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Zulöaer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg ZulSa- und Haunetal Zulöaer Kreisblatt

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Nr. 271 1929

Fulda, Montag, 18. November

6. Jahrgang

An Frankreichs Adresse.

Jas Zentrum zum Nouug-Plan.

Deutschland hat genug getan.

Nochmals hat der Führer der Deutschen Zentrums­partei, Prälat Kaas, Erklärungen über die kommende deutsche Außenpolitik abgegeben. Die Erklärungen richten sich in ihrer Tendenz unverkennbar an die französische Adresse und betonen, daß nach alledem, was Deutschland bisher zum Beweis seines Verständigungswillens getan habe, es genug sei. Nunmehr sei es an der Zeit, auch von der Gegenseite größere Bereitwilligkeit zur endlichen gründlichen Beseitigung der Kriegsfolgen zu erwarten. Prälat Kaas hielt seine Rede bei Gelegenheit einer Versammlung zu den Kommunalwahlen in Trier. Er führte u. a. aus. die Bedeutung der Kommunalwahlen liege darin, daß sie in eine Zeit fallen, in der sich die außenpolitischen Dinge zu runden beginnen und in der allmählich Kämpfe und Arbeitsobjekte an uns heran- treten, vor deren Größe jede kleinliche politische Spieß- b ärgeret zurücktreten müsse.

' Die deutsche Außenpolitik

stehe heute in einem entscheidenden Stadium. Es seien Schicksalsfragen, um die gerungen werde. Der Redner werde sich mit Bewußtsein jedem Streben außerhalb und innerhalb der Zentrumspartei entgegenstellen, verant­wortliche Entscheidungen in dem Augenblick vorzunehmen, in dem sie in den Augen eines besonnenen Staatsmannes noch nicht als reif bezeichnet werden könnten.

Solange wir noch nicht das Gesamtergebnis vor uns haben, sagte Prälat Kaas, solange sich die Gegenseite in Schweigen hüllt und von uns Vorschläge erwartet, solange erscheint mir der Weg noch nicht frei dafür, daß ich als verantwortlicher Führer der Deutschen Zentrumspartei heute schon nach der einen oder anderen Seite eine cnb= ^vLâti«« LüMciLung über Annahme oder Ablehnung des Pouug Planes fällen könnte.

Wenn die Vorgänge beim Volksbegehren auch nicht in der Lage sind, die Tiefe und die Aufrichtigkeit des Verständigungswillens des deutschen Volkes zweifelhaft erscheinen zu lassen, so sind sie auf alle Fälle auch keine Erleichterung unserer Verhandlungen. Aber es muß auch an die Gegenseite die ernste und nachhaltige Aufforderung gerichtet werden, nun endlich ohne weitere Verzögerung die Rückwirkungen eintreten zu lassen, auf die unsere Ver­ständigungspolitik schon so lange Anspruch habe.

Man solle doch nicht jenseits der Vogesen glauben, daß Deutschland einen Pfennig mehr zahlen würde, wenn es noch weiter besetzt bleibe. Das eine stehe fest, daß an dem Endtermin der Räumung, dem 30. Juni, nicht zu rütteln sei. D i e S a a r müsse wieder zurückkehren zu dem Volle, zu dem sie gehört. Sie habe ein Recht auf Selbst­bestimmung, von der im Versailler Vertrag die Rede ist.

Wenn man einen Frieden wolle, dann müsse man endlich Schluß machen mit dem Begriff von Sieger und Besiegten. Wenn man sich in Frankreich auf Paragraphen- ausbeutung zurückziehe, so müsse jeder ehrliche Politiker erkennen, daß ein solcher Weg zu nichts führe.

Zweite Haager Konferenz im Januar.

Beginn der S a a r v e r h a n d l u n g e n ?

Die Pariser Preße berichtet, daß im Ministerrat die Bilanz der Tätigkeit der im Haag eingesetzten Ausschüffe gezogen wurde. Man stellte fest, daß mit Ausnahme der Kommission für die Ostreparationen die Arbeiten so gut wie beendet sind. Die französischen Minister kamen jedoch zu der Überzeugung, daß alleAusschüssezueinem Ergebnissegekommen sein müßten, bevor die Ein­berufung der zweiten Haager Konferenz möglich wäre. Es könne also nicht mehr von einer Einberufung der Kon­ferenz gegen den 15. Dezember die Rede sein. Als vor­aussichtlicher Termin käme vielmehr die erste Hälfte des Monats Januar in Betracht.

