werden. Die Konferenz der fünf Mächte würde aller Wahrscheinlichkeit nach am 20. Januar 1930 in London beginnen. Da man für Montag die Rückkehr Hoovers nach Washington und eine Rede des Präsidenten vor dem Kongreß erwartete, sah man weiteren Aufklärungen über die Konfe- renz in Rewyork mit größtem Interesse entgegen.
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Auf Vereinbarung zwischen Hoover und Macdonald will die britische Regierung die Einladung zu einer am 20 Januar in London stattsindenden SeeabrüstungSkonserenz mit Amerika an die Machte Frankreich, Italien und Japan versenden.
* Der Schießplatz in Drove bei Düren wird nach einer Mitteilung der französischen Besatzungsbehörde vom 1. Oktober ab nicht mehr zu Übungen benutzt.
* Auf der Versammlung des Evangelischen Bunde? in Koblenz wurde eine Entschließung angenommen, die baldige Lösung der mit der evangelischen Kirche Preußens schwebenden Verhandlungen nach dem Abschluß des Konkordats mit Rom verlangt.
* Aus der französischen Botschaft in Berlin wurden kostbare Schmuckstücke im Werte von etwa 80 000 Mark geraubt.
Giresemanns lehie Zeilen.
Für europäischen Zusammenschluß.
Die Newyorler Blätter veröffentlichen eine an die amerikanische Zeitschrift „Ladies Home Journal" in Philadelphia gerichtete Äußerung Dr. Stresemanns und erklären, es handele sich um die letzten Zeilen, die der amerikanischen Presse von dem Verstorbenen zugegangen seien. Darin betont Dr. Stresemann, er erhoffe, von einem Zusammenschluß der europäischen Staaten ein wirtschaftliches Zusammengehen mit der übrigen Welt, nicht gegen sie.
Ein solcher Zusammenschluß sei seiner Auffassung nach insbesondere nicht im geringsten gegen die Vereinigten Staaten von Nordamerika gerichtet, sondern cs handle sich dabei um etwas, das im Interesse der Nationalisierung des europäischen Wirtschaftslebens notwendig sei, wie wohl jeder Amerikaner es verstehen werde, der Europa bereist habe.
Der Nachruf Dr. Kahls.
Die Deutsche Volkspartei veranstaltete am Sonntag abend eine besondere Trauerfeier im Reichstage. An der Stelle, wo mittags der Sarg Stresemanns gestanden hatte, hing jetzt eine s ch w a r z w e i tzr »t e Fahne, sonst war die Ausschmückung von der offiziellen Feier am Vormittag erhalten geblieben. Die Gedenkrede hielt Geheimrat Dr. K a h l. Zwei Momente hob Kahl als die größten in Stresemanns Laufbahn hervor. Der erste: Stresemanns Übernahme der Kanzlerschaft im August 1923 zur Lösung der Aufgabe, mit der Großen Koalition den passiven Widerstand an der Ruhr abzubrechen. Der zweite: Stresemanns Entschluß, nach dem Sturz seines zweiten Kabinetts nicht etiva der Regierung den Rücken zu kehren, sondern als Außenminister der Deutschen Republik daran zu arbeiten, sein Land wieder als gleichberechtigten Faktor in die Reihe der Mächte einzufügen.
Die fehlende Reichswehr.
Am Trauerzuge zum Grabe nahmen am Sonntag neben den übrigen behördlichen und amtlichen Persönlichkeiten auch Relchüwehrminister Gröner und der Oberkommandierende der Reichswehr, General Heve, mit einer Anzahl Herren seines Stabes teil. Dagegen traten die Truppen selbst nicht in Erscheinung, was bei manchen Zuschauern zu Fragen Anlaß gab. Die Schutzpolizei stellte Ehrengeleit, Musik und ritt in Schwadronen an der Spitze des Zuges. Wie man hört, hatten Lehrminister Gröner und General Heve den Wunsch ge« äußert, daß die Reichswehr das Ehrengeleit übernehme, auch der Reichspräsident hatte zugestimmt. Jedoch wurden im Auswärtigen Amt Einwendungen erhoben. Das Amt führte an, die Reichswehr dürfe nur einen Staatsches geleiten.
