Nr. 252 Samstag, 26. Oktober 1929
Ein Gespräch.
Eph. 5, 10: Prüfet, was da wohlgefällig sei dem
Herrn.
La saß sie vor mir und weinte. „Ich habe ihn doch '; MH " — „Kind, er hat Frau und Kinder." — „Dann ,oK sie ihn freigeben. Er hat sie nicht mehr lieb, aber mich " — „Das hat er ihr vor ein paar Jahren auch gesagt/ Und sie hat's geglaubt. Und jetzt will er sie unglücklich machen — und du mit ihm." — „Aber wir haben uns lieb!" — „Das ist nicht wahr. Was ihr Liebe nennt, ist das genaue Gegenteil, ist Selbstsucht. Du willst ihn haben, er dich." — „Ich will ihn glücklich machen!" — „Indem du ihm hilfst, seine Frau und seine Kinder unglücklich zu machen? Indem du seine Untreue förderst, ihn in seiner Sünde bestärkst?" — „Wenn seine Frau ihn liebhätte, würde sie ihn freigeben." — „So — also von der Frau, die mit ihm treu alles geteilt hat die Jahre, die ihm die Kinder geboren und erzogen, die ihm ihr ganzes Leben hingegeben hat, von der verlangst du, daß sie entsagen soll. Ist dir der Gedanke noch gar nicht gekommen, daß das doch erst einmal deine Aufgabe wäre? Du, die du rauben willst, verlangst: gib her, was ich haben will — anstatt dir zu sagen: ich will nicht rauben? Erkennst du noch nicht, was diese sogenannte Liebe ist, nämlich schnöde, grausame, lieblose Selbstsucht? Und darauf wollt ihr dann euer sogenanntes Lebensglück bauen! Glaub' mir, Kind, daher kommt das allermeiste Elend in den Ehen, daß sie eben nicht auf Liebe, sondern. auf Selbstsucht hin geschlossen sind, auch da, wo man meinte, man habe sich lieb." — „Aber das können Sie nicht von uns verlangen!" — „Daß ihr von eurer grausigen Selbstsucht laßt, die Frauenglück, Mutterliebe und Kinderfrieden zertritt? Ich verlang's ja auch nicht. Das tut ein /Größerer. Er, der gesagt hat: „Habt euch untereinander, '-lieb, so wie ich euch geliebt habe." So wie ich euch
Kind, geh' heut' nach Hause und denke darüber nach und lerne: Gott läßt sich nicht spotten. Auch von euch beider nicht."
Das Volksbegehren.
Neue Erklärung des Reichspräsidenten.
Nach amtlicher Mitteilung erklärte Reichspräsident von Hindenburg in einer Unterredung, die er mit dem deutschnationalen Reichstagsabgeordneten Schmidt-Hannover hatte: „Er stehe nach wie vor dem Volksbegehren als solchem in voller Neutralität und Unparteilichkeit gegenüber. An dieser seiner grundsätzlichen Haltung, wie er sie in seinem Schreiben an den Reichskanzler vom 16. d. M. dargelegt habe, ändere auch die Aeußerung nichts, die er in seiner Besprechung mit dem Reichskanzler am 18. d. M. getan habe."
ZoWreKe TodZsutteile in MAlsnd.
Moskau. Die Telegraphenagentur der Sowjetunion nrelset: Die staatliche politische Verwaltung hat im Nord- kaurafus eine große monarchistische Organisation entdeckt, die .hre wahren Ziele unter der Maske einer religiösen Sekte ^ersteckte. Die Organisation bereitete einen bewaffneten Ausstand gegen die Sowjetmacht vor und wirkte den Rcgieruugs- maßnahmen aktiv entgegen. Sie vereinigte die Überreste weiß- gardistisâr Bauden und besaß eine geheime Zentralstelle, mut der L-wöls genannt, die sich in einem einsamen Dorfe im Bezirke Sotschi an dem zentralen kaukasischen Gebirgszug bt- fanb, Hiföte ein Netz von Zweigstellen im nordkaukasischen Ge- btet ise Führer der Organisation, die Brüder Grigorowitsch,
**• ?cr Zarenarmee den Rang eines Obersten bzw. eines SLabsrlttmeisters bekleidet hatten, sowie die Mitglieder des
3to”if wurden zum Tode, die übrigen Teilnehmer zur Internierung in einem Konzentrationslager auf fünf bis Sehn Jahre verurteilt. Die Todesurteile sind bereits vollstreckt.
