Einzelbild herunterladen
 

ul-aer Anzeiger

Erscheint jeden Merftag.Bezugspreis: monatlich 2.20 RM. Bei Lieferungsbehinöecungen öurch Hhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen Sem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Zrisörich Ehrenklau, Zulüa, ^yk'ed Ses Vereins Seutscher Zeitungsver­leger. Postscheckkonto: Kcanksuet a. M. Ht. 16009

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt Reâaktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernfprech-Anschluß Ur. 98»

Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit Quellenangabe .Zuldaer ftnzeiger'gestattet.

Anzeigenpreis: §ür BehSröen, Genossenschaft ten,Banken usw. beträgt Sie Klemzeile 0.Z0Mk., für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk.,füe bis Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle endeten 0.15 M?., ReklamLzeile 0.60 Mark Bei Rechnungsstel. lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen Tag- und Platzvorfchristen unverbindlich.

Nr. 241 - 1929 mm»ggSSSSSSB

Fulda, Montag, 14. Oktober

6. Jahrgang

M du Klârmg des ödlired-Swdsls

Oie Rückkehr des Berliner Oberbürgermeisters.

Mißglücktes Ferngespräch BerlinHollywood.

Oberbürgermeister Böß teilt dem Magistrat Berlin in Beantwortung des Kabels des Bürgermeisters Scholtz telegraphisch mit, daß seine Rückreise planmäßig erfolgen werde. Eine vorzeitige Rückkehr sei nicht beab­sichtigt, zumal diese sachlich schädlich und mit technischen Schwierigkeiten verbunden sei. Er verfolge die Vorgänge in Berlin mit größtem Interesse. Das Interview der Associated Preß, in dem behauptet worden war, es sei dem Oberbürgermeister ganz gleich, was sich in Berlin ab­spiele, sei demzufolge verkehrt wiedergegeben.

Im übrigen ist ein Telephongespräch, das Oberbürgeo- meister Böß gelegentlich einer Tonfilmaufnahmt B e r l i nH 0 l l y w 0 0 d mit der Stadt zu führen ver­suchte, mißglückt. Nachdem die Aufnahme selbst trotz der großen Entfernung von 10000 Kilometern wunsch­gemäß zustande gekommen war, versagte die Verbindung, als der Oberbürgernieister zu sprechen versuchte.

/ Noch eine Sklarek-Vekanntschaft.

über vie Beziehungen zu den Gebrüdern Sklarek teilt der Dortmunder Bürgermeister Hirsch in der West­fälischen Allgemeinen Volkszeitung mit, daß er seit Jahren in freundschaftlichen Beziehungen zu den Gebrü­dern Sklarek gestanden habe. Er habe sie wie sehr viele andere Leute auch für ernste und anständige Geschäfts­leute gehalten. Er habe auch gelegentlich bei der Firma Sklarek gekauft. Zweimal sei er auch zu Besuch in Waren (Mecklenburg) gewesen. Bei diesen Besuchen haben keine F e st g e l a g e stattgefunden. In seiner am t l i ch e n Tätigkeit habe er n i e mit Sklarek etwas zu tun ge­habt. Es sei auch von Sklarek nie versucht worden, seine amtlichen Eigenschaften auszunutzen.

EMWW^ Lehmann beschuldigt weiter.

- Inzwischen werden vor dem Vernehmungsrichter die Konfrontationen der Gebrüder Sklarek und ihres früheren Sekretärs Lehmann fortgesetzt. Bei allen diesen Gegenüberstellungen spielen sich sehr erregte Szenew ab, da die Sklareks schlechthin alles bestreiten, was Leh., mann aussagt, um sie zu belasten. Als bei der letzten Gegenüberstellung einer der Sklareks mit Pathos ausrief: Lebmann, wollen Sie etwa beim Leben Ihrer Kinder schwören, daß ich Sie verführt habe?", entgegnete Leh" mann:Lassen Sie meine Kinder aus dem Spiel Siv haben mich trotz alledem zu den Fälschungen verleitet!" Lehmann wiederholte auch seine Beschuldigungen gegen

Erkenntnisse der Landwirtschaft

Sas Ergebnis der Dresdener S.-L.-G.-Tagong.

Reue Wege.