DerNew Jork Herald" will berichten können, daß bereits in dem am Sonnabend abgehaltenen Kabinetts­rat beschlossen worden sei, versuchsweise den 3. Januar für den Beginn der zweiten Haager Konferenz vorzu­schlagen. Das gleiche Blatt glaubt übrigens zu wissen, daß die zweite Konferenz möglicherweise nicht im Haag zusammentreten werde, daß aber auf jeden Fall Minister­präsident Tardieu selbst -die Führung st;r stzauzösischeu Delegation übernehmen werde.

Eine weitere Pariser Meldung besagt, daß die deutsch­französischen Saarverhandlungen in dieser Woche aus­genommen werden sollen. Der Führer der französischen Delegation wird der Minister für öffentliche Arbeiten, Pernot, sein. Die beschleunigte Aufnahme der Verhanö- lungen soll auf einen Schritt zurückzuführen sein, den der I deutsche Botschafter in Paris, Herr von Hoesch, Ende der vergangenen Woche im französischen Außenministerium unternommen hat.

Maginot über seine Reise an die Ostgrenze.

Paris, 18. Nov. Kriegsminister Maginot hat einem Ver­treter desFigaro" vor Antritt seiner Inspektionsreise an die Ostgrenze erklärt: Meine Geste war notwendig. Die Berichte, die mir über die Erenzbefestigungsarbeiten vorgelegt worden sind, stellten einmütig fest, daß noch nichts Ernsthaftes unternom­men worden ist. Ein Mittel, mir völlige Aufklärung zu schaf­fen, bot sich allein dadurch, daß ich mich an Ort und Stelle be­gebe. Das tue ich nunmehr. Das Wesentlichste ist, daß Frank­reich geschützt wird. Möglicherweise werde ich einen harten Kampf mit dem Parlament auszufechten haben. Aber dieses wird mit seinem Patriotismus mir nicht die bedeutenden Kre­dite verweigern können, deren Notwendigkeit ich dartun werde. Auf jeden Fall wird alles Notwendige im Rahmen meiner Machtbefugnisse geschehen.

Wiedersehen nach dem Krieg.

Ein deutscher U-Boot-Kommandant in England.

Der ehemalige deutsche N-Boot-Kommandant Kapitän Hashagen ist in Begleitung des ehemaligen britischen Marineoffiziers Commander Norman Lewis in London eingetroffen. Kapitän Hashagen, der im Jahre 1917 ein von Lewis geführtes Schiff torpediert und diesen ge- : fangengenommen hatte, wird am Montag in einer Ver­sammlung der Völkerbundliga in Reading einen Vortrag halten.

Interessant sind die Umstände, unter denen die beiden ehemaligen feindlichen Kapitäne zueinander gekommen sind. Kapitän Lewis hat nie den Namen seines Be­siegers erfahren. In einem Buch erkennt er dessen Bild. Er bemüht sich um die Adresse dieses Mannes, die er über die deutsche Botschaft in London erfährt. Der Engländer schickt dann dem ehemaligen Kapitänleutnant Hashagen nach Hamburg, wo er kaufmännisch tätig ist. eine Ein- I ladung, bittet ihn um ein Wiedersehen und lädt ihn zu einem Besuch nach London ein. Und dieser Einladung ist Kapitänleutnant Hashagen, der während des Krieges . 62 feindliche Schiffe versenkte, jetzt gefolgt , Kapitän Lewis war 19.17 Kommandant eines eng- ; lischen U-Boot-Jägers und wurde nach Versenkung seines 1 Schiffes durch Hashagens U-Boot von diesem an Bord genommen. Er wurde während der folgenden neunzehn Tage, in denen das U-Boot seine erfolgreichen Jagden auf zumeist englische Schiffe fortsetzte, auf die ritterlichste Weise behandelt und ist später wiederholt der von der englischen Kriegspropaganda erhobenen Behauptung, daß Gefangene auf U-Booten schlecht behandelt wurden, öffentlich entgegengetreten.

