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Zul-aer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- un- Haunetal »Julöaer Kreisblatt

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Nr. 3 1928

Fulda, MUtwoch, 4. Januar

5. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Mn der amerikanischen Öffentlichkeit wird die Gerecht-- gung der Forderung Hindenburgs in seiner Neujahrsredr a»s baldige Räumung des Rheinlandes anerkannt.

* Für .Hamburg sind die infolge der Entscheidung des Stao.sgerichishofs notwendigen Neuwahlen für die Buraer- schast aus den 19 Februar bestimmt worden.

* Der an der ungarischen Grenze ausgehaltene WaffsntranS- Port aus Italien soll für Polen bestimmt gewesen fein.

* Der litauische. Gouverneur des Memellandes hat zu Nm recht den Memelländischen Landtag für aeschlossen erklärt unt einen Termin zur Neueinberusung angesetzt. ~__ Ettu^aiE'.^SMS^^ ^»«^i,^^^

Der SeliogrOh von Enflsheim.

Gert dem Weihnachtsabend wird die Welt von den französischen Nachrichtenagenturen mit Nachrichten über Elsaß-Lothringen überschwemmt, welche die Ruhe der Völker vulkanisch erschüttern müßten, wenn sie wahr wären. In der Tat sind einige ausländische Zeitungen schon so weit gegangen, daß sie von einer ernsten und in den Folgen unabsehbaren Zuspitzung des deutsch-fran- zöfischen Verhältnisses phantasieren. Die französischen Nachrichtenstellen haben nämlich behauptet, daß die poli­tische Polizei bei den am Weihnachtsabend vorgenom- menen Haussuchungen in den Wohnungen der elsaß-loth­ringischen Heimatbündler einer breitverzweigten Ver­schwörung gegen die Sicherheit des Staatsbestandes Frankreichs auf die Spur gekommen sei. Man habe Be­weise gefunden, daß die elsaß-lothringische Heimatdewe^ gung vom Deutschen Reiche bezahlt und angestistet woe- den sei, man habe einen Aufmarschplan für ein bewaff­netes Losschlagen der Jungheimatbündler beschlagnahmt, und zwar hätte der Aufruhr gemeinsam mit den Kommu­nisten angezettelt werden sollen. Und mau habe schließlich in der Kirche oder im Pfarrhaus von Ensisheim die Be- waMüng für ZOO Heimatbündler, Gewehre und Palrs- non und einen Heliographen entdeckt.

Die letzte Nachricht klang besonders gruselig, weil sich .«°*- HM - w^â. Leser eine Verstellung machen können, wae sür ein furchtbares Ding das sei, ein Heliograph. Durch Die gesamte Weltpresse spukt dieser Heliograph von EnsiS- heim. Die ganzen Geschichten, mit denen man den Erd- kreiS in Aufregung zu setzen versucht hat, sind aber glatter Schwindel. ES gibt kein anderes Wort dafür, auch wenn amtliche französische Stellen die Urheber und Verbreiter sind. Richtig ist nur, daß ausgerechnet am heiligen Abend ein gewaltiges Aufgebot von Gendarmen und Geheim- polizrWt aus Jnnerfrankretch in Wsaß-Lochringen etn- geruckt ist und gleichzeitig an neunzig 3 teil es wenn diese französische Zahlenangabe richtig ist Haussuchungen abgehalten hat. Man drang in orotestantische und katholische Pfarrhäuser, m Schul­gebäude und Kirchen, in Geschäftsräume und Bürgev- wohnungen und beschlagnahmte alles, was man an Schriftstücken und Geld vorfand. Schriftstücke fand man ziemlich viel, weil man sich. in Elsaß-Lochringen nach deutscher Sitte gegenseitig Weihnachtsgrütze zuzuschicken pflegt, Geld dagegen war nur wenig greifbar, weil solches in mittelständischen Haushalten und bei Arbeitern nach Den Weihnachtssinkäufen ein rarer Artikel geworden ist Man sand weder die erwarteten Millionen aus dem Deutschen Reiche noch irgendeinen Anhalt für die gar nicht bestehenden Verbindungen zwischen den Autono­misten und deutschenVerbänden" oder Regierungsstellen.