Die Grüne Herbstwoche, welche die Deutsche Landwirt­schafts-Gesellschaft in diesem Jahre in Dresden abgehälten hat, ergab, abgesehen von der großen Fülle von Anregungen auf allen Gebieten des landwirtschaftlichen Betriebes, zwei große Erkenntnisse. Einmal, daß die Einnahmen der Landwirtschaft im ganzen Reiche und bei allen Betriebsgrößen das Existenzminimum nicht mehr erreichen, und zweitens, daß die Landwirtschaft alle Kräfte daransetzen mutz, um de» deutschen Jnlandsmarkt wiederzuerobern.

Der Vortrag des Dr. Fensch-Berlin über Reinertrag und Preisbildung in der Landwirtschaft wirkte wie eine Sensation. Auf Grund von unangreifbarem, z. T. amtlichem Zahlenmaterial konnte der Vortragende den Nachweis liefern, warum die deutsche Landwirtschaft, der einzelne Landwirt mag eS an­fangen wie er will,

ein Verlustgeschäft unter den derzeitigen Verhältnissen bleiben mutz. Denn eS zeigt sich, daß gegenüber der Vorkriegszeit die allgemeine Geld­entwertung etwa bei 150 Prozent liegt Alle Preise haben sich dieser Entwertung angepatzt, nur diejenigen der landwirt­schaftlichen Erzeugnisse nicht, und zwar lätzi sich durch Be­rechnungen auf fünf verschiedenen Wegen seststellen, daß es rund 17 Prozent sind, die der Landwirt für seine Erzeugnisse

zuwenig bezahlt bekommt.

Diesen Betrag setzt er dauernd, teils aus der Substanz seines Elitzes, teils in Form unbezahlter Arbeitsleistung zu. An dieser Bestellung, die ein nationalwirtschaftliches Unglück kennzeichnet, ist nach der Dresdener Tagung der Deutschen ^guwvirtschasts-Gesellschaft nicht mehr zu rütteln. Sie wurde iurch den bekannten Hohenheimer Gelehrten Pros Dr. Mün- zlnger noch unterstrichen, der auf einem sechsten, anderen Wege 'genau zu demselben Ergebnis gekommen ist. Er hat berechnet, wie hoch die Verkaufspreise des Landwirtes sein müßten, wenn * er deutsche Bauer für sich und seine Kinder sich den gewiß sicht unbescheidenen Stundenlohn von 50 Pfennigen berechnen wer diesen Lohn seinen Landarbeitern zahlen wollte Auch '«NN fehlen genau 17 Prozent an den Einnahmen.

"ilso neue Preiserhöhungen, eine neue Steigerung der Lebenskosten? Der städtische Verbraucher hört es mit begreif-

Aber davon soll keine Rede sein Der ltadtrsche Verbraucher weitz nicht, daß er jetzt schon das Doppelte

den Oberbürgermeister Dr. Bötz: er bleibt dabei, daß Frau Böß von den Sklareks einen Pelzmantel im Werte von 4000 Mark für 400 Mark erhalten habe.

Abseits von den gerichtlichen Untersuchungen unter­sucht derOberregierungsratTapolski,ob und inwieweit" sich Beamte der Stadt Berlin in Sachen Sklarek Verfehlungen haben zuschulden kommen lassen.

Disziplinarverfahren gegen die Leiter der Berliner Stadtbank.

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat Ler .Obexprästdent der Provinz Brandenburg und von

Die den

Berlin das förmliche Disziplinarverfahren gegen Stadtbankdirektoren Schmitt und Hofsmann sowie Abteilungsleiter Schröder mit dem Ziel auf Amtsent­hebung eröffnet. Gleichzeitig hat er die Amtssuspenston dieser drei Beamten ausgesprochen.

Oberbürgermeister Bötz wird nicht zurückgerufen.

Wie das Nachrichtenamt der Stadt Berlin mitteilt, ist der Magistrat dem Beschluß der Stadtverordneten­versammlung, der die sofortige Rückkehr des Oberbürger- Meisters und der in Amerika weilenden Stadträte fordert, nicht beigetreten. Oberbürgermeister Bötz ist durch Kabel entsprechend verständigt worden.

