m-aer Anzeiger
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6. Jahrgang
6oäig||fttneinigMg in der TWAslmÄei.
IMche md Tschechen in der Regierung.
Die neue Regierung der Tschechoslowakei, eine bürgerlich sozialistische Koalition, hat die Eigentümlichkeit, zum ersten Male Vie auf der marxistischen Grundlage stehenden Sozialdemokraten — ohne Unterschied der Nation und Sprache — zu vereinigen. Der Führer der tschechischen Sozialdemokraten, Minister a. D. Winter, erklärte als Sprecher der Partei zum Regierungs- Programm, daß die tschechischen Sozialdemokraten unter anderem für alle die nationalen und kulturellen Pro- grammfordcrungeu, die die deutschen Genossen aufgestellt haben, ehe sie sich zum Eintritt in die Regierung entschlossen haben, einzutreten versprachen. Ein Journalist in Prag wandte sich aus diesem Anlasse an das führende Mitglied der deutschen Sozialdemokratischen Partei, Vize- Präsident des Abgeordnetenhauses, Siegfried Taub, um über die Zusammenarbeit der sozialdemokratischen Parteien tschechoslowakischer und deutscher Nation in der Negierung seine Meinung zu hören.
Abgeorduetenhausvizepräsident Taub erklärte dabei, die Zusammenarbeit mit den tschechischen Sozialdemokraten hat in der Zeit, als diese Partei in der Regierung war, wir aber in Opposition, viel zu wünschen übrig gelassen. Es war eine lose Verbindung, eine ae-
Amerika zum Volksentscheid.
Was die Blätter sagen.
Zum Ergebnis des Volksentscheids führt „Washington Star“ unter der Überschrift „Deutschlands bona fides* aus: „Deutschlands Ehrlichkeit in seinen internationalen Verpflichtungen bestand eine denkwürdige Probe. Die bei der Abstimmung über den Volksentscheid sich ergebende Zahl war eindrucksvoll durch ihre Minorität gegenüber der Gesamtheit der Wählerschaft. Der Plan, W»^M>uug-Ptan über den Pausen zu werfen, wurde svurlos versenkt. Sowohl Deutschlands Loyalität gegenüber seinen Gläubigern als auch die gesunde Vernunft und das eigene Interesse der Deutschen lehnten ihn ab. Sobald die zweite Haager Konferenz stattgefunden hat, kann die Alte Welt zu aufbauender Tätigkeit zurückkehren, was unmöglich war, solange Deutschland unter den schweren Lasten des Dawes-Planes litt. Das Deutsche Reich hat noch schwere Zeiten vor sich, aber wenn die Deutschen auch, was ihnen niemand verübeln darf, über ihre schweren Verpflichtungen nicht gerade erfreut sind, so arbeiten sie doch entschlossen an der Abtragung^dieser Lasten und haben sich dadurch in den letzten zehn Zähren die ständig wachsende Achtung in der Welt errungen.
„Washington Post" schreibt in einem „Deutschlands vernünftiger Entschluß" überschriebenen Artikel: „ras Ergebnis des Volksentscheids war das allgemein erwartete. Das deutsche Volk läßt sich md)t mehr zu unvernünftigen Haßideen aufpeitschen und sich die seit der Begründung der Republik mühsam erworbene Stellung in der Welt wieder zerstören. Die Annahme des young= Planes bedeutet die Stabilisierung Europas und die Befreiung des Rheinlands, und die Haltung be? drutichen Volkes erfolgte im Interesse des ganzen Komments.
Das polnische Schwein
als Bertragshindernis.
