Zul-aer /lnzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- und Haunetal ♦ Iulöaer Kreisblatt
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Fulda, Montag, 30, Dezember
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6. Jahrgang
Sentschlandr Vertreter im Haag.
AzeSchlußkonferenz zumIoung-plan
Reichsbankpräsident Dr. Schacht bleibt fern.
In einer Kabinettssitzung der Reichsregierung wurde die Liste der deutschen Abgeordneten für die am 3. Januar beginnende zweite Haager Konferenz, die den Abschluß- strich unter die Abmachungen der ersten und unter die endgültigen Vereinbarungen über den Young-Plan ziehen soll, ausgestellt. Die deutsche Delegation besteht aus dem Neichsausjenminister Dr. Curtius, dem Reichsminister für die besetzten Gebiete, Dr. Wirth, dein Reichsfinanz- minister Dr. Moldenhauer und dem Reichswirt- schaftsnlimstcr Robert Schmidt. Diesen Hauptvertretern ist eine Anzahl von Sachverständigen beigeordnet, deren Führung der Sachverständige während der Pariser Verhandlungen, Melchior, übernimmt. Reichsbankpräsident Dr. Schacht gehört der Delegation selbst nicht an.
Auf seinen Vorschlag wird das Mitglied des Vorstandes der Neichsbank Geheimer Finanzrat Dr. Vocke die Delegation begleiten. Nur falls Fragen der Internationalen Neparationsbank besonderer Bearbeitung im Haag unterliegen sollten, soll Dr. Schacht sich ebenfalls nach dem Haag begeben. Des weiteren gehören der deutschen Abordnung an: vom Auswärtigen Amt Staats sekretär von Schubert und die Ministerialdirektoren Gaus und Ritter, vom Rcichsfmcmzministcrium Staatssekretär Schäffer und Ministerialdirektor Dorn, vom Ministerium für die besetzten Gebieie Ministerialdirektor Miller, von der Reichskanzlei Staatssekretär Pünder und von der Presseabteilung der Reichsregierung Ministerialdirektor Zechlin.
Das auffälligste an dieser Veröffentlichung ist wohl der Umstand, daß Dr. Schacht selbst offiziell der deutschen Delegation nicht angehört. Es sollen bei dem Beschluß des Kabinetts die Meinungen in den Vordergrund getreten sein, bei Abwicklung des Gesamtproblems des Young- WiWj^ IMleinc . i k s ch e Frage und diese könne verantwortlich nur von den politischen Instanzen entschieden werden. ' Der Reichsbankpräsident gehöre nicht zu den Trägern der politischen Verantwortung. Wie in politischen Berliner Kreisen verlautet, habe Reichsbankpräsident Dr. Schacht die Teilnahme an den Haager Verhandlungen von der Festlegung auf seine bekannte Denkschrift abhängig gemacht und somit für die deutsche Delegation eine gebundene Marschlinie verlangt, die das Reichskabinett nicht zu akzeptieren gewillt gewesen sei. Bei dieser Konstellation habe Dr. Schacht sich andererseits nicht entschließen können, sich mit der Verantwortuna für das Haager Ergebnis zu belasten.
Das Arbeitsprogramm
im Haag umfaßt insgesamt 13 Punkte, die vorher offen geblieben sind und jetzt abschließend behandelt werden sollen. In erster Linie stehen darunter r.e Zahlungstermine und ihre Verbindung mit der Zinsberechnung für die deutschen Zahlungen, ferner die Sachlieferungen, die Franc der Ostreparationen, die Befugnisse der Re
Amerikas neuer Botschafter.
S ch u r m a n s Nachfolger.
Senator Frederic Moseley Sackett ist zum Botschafter der Bereinigten Staaten in Berlin bestimmt worden. Er ist seit 1925 republikanische Senator für Kentucky, von Beruf Rechtsanwalt und war früher u. a. Präsident d-s Board of Trade in Louisville sowie Dirck ter der Zweigstelle der Federal Reserve Bank nt Louisville.
