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Zul-aer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg Zulöa- un- Haunetal »Zulöaer Kreisblatt

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Nr. 4 1928

FuLda, Donnerstag, 5. Januar

5. Jahrgang

Kleine Zeitung für eklige Leser

* Wegen der Ausschreitungen französischer Offiziere in Zweibrücken hat die französische Regierung bet der Reichs- regierung ihr Bedauern ausgedrückt, sich entschuldigt und Be­strafung der Schuldigen zugcsagt.

* Der amerikanische Staatssekretär Kellogg lehnte in einer Note Briands Vorschlag zu einem französisch-amerikanischen Fricdenspakt ab. erklärte sich aber zu weiteren Verhandlungen bereit, wenn das Angebot aus alle Großmächte ausgedehnt würde.

* Nach einem Kabinettsrat in Washington, wurde die weitere Entsendung von Unionstruppen nach Nikaragua aw- geordnet.

Neue Bündnisse.

ES riecht wieder einmal sehr stark nach Bündnissen. Anscheinend ist der europäische Friede derart stützungs- £6 .Zug, daß ihm nur Bündnisse helfen können, sollen ihm nid)t eines unschönen Tages die Flügelfedern aus- gerupft werden. Das reichlich unbehilfliche Instrument, Völkerbund genannt, genügt für diesen Zweck anscheinend denn doch nicht so recht und infolgedessen legt sich ein allmählich immer dichteres Bündnisnetz über Europa. Sogar nach Amerika hinüber sind Fäden vor» London her gesponnen worden unb jetzt munkelt man so allerhand von einem ewigen Friedensbündnis andere gibt es jo- überhaupt nicht und gab es nie, solange die Welt steht!, das zwischen Amerika und Frankreich abgs. schlossen werden soll. Soll aber ob es geschieht, ist noch lange nicht bestimmt. Bismarck hat einmal gesagt, daß das Prinzip eines jeden Bündnisses dasâv, ut des" sei, auf deutsch, daß jeder der beiden Vertragspartner von der Geschichte etwas hat. Weil nur gegenseitiger Vorteil einen wirklich festen K i t t hergeben kann, nicht aber noch so schön ziselierte und mit feierlichsten Versvrechun- gen begleitete Vertragsparagraphen. Nach den jüngsten Meldungen soll dieser französisch-amerikanischeNicht­angriffspakt" vorläufig noch sehr starkim. Zustand der Geburt" sein und man erst abzuwarten bat, was bei diesem Geburtsakl denn nun wirklich herauskommt. Es scheint damit noch recht lange Weile zu haben. Wenn nämlich jetzt Parker Gilbert, der Neparationsagent, in Paris weilt, nachdem er mit dem Staatssekretär des Auswärtigen in Washington und maßgebenden Finanz- leuten derU. S. A." Besprechungen gehabt hat, so mag er der französischen Regierung wohl auch fragend auf Lie Schultern geklopft haben:Wie denkt ihr über bie Bezahlung eurer Kriegsschulden an uns?" und das ist eine gar bittere Pille, von deren Bitterkeit übrigens vis Amerikaner ihren lieben Alliierten aus dem Welt­krieg durchaus nichts schenken wollen, namentlich jetzt, La die deutschen Reparationszahlungen so prompt und pünktlich in die Kassen unserer Gläubiger rollen. Aus bem amerikanisch-französischen Sonderbündnisses, das dann die Plattform für die Schuldenverhandlungen abgeben soll, scheint aber nichts so Rechtes werden zu sotten, und der Aankee besteht ebenso hartnäckig aus seinem Schuldschein wie Shylock imKaufmann von Venedig", besonders, da der französische Haushalt für 1927 infolge der reich­lichen Dawes-Zahlungen einen Uberschuß aufweist.

Ein neuer Faden spinnt sich auch zwischen R0m und Belgrad an. Man war sich ja bisher nicht sehr gewogen seit jenen Tagen, va Italiens zweitgrößter Mann, nämlich der Dichter Gabriele d'Annunzio, im Nebenberuf auch Kriegsheld, dereinst eigenmächtig, aber vergeblich nach der jugoslawischen Hafenstadt Fiume griff. Und Italien sich in Albanien immer fester in den Sattel setzte. Noch vor kurzem schien es ja, als ob wegen der alba­nischen Frage die Kanoniere hüben wie drüben hinter ihren schußfertigen Geschützen ständen, und das fran­zösisch-jugoslawische Bündnis wurde in Rom fast als Kriegsdrohung empfunden, besonders, weil man dort gegen dielateinische Schwester" alles andere als Zu Neigung empfand. Die Grenzzwifchenfälle häuften sich. Nun soll es zunächst einmal zwischen Rom und Belgrad anders werden. Albanien ist voch an Italien tatsächlich verloren, daran vermag die Regierung König Alexanders nichts mehr zu ändern. Warum soll man sich also weiter streiten? Lieber schließt man ein Bündnis, das in­folge oder trotz? der feierlichsten Versprechungen gerade und genau so lange halten wird, als die beider­seitigen Vorteile oder Machtverhältnisse dies für not- wendig erachten lassen. Sicherlich keinen Augenblick länger.

