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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 268 1929

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

ZulSa- unö Haunetal »Zulüaer Kreisblatt

Reüaktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernfprech-flnsthluß Nr.-S- NachSruck »« mit »ersehene« Artikel nur mit O&eUrnangab« »ZulSaer finzeiger'gestoa»«.

Fulda, Donnerstag, 14. November

Rnzekgtnprei»; Zür vehSr-en, G »nossenschaf. ten,Banken usw. beträgt öteiN-inzeil« OJOmf^ für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für Mt Reklamezekle 0.90 Mk. u. al!» jmötttn 0.15 Mk* Reklamszelle 0.60 Mark Bei Rechaungestel- hing hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen Tag. und Platz Vorschriften unverbindlich.

6. Zahrgaug

Endarbeiten am Young-Plan

Der Präsident hat die Verwaltung und die Kontrolle der Bank zu überwachen. Seine Amtszeit läuft 3 Jahre. Der General­direktor wird vom Verwaltungsrat auf Vorschlag des Präsi­denten ernannt und ist dem Präsidenten verantwortlich.

Zweite Haager Konferenz

7. Dezember.

Schluß bis Weihnachten.

Nach ziemlich bestimmt in fast halbamtlicher Form auftretenden Nachrichten aus Paris soll die zweite Haager Konferenz auf den 7. Dezember festgesetzt worden sein. Auf dieser zweiten Konferenz sollen bekanntlich die noch restierenden Abmachungen zum Young-Plan, nament­lich über die finanzielle Regelung getroffen werden, so daß dann nichts mehr im Wege stände, um die Vereinbarun­gen der ersten Haager Konferenz durch die beteiligten Re­gierungen, endgültig anzunehmen. Man plant, die jetzt bevorstehenden Verhandlungen spätestens bis Weihnachten zu erledigen. Da bei allen interessierten Staaten der gleiche Wunsch herrscht, könnte höchstens eine Verschiebung bis zum 10. Dezember in Frage kommen, da man sonst mit dem nächsten Versammlungstag des Völkerbund­rates und mit dem Beginn der Londoner Seeabrüstungs- konserenz in zeitliche Schwierigkeiten geraten könnte. Wichtig für die Beschlußfassungen im Haag erscheint auch der Umstand, daß nunmehr die Schwierigkeiten für die Konstituierung der in Baden-Baden durchgesprochenen internationalen Zahlungsbank fast erledigt erscheinen und die Gründung der Bank in Basel demnächst erfolgen wird.

Briand soll dem deutschen Botschafter von Hoesch bei seinem letzten Besuch ganz bestimmt versichert haben, die Frage des Räumungstermins werde keinerlei Meinungsverschiedenheiten mit Deutschland mehr ver­ursachen. Bis zum 1. Juli 1930 hätten die französischen Behörden Frist genug, den Rückzug ihrer Truppen auch aus der dritten Zone durchzuführen.

_ Dr. Curtius im Haaß.

Es scheint festznstehen, daß Reichsaußenminister Dr. Curtius diesmal als einziger deutscher Minister im Haag anwesend sein wird mit der Unterstützung einiger Sachverständiger und sonstiger Hilfskräfte. Der neue Reichswirtschaftsminister Dr. Moldenhauer beab­sichtigt dagegen in Berlin zu bleiben, da seine Anwesen­heit dort nötiger als im Haag ist bei den bevorstehenden schweren Fragen in der deutschen Innenpolitik.

Das sind vor allem die Förderung der Finanzreform, der finanziellen Selbstverantwortung der Gemeinden, die Fragen der Arbeitslosenversicherung, des Zündholzmono­pols und die Erleichterung der steuerlichen Lasten.

Teilnahme Tardieus an der zweiten Haager und der Londoner Seeabcustungskonserenz?

Paris, 14. Nov. Nach demEcho de Paris" soll Minister­präsident Tardieu die Absicht haben, selbst sowohl an der zwei­ten Haager Konferenz wie auch an der Seeabrüstungskonferenz in London teilzunehmen.

Die Unterredung zwischen Hoesch und Tardieu.

Paris, 14. Nov. Zu der Unterredung, die Botschafter von Hoesch gestern mit Ministerpräsident Tardieu hatte, erklärt Matin", mitteilen zu können, das Tardieu ebenso wie seiner­zeit Briand dem diplomatischen Vertreter Deutschlands die Versicherung gegeben habe, daß die französische Regierung ihr Möglichstes tun wolle, um in den ersten 6 Monaten des Jahres 1930 die vollständige Räumung der 3. Zone durchzuführen. Um diese jedoch zu verwirklichen, so fährtMatin" fort, müß­ten der gute Wille Frankreichs und der gute Wille Deutschlands einander entsprechen. Wenn die Verhandlungen sich wunsch­gemäß abwickeln, könnten die zur Ingangsetzung des Young- planes geforderten Bedingungen am 1. März erzielt und ge­regelt sein.

