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Zul-aer /lnz^

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Nr. 254 1929.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg ^^^ JulSa- und Haunetal Zulöaer Kreisblatt \ qr

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UachSruik der mit * versehenen Artikel nur mR Quellenangabe .Zulâaer Anzeiger"geftattet.

mfchaf- 50 mf., für die ismE^ ungsstel» 4 Zu erfol» 'nverbmSlich.

Fulda, Dienstag, 29. Oktober

95. Jahrgang

Reziemg-stsrz in der MWmKei.

Aelle lschèchoslowakWe

Aationalversammlung.

Erfolge der Linken.

Die am Sonntag für die Tschechoslowakische Natio­nalversammlung durchgcführten Neuwahlen haben zum Nülktrètt des jetzigen Kabinetts Udrzal geführt, das nach dem für seine bisherige Mehrheit verhängnis­vollen Ausfall der Wahlen bereits am Montag nach­mittag seinen Rücktritt anmcldete. Der Präsident der Republik beauftragte den Ministerpräsidenten Udrzal vor­läufig mit der Weiterführung der Geschäfte. Möglicher­weise wird eine Negierung der erfolgreichen Links­parteien gebildet werden. Dre Führung könnte aber auch die republikanisch-agrarische Partei übernehmen.

Nach der einstweiligen Gesamtübersicht gewannen die Agrarpartei 88 000, die tschechischen Sozialdemokraten über 300 000. die deutschen Sozialdemokraten über iW000, die tschechischen Nationalsozialisten etwa 66 000 k limmen. Die Kommunisten verloren 137 000, die tsche­chische Katholische Volkspartei 80 000 Stimmen: ebenso verminderten sich die Wähler der autonomistischen Slo­waken um 40 000 Stimmen. Die deutschen National­sozialisten erhielten 35 000 Stimmen mehr und die tschechisch-nationalen Demokraten 30 000 Stimmen weniger. Die genaue Feststellung des Wahlresultats steht natürlich noch aus: es fehlen auch noch einige weiter entlegene Wahlkreise.

Regierungsmöglichketten.

Es fleht aber zweifellos fest, daß die bisherige Re­gierungskoalition nicht mehr vorhanden ist. Diese Folge­rungen hat ja auch bereits das Kabinett durch seinen Rücktritt gezogen. Jedenfalls wird es zu längeren schwie-

Verhandlungen vor Ler definitiven Ernennung bex neuen Minister kommen. Man spricht von einer reinen Linkskoalition, obwohl, wie gesagt, die Agrarpartei schwerlich ausgeschaltet werden kann. Falls sie in die Opposition gehen würde, ließe sich eine Linksregierung schwerlich für längere Zeit am Ruder erhalten, so daß eine Koalition der Agrarier mit den Sozialisten beider Nationalitäten ernsthott in Betracht gezogen wird.

Zur Regierungsumbildung.

Verhandlungen mit dem Zentrum.

Zu den Erörterungen über die Umbildung der Reichsregierung will die T.-U. aus Zentrumskreisen er­fahren haben, daß vor einigen Tagen zwischen dem Reichskanzler und dem Zentrumsabgeordneten Brüning eine Unterredung stattgefunden hat, die in-

Zu Fürst Bülows Tod.

Ueberführung nach Klein-Flottbeck.

Das Hinscheiden des seit einigen Tagen zu Rom in den letzten Zügen liegenden Fürsten Bülow erfolgte Mon­tag früh. Sonntag abend hatte der Fürst noch einmal das Bewusstsein wiedergefunden und er erbat und erhielt das Abendmahl. Doch es war nur noch ein letztes Auf- flackern des schwachen Lebensfadens Die wieder­holten Schlaganfälle der vergangenen Woche hatten die letzte Kraft des Achtzigjährigen ausgebraucht und Montag -zrorgeir erlosch der Atem. Fürst Bernhard von Bülow war geboren am 3. Mai 1849 zu Klein-Flottbek, ist also etwas über 80 Jahre alt geworden.

Rom hatte sich die Nachricht vom Tode des Fürsten ouioiv in der deutschen Kolonie am Montag morgen verbreitet. Das ausgelegte Buch füllte sich mit den Unterschriften der vielen Romdeutschen. Im Sterbe­hause weilten die Schwägerin des Fürsten, Maria von Bülow, die Witwe des im Jahre 1897 bei Hannover bei einem Reitunfall tödlich verunglückten Generals von Bülow, sowie der Sohn des Bruders Christian, der Le­gationssekretär an der römischen Botschaft Dankwerth von Bülow.