Dann soll ja auch noch die in Genf unter sanftem englischen Druck vorbereitete Anbahnung eines besseren Verhältnisses zwischen Paris und Rom erfolgen. Frank­reich ist ja die Großmutter dieser ganzen Bündnispolitik, die sich freilich in einer Zeit etwas sonderbar ausnimmt, La man den Völkerbund als den Großvater dieses Treibens bezeichnen kann.

Stra-verfchren mit politischem Einschlag.

Verfügung des preußischen I u st i z m i n ist e r s.

Aus einer allgemeinen Verordnung des preußischen Justiz? ministeriums ist zu entnehmen: . r ~ ,

ergibt sich Grund zu der Annahme, daß eine Strafsache wegen ' der Persou oder der Stellung der Beteiligten oder wegen der Art oder des Umfangs der Anschuldigungen das Interesse weiterer Kreise erregen oder politrsche-Bedeutung ge­winnen, insbesondere parlamentarische Erörtern n- g e!'. bcrdorrufcn wird, so ist dem Iustizministcr ohne Rücksicht âuf den Stand des Verfahrens alsbald Mitteilung zu machen. Es muß in solchen Strafsachen nach Möglichkeit vermieden werden, daß hinsichtlich wichtigerer Maßnahmen das Justiz­ministerium vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Die Staats-

Aerikli s« olicitiitn Attitriegrrektriig.

Kein Sondekbiindllis mit Fraskreich

Kelloggs Note nach Paris.

In Washington wird der Text der Note veröffentlicht, die Staatssekretär Kellogg als Antwort auf das An­gebot Briands zu einem Friedenspakt zwischen den Vereinigten Staaten und Fra» kreich nach Paris gesandt hat. In überaus höflichsu Formen lehnt Kellogg darin das Ansinnen Briands ab, mit Frankreich eine besondere Abmachung zu treffen, bringt dafür aber den Vorschlag, alle Großmächte sollten sich zu einer Erklärung gegen den Krieg vereinigen.

Wörtlich heißt es in der amerikanischen Note: Die beiden Regierungen sollten, statt sich mit einer zwei­seitigen Erklärung von der Art, wie Herr Briand sie vorschlügt, zufriedenzugeben, in viel bedeutsamerer Weise zur Sicherung des Weltfriedens berrtagen können, indem sie sich in den/ Bemühen vereinen, den Beitritt aller Großmächte der Welt zu einer Erklärung zu erwirken, in der dem Kriege als einem Instrument der nationalen Politik entsagt wird. Eine solche Erklärung tonnte, wenn sie von den wichtigsten Mächten der Welt unterzeichnet würde, nichts anderes als ein eindrucks­volles Beispiel für alle übrigen Nationen der Welt sein, und es wäre denkbar, daß sie diese Nationen dazu bewegen könnte, ihrerseits dasselbe Dokument zu unterzeichnen und dadurch z w i schen allen Mächten der Welt eine Verabredungvoüiommenerju machen, die bis jetzt nur für Frankreich und die Vereinigten Staaten an­geregt wurde.

Nachdem Kellogg noch darauf hingewiesen hat, daß die französisch-amerikanische Freundschaft nicht vom Ab­schluß eines Friedenspaktes abhängig sei, schließt er mit der Erklärung, er sei bereit, Verhandlungen mit Briand über einen solchen allgemeinen Vertrag aufzunehmen, der alle Großmächte der Welt einbeziehen würde und von allen Regierungen unterzeichnet werden könnte Den Ent­

9er AWMrWr DenWKh-MiWlâ.

Ein Drei-Mmuten-Gespräch kostet 330 Mark.

Die zwischen dem deutschen Reichspostministerlum und England schon seit Aufnahme Ws englèsch-amcrika- nifcOen Fernsprechverkehrs eingeleiieleu Verhandlungen, diesen Dienst auch für Dentschlauv zur Verfügung zu stellen, sind soweit fortgeschritten, daß in Kürze mit dem Abschluß derselben gerechnet werden kann. Die

außerordentlich komplizierten Anlagen,

.die riesige Unterhaltungskosten erfordern, sind natürl-ch auf die Kostenberechnungen der Einzelgespräche von maß­gebendem Einfluß, so daß zurzeit ein normales Drei- Minuten-Gespräch in England 15 Pfund kostet. Ob­wohl über Lie Kostenberechnung eines transatlantischen Telephongesprächs zwischen Berlin und Newhork über England noch keine feststehenden Tarife bekannt sind, kann man doch die in England gültigen Sätze als Grundlage einer Tarifberechnung betrachten, so daß die Grundgebühr eines Drei-Minuten-Gesprächs rund 300 Mark betragen würde.

