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Zul-aer Anzeiger

Erscheint seSen werktag.Bezugspreks: monatlich 2.20 RM. Bei Lieferungsbehinöerungen durch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Vahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Fulda, i^lkèd des Vereins Deutscher Zcitungsver- leger. Postscheckkonto: Frankftrrt a. M. He. 16009

Nr. 267 1929

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

Zul-a- und Haunetal *Zulöaer Kreisblatt

Redaktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 §ernsprech-R»schluß Hr. 989 Nachdruck der mit versehenen Nrtitel nur mit StzeUenaagab» .Zuldaer flnz»tg«r' gestatt«.

Fulda, Mittwoch, 13. November

Mzekgenprei«: Für BehSrden, Genostenschaf, ten,Banken usw. beträgt die Lle.nzeil« 030 Mk für auswärtige siustraggeber 0.25 Mk.,für Mt Reklamezeile 0.90 NN. n. aßt äderen 0.15 M ReklamLzekle 0.60 Mark Bei Rechnungsstel­lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen Tag« und Platzvvrschristen unverbindlich.

6. Jahrgang

Studentenunruhen in Berlin.

Eingreifen der Polizei.

Zu größeren Krawallen kam es an der Berliner Universität. An den Ausgängen der Hochschule wurden Zettel verteilt, in denen die Studenten aufgefordert wurden, an einer Protestkundgebung teilzunehmen. Diese Kundgebung ging von derDeutschen Studentenschaft" aus, die einen Teil der Studentenschaft umfaßt und im Gegensatz zu dem preußischen Kultusminister steht. Als Grund für den Protest wurde angegeben, daß der Rektor grundlos jede Verhandlung mit derDeutschen Studentenschaft" abgebrochen habe Aus dem Hegelplatz hinter der Universität versammelten sich denn auch zahl­reiche Studenten, wo Reden gegen den Rektor gehalten wurden. Dann marschierten sie in den Vorhof und in die Halle der Universität und demonstrierten gegen Kultusminister Becker und den Rektor. Aus den Hör­sälen kamen andersgesinnte Studenten und verbaten sich die Kundgebungen, worauf es verschiedentlich zu Tätlich­keiten kam.

Einzelne jüdische Studenten wurden von den Demonstrierenden besonders heftig angegriffen und mutzten flüchten. Schließlich erschien ein größeres Polizei­aufgebot, dem aber die Beruhigung nicht gleich gelingen wollte, so daß der Gummiknüppel in Gebrauch kam, ob­wohl die Polizei nicht hinter den in die Universität sich zurückziehenden Gruppen von Kundgebern eindrang, sondern nur die Eingänge besetzte. Nach längerer Zeit zog die Polizei wieder ab, als einige Besänftigung ein­getreten war. Kultusminister und Universitätsbehörden, beraten über die vorznnehmenden Schritte .

Internationale Reparationsbank.

& Die Pause in den Besprechungen in Batzen-Baden hat. den deutschen Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht -ew**<>5t^<me- Reise nach Bertin anzuttE«. Man be­trachtet aber in den Kreisen der in Baden-Baden ver­sammelten internationalen Delegierten die Lage nicht mehr als kritisch. Unter Umständen soll bereits Mittwoch mit den Vollsitzungen wieder begonnen werden. Die ent­standenen Schwierigkeiten hält man für überwunden und glaubt an baldige günstige Beendigung der Arbeiten. Gegenwärtig weilt der Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Rationalbank in Baden-Baden, um über die Unterbringung der Internationalen Zahlungsbank in B a s e l zu konferieren. Die Regierung des Kantons Basel hat als künftiges Bankgebäude das HausZum Kirch­garten" in Basel zur Verfügung gestellt, das in unmittel­barer Nähe des Bankenviertels und des Bahnhofes ge­legen ist. Das Gebäude stammt aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts und macht den Eindruck eines schönen alten Palastes. Es befindet sich im Staatsbesitz und bietet 5080 Angestellten der neuen Bank Unterkunft.

Moldenhauer über seine Aufgaben.

Sorge für den Osten.

In der Unterhaltung, die der neuernannte Reichswirt­schaftsminister Dr. Moldenhauer einem leitenden Ange­hörigen der Presse gewährte, erklärte der Minister unter anderem:

Das Reichswirtschaftsministerium hat die vornehme Aufgabe, die Wirtschaft zu fördern, vor Störungen zu schützen und ihre Lasten zu erleichtern. So hat Dr. C u r t i u s die Aufgabe aufgefatzt und so will auch ich sie auffassen. Förderung der Wirtschaft heißt aber unter den gegebenen Verhältnissen auch Förderung derjenigen Aus­fuhr, auf die Deutschland angewiesen ist. Förderung der Wirtschaft und des Absatzes heißt aber auch Erhaltung und Stärkung des inneren Marktes, in erster Linie die Stärkung und Gesundung unserer notleidenden Land­wirtschaft." Alle Maßnahmen, tne mit durchgreifender Wirksamkeit auf diesem Gebiet ergriffen werden können und nicht andere wirtschaftliche Interessen gefährden, wer­den von mir mit aller Energie unterstützt werden."