Unter diesen Umständen glaubtEcho de Paris" ankündi- gen zu können, daß die französische Regierung den Wunsch habe, daß die 2. Haager Konferenz sobald wie möglich zusammen­trete, und daß, selbst wenn das Abkommen erst im Februar unterzeichnet würde, die Räumung des Rheinlandes am 30. Juni eine vollendete Tatsache sein würde, falls die Inkraft­setzung des Youngplanes ohne Verzögerung erfolge.

Petit Parisien" meint dagegen, es wäre besser, das Ergeb­nis der Volksabstimmung abzuwarten, ehe man sich nach dem Haag begebe. Unter diesen Umständen errechnet das Blatt als frühesten Termin für den Beginn der Konferenz den 10. Januar.

Abschluß der Baden-Badener Verhandlungen.

Das Organisationskomitee der Bank für den iirter nationalen Zahlungsausgleich in Bad-n- Baden hat seine Arbeiten mit der Unterzeichnung der ver­schiedenen hier in mehrwöchiger Tätigkeit ausgcarbcitcèen Vertragswerte für die Organisation der Bank für ben internationalen Zahlungsausgleich abgeschlossen. Die Verhandlungen über die letzten strittigen Punkte des Treu- händervertrages, die auf Wunsch der französischen Dele gation für mehrere Tage unterbrochen worden waren. Haben zu einer Einigung geführt.

Veröffentlichung der Statuten der Bank für internationalen Zahlungsausgleich.

Berlin, 14. Nov. Das gestern in Baden-Baden unterzeich- Statut der Bank für internationalen Zahlungsausgleich ^ute veröffentlicht. Das Statut umfaßt 60 Artikel, die W 111 7 Kapitel gliedern. Aufgabe der Bank ist es danach, die ÄU,ammenarbeit der Zentralbanken herbeizuführen, für Er­

leichterungen bei internationalen finanziellen Operationen

Sorge zu tragen und als Treuhänder oder Beauftragter der Abwicklung des internationalen Zahlungsausgleiches wirken. Solange der Youn'gplan gilt, soll die Bank die stimmungen des Planes in Bezug auf die Verwaltung

bei zu Be- und

finanzielle Gebarung in Anwendung bringen. Sie soll ferner ihre Geschäfte mit der Maßgabe führen, die Durchführung des Planes dadurch zu erleichtern, daß sie, solange es zu ihren Aufgaben gehört, die deutschen Reparationsleistungen ent­gegenzunehmen und zu verteilen, die Kommerzialisierung und Mobilisierung bestimmter Teile der deutschen Annuitäten in die Wege leitet.

Das Kapital der Bank ist auf 500 Millionen Schweizer Franken festgelegt; hiervon sollen aber nur 25 % des Wertes jedes Anteilscheins während der Auflegungsfrist eingezahlt werden. Die Anteilscheine sind nicht mit einem Stimmrecht verbunden; dieses steht vielmehr den beteiligten Zentralbanken oder ihren Bevollmächtigten zu.

Es ist der Bank untersagt, Geld zu emittieren, Wechsel an­zunehmen und an irgend einem Geschäft ein besonderes In­teresse zu nehmen. Die Bank soll bei ihrer Verwaltung be­rücksichtigen, daß die Liquidität aufrecht erhalten bleibt. Der Verwaltungsrat der Bank soll aus je zwei Direktoren der sie­ben beteiligten Länder und neun Direktoren der anderen Län­der bestehen. Hierzu tritt je ein weiterer deutscher und franzö­sischer Direktor, solange Deutschland Reparationen zahlt. Der Vorsitzende des Verwaltungsrats ist gleichzeitig Vankprästdent.

Viktoria Subkow.

Ein Lebenslauf in auf- und absteigender Linie.

Frau Viktoria Subkow ist in Bonn nach mehrtägiger Krankheit einer schweren Lungen- und Rippenfellentzündung erlegen.