In einer Äußerung der halbamtlichen polnischen Zeitung „Gazeta Polska" über die Schwierigkeiten der deutsch-polnischen Handelsvertragsverhandlungen heißt e» u. a., daß der deutsche Gesandte Rauscher aus Berlin keine genauen Vorschläge mitgebracht habe, die zur Klärung der polnischen Schweineabsatzfrage auf dem deutschen Aarkt führen könnten. Über die Höhe des Schweine- loutingents und seine jährliche Steigerung sei man vor- der bereits zu einer Einigung gelangt. Die deutsche Seite mache jedoch zusätzliche Einschr ant u nge n ge in^
welche vollkommen von den m den übrigenp f Handelsverträgen beobachteten ^?*"^ ft
mDcrbeit des Seeweges nicht anwendbar Der^poln.sche
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besserstelle. Die deutsche Seit« vave .1 Kompromiß den Wunsch gezeigt, aus den poln o .e füt borschlag einzugehen. Da die - W .»er ragspolitik eng Polen eine grundsätzliche, mit ieui 11 'wnHfiüeruna der ^knüpfte Frage darstelle und X polnischen Schweineerzeuaung von lenen i völlig' ungerechtfertigt sei. habe der Polnische 'nächtigte der deutschen Seite mitteilen ü , aav Handelsvertrag zweifellos nicht an wenn Deutschland obige polnische Forderungen v rrkeiiiien wolle.
legentliche Zusammenarbeit entstand nur in aus- gesprochenen Arbeiterfragen. Als die tschechischen Sozialdemokraten in die Opposition gingen, hat sich das gründlich geändert. Seit der gemeinsamen Kundgebung in Smjchov im Januar 1*128 ist die Grundlage zur ernsten Zusammenarbeit geschaffen. In den letzten Wahlen in Die Landesvertretungen, in der Stellungnahme gegen die Verwaltungsreform und das Finanzgesetz gingen die beiden Parteien bereits enge zusammen. Nach den Wahlen in die Landesvertretung zeigte es sich, daß der bürgerliche Block keine genügende Kraft mehr besaß. Die feste Zu- sammenschweißung der beiden sozialdemokratischen Parteien ist dem Zusammenbruch des bürgerlichen Blocks gefolgt, die Arbeiterschaft fordert das Zusammengehen. Die Arbeiterschaft erkannte, daß ein Zusammenleben, eine Verständigung zwischen den Völkern in der Tschechoslowakei nur durch solche enge Verbindung erreicht werden kann. Wie ernst es die tschechischen Sozialdemokraten meinen, geht aus den Erklärungen ihres Führers im Parlamente hervor, der sich voll für den kulturellen und nationalen Teil des Programms der deutschen Sozialdemokratie eingesetzt hat. In den bevorstehenden Arbeiten ^es Parlamentes und bei der Lösung der harrenden wirtschaftlichen Probleme werden die Sozialdemokraten wie eine Partei zusammenarbeiten und für ihr gemeinsames Programm eintreten. Dr. V.
Die Reichrregierung an den Feiertagen.
Hindenburg in Berlin.
Reichspräsident von Hindenburg verbrachte die Feier im Kreise seiner Familie. Der größte Teil der Minister ist die Feiertage über in Berlin geblieben. Nur Reichsfinanz- minifter M 0 l d e n h a u e r hat sich in seine Kölner Heimat begeben. Er dürfte jedoch unmittelbar nach dem Fest wieder nach Berlin zurückkehren. In der Frage der Nachfolge des Staatssekretärs P opitz wird die Eytfcheidung erst gegen Ende der Woche fallen.
Moldenhauers Aufgabe.
In der kurzen Zeit seiner Tätigkeit als Wirtschaftsminister ist er noch nicht dazu gekommen, zu zeigen, was er auf diesem Gebiete zu leisten imstande wäre. Schwere Aufgaben erwarten ihn jetzt: die Reform der Finanzen und zunächst die Vertretung Deutschlands im Endkampf um die Reparationen im Haag, wo er neben dem Reichsaußenminister Dr. Curtius deutscher Hauptdelegierter sein wird. Der Reichskanzler Hermann Müller und der gleichfalls dafür genannte Reichsverkehrsminister Dr Stegerwald haben, wie man hört. nickt die Abnckt. der Delegation
Reichèwirlschasisminifter Robert Schmidt.