Der Minister schloß mit der Feststellung, daß ihm, ob­wohl er aus dem Westen komme, die Sorgen des Ostens sehr am Herzen lägen und ganz besonders die Schwierig­keiten der Provinz Ostpreußen, der zu helfen eine seiner bornehmsten Pflichten fein müsse.

Ministerwechsel tut Rcichswirtschaftsministerium.

Berlin. Minister Dr. Curtius verabschiedete sich von der Beamtenschaft des Reichswirtschaftsministeriums. Nach dem Bank für die Begrüßungsworte seines Vorgängers stellte sich ürosessor Dr. Moldenhauer der Beamtenschaft des Reichswirt- lchaftsministeriums vor. Nach den beiden Ministerreden er- 8Nff der Vorsitzende des Beamtenausschusscs, Geheimer Re- Gerungsrat Hagemann, das Wort, um dem scheidenden -Mister Dank auszusprechen und um seinen Nachfolger herz- "ch zu begrüßen.

Ehrung der Gefallenen des Weltkrieges durch KreuzerEmden".

London, 13. Nov.Times" meldet aus Port of Spain tTrmidad): Anläßlich des 11. Jahrestages des Waffeustill- llands legte der deutsche Konsul im Namen der Ofsiziere des wer weilenden deutschen KreuzersEmden" am Kriegsdenkmal emen Kranz nieder mit der Aufschrift:Den Gefallenen des Weltkriegs-KreuzerEmden".

Über das Eingreifen der Polizei bei den Vorgängen 'm der Berliner Universität teilt der Polizeipräsident mit: Als der Polizeipräsident den Hegelplatz verlassen wollte, eilten mehrere Personen auf den leitenden Polizeioffizier zu und berichteten, daß es im Vestibül der Universität zu schweren Zusammenstößen zwischen den Studenten ge­kommen sei. Der Polizeipräsident entsandte daraufhin in der Annahme, daß das Ersuchen des Universitätsrates um polizeiliches Eingreifen tatsächlich im Namen des Rektors ergangen sei, ein Aufgebot von Schutzpolizei­beamten in das Vestibül der Universität. Hier war es unterdes zwischen den Studenten zu heftigen Schlägereien gekommen. Die Polizei brachte die Streitenden ausein- ander und sorgte für Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung.

Berlin, 13. Nov. Der Rektor der Berliner Universität hat, wie dasBerliner Tageblatt" schreibt, gestern dem Kultus- Minister Becker einen schriftlichen Bericht über die Vorgänge übergeben. Der Minister billigt, so heißt ^ in dem Blatt, die Haltung des Rektors.

Die Kundgebungen der Studentenschaft sind auf andere Ursachen zurückzuführen, als man zunächst angenommen hatte. Die Allgemeine Deutsche Studentenschaft harte in der Uni­versität als Einladungen zu ihrem bevorstehenden Ball Plakate angebracht. Der neue Rektor Gerhard Schmidt hatte diese Plakate entfernen lassen, weil die Plakate den Eindruck machten, als handele es sich um einen Universitätsball. Im Universitätsgebäude kam es zu den geschilderten Zusammen­stößen mit anders eingestellten Studenten, wobei antisemitische Tendenzen hervortraten, und wonach die Polizei sechs Sistie­rungen vornahm. Die festgenommenen Studenten wurden abe* durch den inzwischen erschienenen Polizeipräsidenten Zör- aiebel wieder entlasten.

Deutsche Sandelsbilanz ausgeglichen.

Erklärungen des preußischen Handelsministers.

r g .Mach der preußische ,f>andNsürinister Dr. Schreiber. Er sagte u. a., die Frage der Erfüllbarkeit des Doung-Plans sei heute positiv noch nicht zu beantworten; sie setze jedoch eine Verbesserung unserer Handelsbilanz sowie eine ver­nünftige Fnanzreform voraus. Zum erstenmal seit Ein­führung dL- Festmark sei die deutsche Handelsbilanz in diesem Jahre ausgeglichen. Halte diese Entwicklung zum Guten nur wenige Jahre an, so sei Deutschland in der Lage, den außenpolitischen Verpflichtungen aus eigener Kraft nachzukommen.