Sie hatte weder Glück noch Stern, die Frau Viktoria Subkow, geborene Prinzessin von Preußen, die später durch Heirat PrinzessinvonSchaumbürg- Lippe geworden war, um schließlich als Witwe einem russischen Abenteurer, der mit seinen Komplicen sie und ihre Liebe zu ihm in jeder Weise ^auszubeuten suchte, in die Hände zu fallen. W'

szubeuten suchte, in sie hat man nicht über diese Liebe der alternden Frau zu dem jungen Burschen, von dem niemand zu sagen wußte,woher er kam der Fahrt", gelacht und gespottet! Und doch verdiente diese Spät- Herbstneigung der ('

ehemaligen Prinzessin mehr Mitleid sie zuletzt, eine körperlich und seelisch

als Spott, und atâ , . . . kranke, mutlose und gedemütigte Frau, um alles, was ihr lieb und teuer gewesen sein mochte, gebracht und aus Glanz und Glück in Leid und Kummer geraten war, da dürften ihr wohl auch die, welche sie einst durch die Hechel gezogen hatten, menschliches Mitleid nicht versagt haben.

Als viertes der Kinder des damaligen preußischen

Kronprinzen, späteren Deutschen Kaisers Friedrich III. und seiner Gemahlin, einer Tochter der Königin Viktoria von England, wurde die Prinzessin Viktoria am 12. April 1866 geboren. Als sie herangewachsen war, hatte ihre Mutter den dringenden Wunsch, sie mit dem Prinzen Alexander von Battenberg, früheren Fürsten von Bulgarien, späteren Grafen von Hartenau, der als ein besonders schöner Mann galt, zu verheiraten, aber der Heiratsplan scheiterte an dem energischen Widerstande des Fürsten Bismarck, der, da Alexander von Battenberg derintimste Feind" des russi­schen Zaren war, Komplikationen mit Rußland be­fürchtete. Im übrigen soll der Prinzessin selbst der für sie ausgesuchte Bräutigam ziemlich gleichgültig gewesen sein. Sie heiratete dann, als ihr Bruder Wilhelm zur Regierung gelangt war, den Prinzen Adolf von Schaumburg-Lippe. Nach dem im Jahre 1916 erfolgten Tode ihres Gatten bezog sie das Palais Schaumburg in B o n n , wo sie zehn Jahre lang ein ruhiges, von der Welt wenig beachtetes Leben führte. Bis sie, zu ihrem Unglück, im Jahre 1927 auf einem Tennisplatz den Alexander Subkow kennenlernte. Vom Kennenlernen bis zur Verlobung und zur Heirat waren nur ein paar Schritte, die die Prinzessin, unbeirrt durch alle Widerstände, die sich ihr entgegenstellten, erhobenen Hauptes ging. Die Trauung wurde nach russischem Ritus vollzogen. Der Verlauf der Ehe bis zu dem kürzlich er­folgten Scheidungsantrag der unglücklichen Frau ist be­kannt Als Subkow im Jahre 1928 als lästiger Ausländer aus Deutschland ausgewiesen wurde, war das Vermögen der ehemaligen Prinzessin, das einst 12 Millionen be­tragen haben soll, auf ein Nichts dahingeschmolzen. Und darin kam wie jeder weiß, der Konkurs und die Auktion des ganzen Besitzes der weiland Prinzessin.

Viktoria Subkows Leiche soll nach Schloß Friedrichs- hof in Kronberg im Taunus, dem Lieblingsaufenthalt ihrer verstorbenen Mutter, übcrgeführt und dort beigesetzt werden. Der ehemalige Kaiser hatte sich während der Krankheit seiner Schwester mehrmals täglich telephonisch über das Befinden der Kranken unterrichten lassen.

Verhaftung der Tochter des Konkurs­verwalters Cohn.

Breslau, 14. Nov. In der Angelegenheit des Konkursver­walters Cohn ist dessen Tochter, Frau Apothekenbesitzer Kad- likowa aus der Tschechoslowakei gestern abend 19.30 Uhr in Breslau verhaftet worden. Gegen sie ist die Eröffnung der Voruntersuchung aus § 242 der Konkursordnung beantragt worden. Sie ist beschuldigt, nach der Zahlungseinstellung ihres Vaters Wertstücke im Werte von etwa 30 000 Mark bei­seite gebracht zu haben.

Volksentscheid am 22. Dezember?

In engem Zusammenhang mit den im Haag zu er­wartenden Beschlüssen wurde sowohl in Deutschland wie in Frankreich der Ausgang des nach der Annahme des Volksbegehrens gegen den Young-Plan zu erwartenden Volksentscheides gebracht. Eine ursächliche Verbindung besteht ja auch tatsächlich. Soeben meldet man aus Berlin, als endgültiger Termin für den Volksentscheid komme nun­mehr der 22. Dezember in Frage, obwohl von anderer Seite auch daran festgehalten wird, die Regierung beab­sichtige, bereits den 15. Dezember als Abstimmungstag festzusetzen.