Der Fürst hielt sich zwar in der letzten Zeit noch auf­recht, aber seit dem Hingang seiner Gemahlin war sein Lebensmut geschwunden. Wie verlautet, werden die sterblichen Überreste des Fürsten Bülow nach einer schlichten Einsegnungsfeier in Rom nach Groß-Flottbek bei Hamburg übergeführt werden.

Anläßlich des Ablebens haben der Reichspräsident und der Reichskanzler dem Bruder des Verstorbenen in herzlichen Worten telegraphisch ihr Beileid ausgedrückt.

Mit dem Tode des Fürsten geht die von ihm be= wohnte Villa Malla an den italienischen Großindustriellen Mecccheni über, der sie vor mehreren Jahren gekauft hatte. Der Fürst hatte sich nur das Wohnrecht vis an fern Lebensende Vorbehalten.

*

Die Reichsregierung bei der Beisetzung.

An den Beisetzungsfeierlichenkeiten in Flottbek wird sich die Reichsregierung wahrscheinlich durch einen Ver- treter des Reichspräsidenten, durch den Reichskanzler, falls es sein Gesundheitszustand erlaubt, und vielleicht auch burdj den stellvertretenden Außenminister Dr. Cur­tius beteiligen. Das Auswärtige Amt wird des ver­storbenen Altreichskanzlers in einer besonderen Feier aedenken.

dessen rein privater Natur war und keinen offiziellen Charakter hatte. Dabei ist die Frage gestreift worden, ob es möglich sei, einen koalitionspolitischen Ausgleich in der Weise vorzunehmen, daß die Deutsche Volkspartei das Außenministerium und das Justizministerium, das Zen­trum das Verkehrsministerium und das Wirtschaftsmini­sterium erhalten soll. Bestmmte Vorschläge sind aber in dieser Richtung nicht gemacht worden. Die Zentrums­fraktion hat sich mit diesem Problem noch nicht beschäftigt.

Wie verlautet, hat der Reichskanzler inzwischen dem stellvertretenden Vorsitzenden der Deutschen Volkspartei I von der Unterredung mit Dr. Brüning Mitteilung ge­macht.

Die Regierungsbildung in Vaden.

Nach der Verfassung muß der neugewählte Landtag am zehnten Tage nach erfolgter Wahl zusammentreten. Voraussichtlich soll die erste Sitzung am Mittwoch, den 6. November, stattfinden. Ob diese Sitzung sich schon mit der Regierungsbildung beschäftigen wird, steht dahin. Unter den wiedergewählten Abgeordneten befinden sich auch der jetzige Ministerpräsident und Finanzminister Dr- Schmitt, Justizminister Dr. Funk und Unterrichts, minister Dr. Leers. Unter Einbeziehung der Volks­partei wäre eine Regierung der Großen Koalition mög­lich, unter Beteiligung des Zentrums, der Volkspartei, der Demokraten, der Wirtschaftspartei, des Evangelischen Volksdienstes und der Bauernpartei ein Kabinett bex Mitte; ferner sind auch genügende Vertreter vorhanden, um eine sogenannte Weimarer Koalition zu bilden. Die Vorbesprechungen unter den einzelnen Parteien haben bereits begonnen.

Der Kampf um die Beteiligung der franzö­sischen Sozialisten an der Regierung.

Paris, 29. Okt. Der Nationalrat der sozialistischen Partei, der bis 1.20 Uhr nachts getagt hat, vertagte seine Beratungen, ohne eine Entscheidung zu treffen, auf heute vormittag 9 Uhr. Im Verlaufe der Debatte, in der der ständige Verwaltungs­rat der Partei eine Entscheidung gegen die sozialistische Betei­ligung an der Regierung unterbreitet hat, hat der Abgeordnete Reinaudelle eine von 64 sozialistischen Parlamentariern unter­zeichnete Entschließung für die Beteiligung der Sozialisten an der Regierung eingebracht, die der parlamentarischen Gruppe den Auftrag erteilt, ihre Besprechungen zwecks Beteiligung an der Regierung fortzusetzen. Eine Abstimmung über diese Entschließung hat noch nicht stattgefunden.

| Die Reichsregierung zum Tode Bülows.