Frederic Moseley Sackett ist ein intimer Freund des Präsidenten Hoover, mit dem er während des Weltkrieges die Ernährungsorganisation durchführte. Er wurde im Jahre >868 in Providence geboren. Nach Ablegung des juristischen Staatsexamens auf der Harvardunrversttat betätigte er sich als Anwalt. Im Jahre 1897 wurde er Syndikus verschiedener Industrie- und Bankfirmen. Er gilt als hervorragender Finanzsachverständiger, seit dem Jahre 192p ist er Senator und einflußreiches Mitglied des Finanzausschusses.
Das neue polnische Kabinett.
Unter Bartels Vorsitz.
Der Staatspräsident in Warschau hat die ihm von Professor Bartel vvrgelcgte Ministerliste angenommen und die E^ennungsdekrete für die Mitglieder des neuen Kabinetts unterzeichnet. _ m ~ r
Dem neuen Ministerium, an dessen Spitze Professor Bartel als Ministerpräsident tritt, gehören an:. «n- minister Jozewski, Außenminister Zaleski K"egsmmlster Marschall Pilsudski, Kultusminister Aerwmskt, è dustric- und Haudelsminister Ktoat!»i^ Agrarreform Staniewicz, Minister für öffentliche Arbeiten Mamkiewicz, Arbeitsminister Prystor, Verkehrsmini, n Kühn, Post- und Telegraphenmtmster Boerner, außerdem gehören dem Kabinett Drei Leiter W•f -' Finanzministerium Matuszewski, das JUsfiznuniste • Dutkiewicz und das Landwirtschaftsmunsterlum m hörige Untcrstaatssekretär Leèniewski.
Wilhelm Maybach gestorben.
Stuttgart, 30. Dez. Oberbaurat Dr. ing. e. H. Wilhelm Maybach, Gründer der Maybachwerke und Mitbegründer der Daimler-Moloren-Gesellschast, ist hier am Sonntag früh im cklter von 84 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit gestorben.
Parationskommlsston. Da die Konferenz vermutlich längere Dauer in Anspruch nehmen wird als bis zum 13. Januar, an welchem Datum die Völke i b u n d r a t s- tagung in Genf beginnt, werden gegebenenfalls andere Persönlichkeiten mit der Vertretung der Mächte in Genf betraut werden.
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Schäffer Staatssekretär im Reichsfinanzministerium.
Der Reichspräsident hat den Ministerialdirektor im Reichswirtschaftsministerium, Schäffer, als Nachfolger des ausgeschiedenen Staatssekretärs P 0 P i tz zum Staatssekretär irrt Reichsfinanzministerium ernannt.
Schäffer steht im 41. Lebensjahre und soll ohne Parteibindung der politischen Linken angehören. Er war zunächst im Reichswirtschaftsministerium tätig, leitete
Rheinminister Wirth. Reichsautzenminister CurtiuS.
von 1922 ab, besonders während des Ruhrkampfes, die Industrie-, seit Ende 1923 die volkswirtschaftliche Abteilung. In dieser hat er sich vor allem mit Geld-, Bank- und Börsenfragen, mit Kartell- und Versicherungsproblemen beschäftigt und schließlich auf dem Gebiete der Kohle und der Elektrizitätsversorgung gearbeitet.
GhrisiltchsozLaler Bolksdiensi.
Der Zusammenschluß.
' In gemeinsamer Sitzung haben Vertreter des Christlichen Volksdienstes und der Christlichsozialen Reichsvereinigung aus ganz Deutschland den Zusammenschluß beider Bewegungen unter dem Namen „Christlichsozialer Polksdienst" beschlossen. Der Reichsvorstand setzt sich aus den Herren Bausch, Mitglied des Württembergtschen Landtags, Hartwig, Mitglied des Reichstages, Hülser, Mitglied des Reichstages, Kliesch, Mitglied des Preußischen Landtages, Kling, Mitglied des Württem- ^ergischen Landtages, und Sinzendörffer-Stuttgart zusammen. Die neue Vereinigung tritt mit einer Kundgebung im Herrenhause zu Berlin, in der eine program- matische Erklärung erlassen wird, an die Öffentlichkeit.