Man fand auch keinen Aufmarschplan. Sondern das, was die französischen Nachrichtenzentralen zu einem solchen umfälschen möchten, ist ein gedrucktes, längst in Den Zeitungen veröffentlichtes Statut des Saal­schutzes der Heimatbündler. Nachdem diese vor einem Jahre, bei einem Kongreß in Kolmar, von or­ganisierten Banden der französischenCamelots du 110 i", die man zu diesem Zweck in einem Extrazug nach Kolmar geführt hatte, auf den Straßen überfallen und blutig mißhandelt worden waren, ohne daß die Polizei sie hätte schützest können, haben sie durch öffentlichen Auf­ruf einen Selbstschutz gebildet, und seither sind ihre Ver­sammlungen nicht mehr von gedungenen Leuten gestört worden.

Aber die Waffen! Der Heliograph! Mit den Waffen verhält es sich so: Im Katholischen Vereinshaus zu Ensisheim fand die französische politische Polizei dank ihrem ungeheuren Scharfsinn drei Theatergewehre, welche einer Kolmarer Kostümverleihanstalt gehören und vom St. Aloysius-Jünglingsverein bei einer Bühnenauffüh­rung verwendet wurden. Mit etwas weniger Scharfsinn hätte die Polizei sich diese drei Gewehre jeden Sonntag

, bei den Nachmittagsvorstellungen ansehen können, ohne eine nächtliche Haussuchung abzuhalten. Da der Fund von drei Spielzeugflinten denn doch zu blamabel war, so wurden zwei Nullen angehängt und 300 richtige Gewehre daraus gemacht, aus dem Katholischen Vereinshaus wurde die Kirche, und die schwärzeste Verschwörung war aufs schönste vor die Augen der gläubigen Nachrichtenleser gszaubert.

Daß diese dreihundert Gewehre die Sicherheit Frank­reichs bedrohten, stand aber ganz außèr Zweifel, bO' gleichzeitig mit ihnen ein Heliograph entdeckt worden ist. Darunter werden die meisten, die sich bei dem Ausdruck etwas denken konnten, einen L i ch t s i g n a l a p p a r a t verstanden haben, und so ist.der Zusammenhang klar. Die bösen Heimatbündler wollten mit diesem Heliographen zweifellos den preußischen Generalstab in Bertin davon benachrichtigen, wenn sie mit ihren dreihundert Gewehren Frankreich erobert gehabt hätten, was aber glücklicherweise durch die Wachsamkeir der französischen Polizei vereitelt worden ist. Nun bedeutet aberhéliogra^be" im Fran-

Amerika fèir Rheinlandrüumung.

Seutsthlands Sefteivng -

Europas Sicherung.

Zustimmung zu Hindenburgs Rede.

Zwei Dinge beherrschen zurzeit die öffentliche pol*» tische Aussprache in den Vereinigten Staaten die Neup jahrsansprache des deutschen Reichspräsidenten v. Hinden­burg mit der Forderung auf baldige Beseitigung der Rheinlandbesetzung und die französischen Vorschläge zum Abschluß eines amerikanisch-französischen Friedenspaktes.

Zu der Rheinlandfrage nimmt dieNew Vor? World" Stellung, indem sie erklärt, die meisten Amerikaner stimmten mit Hindenburgs Forderung auf die Beseiti­gung der Rheinlandbesetzung überein. ES sei schwer zu erkennen, welche Gründe zugunsten einer Verlängerung der Besetzung vorgebracht werden könnten. Die Angaben der französischen Militaristen über angebliche deutsche Gr- hrimrüstungen seien zusammengebrochxn; sie hatten mir in der Einbildung dieser Kreise bestanden. Je schneller die französischen Armeen den Rhein verlassen, desto besser werde es für Europa sein.

Die französischen Staatsmänner würden gut daran tun, sich an die Fehler der amerikanischen Nordstaaten nach dem Bürgerkrieg zu erinnern. Der Süden sei bereit gewesen, die Bitterkeit des Krieges zu vergessen, dagegen nicht die Demütigung durch eine lange Besetzung. Franr- reich begehe vielleicht jetzt einen ähnliche"» Fehler.

göstschen nicht nur einen im heutigen Zeitalter der Funken- telegraphie recht veralteten Apparat für Spiegelsignale, sondern auch ganz einfach jeden Vervielfältigungsapparat für ^.chrGWa^Mo ^;?irp£iap£^^

solch einen Vervielfältigungsapparat, mit dem der Katholische Jünglingsverein Ensisheinl seine Ein­ladungskarten herstellt, hat die französischs Polizei, der eben nichts verborgen bleibt, wirklichentdeckt" uns wahr­haftig auch beschlagnahmt.

