Zul-aer Anzeiger
erscheint feSm Werktag. Bezugspreir: monat- Üch 2 Mark. Bei Lieferungsbehinüerungen durch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen Sem Bezieher keine Ansprüche. Verlag KrieSrich Ehrenklau, Aulüa, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsver. leger. Postscheckkonto: Zranksurt a. M. He-16004
Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg Zulöa- unü Haunetal »Julöser Kreisblatt Reöaktlon unS Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 ♦ §ernfprech-Rnfch!uß Nr.-S- Nachdruck der mit * versehenen NrUkel nur mit tßyeUenangobe .Zulöaer findiger 'gegattet.
Mzeigenpreis: $ür SehSrden, Genossenschaften,Banken usw. beträgt die Kleinzeile 0.30 Mk., für auswärtige Auftraggeber 0.25 M?., für die Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0 15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mark < Bei Rechnungsstellung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfolgen * Tag- und Platzvorschriften unverbindlich.
Nr. 2 — 1928
Fulda, Dienstag, 3. Januar
5. Jahrgang
Kleine Zeitung für eilige teste
* NeichsarbettSminister Dr. Brauns vollendet «m 3. Farmar sein 60 Lebensjahr
* ön Der öfterrèichifch-ungarischen Grenze ereignete sich ein ernstlicher Zwischenfall, als ungarische Bahnbeamte gewaltsam einen sni Ungarn bestimmten Waffentransport den österreichischen Zollbeamten wegnahmen. den diese pflichtgemäß aufhalten wollten
* Der amerikanische Staatssekretär Kellogg soll eine ausflibr-- liche zustimmende Antwort aus Die Friedenspaktvorschlag« Frankreichs nach Paris gesandt haben.
* Eni Heiliges Gefecht fand in Nikaragua durch Truppen der Vereinigten Staaten gegen Streitkräfte deS liberalen Präft- dcnlschafrstandHaten stau.
Friede und Freiheit.
Von Frieden und von Gerechtigkeit ist gar viel die Rede gewesen in den Ansprachen offizieller und offiziöser Art, die beim Jahresbeginn von den wohlvorbereiteten Manuskripten abgelesen wurden. Fast ein »venig allzu» viel: denn es geht dem Frieden und der Gerechtigkeit ge- I rüde so wie — dem bekannten Worte gemäß — einer
Frau: jene ist die beste, von Ler man am wenigsten spricht. Der Reichskanzler hat ja in seiner Rede ws- W^ nigftenS der Deutschen gedacht, auf denen immer noch der Druck der Besatz»ngstruppcn lastet, und der Reichspräsident hat ebenso den wirklichen Frieden für unvereinbar erklärt mit der Tatsache, daß die Besatznngs- Lruppen fremder Militärmächte noch aus deutschen Boden stehen. Wir wissen ja, daß diese Proteste und Hinweise an der Tatsache selbst nichts ändern und daß wir nur hoffen können aus den Lag, da Deutschland« Boden wieder frei geworden ist.
Das aber kann noch nicht unser letz tos Ziel sein. Wenn schon so viel von Frieden und Gerechtigkeit die Rede ist, so können wir Deutsche doch nimmermehr versessen, daß den Deutschen jenseits d e r G r e n- z e n Friede und namentlich Gerechtigkeit ein ganz unbe- M. JtiiÈite-£?äiM Fsrrcu ku drknß^ in SÜL-
tiM und ferner im jetzt rumänischen Banat, in Pân und der Tschechoslowakei, im Westen wie im Norden — überall gibt es für die Deutschen tonen Frieden, kröne Gerechtigkeit. Es ist wie eine Stimme in der Wüste; wenn einmal eine englische Zeitschrift auf den Wahnsinn der deutschen G r e n z g e st « l t n n g im Osten hSnweist, auf den unerträglichen Pfahl im deutschen Wersch, den der „polnische Korridor" darstellt. Wenn in jener englischen Zeitschrift der Vorschlag gemacht wird. der HSlkerbund solle die Sache in die Hand nehmen, so teilen wir den Zweifel, ob diese Institution, die ja extra zur Schaffung des Friedens und der Versöhnung zwischen dem Völkern eingerichtet ist, wirklich die Kraft dazu hat, in dieser Frage ihren Daseinszweck zu erfüllen. Gerade die Deutschen im Memelland haben es ja im vergangenen Jahre oft genug erfahren müssen, wie trügerisch die Hoffnungen sind, die sie auf Genf setzten. Ebenso ist's in Ostoberfchlesien, wo die Deutschen von neuem genötigt sind, in der Schulfrage wieder einmal an den Völkerbund zu appellieren.