*
Militärische Ehrungen bei Begräbnissen.
Reichswehr und Stresemanns Beisetzung.
. Wie zu dem Meinungsaustausch über das Fehlen der Reichswehr weiter von offiziöser Seite besannt toirV, habe der Reichspräsident bereits am letzten Freitag in einer Unterredung mit dem Reichskanzler Müller der 'Meinung Ausdruck gegeben, eine militärische Beteiligung an Beisctzunasfcicrlichkeiten komme nur bei Staatsoberhäuptern in Betracht, nicht bei anderen Persönlich- lerten. die auch der Reichswehr nicht selbst angedört hätten.
Macdonald und Hoover trafen wieder hier ein. Es wurde folgende gemeinsame Erklärung veröffentlicht: „Wir haben alle Fragen, die zu Reibungen zwischen unseren Ländern Anlaß geben könnten, im Gebiete der Aufrichtigkeit geprüft. Es wurden zufriedenstellende Fortschritte erzielt. Die Besprechungen werden fortgesetzt."
Oie Freiheit der Meere.
Ter sehr maßgebende Senator B 0 r a h soll am Mittwoch eine längere Unterhaltung mit Macdonald haben. Borah steht in einem ziemlich starken Gegensatz in der vorliegenden Frage zu dem Präsidenten Hoover. Hoover vertritt die Meinung, die sogenannte „Freiheit der Meere" sei eine zu schwierige Frage; man werde mit England darüber kaum zu einer Einigung kommen können, wenn man sich nicht auf die Herbeiführung einer gleichen Stärke zur See beschränke und dafür eine mit dem Jahre 1936 beginnende Herabsetzung der beiderseitigen Seestreitkräfte herbeiführe. Borah dagegen glaubt ohne Regelung der Freiheit der Meere nicht an irgendwelches ersprießliches Flottenabkommen. Er will sich jedenfalls in keiner Weise dafür ohne Inangriffnahme der Hauptfrage einsetzen. Am Mittwoch will Borah dem englischen Ministerpräsidenten seine Ansichten darüber und über das internationale Seerecht vortragen.
Siebstahl in der französischen Botschaft in Berlin.
Ein wertvoller Schmuck gestohlen.
Im französischen Botschaftsgebäude in Berlin haben, während der Botschafter auf Urlaub war, Diebe, die bisher noch nicht ermittelt werden tonnten, einen großen Juwelendiebstahl verübt. Sie haben aus dem Schreib" tische des Botschafters den Schmuck seiner verstorbenen Gattin, vier mit Edelsteinen besetzte Ringe und eine große Perlenkette mit Brillantschloß, und andere Sachen im Gesamtwerte von 80 000 Mark gestohlen.
Das französische Botschaftsgebäude in Berlin.
Im Kreis die vor einiger Zeit verstorbene Gattin des Botschafters.
Mellon bleibt im Amt.
Nach einer Meldung der „Associated Preß" aus Washington wurde im Weißen Hause mitgeteilt, daß Mellon dem Präsidenten Hoover versprochen habe, während der Dauer der jetzigen Regierung im Amte zu bleiben. Mellon ist 74 Jahre alt.
Die ununterbrochene Arbeitswoche in der Sowjetunion.
Moskau, 7. Okt. Die Telegraphenagentur der Sowjetunion meldet: Die Arbeit in den Fabrikbetrieben zahlreicher Institutionen, die die ununterbrochene Arbeitswoche bereits eingeführt haben, der lebhafte Straßenverkehr und die überfüllten Läden verliehen Moskau am letzten Sonntag das Gepräge des üblichen Werktagslebens. Die Presse betont, daß, obwohl die Einführung der ununterbrochenen Stägigen Arbeitswoche, wonach jeder Arbeiter und Angestellte nach je 4 Arbeitstagen einen Ruhetag erhält, offiziell erst für den Oktober in Aussicht genommen ist, viele Fabriken auf Veranlassung der Belegschaft die Umstellung bereits Ende September vollzogen haben. Auch eine Anzahl zentraler Regierungsinstitutionen hat die neue Arbeitsregelung schon cingcsUhrt. Der Befehl zur Einführung der ununterbrochenen Arbeitswoche in der Roten Armee ist bereits veröffentlicht.