Und da man den ersten Rachrichtenbetrug trotz ver Nachrichtenzensur und trotz der Postfperre. die wie in Krieaszeifen gegenwärtig über daS friedliche ReichSland verhängt ist, nicht lange aufrechterhalten kann, so ist man jetzt,' um der Welt eine neue Sensation zu bieten, zu Massenverhaftungen aller hervorragenden Heimatbündler geschritten. Nicht, weil man etwas Belastendes gegen st.e entdeckt Hat, sondern im Gegenteil, gerade, wett man gar nichts gegen sie zu enthüllen vermag, werden die Männer, Geistliche beider Konfessionen, Lehrer, Handwerker, Ar- Heiter, Geschäftsleute, in die Gefängnisse eingespcrrt, Männer, denen man nichts vorwerfen kann, alS daß sie sich für den Schutz ihrer deutschen Muttersprache in Schule und Kirche und für die Erhalturrg ihrer angestammten deutschen Art mit gesetzlich einwandfreien Mitteln öffent- lid) einaefebt haben.

Die Franzosen haben behauptet, daß sie den Krieg gegen uns geführt hatten, um dieelsaß-llothringische Frage" zu lösen, und zwar, trotzdem die Elsaß-Lothringer wiederholt durch ihr Parlament erklärt hatten, daß es sür sie keine elsaß-lothringische Frage mehr gab. Heute müssen die Franzosen selbst der Welt verkünden, daß es wieder eine elsaß-lothringische Frage gibt, eine gewaltige, alle Stände umfassende Volksbewegung, die sie nur mit Mitteln der bru­talen Gewalt noch im Zaume zu halten hoffen. DaS verkündet der Heliograph von Enstsheim allen Völkern, die Augen haben, zu sehen, und in Diesem Sinne ist dieser 'legendäre Heliograph doch zur Wirklichkeit geworden und sendet Blitzsignale über den ganzen Erdball. W, S.

Litauische Treibereien im Mmelgebiet.

Verhinderung der Landtagsarbeit.

Der Gouverneur des Memelgebietes gibt in einer Sonderausgabe ves Amtsblattes folgende Verordnung heraus:Auf Grund des Statuts des Memelgebietes . schließe ich hiermit die ordentliche Tagung des Landtages des Memelgebietes für das Jahr 1927 und setze für Den Zusammentritt zur ordentlichen Tagung im Geschäftsjahr 1928 den 23. Januar nachmittags 5 Uhr fest."

Tatsächlich besitzt der Gouverneur nur das Recht zur Schließung oder Vertagung außerordentlicher Sessionen. Ordentliche Tagungen sind der Willkür des Gouverneurs entzogen. Zu dem jetzigen Vorgehen wird bemerkt, daß so jede Arbeit des Landtages von der Gnade des Gou- »lerneurs abhängen würde.

Ksmödie um MaschiueugewshL'S.

Wem gehört die W a f f e n s c n v u n g ?

Der Zwischenfall an der österreichisch-ungarischen Grenze, wo fünf aus Italien kommende Waggons mit falsch deklarierten Maschinengewehren gewaltsam von ungarischen Zollbeamten von österreichischem auf unga- risches Gebiet geschoben wurden, wächst sich zu einer poli­tischen Komödie aus. Die österreichische Regierung gibt jetzt eine längere Darstellung des Falles, der zu ent­nehmen ist, daß in den Frachtbriefen als Aufgabestation

Kein Miseitiger Bntilriegspakt.

Die Vereinigten Staaten nur für gemeinsames Vorgehen.

DuS Washington wird gemeldet, daß der geplante Antlkriegspakt zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten nicht zustande kommen wird. Man erfährt von zuständiger Stelle, die amerikanische Regierung habe Frankreich davon Mitteilung gemacht, wohl bereit zu sein, mit anderen Großmächten einer gemeinsamen Antikriegs- erklärung beizutreten, daß sie jedoch nicht in der Lage ist dem Briaudschen Vorschläge zu folgen und einen zwei­seitigen Vertrag anzunehmen.

