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Nr. 248 — 1929
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Fulda, Dienstag, 22. Oktober
6. Jahrgang
169 Personen fliegen.
Nekordfahrt des „Do. X".
In 1 ^ Stunden um den Bodensee.
Ende voriger Woche schon hatte das Riesenlustschiff „Do. X" zu einem Rekordflug aufsteigen wollen, aber das Wetter war so unsicher, daß der Start von Taa zu Tag verschoben werden mußte. Man wollte eine stabile Wetterlage abwarten und es sah im Bodenseegebiet auch zu Beginn der neuen Woche nicht so aus, als wenn man mit günstigerer Witterung hätte rechnen dürfen.
Montag vormittag um 11 Uhr 15 aber ist das Großflugzeug, tue augenblickliche Aufheiterung des Wetters ausnutzend, zu allgemeiner Überraschung gestartet. An Bord befanden fich nicht weniger als 150 Fluggäste; dazu kamen noch die zehn Mann starke Besatzung und, wie es sich erst «ach der Landung herausstellte, etliche blinde Passagiere. Das Flugschiff brauchte für den Start nur 50 Sekunden. Es umkreiste den Bodensee in wechselnder Höhe, wurde auf der deutschen und auf der schweizerischen Seite von zahlreichen Menschen mit großer Begeisterung begrüßt und ging um 12.40 Uhr an der Abflug- stelle glatt zu Wasser. Der Rekord für Verkehrsflugzeuge, der bisher von dem S u p e r w a l der Dornier Metallbauten G. m. b. H. mit 60 Fahrgästen gehalten wurde, und der Rekord für Luftschiffe, den das neue englische Luftschiff „R. 1 01" mit 75 Personen an Bord hielt, sind durch den Rekordflug des „Do. X" weit überboten.
Was „Do. X* tragen kann.
Bei seinen letzten Starts hatte das Flugschiff eine Gesamtlast von 50 000 Kilogramm gehoben; jetzt hat sich diese Leistung auf 52 000 Kilogramm erhöht und man erwartet, daß „Do. X" in Meereshöhe eine Hubkraft bis zu 54 Tonnen erreichen wird. Das Flugschiff kann außer den mehr als ■ 1 w1 Mann, mit denen es diesmal aufgestiegen j war, noch Betriebsstoff für eine Reise von 1200 Kilometern tragen; die Gesamtlast würde ungefähr dem Gewicht von 300 Passagieren entsprechen.
Es sei noch erwähnt, daß der ganze Flug außerordentlich ruhig war und daß der fliegende Riese jeder, auch der geringsten Steuerbewegung gehorchte.
Neben 30 Pressevertretern und Filmleuten beteiligten sich 120 Angehörige der Dornierwerft, Altenrhein, an dem Flug. Um 10.30 Uhr wurden die 150 Fluggäste zum Schiff gebracht, um in dem riesigen Rumpf Platz zu nehmen. Als Besatzung befanbeh sich, einschließlich des Jnformationspersonals, 19 Mann an Bord, so daß insgesamt 169 Personen in dem Flugschiff Aufnahme gefunden hatten. Das Gewicht der Zuladung, sowie das Abflugsgewicht find im Augenblick noch nicht bekannt. Betriebsstoff wurde für etwa sechs Stunden an Bord genommen. Wenige Minuten nach 11 Uhr, nachdem der „Do. X.“ durch ein Motorboot in tieferes Wasser geschleppt worden war, wurden nacheinander die Maschinen in Gang gebracht. Innerhalb von drei Minuten liefen sämtliche 12 Motoren. Darauf begannen die Rollmanöver, die etwa eine Viertelstunde dauerten. Um 11.25 Uhr ging das Fahrzeug in den Anlauf zum Start über. Schon nach 72 Sekunden löste sich das schwer belastete Flugboot normal vom Wasser und begann sei- I nen Rekordflug, der etwa 40 Minuten dauerte und sich in ca. 35g m Höhe über dem ganzen Obersee von Konstanz bis Bregenz erstreckte. Um 11.57 Uhr traf „Do. X.“ wieder über Alten- rhein ein. Nach einer eleganten Schleife über der Dornierwerft wurde zur Landung geschritten. Um 12.04 Uhr setzte die Maschine nach ihrem so glänzenden gelungenen Flug wieder auf dem Wasser auf. Mit Ueberbelastung hätte eine Strecke von 1000 bis 1500 km zurückgelegt werden können. An Bord befanden sich auch Maurice Dornier und außerdem noch ein vieriahriger Junge, der allerdings nicht gewogen wurde, so daß eigentlich 170 Personen den Flug mitgemacht haben.