I und mehr für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse bezahlen muß, den der Landwirt alsHofpreis" erhält. Der Ver-

I orancher ahnt nicht, daß ein Durchschnittspreis von drei Mark ; für den Zentner Kartoffeln die kühnsten Träume derbegehr- lichen Landwirte" übertreffen und mit einem Schlage einen großen Teil der Landwirtschaft sanieren würde. Der kost- spielige, für beide Teile verlustreiche Weg zwischen Erzeuger und Verbraucher muß also, daS ist

eine nationalwirtschaftliche Forderung,

die das gairze Volk angeht, abgekürzt werden. Die zweite Forderung aber richtet die Landwirtschaft an sich selbst Will sie den deutschen Jnlandsmarkt von der auS- ländischen Ausfuhr zurückerobern, dann muß sie auf allen Gebieten ebensogut Qualitäten aubieten können, wie eS das Ausland tut, und muß sich unbedingt nach dem Geschmack des Verbrauchers richten. Die Dresdener Tagung hat gezeigt, daß diese Erkenntnis allgemein von der landwirtschaftlichen Führung anerkannt ist und daß man mit größtem Eifer und auch sichtbarem Fortschritt die

Möglichkeiten einer Qualitätsverbesserung

trotz der sehr schwierigen Lage der Betriebe aufsucht und allen Landwirten zugänglich macht und einprägt. Freilich droht hier die Gefahr eines schweren Rückschlages. Wenn die Kaufkraft der breiten Massen noch weiter zurückgeht, verliert der Land- Wirt auch an seinen Bemühungen um Verbesserung der Butter, deS Fleisches usw. abermals sein Geld. Auch hier sind

Verbraucher und Erzeuger unentrinnbar in eine Schicksalsgcmcin schaft

zusammengeschmiedet und beide müssen das noch viel mehr als bisher zu begreifen und sich gegenseitig zu verstehen und zu helfen versuchen.

Nächste Wanderausstellung der S. L. G. in Köln.

Hauptversammlung der D L. G. in Dresden.

Im Nahmen der diesjährigen Hcrbstlagung der Deutschen Ä» richtete über die diesjährige Wanderausstellung in München, mit deren Erfolg man durchaus zufrieden sein könne. und gab bekannt, daß die Verhandlungen mit ber Stadt Köln über die Abhaltung der nächstjährigen Wanderausstellung zum Ab- schlutz gekommen seien. Als Tagungsort für die Herbstver- sammln»« der D. L. G. 1930 wurde Stettin gewählt.

Neue Nheinbrücke bei Neuß.

Rede des Verkehrsmini sters Stegerwald.

Die neue Rheinbrücke zwischen Düffeldorf und Neuß ty »ach ihrer festlichen Einweihung dem Verkehr über- Sbe» worden. Die zahlreich versammelten Vertreter der eichs- und Staatsbehörden, darunter Rcichsverkehrs- minister Stegerwald und der Oberpräsident der Rhein- provinz, wurden vom Oberbürgermeister von Düsseloorf, Dr. Lehr, zugleich im Namen der Stadt Neutz und des Bauherrn, der Rheinischen Bahngesellschaft, begrüßt.

Nach der Ansprache von Generaldirektor Fritzen von der Rheinischen Bahngesellschaft ergriff Reichsverkehrs­minister Stegerwald das Wort und beglückwünschte die Städte Düsseldorf und Neuß, die trotz der schweren Zeiten den Mut fanden, diese bewundernswerte Anke ze zu ver­wirklichen. Er übergab die neue Rheinbrücke unter Böllerschüssen dem Verkehr, worauf sich die ersten Kraft­wagen und Straßenbahnen über die Brücke in Bewegung setzten. Den Abschluß der feierlichen Einweihung bildete ein Festessen, bei dem Dr. Lehr ° Düsseldorf den Gästen nochmals einen Willkommensgruß entbot. Hierauf ge­dachte der preußische Innenminister G r z e s i n s k i der Nöte des Landes und verwies auf das Umgemeindungs- gesetz, durch das man für das rheinisch-westfälische Um- gemeindungsgebiet ein leistungsfähiges kommunales Ge­bilde erstrebe. Wenn auch in der nächsten Zeit noch schwere Lasten zu tragen seien, so sei er doch überzeugt von dem Lebenswillen des deutschen Volkes. Der Minister er­klärte weiter: Daß wir unsere Verhältnisse so gut wie möglich zu gestalten in der Lage sind, gelte nur, wenn wir Ruhe und Frieden haben und alle am Aufbau des deutschen Volkes mitarbeiten wollen. Es könne nicht ge­duldet werden, daß sich der Terror breitmache. Die Re- gierung werde unter keinen Umständen eine Störung bet Ruhe und Ordnung dulden und energisch eingreifen.