Die schwere Erkrankung des Fürsten Bülow.
Rom, 26. Okt. Das Befinden des Fürsten Bülow ist unverändert ernst.
Katastrophale Arbeitslosigkeit in Frankfurt.
Die Rekordzisfern von 1926 beinahe erreicht.
Frankfurt a. M., 25. Oktober.
Unterstützungsempfänger in Frankfurt hat in
• ± Monaten ständig zugenommen. Das Arbeitsamt weist heute eine Unterstützungsempfängerziffer von 23 245 Per- pnen Das sind nur noch rund 1500' Personen weniger, als bei der größten Arbeitslosigkeit im Jahre 1926 unterstützt würben. Das Arbeitsamt rechnet damit, daß die Höchstziffern des Jahres 1926 in spätestens vier Wochen erreicht und in die- fem Winter noch übertroffen werden. Rechnet man dazu noch
3"hl der Erwerbslosen, die beim Wohlfahrtsamt in Unter- ftu^ung itelpn, so ergibt sich bereits im gegenwärtigen Augenblick ein schlechteres Arbeitsmarktbild als im Jahre 1926, das bisher die höchste Arbettslofenziffer gebracht hat.
wezacyern stehe untereinander Derlei mitunter, wenn nur Worden war, der 3 sthnftsführer erlitt pem Preis verkauft Hoie Beteiligten ^)?^â>laguna, Uni des Diebstahls to”1 Verkauferinne Monaten Gefängnis ms verurteilt. Die
Bericht gab all eine Buße von 100
Diebische Verkäuferinnen.
928 Paar Schuhe unterschlagen.
Frankfurt a. M., den 24. Oktober 1929.
In einem Schuhgeschäft, in dem etwa ein Dutzend Anae- itellte tätig waren, entdeckte man im März 1927 bei der Jn- ventur, daß 928 Paar Schule im Einkaufswert von über lO.OüO M fehlten. Der Geschäftsführer glaubte, daß die Schuhe einem Einbruch abhanden gekommen seien und erstattete ffmgemäß Anzeige. Es stellte sich aber heraus, daß fünf weib- ‘™)e Angestellte Unterschlagungen begangen hatten. Vier Ver- rauserinnen standen mit der Kassiererin im Bunde. Man nahm oie Schuhe ungeniert mit und ließ die entleerten Kartons in " ' m. Die erlangten Geldbeträge wurden lt. Um die Diebstähle zu verdecken, wurde ’ ein Paar Schuhe einem Kunden verkauft Sertans von zwei Paar notiert. Der Ge- auch dadurch Schaden, daß heimlich unter wurde. Vor dem Schöffengericht hatten sich zu verantworten, die der fortgesetzten reue, Urkundenfälschung, eine Verkäuferin angeklagt watèn bzw. überführt wurden, n und die Kassiererin wurden zu je drei , eine Verkäuferin zu sechs Wochen Eefänq- Angeklaaten handelten teilweise aus Rot. en Bewährungsfrist, vorausgesetzt, daß jede Ul zahlt.
Das Eisenbahnunglück bei Nürnberg.
Von den Personen, die bei dem Unglück leicht verletzt wurden, konnten mehrere aus dem Krankenhause entlassen werden. Generaldirektor Dr. Do r p m ü l l e r, der gerade eine Inspektionsreise im Bezirk der Reichsbahn- direktion Nürnberg machte, hat in Begleitung des Ministerialdirektors Dr. Dasch von der Gruppe Bayern und des Präsidenten Käppel der Reichsbahndirektion Nürnberg die im Nürnberger Krankenhause liegenden Verletzten besucht und sie sämtlich den Umständen nach wohl befunden.
/ Die Eisenbahnkatastrophe bei Reichelsdorf.
\ Sanitätsmannschaften, Arzte und Krankenschwestern brachten den Verunglückten Hilfe.