England und Amerika sollten nach dem Vorschläge lener Zeitschrift die Regelung der Korridorfrage in die Hand nehmen, wenn der Völkerbund das zu tun nicht in der Lage fei. Aber — ist nicht gerade Polen der stärkste Posten in der antibolschewistkschen Politik Englands und auch Amerikas, das ja hierin dem englischen VstLer besinnungslos Gesellschaft leistet? Und hat nicht gerade Amerika jetzt wieder so viel Geld in das polnische G cj chäft zwecks Mütznng des Zlotys gesteckt, daß jede Hoffnung auf eine vernünftige Grenzziehung — bei der e» auf Polens Kosten gehen müßte — in eine noch weitere Zukunft verdämmern muß?
„Gewalt fährt auf der Straßen" sang einst vor 700 ^sioren^er deutsche Dichter Walter von der Boyelweide. Z^otz schöner Retzen ist's auch heute so bei den deutschen lenFrts der deutschen Grenzen. Noch immer besteht das Verbot für Deutschland und Deutsch-Österreich, den A u - I $1 u ß w t n e n zu erfüllen; wird mit größtem Arg- Wohn darauf gesehen, daß diese papierene Bestimmung auch dem Buchstaben getreu durchgeführt wird. Und wenn man an Sudtirol denkt, so gibt'es für jeden Deutschen : k nur ein bitteres, fast hoffnungsloses Achselzucken, wenn von Frieden und Gerechtigkeit gesprochen wird. Schwer, " ■ fast unmöglich ist es,.wenn wir dorthin schauen, an einen menschlichen Fortschritt glauben zu sollen, an „Gerechtig- kett und Liebe , von der in seiner Beglüâwünschungsrede als Vertreter des diplomatischen Korps der Nuntius Paeetti gesprochen hat. Der deutsche Reichspräsident er- widerte, daß ein wirklicher Friede auch die Freiheit begründen müsse — aber diese Freiheit wird auch im jetzigen Jahre für die Deutschen diesseits und jenseits der Grenzen eben nur eine Hoffnung bleiben und noch lange nicht Erfüllung werden.
âiands Erwariungen.
- Für Annäherung an Deutschland.
Frankreichs Außenminister Briand hat einem englischen Pressevertreter zum Jahreswechsel seine Hoffnungen und Ziele für 1928 auseinandergesetzt. Der französische I ■ Staatsmann sagte dabei:
„Ich erhoffe für 1928 eine Weiterentwicklung der An- näherungspolrtik, die Stresemann auf deutscher und I i ch auf französischer Seite eingeleitet haben. Diese Politik ist viel kritisiert worden, aber niemand hat sie ersetzen können, denn das Streben nach Isolierung und Auf-
Der „ungesetzliche" Krieg.
NaRMch-ammkamsches
SonderabkoMMN?
^ Fortgesetzte Verhandlungen.
_ Mehrfach wurde in letzter Zeit abgeleugnet, daß auf die Anregungen zu einem besonderen Friedenbabkornmen durch Frankreich an die Bereinigten Staaten etwas wie ein Entgegenkommen in Washington erfolgt sei.
Nunmehr scheinen aber doch die Verhandlungen ernstere Gestalt anzunehmen. Wie aus Washington gemeldet wird, hat Staatssekretär Kellogg dem französischen Botschafter in Washington nunmehr einen ausführlichen Vertragsvorschlag übermittelt, der den Krieg zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten unmöglich machen soll. In einem Begleitbrief gibt Kxllogg der Hoffnung Ausdruck, daß nach der Unterzeichnung eines solchen Vertrages auch andere Länder dem Pakt beitreten würden. Er stimme mit Brèand darin überein, daß es notwendig sei, jeden möglichen Krieg zwischen beiden Ländern für Ungesetzlich zu erklären.
Die offiziellen Washingtoner Kreise erörtern den Vorschlag des Staatssektetä'ks"Kellogg lebhaft und erklären, der neue Pakt könne eine ebenso große Bedeutung Haben wie das Völkerbundstatut und wie der Vertrag des internationalen Schiedsgerichtshofes. Der Plan sei von Kellogg in Zusammenarbeit mit der Auswärtigen Kern- Mission des Senats ausgearbeitet worden.