Kabul vor dem Fall?
Moskau, 7. Okt. Nach Meldungen aus Termez bringen die Streitkräfte Nadir Khans erfolgreich auf Kabul vor und nähern sich den Zugängen der Stadt. Habib Ullah hat alle Streitkräfte einschließlich der Polizei mobil gemacht. Habib Ullahs Anhänger bringen eilig ihr Eigentum nach Kugistan.
Nach den letzten Meldungen aus Termez haben die Truppen Nadir Khans das Fort Balahiffar besetzt. In den süd- Sstlchen Vororten Kabuls finden Kämpfe statt.
Einiragungsverfahren für das Volksbegehren.
Amtlicher Runderlaß.
Der preußische Minister des Innern veröffentlicht einen Rtznderlaß in dem er das Eintragungsverfahren für das unter dem Stichwort „Freiheitsgesetz" eingebrncyte Volksbegehren gegen den Doung-Plan im einzelnen regelt.
Der Erlaß enthält mehrere Anlagen, in denen die Stellung der Reichsregieruna zu dem Volksbegehren bekanntgegeben wird. Der Schlußabsatz daraus rautet:
„Die Reichsregierung weiß sich mii der erdrückenden Mehrheit des deutschen Volkes in der Ausfassung einig, daß die Besserung der außenpolitischen Lage nicht durch ein wie immer geartetes deutsches „Gesetz" zu erzwingen ist, sondern allein durch zähes Ringen im Verhandlungswege mit den Verlrags- gegneru schrittweise erreicht werden kann. Die Reichsregierung wird der Durchführung des Volksbegehrens die verfassungsmäßigen Garantien selbstverständlich nicht vor- enthalten. In der Sache selbst wird sie dem Beginnen, das von Anfang an als Versuch mit völlig untauglichen Mitteln erscheint und in der Wirkung nur geeignet ist, den innenpolitischen Zwist zu vertiefen, allen gebotenen Widerstand entgegensetzen."
Aus den nun folgenden weiteren Darlegungen ist hervorzuheben: Eine förmliche Überwachung des Eintragungsverfahrens durch Beauftragte der Antragsteller wäre mit den Bestimmungen der Reichsstimmordnung nicht vereinbar, auch mit der hoheitlichen Stellung der Gemeindebehörden bei dem Ein- tragungsverfahren nicht verträglich. Eine dauernde Besetzung der Eintragungsräume mit Obleuten von Parteien kommt hiernach nicht in Frage Es bestehen aber keine Bedenken, wenn Beauftragten der Parteien auf Wunsch allgemeine Auskünfte über den Fortgang der Eintragungen gegeben werden. Der Reichstagsstimmkreis umfaßt den Stimmkreis. Für jeden Stimmkreis tft ein Abstimmungsleiter und ein Stellvertreter zu ernennen und ein Abstimmungsausschuß zu bilden.
Die Ausrüstung der Gemeinden mit den für die Eintragung nötigen Eintragungslisten, unter Umständen auch mit Anhänge -oder Einlagebogen, ist Sache der Antragsteller. Die Gemeindebehörden dürfen die Annahme der EiMragungs- liften nicht verweigern, sie sind vielmehr verpflichtet, die Listen in Empfang zu nehmen, auf Verlangen den Empfang zu bestätigen und die Listen in der Zeit vom 16. Oktober bis 29. Oktober 1929 zur Einzeichnuna auszulegen.
Die Gemeindebehörden haben unverzüglich nach Eingang der Vordrucke in ortsüblicher Weise bekanntzumachen, wo, an welchen Tagen und zu welchen Tagesstunden die Unterschriften in die Listen eingetragen werden können.