Zündhotzmonopol und Reichranleihe.
Einigung über das Monopol.
Ivar Kreuger, der König des schwedischen Zündholztrustes, und Reichsfinanzminister Dr. Hilf er - dlng trafen in den letzten Tagen wieder in Berlin ein Damit begannen im Reichsfinanzministerium die Be. ratungcn über die Reichsanleihe und das Zündholz- Monopol erneut. Die Arbeiten wurden so weit gefördert daß der Abschluß und die definitive Unterzeichnung der Verträge in jedem Augenblick erwartet wurden. Die dem Reich zu gewährende Anleihe int Gesamtbeträge von 500 Millionen Mark soll auf 50 Jahre unkündbar sein und zu sechs Prozent fcstgelegt werden.
Der Auszahlungskurs beträgt 93 Prozent. Spesen und Provisionen werden nicht berechnet, so daß das Reich erneu Nettobetrag von 465 Millionen Mark erhält. Die Deutsche Zündholzverkaufsaktiengesellschaft wird in eine halbstaatliche Organisation zur Durchführung des Monopols verwandelt.
I Erhöhte preise.
Es wurde am Montag nur noch über kleine Einzel- Herten verhandelt. Im großen und ganzen war man sich eririg. Die Erhöhung der Zündholzpreise ist sicher. Der ( Klemverkaufspreis wird von 25 Pfennig für dre Packung - Zehn Schachteln auf 30 Pfennig erhöht, so daß eine wesentliche Belattung des letzten. Verbrauchers eintritt.
Die Londoner Presse zum Fluge des „Do. X."
London, 22. Okt. Auch die Morgenblätter würdigen die gestrige Leistung des „Do. X.“ „Daily Mail" sagt, es handle sich um den erstaunlichsten Flug, der bisher in der Geschichte der Eroberung der Lust zu verzeichnen ist. „Daily Telegraph" spricht von einem Rekord, der alles bisher in dieser Richtung
Von der Balkanfahrt des „Graf Zeppelin". Das Luftschiff über der Kathedrale von Sofia.
Geleistete in den Schatten stelle. In einem Leitartikel sagt das Blatt: Es ist noch zu früh, bestimmte Schlußfolgerungen zu ziehen, aber die Bedeutung des gestrigen Versuches steht außer Zweifel. Wenn Deutschland, wie es scheint, eine führende Stellung in der Flugzeugkonstruktion erreicht hat, so befriedigt andererseits die Tatsache, daß die 12 Motoren des Flugbootes von einer englischen Firma entworfen worden sind. „Daily Chronicle" meint, derartige Flugzeuge könnten sich als äußerst wertvoll für Truppentransporte in Ländern wie Indien, Transjordanland und im Irak erweisen. „Daily News" sagt: Wenn das Flugboot, wie geplant zu sein scheine, Flüge nach Nord- und Südamerika vollbringe, dann würde das den Beweis liefern, daß die Zukunft für Fernflllge nicht bei den Luftschiffen, sondern bei Maschinen liege, die schwerer als die Luft sind.
„Graf Zeppelin" fliegt nach Spanien«
Aufstieg Mittwoch früh.