Der Reichskanzler hat an den Bruder des ver- i storbenen Fürsten Bülow, Friedrich von Bülow, in i Berlin ein Beileidstelegramm gerichtet. Es heißt darin u. a.: Mit schmerzlichem Bedauern habe ich die Nachricht von dem Ableben Ihres Bruders, des Fürsten von Bülow, erhalten. Ich spreche' Ihnen und den übrige Angehörigen zugleich im Namen der Reichsregierunk/ mein herzliches Beileid aus. Mit dem Fürsten Bülow ist ein Politiker aus dem Leben geschieden, dessen Arbeit die Geschichte würdigen wird, von dem aber heute schon festgestellt werden mutz, daß er in heißem Bemühen stets seine ganze Kraft für das Wohl des Vater­landes eingesetzt hat. Ich weist daß der Verstorbene volles Verständnis für die Schwierigkeiten hatte, unter denen in der Nachkriegszeit die deutsche Politik zu arbeiten hatte, daß er aber auch unerschütterlich an Deutschlands Zukunft glaubte.

Bülows Memoiren.

der Niederschrift seiner Lebenserinnerungen gearbeitet und hat die Niederschrift seiner Lebenserinnerungen gearbeitet und hat gerade noch vor wenigen Wochen den letzten Band druckfertig in Verwahrung gegeben. Letztwillig ist lautVossischer Zei­tung" bestimmt, daß frühestens ein Vierteljahr nach seinem Tode mit der Veröffentlichung begonnen werden darf. Der Wunsch des Fürsten, daß seine Memoiren zu seinen Lebzeiten ungedruckt blieben, ist aus der Absicht hervorgegangen, von kei­ner persönlichen Rücksicht bei der Niederschrift beeinflußt zu werden.

Weitere Zunahme der Arbeitslosigkeit.

784 000 Unter st ützungsempfänger.

ersten Oktoberhälfte ist die Zahl der Haupt- hii^ in der Arbeitslosenversicherung

Ä h. um rund 35 000 oder 4,7 girrent gestiegen Die Zunahme beschränkte sich wieder auf die Männer und belief sich bet diesen ooÄ 3 Prozent. Bei den Frauen fand auch Lmal ?ine - wenngleich sehr geringe - Abnahme (um ritnb 700 Person) statt.

politische Rundschau

Deutsches Reich ' ------------------ Die Ziele der Landvolkpartei.

, Auf einer Führertagung der Christlichnationalen Bauern- und Landvolkpartei in Halle sprach das Mitglied der Parteileitung Dr. Gereke zu den politischen Ausein­andersetzungen im kommenden Winter. Der Redner schloß mit den Worten:Wir erblicken unsere Aufgabe darin, die Reform unhaltbarer Verfassungsbestimmungen zu be­treiben und den Staat vor den Erschütterungen einer Zwangsreform zu bewahren. Die Landvolkpartei verfolgt damit auch gerade die Linie, die unser allverehrter Herr I Reichspräsident von Hindenburg vorgezeichnet hat. Nicht gegeneinander, sondern nur in edlem Wettstreit mitein­ander können in wahrhaft konservativer Gesinnung die Kräfte mobil gemacht werden, die den Staat wieder­aufbauen müssen."

Für Erhaltung der Berufsbeamten.

Am Sonnabend und Sonntag hielt der Beamtenbund für Mecklenburg-Schwerin in Anwesenheit von Vertretern der mecklenburgischen Regierung sowie aller öffentlichen Körperschaften seinen 6. Bundestag in Rostock ab. Es wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen: Der Beamtenbund für Mecklenburg-Schwerin sieht in der Erhaltung des Berufsbeamtentums eine Staatsnot­wendigkeit. Er lehnt jeden Versuch, das Berufsbeamten­tum in irgendeiner Form rechtlich oder tatsächlich ein- znschränken, als staatsschädigend mit Entschiedenheit ab.

Freie Gewerkschaften für Saarbefreiung.

Eine Konferenz der Freien Gewerkschaften in Saar­brücken nahm eine Entschließung an, in der die Konferenz zum Ausdruck bringt, daß die Saarverhandlungen nur dann zur Befriedung Frankreichs und Deutschlands bei­tragen würden, wenn das Saargebiet restlos unter Reichsverwaltung und die Saargruben unter preußisch- bayerische Verwaltung zurückgegeben sowie auch die wirtschaftlichen Interessen beider Länder durch Handels­verträge berücksichtigt werden. Die Konferenz lehnte aus- drücklich jede Internationalisierung und Privatisierung der Saargruben ab.