Sorgen der amerikanischen Industrie.

Hoover beruft eine Wirtschaftskonferenz.

Wettbewerb mit Europa.

Präsident Hoover gab bekannt, daß er nach mehreren Rücksprachen mit den Führern von Industrie und Wirt­schaft für Mitte der beginnenden Woche eine vorbereitende Konferenz von Vertretern der Industrie, der Land- w i r t s ch a f t, der A r b e i t e r s ch a f t sowie der zustän­digen Ressorts (Schatzamt, Handels-, Arbeits- und Acker- bauamt) einberufen habe, um bei der durch den Börsen­krach geschaffenen Lage ein Programm zu entwerfen und alsbald bestimmte Schritte zur Inangriffnahme großer Arbeiten zu tun. Es sei ein reichliches Angebot von Bau­aufträgen für Eisenbahn, Schiffahrt, Gas, Wasser und Elektrizität sowie für Bundes- und staatliche Zwecke vor­handen und gemeinsam mit der Farmbehörde und der Bundesrcservebehörde solle für die Organisation eines großzügigen Arbeitsprogramms Sorge getragen werden.

Mangel an Vertrauen zu der wirtschaftlichen Lage Amerikas sei töricht; die Fähigkeit und Bereitwilligkeit von Ressorts und Führern der Wirtschaft zu gemeinsamer Arbeit seien eine Garantie für die Überwindung der gegenwärtigen Lage.

Konkurrenz für Europa.

Fast zweifellos verbergen sich hinter den offiziellen Worten Hoovers noch weitere Tendenzen, deren Richtung unschwer zu erkennen ist, wenn man die durch die Börsen- ereignifse offenbar gewordene Schwächung der innen­politischen Wirtschaftssicherheit der Vereinigten Staaten berücksichtigt, zu der wahrscheinlich auch die Furcht vor einer möglicherweise einsetzenden verstärkten Arbeits­losigkeit tritt. Die amerikanische Industrie hat sich wäh­rend und nach dem Kriege mit großer Vehemenz aus die Massenproduktion und deren Verbilligung eingestellt; findet sie im Lande selbst bei allgemein herabgesetzter Kaufkraft keinen Absatz mehr, so liegt es nahe, daß sie auf

größere Ausfuhrmöglichkeiten

sinnt, und dabei kommen in erster Linie die europäischen Länder, nicht zum wenigsten D e u t s ch l a n d,in Betracht. Die vorhandene Geldflüssigkeit und die bereits angekün­digte Steuerherabsetzung für Anfang des nächsten Jahres würden es den amerikanischen Industriellen gestatten, ihre Fabriken unter Umständen auch unter Minderung der Ka- pitalverdienste in Gang zu halten und neue Vorstöße auf den Weltmärkten zu unternehmen. Schon jetzt ist das Preisniveau wichtiger Artikel, namentlich soweit sie Luxuscharakter haben, bedeutend gesunken. In Europa sollte man den sich anbahnenden neuen Wettbewerb der Vereinigten Staaten mit Aufmerksamkeit beobachten.

Die Aenderung der Krankenversicherung.

Einspruch der Deutschen Arbeitgeberverbände.

Die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände teilt mit, daß der in der Pressenotiz über die am 11. No­vember erfolgte Besprechung im Neichsarbeitsministcrium zur Abänderung der Krankenversicherung enthaltene Satz, daß gegen eine Erhöhung der Persicherungspflichtgrenze in der Krankenversicherung entsprechend der jetzigen Kauf­kraft der Mark von keiner Seite Einwendungen erhoben ' worden seien, den von der Arbeitgeberseite mündlich ab­gegebenen Erklärungen nicht entspreche. Die beteiligten Arbeitgeberverbände hätten bereits vor der Besprechung schriftlich in einer Eingabe dem Reichsarbeitsministerium | gegenüber zum Ausdruck gebracht, daß sie einen Grund für eine bereits jetzt wieder vorzunehmende Erhöhung der I Persicherungspflichtgrenze in der Krankenversicherung nicht anerkennen können, nachdem diese erst im Jahre 1927 auf 3600 Mark festgelegt worden ist. Die Entwicklung seit dem Jahre 1927 gebe ihres Erachtens keinen Anlaß dafür, schon jetzt eine weitere Erhöhung der Versicherungspfllcht- grenze durchzuführen. Eine Erhöhung der Versicherungs- : Pflichtgrenze würde grundsätzlich eine Ausdehnung des 1 Personenkreises in der Sozialversicherung bedeuten, gegen die in Übereinstimmung mit weiten Bevölkerungskreisen die Arbeitgeberseite schwerwiegende grundsätzliche Be­denken geltend gemacht hat Dieser Standpunkt ist auch namens der vertretenen Arbeitgeberverbände mündlich im Reichsarbeitsministerium bei der Besprechung am 11. No­vember eingenommen worden.