Die neue Brücke ist mit einem Kostenaufwand von etwa 14 Millionen Mark in zweijähriger Arbeit fertig­gestellt worden. Sie dient der Schaffung einer neuen, näheren Verbindung über den Rhein zwischen den Städten Düffeldorf und Neuß und der Herstellung eines großen Verkehrsweges von dem linksrheinischen Industriegebiet zum Wuppertal. In einer Länge von 780 und in einer Breite von 30% Metern überbrückt das neue Verkehrs- band den Niederrhein.

Die Einweihung der Köln-Mülheimer Rheinbrücke.

Die in einer Bauzeit von zwei Jahren und vier Monaten fertiggestellte Mülheimer Brücke in Köln, ein» Hängebrücke, die in einem Bogen von 315 Meter« Span­nung den Rhein überbrückt, wurde am Sonntag in einem Festakt dem Verkehr übergeben. Reichsminister Steger­wald durchschnitt das Band. In einer Ansprache wies er u. a. darauf hin, daß die neuen Brückenbauten am Rhein als Zeichen des zähen Aufbauwillens des deutschen Volkes gewertet werden müßten. Unter Böllerschüssen und dem Heulen der Sirenen zahlreicher vor Mülheim vor Anker liegenden Schleppschiffe wurde dann in der Mitte der Brücke die Reichsflagge gehißt.

Kein Tabak- und Biermonopol.

Eine Mitteilung des Reichsfinanzministeriums.

Zu Meldungen, wonach wesentlich bessere ausländische Anleiheangebote zu niedriger Verzinsung vorlägen, wird von feiten des Reichsfinanzministeriums erklärt, daß mit Ausnahme des vorliegenden Angebotes der Leiter- deS schwedischen Zündholzkonzerns, Kreuger, über das übri­gens noch nicht entschieden worden sei, dem Reichsfinanz- minifterium ein weiteres Angebot von keiner Seite er­folgt, noch bekannt sei.

Zu den weiteren Veröffentlichungen über ein bevor- stehendes Tabak- und Biermonopol wird erklärt, daß daS Reichsfinanzministerium alle Projekte prüfe, die für die Sanierung der Rcichsfinanzen in Frage kommen könnten. Über eine erste Prüfung sei man jedoch nicht hinauSge- kommen. Die Behauptungen, daß etwa Vorlagen und ge­naue Preisfestsetzungen vorlägen, seien von A bis Z erfunden.

Die Zün-holzanleihe

Vor dem Abschluß.

vom dem

Auch von zuständger Stelle ist zugegeben worden, daß die Verhandlungen über die Anleihe für das Reich schwedischen Zündholztrust gegen Konzessionen auf Gebiete des Zündholzwesens weit gediehen sind. Man darf mit dem Abschluß schon in kurzer Zeit rechnen. Den Anlaß zu den jetzigen Verhandlungen sollen die schlechte Produktionslage und die durch die Ruffenkonkurrenz her- vorgerufenen Absatzschwierigkeiten gegeben haben.

Gegenwärtig schwankt der Kleinhandelspreis für ein Paket Zündhölzer in Deutschland zwischen 25 und 32

Pfennig, während sich die Preise im Ausland höher stellen. So zahlt Österreich im Durchschnitt angeblich 32 bis 39 Pfennig, Italien und Frankreich 30 bis 60 Pfennig und .'Ne angelsächsischen Länder 64 Pfennig bis eine Mark je Paket. Wie es also auch kommen wird, es dürfte mit einet Erhöhung der Zündholzpreise zu rechnen sein.

Berliner Effektenfrühverkehr vom 14. Oft. Der heutige Frühverkehr stand im Zeichen vollständiger Eeschäftsstille in­folge Fehlens besonderer Anregungen und beeinflußt durch den hohen jüdischen Feiertag. Kurse waren nicht zu hören. Am Devisenmarkt nannte man London-Paris 123.93, London-Mai­land 92.95, London-Spanien 33.40 ca., London-Kabel 486.67, London-Berlin 20.40, Kabel-Brelin 4.1920.