Die Ausräumungsarbeiten im Bahnhof Reichelsdorf sind soweit fortgeschriiien, daß das Gleis der Fahrtrichtung Reutlingen-Nürnberg noch am Unfalltage um 20^ Uhr mit Zug 211 wieder befahren werden konnte. Der normale Betrieb kann voraussichtlich erst im Laufe des heutigen Sonnabends wieder aufgenommen werden, da die Beseitigung der beiden Lokomotiven, bei denen neue Untergestelle eingebaut werden müssen, erhebliche Schwierigkeiten bereitet.
Vermischte Nachrichten,
Keine Massencntlassungcn bei den Reichsbehörden.
Berlin. Auf eine Anfrage hin teilt der Reichsminister der Finanzen mit, daß die Zeitungsnachrichten über einen Geheimerlatz, der Massenentlassungen von Angestellten zum Zwecke der Besetzung der freiwerdenden Arbeitsplätze durch Wartestandsbeamte vorsieht, unzutreffend sind. Die durch Wegfall oder Verringerung der Geschäftsaufgaben notwendig werdende Verringerung der Angestelltenzahl wird unter Beachtung des Betricbsrätegesetzcs durchgeführt.
Der Leiter des Schocken-Konzerus verunglückt.
Berlin. In einer hiesigen Privatklinik ist der Gründer des Warenhauskonzerns Schocken an den Folgen eines in Schlesien erlittenen Autounfalls im Alter von 55 Jahren ge- gestorben. Die Firma Schocken mit dem Stainmhaus Ury Schocken in Zwickau unterhält in sächsischen, bayerischen. Württembergischen und preußischen Städten Filialen.
Tragischer Tod eines Ministerialdirektors.
Berlin. Der Ministerialdirektor tm Reichsministerium für die besetzten Gebiete, Dr. Dilthey, hat während eines Urlaubs einen schweren Jagdunsall erlitten, der zum alsbaldigen Tode führte.
Aufruhr im Gefängnis.
Kattowitz. Im Äattowitzer Gerichtsgefängnis kam es zu schweren Tumulten. Vier dort in Untersuchungshaft befindliche Koinmilnisten sollten nach Königshütte gebracht werden. Kaum hatten die begleitenden Polizeibeamten das Gefängnis geöffnet, als die Gefangenen über sie herfielen und sie zu entwaffnen suchten. Aus den Werkstättenräumen des Gefängnisses eilte eine große Anzahl anderer Gefangener herbei, und es kam zu einem regelrechten Aufruhr, der nur durch ein starkes Polizeiaufgebot unterdrückt werden konnte.
Wafscnfundr.
Emden. Vor einigen Tagen sind in der Wohnung des Bauunternehmers Burmann in Norden 14 Jnfameriegewehre, Modell 88, gefunden worden, die unter dem Deckenputz verborgen waren. Ferner sollen, als der Nordener Tierarzt Dr. Steffens im letzten Frühjahr seine Wohnung verlegte, zwei Kästen mit Handgranaten, ein Maschinengewehr und Die zugehörige Munition mit einem Pferdegespann abgeholt worden und seitdem unauffindbar sein. Dr. Steffens hat erklärt, daß ihm von den Waffenvorräten nichts bekannt sei.
Räumung von Aachen.
Aachen. Wie von unterrichteter Stelle verlautet, wird Aachen am 30. November von der Besatzung geräumt sein. Die Räumung setzt mit dem 10. November ein. Ein Teil der Offiziersguartiere ist schon geräumt worden.
Überfall auf einen Posthelfer.
Köln. Ein 19jähriger Posthelfer vom Postamt Brauweiler wurde mit einem Wertpaket, das 4700 Mark Lohngclder enthielt, und einem Postsack mit 2400 Mark für Die Firma Sie- mens-Schuckert von drei Männern angehalten. Während zwei von ihnen das Fahrrad des Posthelfers festhielten, streute ihm der Dritte Pfeffer ins Gesicht. Als auf Die Hilferufe des überfallenen ein Ingenieur hcrbcieilte, feuerte einer Der Täter mehrere Schüsse ab. Die sofort von Landjägern und Polizeibeamten aufgenommene Verfolgung führte zur Festnahme von zweien der Täter, der Dritte entkam. Das geraubte Geld ist restlos wieder herbeigeschafft.
Das Attentat auf den Kronprinzen von Italien in Brüssel, auf den bei einer Kranzniederlegung am Grabe des Unbekannten Soldaten ein 21jähriger italienischer Student einen — glücklicherweise fehlgehenden — Revolverschuß abaab — Eine Minute später — Der Attentäter wird von Polizisten angeführt".