In Senatskreisen wurde erklärt, daß es sich nicht, wie in manchen Meldungen behauptet werde, um ein amerika­nisches Angebot eines Antikriegsvertrages handele, das Frankreich als unbesriedigend ablehnen könne. Das An­gebot sei vielmehr von Briand gekommen und das Staatsdepartement habe nach längerem Zögern seinen guten Willen dadurch bekundet, daß es einen Entwurf formulierte, der das darstelle, was die Vereinigten Staaten zugestehen könnten. Wenn Frankreich das nicht genüge, so fei es jedenfalls dem amerikanischen Senat ebenso recht, wenn kein Vertrag geschlossen würde, denn die Ver­einigten Staaten gewännen nichts durch solche Verträge, sondern legten sich vielmehr lediglich Bindungen auf, deren Tragweite größer fein könnte, als jetzt vorauszu- sehen sei. Von einem besonderen Freundschastsvertrag mit Frankreich könne keine Rede sein. Die amerikanische Regierung wäre der Ansicht, daß eine Erklärung gemein­sam besonders von den Vereinigten Staaten, England, Frankreich, Deutschland, Italien und Japan ab­gegeben werden sollte.

Verona, alS Bestimmungsort Slovensko Novemesto in der Tschechoslowakei angegeben war. Nach Ankunft des Zuges seien Stichproben unternommen worden, bei denen feftLetzrüt wprdr, daß Lie MsschtLengrwehrtrrle falsch deklariert waren. Da Der nach den österreichischen Vor­schriften für Durchsuhr von Kriegsmaterial erforderliche Waffenbegleitschein fehlte, wurde der Bunvesbahnver- treter von den österreichischen Zollbeamten ersucht, den Rücktransport Der Waggons auf österreichisches Gebiet zu veranlassen. Ein in Dieser Richtung unternommener Schritt deâ österreichischen Bundesbahnvertreters beim ungarischen Bahnhossvc-rstanv blieb ergebnislos. Die ungarischen Behörde vertraten hierbei den Siam» Punkt, daß den österreichischen Zollorganen ein Recht auf Zurückhaltung der Ware nicht mehr zustehe, Da sie sich bereits aus ungarischem Boden befinde.

Obgleich auch die ungarischen Behörden beteuern, mit der ganzen Angelegenheit nichts zu tun zu haben, ist man in der Tschechoslowakei auf Ungarn schlecht zu sprechen, da man dort annimmt, daß die Waffensendung für Ungarn bestimmt und die Adresse in der Tscheche ftowakei nur fingiert war. Die tschechische Presse verlangt eine strenge Untersuchung der Vorgänge in Ungarn unter internationaler Mithilfe. Man müsse unbedingt feststeüen, woher und von wem die Waffen nach Ungarn geliefert, werden. *

Nach den letzten Meldungen soll festgestellt worden fein, daß die Maschinengewehre für Polen bestimmt gs- wesen sein sollen. Jetzt wird sich wohl auch Warscha« noch in den Streit der Meinungen mischen.

Der Eid der Michswchr.

Verordnung be 3 Wehrministers.

Zum Jahresbeginn hat Reichswehrminister Dr^ Geßler eine neue Verordnung erlassen über die- Ver­eidigung der in die Reichswehr eintretenden Personen» Für den ganzen Standort hat bei der Einstellung und Vereidigung der Mannschaften eine gemeinsame Ver­eidigungsparade stattzusinden. Sie ist zu bilden bei mehr als zehn Freiwilligen aus einem Offizier, min­destens drei Gruppen und der Musik, sofern solche sich bei der Truppe am Standort befindet. Bei weniger als zehn Freiwilligen haben an der Parade ein Offizier und min­destens eine Gruppe im Dienstanzug, Helm und Kara­biner teilzunehmen. Die Musik spielt den präsentier* marsch, darauf weist der leitende Offizier auf die Bedeu- t"ng des Eides sowie auf die Berufspflichten des deut­schen Soldaten hin und hat dann den Mannschaften diè folgende Eidesformel vorzusprechen:

Ich schwöre Treue der Reichsversaffung und ge­lobe. daß ich als tapferer Soldat das Deutsche Reich und seine gesetzmäßigen Einrichtungen jederzeit schützen, dem Reichspräsidenten und meinen Vorgesetzten Gehor­sam leisten will."

Die Freiwilligen haben darauf die Hand zu erheben und den Eid laut nachzusprechen. Als Abschluß bringt der kommandierende Offizier ein Hoch auf das Deutsche Reich aus und die Musik spielt anschließend das Deutschlandlied.

Ein NLuss Ehrenzeichen.

Verleihung durch die Handelskammer.

Vom Industrie- und Handelskammerverband Nie­dersachsen- K affet ist beschlossen worden, ein tragbares Ebrenzeichen zu beschaffen, das auf der Vorderseite den Tank an den Jubilar, auf der Rückseite