Reichsftnanzmlnister Moldenhauer, bisher Reichswirlschaflsminister
anzugehoren. Dagegen dürften nock Dr. Wirth und auch Dr. Schacht als Hauptdclegierte in Betracht kommen.
WirtschafiSminister Schmidt
gehörte früher der Reichsrcgicrung schon wiederholt an. ^cr jetzt 66jährige Schmidt wurde bereite- m Weimar Ernährungsminister, dann unter den Kanzlern V auer, Hermann Müller, Wirth Wirtschastsminkster: dem von Stresemann gebildeten ersten Kabinett der Großen Koalt- tion gehörte er als Wiedcraufbauminister und stellver- treter des Kanzlers an. Robert Schmidt gehört zu den ältesten Mitgliedern der sozialdemokratlschen b-rattton des R-KtaseS. in den er zum erstenmal im Fuhre 1893 gewählt wurde.
Landwirlsvrganisalion in Schleswig- Holstein.
Vereinigung.
Die Vertrelerversanimlung des Schleswig-Holsteinischen^ Bauernbundes und der ProvinzialauSschuß des Landbnndes Schleswig Holstein haben die Verschmelzung der beiden Organisationen beschloffen. Der Vorstand der neuen EinheilsorggnisiNion wird von den Vorständen der allen Organisationen gebildet. Die Bureaus und die Zeitungen bei Organisationen werben zusammengelegt. Der Schleswig Holsteinische Bauernverein, welcher schon früher die grundsätzliche Bereitwilligkeit zum Zusammen- schluß ausgesprochen hatte, ist unter den gleichen Bedingungen der Einleitsoraauisation bciactreten
Der Haager Konferenz entgegen.
Es wird nun Ernst mit der Haager Schluß- konferenz, wird Ernst mit dem H 0 u n g - P l a n. In Deutschland nicht nur überschattet er seit Wochen uno Monaten das politische Geschehen, sondern auch in andern, an ihm intereflssierten Ländern ist er das Hauptthema des politischen Debattierens und Handelns. Man hat sich dazu reichlich viel Zeit gelassen. Unerträglich viel Zeir jedenfalls für Deutschland. 1924 ging es schneller; damals war alles in sieben Monaten, von der Beratung der Sachverständigen bis zum 31. August, als der Deutsche Reichstag den Dawes-Plan nebst Turchführungs- gesetzen angenommen hatte, gemacht. Jetzt wird wohl der Jahrestag der Pariser Sachverständigenkonseren; erst wieder herankommen muffen, ehe der Poung- Plan bis zum letzten Punkt erledigt ist. Angeblich soll auf der Haager Schlußkonferen; für schnelle Abwicklung der Beratungen und Beschlußfassungen gesorgt werden. — aber das kann auch ein frommer Wunsch bleiben! Denn es ist doch noch so manche Streitfrage teilweise sehr wichtiger Art offen geblieben, hat man sich über noch so manches nicht einigen können — um als Beispiel nur die immer noch nicht geklärte Frage der „Ostreparationen" Ungarns, Bulgariens und der Kleinen Entente zu erwähnen —, so daß die Tinge vielleicht doch nicht so glatt gehen werden, als die beteiligten Mächte es angeblich durchsetzen wollen. Und schließlich ist es ja auch auf der ersten Haager ttonferenz zu den schwersten Streitigkeiten gekommen, obwohl der Sachverständigenbericht fertig vorlag.