Rah und Fen».
.0 Von einem Rangierzug getötet. Zwei Arbeiterinnen, die sich bei starkem Frühnebel zu weit auf das Gleis einer Industriebahn bei Oppeln begeben hatten, wurden von einem Rangierzug erfaßt. Die eine, der der Kopf vom Rumpfe getrennt wurde, war sofort tot Der anderen wurden beide Beine abgefahren.
O Ein Dieb von einem Schutzmann erschossen. In München überraschten Schutzleute in der Nacht im Englischen Garten vier Männer, die in einem Gebüsch Diebesbeule verteilten. Die Diebe setzten ihrer Festnahme Widerstand entgegen. Drei von ihnen ergriffen schließlich die Flucht. Auf den vierten gab ein Schutzmann einen Schuß ab und verletzte ihn schwer an der Brust. Es handelt sich um einen Hilfsarbeiter, der nach seiner Einlieferung in das Krankenhaus gestorben ist. Die anderen drei Diebe sind entkommen.
O Juwclendicbstahl in einem Frankfurter Hotel. In einem Hotel in Frankfurt am Main wurde in den Mittagsstunden im Zimmer eines Ehepaares, das ausgegangen war, ein Juwelendiebstahl verübt. Dem noch unbekannten Täter fielen Werte in Höhe von 35 000 bis 40 000 Mark in die Hände. Die Schmucksachen befanden sich in einem Lederköfferchen.
O Aus dem Wolkenkratzer gestürzt. Der Berliner Chemiker Dr. Otto Matthies, der mit dem Dampfer „Bremen" erst vor einigen Tagen zum Besuch von Bekannten in Newyork eingetroffen War, fiel aus dem Fenster seines im 16. Stock gelegenen Zimmers im Savoy Plaza Hotel und stürzte zwölf Stockwerke tief auf das Dach des angrenzenden Gebäudes hinab, wo er tot liegenblieb. Man nimmt an, daß Dr. Matthies einen Schwindelanfall erlitt, als er aus dem Fenster hinausblickte.
0 Todesopfer einer Starkstromfalle. Vor dem Ortseingang von Alberndorf in Niederösterreich fand man den Landwirtssohn Johann Lust tot auf. Er lag an einem Mast der Starkstromleitung. Neben der Leiche lag ein starkes Drahtseil, an dessen einem Ende ein altes Hufeisen angebunden war. Das Drahtseil war an einer Stelle durchgeschmolzen. Die Besichtigung ergab, daß das Drahtseil über die Hochspannungsleitung geworfen worden war, während das andere Ende zwischen einem Leitungsmast und einem Baum gespannt gewesen sein dürfte. Dadurch war eine elektrische Falle hergestellt worden. Unter der Bevölkerung der Gegend herrscht große Erregung, da dies bereits der zweite Fall einer elektrischen Starkstromfalle ist.
O Ein englisches Flugzeug vermißt. Von einem dreimotorigen Flugzeug, das Donnerstag vom Flugplatz Croydon bei London mit drei Personen an Bord aufstieg, um nach Nairobi (Brit.-Oftafrika) zu fliegen, hat man keine Nachricht erhalten. Das Flugzeug sollte seine erste Landung in Le Bourget vornehmen. Man fürchtet, daß der Maschine über dem Kanal, wo ein sehr schwerer Sturm herrschte, ein Unglück zugestoßen sein könnte. An Bord des Flugzeuges befanden sich drei englische Farmer.
G Schweres Fährunglück auf den« Michigansee. Eine Eisenbahnfähre, die mit 52 Personen an Bord auf dem Michigansee in einen Sturm geriet und seit mehreren Tagen vermißt wurde, wird jetzt als verloren angesehen, da man das Führerhäuschen und die Leichen verschiedener Personen, von denen man wußte, daß sie an Bord waren, aufgefunden hat. Nach der Zeit, die die Uhr einer der Leichen aufwies, ist die Fähre wahrscheinlich am 22. Oktober gegen Mitternacht gesunken.