Auf Grund der Wettermeldungen von Montag abend, die eine Besserung der Wetterlage über Westeuropa versprechen, hat der Luftschiffbau in Friedrichshafen den Aufstieg des Luftschiffes „Graf Zeppelin" zur Spaniensahrt auf Mittwoch früh %7 Uhr angesetzt.
Zunächst war der Aufstieg für Donnerstag oder Freu- tag vorgesehen. Am nächsten Sonntag soll die Schweizer- fahrt nach Dübendorf ausgeführt werden und acht Tage später wird das Luftschiff Stuttgart und Böblingen besuchen. Im Laufe der nächsten Woche sind auch noch einige Schweizerfahrten geplant.
Die bestehende deutsche Zündholzverkaufsaktiengesellschast erhält das alleinige Recht zur Aus- und Ernfuhr von Zündhölzern sowie für den Vertrieb der Gefamtproduktron sämtlicher deutschen Zündholzfabriken Die letzige Zund- Holzfabrik der Konsumvereine sowie sonstige nicht ange- schlossene Fabrikanten treten dem Syndikat bei. Aus den Reinüberschüssen des Zündholzvertriebs erhalten die Deutschen und die schwedischen Aktionäre eine feste Dwi- dende von acht Prozent. Darüber hmausgehende Gewinne werden zwischen Reich und Schwcdentrust verteilt. Nach zehn Jahren soll das Reich die Bercchtigmig haben, die 5N0 Millionen-Mark-Nnleihe zu kündigen. Bis dahin findet eine Amortisierung nicht statt
Zündholzanleihe abgeschlossen.
Montag ist im Reichsfinanzministerium nach offizielle, Meldung zwischen bem Reich einerseits und Herrn Ivar Kreuger andererseits ein Vorvertrag über ein im Zu- sammhang mit der Neuregelung der deutschen Zündholz- wirtschaft stehenden Anleihcvcrtrag paraphiert worden. Über die Grundlagen dieses endgültigen Vertragsabschlusses besteht volles Einverständnis. Einzelheiten sind noch Gegenstand der Verhandlung. Der endgültige Abschluß des Vertrages selbst wird in einigen Tagen er- folgen. Die Öffentlichkeit wird dann über den Inhalt des Abkommens eingehend unterrichtet werden.
Meine Zeitung für eilige Leser
* Das Zündholzmonopol und die damit verbundene ReichS- anleihe von 500 Millionen Mark sind bis zum Abschluß gediehen.
* In Berlin ist der bekannte bulgarische Staatsmann Radoslawow im Alter von 75 Jahren gestorben. Er lebte seit elf Jahren in Deutschland in der Verbannung.
* Der Staatsgerichtshof in Leipzig befaßt sich am Dienstag mit dem Einspruch der Deutschnationalen Volkspartei gegen das Verbot für Beamte in Preußen, sich am Volksbegehren zu beteiligen.
* Das Riesenflugschiff „Do. X" stieg mit mehr als 160 Personen zu einem Flug von fast anderchalbstündiger Dauer auf; der Flug ist glänzend gelungen.
Hoesch bei Briand.
Die Haager Abmachungen.
Der deutsche Botschafter von Hoesch, der von seinem Urlaub zurückgekehrt ist, hatte Montag nachmittag eine einstündige Unterhaltung mit dem französischen Ministerpräsidenten Briand. Der Botschafter brachte zunächst den Dank der deutschen Regierung für die Beileidsbezeugungen anläßlich des Todes des Reichsaußenministers Dr. Stresemann zum Ausdruck. Im übrigen bezog sich die Unterhaltung auf den Stand und die Weiterführung der Arbeiten der durch die Haager Konferenz eingesetzten Ausschüsse.
Briand und*das Rücktrittsgesuch Antèrious.
Paris, 22. Okt. Nach dem „Echo de Paris" soll Ministerpräsident Briand dem Abg. Antëriou, der bei den Senatswahlen am Sonntag nicht gewählt worden ist, erklärt haben, er möge von seiner Absicht, zurückzutreten, absehen. Briand habe hinzugefügt, daß eine derartige Demission augenblicklich nicht notwendig sei, da die Regierung grundsätzlich entschlossen sei, sofort npch Ratifizierung der Haager Abkommen, die übrigens in der Regierungserklärung vom Juli gebilligt sei, zurückzutreten.