Zur Belebung der Kapitalbildung sei eine Senkung der Einkommensteuer und eine Herauf­setzung des steuerfreien Existenzminimums auf 2500 Mark anzustreben. Zu erwägen sei auch eine nicht unerhebliche Steigerung der Steuern für Tabakwaren und für alkoholische Getränke, deren Erträgnisse jedoch keineswegs zur Bestreitung laufender Ausgaben verwendet werden dürften.

Über Umgrenzung der Gemeindewirtschast hatte Dr. Schreiber am Tage vorher in Hannover ge­sprochen und dabei ausgeführt: Die Quelle der unerfreu­lichen Korruptionserscheinungen, die wir in Berlin und anderwärts erlebt haben, ist das Übermaß von gemeind­licher Wirtschaftsbetätigung. Es ist nicht notwendig, daß die Gemeinden über die Versorgungsbetriebe hinaus sich auf allen möglichen Wirtschaftsgebieten betätigen. Es ist zu hoffen, daß die in die Wege geleiteten Besprechungen zwischen den zuständigen Regierungsstellen, dem Deutschen Städtetag und den Berufsvertretungen der Wirtschaft zu einer klaren Umgrenzung des Gebietes der Gemeinde­wirtschaft führen. Sollte das nicht der Fall sein, darf die Gesetzgebung nicht zögern, auf diesem Gebiet zu ein- deutiaen Bestimmunaen zu aelanaen.

Der Näumungsplan für die Koblenzer Zone.

Koblenz, 12. Nov. Heute wurde von den französischen Be­satzungsbehörden die frühere Garnisonskirche, die Karmeliter- Kitche der Reichsvermögensverwaltung übergeben, ferner das frühere Proviantamt des VIII. Armeekorps, einige Befesti­gungsanlagen und das frühere Bezirkskommando sowie die letzten Räumlichkeiten des preußischen Regierungsgebäudes. Am 20. November rücken die Gendarmeriestationen ab aus Diez, Montabaur, Oberlahnstein und Bad Ems; am 21. No­vember aus Neuwied, Ahrweiler und Andernach, am 22. No­vember aus Cochem und Mayen, am 23. November aus Bop­pard. Am 29. November wird die Koblenzer Zone geräumt sein. -------------

Ein englischer Schritt zur Freigabe deutschen Eigentums.

London, 12. Nov. Das liberale Parlamentsmitglied Jan Mac Pher'son hat gestern ein Schreiben an die Mitglieder des englischen Parlaments gerichtet, in dem er sie ersucht, eine Ein­gabe betreffend die Freigabe des noch nicht liquidierten be­schlagnahmten deutschen Eigentums an den Premierminister, den Schatzkanzler und den Präsidenten des Handelsamtes zu unterzeichnen. In dieser Eingabe wird gefordert, daß alles noch nicht liqu nerte deutsche Privateigentum unverzüglich zur Rückerstattung an seine Eigentümer in Uebereinstimmung mit den Empfehlungen des Youngplanes freigegeben werde, und daß der Ueberschuß der Einkünfte aus dem bereits liquidierten deutschen Privateigentum über den Betrag, der erforderlich ist, um alle britischen Privatansprüche gegen Deutschland oder deutsche Untertanen gemäß den Be- [timmungen des Versailler Vertrages voll und mit Zinsen zu befriedigen, zur pro-rata-Verteilung an die vormaligen Eigen­tümer freigegeben werde.

Ohne Nervosität und Hysterie!"

Zur Betrachtung der Lage in Österreich.

Aus Anlaß des österreichischen Staatsfeiertages empfing Gesandter Dr. Frank die Vertreter der österreichischen Kolonie in Berlin. In einer Ansprache wies der Gesandte auf die im Gang befindliche innere Umgestaltung in Österreich hin, die in der ausländi­schen Presse viel Aufsehen erregt habe. Österreich sei in den Mittelpunkt des europäischen Interesses gerückt wor­den. Aber es sei merkwürdig, daß sich dieses Interesse immer nur dann finde, wenn Österreich es weniger wünscht, wogegen es immer sehr schwierig gewesen sei, es in Fällen wachzurufen, in denen Österreich s i ch darum b e m ü h t h a b e. An die gesamte Öffentlichkeit, so führte der Gesandte u. a. weiter aus, richte er deshalb die Mah­nung, an die Beurteilung der österreichischen Ereignisse ohne Nervosität und Hysterie heranzugehen. Die gegenwärtige Regierung habe wiederholt feierliche Erklärungen abgegeben, den Boden des Gesetzes nicht zu verlassen.

Reform der Krankenversicherung.

Beschleunigung der gesetzgeberischen Arbeiten.