Hierzu teilt das Reichsarbeitsministerium mit. daß in den Erklärungen der Arbeitgeber in der Besprechung am 11. November kein Protest gegen die Wiederherstellung der Friedenspflichtgrenze gefunden werden konnte. Richtig ist, daß die Arbeitgeber sich gegen die Überschreitung der Friedenspflichtgrenze mit Entschiedenheit ausgesprochen haben.

Beamtenbanken und preußenkaffe.

Enges Zusammenwirken.

Die vom Deutschen Bcamtcngcnoßenschastsvcrband be­schlossene Gründung der Rcichszentralkassc der Deutschen Beamtenbanken c. G. m. b. H. wird Anfang Dezember er- solgen, nachdem durch Verschmelzung der Zentralkassen der süddeutschen und der nordwcstdeutschcn Beamlenbanken die erforderlichen Vorarbeiten durchgesiihrl worden sind. Bis zu diesem Zeitpunkt wird die Zentralkasse der süddeutschen Beamtenbanken hinter der die Badische Beamtenbank steht, das in Auswirkung der Berliner Vorfälle eingetretene Kredlt- bcdursnis aller Beamtenbanken im Reiche befriedigen

Nachdem die Vereinheitlichung der genossenschaftlichen Beamlenbanken entscheidend gefördert und beschloßen worden ist, für sämtliche 77 dein Deutschen Bcamlengenosscnschasts- ^iZ.and angeschlossenen Beamlenbanken eine Geldzentrale zu Mssen ist die Voraussetzung für den Anschluß an die V bE QeaoHe^ erfüllt. Ein Abkommen

Londoner Geeabrüstungskonferenz.

Beginn 21. Januar.

Rach Berichten aus Rom hat die englische Regierung der italienischen Regierung den 21. Januar als den Be- ginn der Londoner Seeabrüstungskonferenz bezeichnet. Man ist der Meinung, daß Italien gegen diesen Zeit- punkt keine Einwendungen erheben wird. Die italienische Regierung habe bisher noch keine Vorschläge über die Fragen erhalten, die auf der Londoner Konferenz zur Beratung gestellt werden sollen. Je länger aber die Mit­teilung dieser Vorschläge hinausgezögert würde, um so weniger Zeit bleibe für die notwendige Vorbereitung der Konferenz durch die interessierten Mächte. Amerika hat dem 21. Januar 1930 als Datum für den Beginn der Flottenkonferenz bereits zugestimmt.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Nach den bisher vorliegenden Wahlergebnissen haben die Nationalsozialisten und die Deutsche Volkspartei eine Zunahme zu verzeichnen. Ein genaueres Bild über das Gesamtergebnis der Wahlen ist jedoch durch die örtlichen Besonderheiten noch nicht zu gewinnen.

* Aus Paris wird gemeldet, die Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich über die Saar würden in zehn Tagen eröffnet werden.

* Zn London soll die Konferenz über Abrüstungsmöglich- keiten zur See voraussichtlich am 21. Januar beginnen.

* Der amerikanische Präsident beruft eine besondere Kon­ferenz ein, um über die gespannte Wirtschaftslage in den Ver­einigten Staaten zu beraten.

* Zn Düsseldorf steigert sich die Aufregung über die geheim­nisvollen Mordtaten immer mehr, nachdem der angebliche Mörder in Schreiben an Polizei und Zeitungen einen neuen Mord ankündigt.