Christlich-sozialer Aufruf.
Auf dem Boden des heutigen Staates.
Der neugebildete Christlichsziale Volks, d i e n st veranstaltete in Anwesenheit fast sämtlicher Abgeordneten der Deülschnationalen Arbeitsgemeinschaft im ehemaligen Preußischen Herrenhaus zu Berlin eine Gründungskundgebung.
Reichstagsabgeordneter Hülser verlas den vom Christlichsozialen Volksdienst beschlossenen Aufruf. Darin wird zunächst darauf verwiesen, daß der Christliche Volksdienst und die Christlichsoziale Reichsvereinigung sich im Christlichsozialen Volksdienst zu gemeinsamem Dienst am deutschen Volke vereinigt hätten, um die Kräfte des Evangeliums im öffentlichen Leben wirksam werden zu lassen. Die verheerenden Auswirkungen eines ungerechten Friedensvertrages bedrohten die staatliche und wirtschaftliche Eristcnz Deutschlands aufs schärfste. Nach innen verzehren Parteihader und rücksichtslose Jntercsscnkämpfe die wertvollsten Kräfte. Die öffentliche Meinung, Die Grundlage der staatlichen Willensbildung, wird geformt von einer Presse, die weithin unter dem entscheidenden Einfluß von der im geheimen wirkenden Geldmächte steht, c^n dieser Stunde höchster Not rufen wir unsere evangelischen Volksgenossen auf, in unsere Reihe zu treten und sich auf den Boden des heutigen Staates zum Dienste an unserem Volke zur Verfügung zu stellen. Nur in der entschiedenen Abwendung vom heutigen innerlich faulen Parteiwesen kann der politische Weg zur Rettung gefunden werden.
Erwachendes Asien.
Für die Zeiträume, mit denen man in der asiatischen Geschichte zu rechnen gewohnt ist, sind dreißig Jahre nur eine kurze Spanne. Und vor dreißig Jahren, beim Boxeraufstand, lag das Chinesische Riesenreich hilf- und wehrlos zu den Füßen der europäischen Großmächte, der Union-, Japans. Jeder fast riß sich einen mehr oder weniger großen Fetzen vom Leib der Beute. Und jetzt? Zwar muß die chinesische Nationalregierung in Nanking es immer noch dulden, daß England in Schanghai, in Hongkong, andererseits Japan in Korea und in der Mandschurei sitzen —, aber sie hat doch jetzt mitgeteilt, daß sie einseitig die Ausnahmerechte von Angehörigen jener Mächte auf chinesischem Boden mit dem 1. Januar aufhebt, die sich bisher noch nicht mit der Beseitigung dieser „Kapitulationen * einverstanden erklärt haben. Einige, z. B. Deutschland, haben dies nämlich bereits getan, weil Nanking es als eine unbedingte Voraussetzung für den Abschluß eines Handelsvertrages forderte, daß der Vertragspartner auf alle Sonderrechte dieser Art verzichtete. Ob die chinesische Regierung mit ihrer Erklärung z. B. gegenüber England und Japan aber auch durchdringt, ist eine reine Machtfrage —, wobei daran erinnert werden soll, daß der erste asiatische Staat, der diese „Kapitulationen" mit einem Federstrich beseitigte, die T ü r k e i gewesen ist. Damals nämlich, als sie mit den griechischen Truppen jeden „Einfluß" einer europäischen Macht aus dem Lande hinausgefegt hatte und nun die Macht dazu besaß, auch die Fesseln der „Kapitulationen" mit dem siegreichen Schwert einfach zu durchhauen.
Man wird in London und Tokio sich wohl kaum ruhig verhalten, wird protestieren, wird drohen, besonders, da die Schwierigkeiten der Nankingregierung bei den wirren Zuständen im Innern Chinas sehr groß sind. Und die von der Erklärung der chinesischen Negierung betroffenen Mächte haben Mittel und Wege genug, jene Schwierigkeiten hinten herum noch beträchtlich zu vergrößern —, aber ob sich diese Bewegung des „erwachenden Astens" jetzt noch wird aufhalten lassen, nachdem sie schon so viele Siege errungen hat,,erscheint doch recht zweifelhaft. Auch China ist längst nicht mehr der Koloß auf tönernen Füßen wie einst.