0 Zusammenstoß eines Autolastzuges mit einem Eiseubahnzug. Ein mit Ziegelsteinen beladener Autolastzug stieß auf einem Bahnübergang bei Walton in Kentucky mit einem Personenzug zusammen Die Lokomotive, vier Gepäckwagen und der Lastzug stürzten vom Bahndamm einen Abhang hinunter. Der Lokomotivheizer und der Führer des Lastzuges wurden getötet. Die Personenwagen des Zuges blieben unbeschädigt aus dem Gleise stehen.
Bunte Tageschron»?
Beuthen. Der beim Einsturz des Hallenschwimmbades schwer verletzte Zimmermann Matuschek ist seinen Wunden erlegen, so daß sich Die Zahl Der Todesopfer auf fünf erhöht
Houston (Texas,. Vier Merikaner wurden bei der Erplo-' sion einer Kiste Dvnamil, die ihnen bei der Einnahme ihrer Mahlzeit als Tisch diente, in Stücke gerissen.
Aus dem Gerichissaal
§ Der Zivilprozeß der Wirtschafterin Neumann gegen die Erben des Professors Rosen. Die unter dem Verdacht, den Professor Dr. Rosen in Breslau ermordet zu haben, wiederholt und auch jetzt wieder verhaftete Wirtschafterin Neumann hatte bekanntlich gegen die Erben des Professors einen Zivilprozeß angestrengt. Sie hatte behauptet, daß ihr aus dem Nachlaß des Professors ein Erbanspruch in Höhe von 25 000 Mark zustche, hatte aber vorläufig nur einen Teilbetrag in Höhe von 5000 Mark eingeklagt. Die 6. Zivilkammer des Breslauer Landgerichts hatte den Anspruch als begründet angesehen und zugunsten der Klägerin entschieden. Gegen dieses Urteil war von feiten der Rosenschen Erben Berufung beim Breslauer Oberlandesgericht eingelegt worden. Der Zivilsenat des Breslauer Oberlandesgerichts hatte sich nun mit diesem Prozeß zu beschäftigen. Der Senat entschied dahin, daß das Verfahren bis zum Entscheid des Strafprozesses aus- zusctzcn sei.
§ Todesurteil in einem Mädchenmordprozeß. Das Glei- witzer Schwurgericht fällte das Urteil im Raduner Mädchenmordprozeß. Im Februar dieses Jahres erschoß Der Arbeiter Zientek auf Anstiftung des Kutschers K o s i o l e k dessen Braut Anna Gusv. Das Gericht verurteilte K o s i o l c k zum Tode unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte. Zientek, Der den Schuß abgegeben hatte, wurde freigesprochen. Er habe, so heißt es in Dem Urteil, unter dem Druck des Kosiolek gestanden, der ihn selbst mit Erschießen bedroht habe, falls er nicht die Tat begehe.
§ Die Zeugenvernehmung im Prozeß gegen die Breslauer Reichsbannerlcute. I« dem in Frankfurt a. d. O. statt- findenden Schwurgerichlsprozetz gegen die vier Breslauer Reichsbannerlcute, die sich wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung mit tödlichem Ausgang zu verantworten haben, wurde die Zeugenvernehmung fortgesetzt. Schwer belastet wurde durch einen Zeugen Der Angeklagte Stirn. Stirn soll nach dem ersten Zusammenstoß mit dem später getöteten Rademacher geäußert haben: „Ten will ich mir kaufen."
Welt und Wissen
w. Schwierigkeiten der deutschen Himalajaexpedition. Die Londoner „Tin.es" berichtet aus Kalkutta: Ungünstiges Wetter verzögert Die Rückkehr Der deutschen Expedition, Die den Berg Kinchinjunga im Himalajagebiet zu besteigen versuchte. Ein Mitglied kehrte nach Dardschiling zurück, die anDeren werden durch liefen Schnee ausgefallen. Einer der Bergsteiger hat überdies durch starken Frost schweren gesundheitlichen Schaden erlitten und ist unfähig zu gehen. Die Expedition hat schätzilngswcise eine Höhe von 8000 Metern erreicht. Am 25. September, als die schlimmsten Schwicrigkeilen überwunden zy sein schienen, trat schlechtes Wetter ein. Acht Bergsteiger und zwölf Träger waren tagelang eingefchiien. Außer dem -inen stark mitgenommenen Bergsteiger befinden sich die Erpe- Vitionsmitglieder wohl.