Gegen beide Tage wird von den Befürwortern des Volksbegehrens und des Volksentscheides indessen Ein­spruch erhoben. Zwar hat der Führer der deutschnatio­nalen Reichstagsfraktion, Graf Westarp, die Reichs­regierung ersucht, den Volksentscheid so bald wie möglich durchzuführen. Jedoch wijd lebhaft darauf hingewicsen, daß sowohl der 15. wie der 22. Dezember mitten in die Zeit der weihnachtlichen Vorbereitungen und des weih­nachtlichen Geschäftsverkehrs fallen. Deshalb würden viele Wahlberechtigte verhindert werden, sich an dem Volks­entscheid zu beteiligen. Ein Wochentag kommt aber nach den gesetzlichen Bestimmungen nicht in Frage.

Morgan und Kellogg auf der Reise nach Europa.

Paris, 14. Nov. WieNewyork Herald" berichtet, hat hier Pierpont Morgan sich gestern nach Europa eingeschifft. Er hat es abgelehnt, irgend eine Erklärung über den Zweck seiner Reise zu geben. Mit dem gleichen Schiff reist der ehemalige Staatssekretär Kellogg nach Europa.

Die Staatszugehörigkeit der Deutschen in Litauen.

Beginn der deutsch-litauischen Besprechungen.

In M e m e I fand die erste Sitzung der deutsch-litaui­schen Kommission statt, die auf Grund des deutsch-litaui­schen Optionsabkommens zur Schlichtung der strittigen Fragen der Staatsangehörigkeit gebildet wor­den ist. In der Sitzung wurde nur über die Organisie­rung der weiteren Arbeiten verhandelt. Die muicr. Seite der in Frage stehenden Angelegenheit wurde mcht berührt. Die nächste Sitzung dieser Kommission wird am 21. Januar 1930 in Königsberg stattfindcn.

proklamaiion Nadir Khans.

Bildung einer Nationalversammlung.

Der neue König von Afghanistan, Nadir, veröffentlicht soeben eine Proklamation an das Volk. Die Regierung lvird ihre Pflicht entsprechend den Vorschriften des Islams erfüllen, heißt es darin. Die Bildung einer National­versammlung steht bevor. Es wird ein Zensur- und Rechnungsamt geschaffen werden. Die Beamten werden auf den Koran vereidigt. Sie müssen versprechen, un­bestechlich und mit ihrem Gehalt zufrieden zu sein und keiner Regierung Gelder zu unterschlagen. Wcingcnuß wird nach den religiösen Vorschriften bestraft. Die Be­ziehungen zu den auswärtigen Mächten sollen die gleichen sein wie unter Aman Ullah. Der Telephon- und Tele­graphendienst soll ausgebaut und der Postdicnst wieder eingerichtet werden. Afghanistan wird Handelsver­träge mit Deutschland, Persien, Italien, Fran^ reich, Großbritannien, Rußland, den Vereinigten <Staat«v Belgien, Japan und anderen Ländern abschließen, ferner wird der Bau von Eisenbahnen und Bewässerungsanlagen vorgesehen.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Die zweite Haager Konferenz zur Erledigung der bei« Young-Plan bisher noch nicht entschiedenen Fragen soll am 7. Dezember beginnen.

* Nach demEcho de Paris" will Tardieu an der 2. Haager Konferenz wie auch an der Seeabrüstungskonferenz in London teilnehmen.

* Zur Durchführung des dem angenommenen Volksbegehren folgenden Volksentscheids sind bei der Reichsregierung entweder der 15. oder der 22. Dezember in Aussicht genommen.

* Das gestern tn Baden-Baden unterzeichnete Statut der Bank für internationalen Zahlungsausgleich wird heute ver- öfsentlicht. Das Statut umfaßt 60 Artikel.

* Wegen der vom Ministerpräsidenten befürworteten Ein­führung der flämischen Sprache an der Universität Gent steht ln Belgien eine Regierungskr'sis in Sicht.

* Nach demMatin" habe Tard'eu dem deutschen Botschaf­ter in Paris die Versicherung gegeben, daß die französische Re- gzerung ihr Möglichstes tun wolle, um in den ersten 6 Monaten des Jahres 1930 die vollständige Räumung der 3. Zone durch. zuführen.