Der Lnhatt des Ber-iragseniwArfes.
Rach den Angaben amerikanischer Blätter hat der Entwurf zu dem Pakt folgenden Inhalt:
1. Frankreich und die Vereinigten Staaten verpflichten sich, sämtliche Meinungsverschiedenherteu einer inter-
Ästung biS zum Maximum ist keine Politik. Gewiß könnte Frankreich seine Bewaffnung verstärken und den Wunsch zeigen, daß es von einer Zusammenarbeit mit dem Gegner von gestern nichts mehr hören mit!. Aber wohin würde das führen? Unvermeidlich zum Krieg! Kriege hervorzurufen ist sehr leicht, sie zu vermeiden, kst schwieriger. Der große Vorzug deS Paktes vsn Locarno besteht darin, daß Frankreich mit England, Italien und Deutschland einen Vertrag abgeschlossen hat, der die jetzige Grenze garantiert. Durch diese Grenze wird Frankreich in einer Breite bis zu 100 Kilometer geschützt, da das Rheinland auch nach der völligen Räumung entmilitarisiert bleibt und der Kontrolle des Völkerbundes untersteht. Der Durchmarsch von Truppen durch dieses Gebiet würde einen Kriegsfall schaffen, der den Llpparat des Locarnovertrages in Tätigkeit setzen würde."
In einer Betrachtung über das abgelaufene Jahr schreibt das Mittagsblatt „Paris Midi": Den deutsch- sranzösischen Beziehungen kommt in der Friedeusfraae sine grundlegende Bedeutung zu. Zweifellos ist die Annäherung zwischen beiden Ländern seit Thoiry etwas stationär geblieben. Aber das Jahr 1927 hat trotzdem die Rückkehr Deutschlands in das europäische Konzert gebracht. Der Beitritt Deutschlands zum Völkerbund hat sich als ein Erfolg erwiesen und es ist Reichsaußen- minister Dr. Stresemann gelungen, selbst die deutschen Nationalisten für seine Politik zu gewinnen. Deutschland hat pünktlich seine finanziellen Verpflichtungen erfüllt, die ihm der Dawes-Plan auferlegt. Die Zeit ist sicher nicht mehr fern, in der man zur Räumung des linken N h e i n u f e r s gelangen und zur endgültigen FestsctzunK der dentschen Schuld schreiten wird.
60. Geburtstag des HeichsarbeitsministerS
Dr. Brauns.
Am 3. Januar vollendet der ReichSarbeitsminister fir. Dr. jur. h. c. Heinrich Brauns das 60. Lebensjahr. $r. Brauns wurde in Köln geboren, wo er auch das Äpostelgymnasium besuchte. Er studierte katholische Theologie in Bonn und Köln und später Nationalökonomie und Staatsrecht in Bonn und Freiburg im Breisgau, wo er im Jahre 1905 zum Doktor der Staatswissenschaf- ten promovierte. 1921 tour De er von der Universität Köln zum Dr. jur. li. c. ernannt. Von 1890 bis 1895 war Brauns als Kaplan in Krefeld, von 1895 bis 1900 als Vikar in Borbeck bei Essen tätig. 1900 wurde er Direktor in der Zentralstelle des Volksvereins für das katholische Deutschland in München - Gladbach und Leiter der dortigen Organisationsabteilung sowie der volks wirtschaftlichen Kurse
des Volksvereins. Dr. Brauns gehörte der vcrsauun^
uanonaren Schkevsgerichtsrommission zum Schiedsspruch zu unterbreiten. 2. Meinungsverschiedenheiten juristischer Ordnung, die den Vertrag selbst nicht betreffen, sollen, dem ständigen Haager Weltgericht s h o s oder einem anderen Gerichtshof unterbreitet werden, über den die Parteien sich einig werden müssen. 3. Der Schiedsvertrag ist bei folgenden drei Möglichkeiten nicht anwendbar: a) bei Fragen, die sich auf Die innere Politik der beiden Unterzeichue»- länver beziehen, b) wenn eine dritte Macht in die b»- treffende Angelegenheit einbezogen ist und c) wenn eS sich um Fragen handelt, aus die die Monroe-Doktrin angewandt werden könne.
Amerika soll weiter verlangen, dem Vertrag müsse auch die Ausdehnungsfähigkeit auf andere Mächte gegeben werden, was in Frankreich etwas verschnupft hat. Es wird das nicht offen zugegeben, ist aber doch au# den sichtlich zurückhaltenden Presseäußerungen deutlich zu erkennen.