Man wird in Deutschland nicht die Augen davor verschließen, daß auf der kommenden Schlußkonferenz die taktische Lage der deutschen Delegation nicht sehr günstig sein wird. Man hat die Kuh, die man kaufen will, in Deutschland recht stark gelobt. Außerdem sind „die noch zu lösenden Fragen", die von der ersten Haager Konferenz zu weiterer Behandlung herausgehoben wurden, inzwischen in einem Sinne gelöst worden —Polenabkommen, deutsch-belgischer Markvertrag —, der in manchen Kreisen Mißstimmung hervorrief. Auch hierüber ist im Reichstag die Debatte fast ganz vermieden worden: alles soll erst behandelt werden, wenn die Haager Konferenz vorbei ist und der Ko ung-Plan dann in seiner endgültigen Form auch dem Deutschen Reichstag zur Ratifikation vorgelegt wird. Dann aber bleibt nun immer noch das große Fragezeichen, wie und — ob er funktioniert, wie seine Rückwirkungen auf Deutschlands Wirtschaft. Währung und Finanzen sein werden. Auch über diese endgültige Form des Planes besteht noch keine restlose Einigkeit zwischen Deutschland und der Gegenseite, so z. B. über die Art der Garantie, die mittels der Reichsbahneinnahmen geschaffen werden soll; auch ist das schwierige Kapitel, wie und wann nun eigentlich der „Übergang" vom bisherigen zum neuen Zahlungsplan erfolgt, noch nicht geklärt — und gerade hier besitzt die Gegenseite angesichts der deutschen Finanz- kalamitäien ein starkes Druckmittel. Lange genug haben ja in Paris die Vertreter all der großen und kleinen Gläubigerstaaten zusammengesepen, um sich über ihr tat« tisches Verbalten im Haag Deutschland gegenüber einigen zu können So wird z. B. die Verhandlung über die Räumung des Saargebiets vermutlich erst weil später beendet sein, als man die Dauer der Haager Konferenz abschätzt; mühsam genug guâlten sich diese Besprechungen vorwärts und werden dadurck nickt erleichtert, daß dieser Gegenstand immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen in der Französischen Teputicrtcnkammer führte und führt.
Wir Teutsche gehen als Schuldner nach dem Haag in eine Versammlung unserer Gläubiger, die im Besitz der Macht find. Und die auch gar nicht danach fragen, ob wir gern oder ungern zahlen. Wir haben eben zu zahlen. Und man würde sich auf der Gegenseite nicht weiter lange besinnen, eine etwaige deutsche Weigerung mit Gegenmaß- regeln zu beantworten. Was eine Taffache ist, von Deutschland darum in die politische Rechnung eingesetzt werden muß. Tie Annahme des Tawes-Planes erfolgte unter weit stärkerem Druck; denn damals standen die Franzosen und die Belgier an Ruhr und Rbein, blieben ein ganzes Jadr lang dort auch noch stehen. Jetzt regiert, wie 1924, derselbe Mann in England, Macdonald: er leitet ein Kabinett der Arbeiterpartei. Manches bat sich in der politischen Weltkonstellation verschoben, trotzdem ist der Weg von der ersten Haager zur Schlußkonferenz für Teuffchland mit Unerfreulichkeiten gepflastert. Auch in den kommenden Konferenztagen wird eS vermuflich daran nicht fehlen.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Der Papst hielt eine größere Weihnachtsrede, in der er in verschiedener Hinsicht Krittke» an der italienischen Innenpolitik übte.
* Die Sowjetregierung übernahm ans Ansuchen Amerikas die Suche nach den verschollenen amerikanischen Sibiriensliegern.
• Lin größerer Teil des Weißen Hauses in Washington, des Wohnsitzes des Präsidenten Hoover, wurde durch Feuer zerstört.
* Gegen den Präsidenten von Argentinien wurde ein Attentat verübt. Der Präsident blieb unverletzt, mehrere seiner Begleiter wurden getötet.
* In Chabarowsk fand Sie erste Besprechung zwischen d«« qiaesischcn d'plomat'schen Vertreter Tjchai und dem neuer»»»», trn sowittrusfifchen Verwaltungsdirektor der Ch'nefischea Ost. bah», Rudyj, und seinem Stellvertreter Deniffow statt.