Im Reichsarbeitsministerium fand eine Besprechung über Vorschläge zur Änderung der Krankenversicherung statt. Beteiligt waren außer den Reichs- und Landes­ministerien die Spitzenvcrbände der Arbeitgeber, Arbeit­nehmer, Krankenkassen, Arzte und Zahnärzte. Gegen eine Erhöhung der Versicherungspflichtgrenze in der Kranken­versicherung entsprechend der jetzigen Kaufkraft der Mark wurden von keiner Seite Einwendungen erhoben. Das Bestreben, in der Krankenversicherung mehr als bisher die Familie zu schützen (durch Ausmaß des Kranken- und Hausgeldes, durch Familienkrankenpflege als Pflicht­leistung), fand die Billigung der Versammlung. Auch den Vorschlägen für eine wirtschaftliche Verwendung der Ver- sichernngsmittel und Umstellung der Leistungen gemäß den sozialen Bedürfnissen wurde im allgemeinen zugestimmt. Lebhaft erörtert wurde auch der Aufbau der Krankenver­sicherung. Daß bei einer Neuerrichtung von Krankenkassen -der Wille der beteiligten Arbeitgeber und Arbeitnehmer -ausschlaggebend berücksichtigt werden müsse, wurde von keiner Seite bestritten. In einem Referentenentwurf hatte das Reichsarbeitsministerium neuartige Einrichtungen für Gemeinschaftsarbeit der Krankenkassen angeregt. Hierzu wurden zahlreiche Abänderungsvorschläge gemacht. Das Reichsarbeitsministerium wird beschleunigt den Gesetz­entwurf aufstellen.

Die Aufnahme der russisch-britischen Beziehungen.

Die australische Bundesregierung hat der Wiederauf­nahme der Beziehungen zwischen Moskau und der eng­lischen Regierung zugestimmt. Der Ministerpräsident Scullin begründet diesen Entscheid damit, daß seine Regie­rung den Wunsch habe, daß die Bedingungen des englisch- russischen Abkommens sich auf das ganze Britische Welt­reich beziehen sollten. Die Frage der Entsendung eines Sowjetvertreters nach Australien würde keine praktische Bedeutung erhalten, es sei denn, daß Sowjctrußland sich direkt um einen solchen Vertreter in Australien bemühen würde.

Thomas Mann Nobelpreisträger.

Stockholm, 13. Nov. Der Nobelpreis für Literatur ist dem Schriftsteller Thomas Mann verliehen worden.

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Thomas Mann ist der fünfte deutsche Preisträger für Lite­ratur. Ihm gingen voraus Theodor Momsen im Jahre 1902, Professor Rudolf Eucken 1908, Paul Heyse 1910 und Gerhard Hauptmann 1912. Der Name Thomas Mann wurde als Kan­didatur für den diesjährigen Nobelpreis für Literatur zusam­men mit Hugo von Hoffmannsthal und Arno Holz, die beide erst vor kurzem starben, und mit Riccarda Huch genannt. Deutschland war also diesmal besonders an dem Wettbewerb beteiligt. DerVossischen Zeitung" zufolge, hat Thomas Mann bereits zugesagt, daß er bei der Uebergabe des Preises am 10. Dezember in Stockholm persönlich erscheinen werde. Das Blatt unterstreicht, daß mit einer Brieftasche, die in diesem Jahre besonders opulent mit 190 000 Mark gefüllt ist, aufs neue ein deutscher Dichter die Bestätigung internationaler Geltung und Anerkennung erhalte.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Der neue Reichswirtschaftsminister Dr. Moldenhauer ver­sicherte bei einer Besprechung, er betrachte es als eine dringende Aufgabe des Wirtschaftsminifteriums, für die bedrängte Lage des Ostens und der Landwirtschaft ernzutreten.

* An der Berliner Universität ereigneten sich starke Stu­dentenunruhen, die das Eingreifen der Polizei nötig machten.

* In Berlin wurde eine neue Beamtenbank gegründet, die auch die Bcamtengeschäfte der beiden kürzlich zusammenac- brochenen Beamtenbanken übernehmen soll.

* Im Neumünsterer Bauernprozetz wurden drei Angeklagte zu kleinen Gefängnisstrafen und einer zu einer kleinen Geld­strafe verurteilt; zwei wurden freigesprochen.

. * Frau Zoubkoff ist heute früh 7^ Uhr im Bonner Fran- ziskushospital ihrer Krankheit erlegen.

Anläßlich des 11 Jahrestages des Waffenstillstandes legte der deutsche Konsul im Namen der Offiziere des in Port os Spain (Trinidad) weilenden deutschen KreuzersEmden" am Kriegsdenkmal einen Kranz nieder.