Stimmen der Kritik.
Der Nuslandspolitiker ^es „Echo de Paris" will erfahren haben, daß der augenblicklich in Washington weilende amerikanische Botschafter in London, Houghton, nach seiner Rückkehr auf seinen Posten Verhandlungen über den Abschluß eines Friedenspaktes einleiten werde, über den im Augenblick Paris mit Washington »iëlutiert. Das Blatt nimmt an, daß hierbei auch die Frage des Rechts des neutralen Handels bei einem Seekrieg aufgeworfen werde, erklärt aber im übrigen, an dem Entwurf Kolleggs sei zu bemängeln, daß der Vertrag nicht ein französisch amerikanischer ble> den, sondern zu einem allgemeinen ausgebaut werden solle. „Echo de Paris" behauptet auch, daß Briand sich bereits wegen des Inhalts des Vertrages mir London in Verbindung gesetzt habe.
o^njawmsaae an WMW^^i!r.?.iiiWâ^"
gebenden Deutschen Nationalversammlung als Mitglied an und ist seit 1920 ZentrumSabgeoidneter im Reichstag. An ^er Spitze des Reichsarbeitsministeriiims steht der Jubilar seit Juni 1920. Schriftstellerisch betätigte sich Dr. Brauns vor allem auf dem Gebiete der Sozial- und Ätaatswiffenschaft sowie auf dem der ArbriterschutzeL
Snglifthe Unterseeboote mit Flugzeugen.
Gelüstetes Geheimnis.
Die britische Admiralität ist in einer gewissen Aufregung. Durch eine Veröffentlichung in der „London Gazette", nach der Piloten und Offizieren, die auf Unter» feebooten, die mit Flugzeugen ausgestattet sind, Dienst tun, eine besondere Zulage gezahlt werden soll, ist das bisher sorgfältig gehütete Geheimnis der Admiralität preisgegeben worden, daß englische Unterseeboote mit Waffe-flugzeugen ausgestattet worden sind. Diese Ankündigung hat in der englischen Öffentlichkeit lebhafte Beachtung gefunden und zu ausgedeynter Erörterung Anlaß gegeben. Die Admiralität hat es jedoch abgelehnt, irgendwelche Erklärungen hierüber abzugeben oder Einzelheiten zu veröffeutlicheu.
OesterreichiK-WMifcher ZiviKeufall.
Ungarn führt Maschinengewehre ein.
Am Ztrujahrstage ereignete sich an der Grenzstation Szent-Gotthard, der auf ungarischem Gebiet gelegenen Zollstation an der steierisch-ungarischen Grenze, ein Zwischenfall, der großes Auffehen hervorgerufen hat.
Mit einem Güterzuge aus Verona waren fünf Waggons eingetroffen, deren Ladung als „Maschinenbestandteile" deklariert war. Die Waggons enthielten aber, wie es sich herausstellte, zerlegte Maschinengewehre. Die österreichischen Zollbehörden verlangten nun, daß die Waggons nicht weitergeschoben würden. Trotzdem schoben die ungarischen Bahnbehörden unter militärischer Bewachung die fünf Waggons mit den Maschinengewehren weiter und traten den österreichischen Zollbeamten, die sie daran hindern wollten, mit Waffengewalt entgegen. Die österreichische Zollbehörde hat nach dem Vorfall Szent- Gottliard verlassen, so daß die Züge seitdem nicht mehr abgefertigt wurden.
Eins Gchlachi in Nikaragua.
Mit Truppen der Vereinigten Staaten.
Die ewigen Umtriebe in der mittelamcrikanischen Republik Nikaragua, bei denen btt benachbarten Vereinigten Staaten sich einmischen zu müssen glaubten, haben abermals zu einem blutigen Zusammenstoß geführt.
Der Parteigänger des liberalen Präsidentschaftskandidaten Sacaza, der General S a » d i n o , der das mit dem konservativen, von den Amerikanern unterstützten Präsidenten Diaz getroffene Abkvnnncn vom Sommer 1927 nicht anerkannt hat und seitdem gegen die Regierung und das amerikanische Landungskorps einen Guerillakrieg sührt, wurde von den Amerikanern angegriffen. Bei ihrem Vormarsch gerieten die Amerikaner in einen Hinterhalt und mußten sich zurückzrehcn. Als jedoch die Streitkräfte Sand mos im Laufe der Verfolgung in freies