Die Landwirtschaftskammer des Mosel- UDepartements zur Saarfrage.
Paris, 22. Okt. Die Landwirtschaftskammer des Mosel- Departements hat auf Anforderung der Regierung zu der Saarfrage Stellung genommen. In einer Denkschrift tritt sie für die Beibehaltung des gegenwärtigen Saarstatuts bis zum Jahre 1935 ein. Sie fordert außerdem zollfteie Einfuhr für landwirtschaftliche Erzeugnisse des Moseldepartements nach dem Saargebiete und Kontingentierung oder Beibehaltung der Zölle für deutsche landwirtschaftliche Einfuhrwaren nach dem Saargebiet.
WasderSawes-planAranfteichembraHte
Vier Milliarden Mark in fünf Jahren.
Der Dawes-Plan hat nach Ausführungen H e r r i ots vor der Bezirksvereinigung der Radikalen Partei in Lyon folgendes eingebracht: Vom Jahre 1924—1925 1000 Millionen Goldmark, wovon Frankreich 434,3 Millionen Goldmark erhielt. 1925/26 1220 Millionen, davon für Frankreich 596,7 Millionen Goldmark, 1926/27 1500 Mil- lionen, davon 761 Millionen für Frankreich, 1927/28 1730 Millionen, davon 931 Millionen für Frankreich, und vom I. September 1928 bis 30. September 1929 1348 Mil- lionen Goldmark, also für die fünf Jahre im ganzen vier Milliarden Mark. Dieses Ergebnis haben wir, so fuhr Herriot fort, erzielt, ohne den Frieden zu stören. Im Gegenteil, unter Besserung der Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland, wähMnd die vorher zur Anwendung gelangten Systeme gar ”eine Ergebnisse brachten, sondern nur Haßgefühle auslösten und die Freundschaft Frankreichs mit England brachen.
Fürst Bülow erkrankt.
Der ehemalige Reichskanzler Fürst Bülow ist von einem Schlaganfall betroffen worden, der besonders die linke Seite in Mitleidenschaft gezogen hat. Der frühere Reichskanzler hat aber den Anfall verhältnismäßig gut überwunden und man hofft auf Besserung.
Der Fürst scheint sich darüber im klaren zu sein, daß bei seinem Alter der günstige Verlauf der Krankheit nicht Überraschungen ausschließen mag. Fürst Bülow wird von seinem Leibarzt Nazzari behandelt. Dem Fürsten ist strenge Ruhe verschrieben. Der linke Arm ist unbeweglich. Die Nachricht von seiner Erkrankung war auf Bülows Wunsch bisher geheimgehalten worden.
Schwere Zusammenstöße bei einer nationalsozialistischen Versammlung.
Leipzig, 22. Okt. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei hatte für gestern abend eine Versammlung nach dem Felsenkeller im Arbeiterviertel Plagwitz einberufen,' in der der preußische Landtagsabgeordnete Wulle über „Schwarz-rot- goldenen Sklarekgeist" sprechen wollte. Es hatten sich in der Mehrzahl politische Gegner eingefunden. Als die Versammlung nach dem Einmarsch der Nationalsozialistischen Sturmabteilung eröffnet werden sollte, entstand plötzlich eine allgemeine Schlägerei. Das bereitstehende lleberfallkommando räumte den Saal, und die Versammlung wurde von der Polizei geschlossen. 25 Personen wurden als leichtverletzt, 3 als schwerverletzt festgestellt. Zwei von ihnen mutzten dem Krankenhause zugeführt werden. Der Abmarsch der Nationalsozialisten vollzog sich unter polizeilicher Bedeckung. In den Nachtstunden kam es noch verschiedentlich zu Rerbdreien.