Reichs- und Staatsregierung legen großes Gewicht auf äußerlich glatten und reibungslosen Verlauf des Volksbegehrens. Niemand darf Anlaß zu berechtigter Klage haben, daß ihm die Ausübung des verfassungsmäßigen Eintragungs- recbts durch mangelhafte Maßnahmen unmöglich gemacht oder unbillig erschwert worden sei, anderenfalls muß aber jeder mittelbarer oder unmittelbarer Zwang, sich am Eintragungs- Verfahren zu beteiligen, unterbleiben.
Untergang eines norwegischen Küstendampsers.
Bergen. Der norwegische Küstendampfer „Haakon VII.* geriet in der Nähe von Flora auf Grund und sank innerhalb dreier Minuten. Das Schiff fuhr, als es auflief, mit jwiiP Seemeilen Geschwindigkeit. Es scheint, daß bei dem Untergang des „Haakon" 17 Personen umS Leben gekommen ^ind, darunter neun oder zehn Mann der Besatzung. Ter über- «ebeilde Teil rettete sich auf ein kleines in der Nähe der ll n- glücksstelle gelegenes Eiland, von wo die Schiftbrüchigen später durch ein Schift abgeholt und nach Florö gebracht wurden.
Da die Liste der Paffagiere, die sich zur- Zeit des Unglücks an Bord des „Haakon VII“ befanden, bei der Katastrophe verloren ging, liegt noch keine genaue Aufstellung über die Zahl der Umgekommenen vor. Man muß jedoch jetzt mit der Wahrscheinlichkeit rechnen, daß 35 Menschen ihr Leben verloren haben, darunter neun Mitglieder der Besatzung. Die Katastrophe ereignete sich dadurch, daß das Schiff bei einer Geschwindigkeit von zwölf Seemeilen aus ein Riff auffuhr. Der Anprall war so heftig, daß der Kapitän, der sich auf der Kommandobrücke befand, ins Meer geschleudert wurde. Er wurde später sehr ermattet gerettet und hat noch keine Erklärung über den Hergang des Unglücks abgeben können. Verschiedene Passagiere hatten sich bereits zur Ruhe begeben, als die Katastrophe eintrat. Das elektrische Licht erlosch sofort. Die Passagiere stürzten, teilweise in Nachtgewändern, an Bord. Einer der überlebenden Paffagiere äußerte, daß von einer eigentlichen Panik nicht die Rede sein könne. Denn der ganze Vorfall hätte sich so schnell abgespielt, daß, ehe man richtig z»r Besinnung kam, der Dampfer mit Ausnahme des Vorschiffes bereits gekentert war. Mannschaft und Paffagiere sprangen in die See oder krochen nach vorn. Es glückte schließlich dem Bootsmann, eine Leine vom Schiff nach einem Felsenrifs zu spannen. Nach und nach sammelten sich dann etwa 50 Menschen auf dem Riff an, wo sie etwa vier Stunden in strenger Kälte zubringen mußten, bis sie von dem Dampfer „St. Lukas" gerettet werden konnten. Eine Reihe von Personen hielt sich, wie oben geschildert, auf dem Vorschiff auf. In einer Kabine dritter Klaffe des Vorschiffes waren mehrere Passagiere eingesperrt. Glücklicherweise blieb die Kabine über Waffer, so daß auch diese Eingespcrrtcn später noch gerettet werden konnten. Einem bekannten Geschäftsmann aus Bergen, Konsul Dan Hunn, der selbst verletzt wurde, gelang es, eine Tür zu einem der Salons aufzureißen, als das Schiff Schlagseite bekommen hatte, und durch diese Tür dann sieben Menschen herauszuholen.
35 Personen ertrunken.
Bergen. Nach einer Meldung der Zeitung „Midaros" sollen bei dem Untergang des Küstcndampfcrs „König Haâkon VII“ 35 Personen ertrunken sein.