Dafür aber wankt der Boden in Indien. Auch diese „größte Perle in der Krone des englischen Königs" ist gefährdet. Nach langem Sträuben hat das Mutterland dieser Kolonie ziemlich weitgehende Selbstverwaltungsrechte einräumen müssen, als mit und nach dem Weltkrieg ein Erwachen durch Indien ging, die Freiheitsbewegung immer höhere, gefahrdrohende Wellen schlug. Schon gibt cs ein indisches Parlament — nur hat es nicht viel zu sagen. Und seit Jahren ist eine Kommission, die sich aus Engländern und Indiern zusammensetzt, in langwieriger Arbeit damit beschäftigt, die Voraussetzungen für eine Verfassungsreform in freiheitlicherem Sinne zu prüfen. Da aber hat vor kurzem der indische Teil dieser „Simons"- Kommission, ohne die andern zu fragen, einen Bericht veröffentlicht, an den sich eine Reihe verfassungsreformerischer Forderungen schloß. Was verlangt wurde, war, auf eine kurze, knappe Formel gebracht: Indien erhält die Stellung, die Rechte eines englischen Dominions, soll nicht mehr Kolonie bleiben. Also: Selbstverwaltung, eigenes Heer, eigene Gesandten, zum Beispiel beim Völkerbund, und so weiter, geradeso wie Kanada, Australien, Neuseeland, Südafrikanische Union, Irland. Diese Veröffentlichung erfolgte, kurz bevor der All- indische Kongreß unter der Leitung des bekannten nationalistischen Vorkämpfers der Inder, G h a n d i, zusammengetreten ist. Er hat jene Forderungen ausgenommen und er mag daran denken, daß die jetzige englische Arbeiterregierung unter Macdonald ja auch in Ägypten die dort einst usurpierten englischen Rechte sehr weit abgebaut hat. Darüber hinaus verlangte auf diesem Kongreß ein Antrag sogar die völlige Unabhängigkeit Indiens von England. Und so zugespitzt ist die Situation, daß die indischen Führer mit dem Vizekönig in Delhi nicht einmal mehr verhandeln wollen; auch hier stößt Macht auf Macht, denn die Indier wollen als Kampfmittel eine nicht unwirksame Waffe, den passiven Widerstand und den Boykott gegen englische Waren, gebrauchen. Mit schwerer Sorge blickt man von London aus hinüber.
Es gärt in Asien. Der Selbständigkeitsgcdanke ist in diesen Völkern nicht bloß erwacht, "sondern zu starkem Leben gediehen; und er rüttelt an den Ketten, die ihm Europas Macht angelegt hat.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Das Rcichskabinett hat die Abordnung für die am 3. Januar beginnende Zweite Haager Konferenz bestimmt. Die Hauptvertreter Deutschlands sind die Reichsminister Dr. Curtius, Dr. Wirth, Dr. Moldenhauer und Robert Schmidt.
* Zum Nachfolger des aus dem Reichsfinanzministerium ausgeschiedenen Staatssekretärs Popitz hat der Reichspräsident den Ministerialdirektor im Reichswirtschaftsministerium Schäffer berufen.
* Von der „Acroarctic" wird berichtet, daß die Pvlarfahrt des „Graf Zeppelin" voraussichtlich im Jahre 1931 stattfinden werde.
* Der Fliegerkapitän Riijer-Larjen von der „Norwegia"- Expedition teilt mit, daß er am Südpol Neuland entdeckt habe.
* Nach Berichten der Times-Korrespondenten in Washington und Tokio herrschen in amerikanischen und japanischen amtlichen Kreisen ernste Bedenken gegen das französische Flotten-
" Schwere Schäden, die der gestrige Sturm ungerichtet hat. werden von Hamburg sowie der West- und Südwcstküste Frank- reichs gemeldet. In England, wo durch den Sturm ein Haus in Manchester einstürzte, sind Tote und Verletzte zu verzeichnen