Itabea.

Jahrestag der faschistischen Revolution.

In ganz Italien wurde am Sonntag der siebente Jahrestag der faschistischen Revolution begangen. In Rom nahm Mussolini zu Pferde eine Parade über die Angehörigen der faschistischen Verbände ab. Er hielt eine Rede, in der er das faschistische Regiment verherrlichte. Das achte Jahr wird, so sührte er aus, für den Faschis­mus noch ein schwieriges sein, denn die Lage ist für die ganze Welt schwierig. Italien aber ist eine Armee von Bürgern und Soldaten, bereit zu dem Werke des Frie­dens. arbeitsam, schweigsam, diszipliniert.

Aus In- und Ausland

Berlin. Wie der Deutsche Bankbeamtenverein mitteilt, hat das Reichsarbeitsministerium die Führer der Angestelltenver- bände zur Unterrichtung über das Ergebnis seiner Besprechung mit den beteiligten Bankleitungen auf den 31 Oktober ein« geladen.

Berlin. Am Donnerstag, den 31. Oktober, tritt der Vor­stand des Deutschen Stadtetages zur Besprechung in wichtiger kommunaler Angelegenheit in Berlin zusammen. Außer dem Präsidenten des Deutschen Städtetages, Mulert, werden noch anwesend sein Oberbürgermeister Dr. Adenauer- Köln, Peims-Magdeburg, Dr. Blüher-Dresden, Dr. Jarres- Duisburg, Dr. Landmann-Frankfurt a. M., Dr. Müller-Weimar und Dr. Scharnagl-München.

Berlin. Die kommunistische Rote Fahne behauptet seit einigen Tagen, der Polizeipräsident von Berltn habe bereits am 22. Juli von dem Bombenanschlag gegen den Reichstag Kenntnis gehabt. Der Polizeipräsident be­zeichnet diese Behauptungen als unrichtig und hat Straf­antrag gegen die Rote Fahne gestellt.

Friedland. Nach Schluß einer Kundgebung gegen den Sonng-Plan in Torgelow wurde der Redner Hol; aus erlin, ein ehemaliger Auslandsdeutscher, auf dem Heimwege von politischen Gegnern angesallcn und durch Messer­stiche am Kops schwer verletzt. Er mußte sofort in ärztliche Behandlung gebracht werden.

Düffeldorf. Bei einer Protestkundgebung der K o m m u n i st e n gegen das Verbot des Roten Front­kämpferbundes kam es hier zu Zusammenstößen mit der Polizei. 40 Kommunisten wurden verhaftet, ein Teil wurde später aber wieder entlassen.

Kattowitz. Der Schulvisitator für die Volksschule, Schul- tnspektor Mangold, hat angeordnet, daß in allen Lehrerkonfe­renzen der Minderheitsschule künftighin lediglich diie pol­nische Sprache verwandt werden darf.

London. Der diplomatische Korrespondent desDailv Telegraph" schreibt, es herrsche hier allgemein die Ansicht, daß die geplante Internationale Bank ihren Sitz entweder in der Schweiz (Zürich, Lausanne oder Basel) oder in Amsterdam haben werde.

Zum Empfang des Oberbürgermeisters Vötz.

Berlin, 28. Okt. (W.B.) Wie verlautet, will Bürgermei­ster Scholz der am Donnerstag dieser Woche mit derBremen" in Bremerhaven eintreffenden Berliner Magistratskommiffion entgegenfahren, um Oberbürgermeister Böß sobald als mög­lich von den bisherigen Ergebnissen der Untersuchung des Skla- rek-Skandals ausführlich in Kenntnis zu setzen. Sollte in der Donnerstagssitzung der Berliner Stadtverordneten die An­wesenheit des Bürgermeisters Scholz durchaus erforderlich sein, dann wird ein anderes Magistratsmitglied mit dem Akten­material nach Bremerhaven fahren.

Oberbürgermeister Böß wird lautVossischer Zeitung" vor­aussichtlich kurz nach seiner Ankunft in Berlin von der Staats­anwaltschaft als Zeuge in der Sklareksache vernommen werden.