Da eine Verbindung zwischen Berlin und Newvork bei btr komplizierten Umleitung natürlich eine weit größere Vorbereitungszeit gebraucht als eine einfache Kabelperbinduug, fallen die hierdurch entstehèndeu Son­dergebühren ins Gewicht. Wie verlautet, wird aber1 hier­für voraussichtlich eine Pauschalregelung getroffen wer­de«, die eine Erhöhung des Gesprächs um 10 Prozent be­dingt, so das; zünr Beispiel ein Televhongespräch zwischen Berlin und Newvork bei drei Minuten Dauer etwa 330 Mark kosten wird.

KmnZösischs EZlischuOigMH m ârlm.

Bedauern wegen der Vorfälle in Zweibrücken.

Die französische Regierung hat nach Untersuchung der durch französische Offiziere herbeigeführtcn Vorgürlge in Zweibrücken der deutschen Ncichsrcgierung ihr Be­dauern zum Ausdruck gebracht und strenge Bestrafung der Schuldigen zugesichert.

Nach den nunmehr vorliegenden amtlichen Feststellun­gen über die von etwa 20 französischen Offizieren be­gangenen' Ausschreitungen in der Nacht zum 30. De­zember sind von mehreren deutschen Polizeibeamten (bte aber gemäß dem Rheurlandabkommen gegen Offiziere nicht cinschreiten dürfen) wie auch von deutschen Zivilpersonen beobachtet worden. Die Ruhestörer wurden zunächst auf

anwaltschasi hat daher, soweit es mit dem Interesse der Straf­verfolgung vereinbar ist, vor eingreifenderen Entschließungen über die beabsichtigten Schritte zu berichten.

In Strafverfahren gegen Reichs - oder Landtags- a b geordnete ist dem Justizminister sofort, nötigenfalls telegraphisch, zu berichten, wenn während der Sitznngsperiooe Les'Reichs- oder Landtags der Abgeordnete von der Staats­anwaltschaft vorläufig festgenommen, wenn Hasibefehl gegen ihn erlassen oder wenn die Verhaftung gegen ihn vollzogen mirb. In gleicher Weise ist zu berichten, wenn in einer Straf­sache die V 0 r s ü h r un g eines Abgeordneten angeordnet oder vollzogen wird.

wurf eines solchen Vertrages sollten bie Vereinigten Staaten und Frankreich dann gemeinsam den übrigen Nationen unterbreiten.

Veriragseniwurf.

Zu gleicher Zeit mit der Note Kelloggs wurde noch nach Paris der Entwurf eines Vertrages gesandt, der an die Stelle des am 27. Februar ablaufenden französisch- amerikanischen Schiedsverlrages treten soll. In dem Vorwort des Vertrages befindet sich der Vorschlag einer allgemeinen Erklärung gegen das Hilfsmittel des Krieges. Eure Abschrift des Vertrages wird an die britische und die japanische Negierung übermittelt und wird vielleicht jeder anderen Regierung übermittelt werden, mit der die Ver­einigten Staaten den Rootschen Schiedsvertrag abgs- schlossen haben.

In Paris hat die glatte Ablehnung der Briandscheu Vorschläge durch Amerika natürlich große Enttäuschung hervorgerufen. Doch bemüht man sich, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, und stellt sich.einstweilen so, a's wenn Kellogg nur das ausgesprochen hätte, was man in Paris anfänglich schamhaft verschwieg.

Frünzösifche Antwort.

Außenminister Briand hat dem amerikanischen Ge­schäftsträger in Paris die Antwort der französischen Re­gierung auf die letzte Washingtoner Note überreicht. Die sranzösische Regierung erklärt sich m t bem Prinzip der amerikanischen Anregungen als Grundlage für kommende Verhandlungen einverstanden. Ein direkter Einwand gegen die amerikanischen Vorbehalte wird nich: erhoben. Dagegen verlangt man die nähere Erläuterung einiger Punkte. Vor allem möchte die französische Regierung wissen, was eintreten würde, wenn der Amerikanische Senat sich weigern würde, einen Schiedsspruch bei . Hnager Gerichtshofes eher einer anderen ge- wühUen SMedsbehörde zu raufrztersn.

der Herzogbrücke von zwei deutschen Polizeibeamten be­troffen, wie sie aus einer Kindertrompete bliesen. Dann rissen sie Warnungstafeln ab und zogen hierauf zum Bismarck-Denkmal, wo sie über die Umzäunung stiegen und das Denkmal beschmutzten. Außerdem haben sie das Denkmal mit Flaschen, be^rfen. Ein Ruhestörer stieg auf den Sockel und hielt Ansprache in französischer Spracht Dann sangen die Offiziere das'Deutschlandlied undIch hatt' einen Kameraden" in deutscher Sprache. :Auf dem Marktplatz erfolgten weitere Ruhestörungen, nachdem sie auf dem Wege dorthin an vielen Hünsert». Klingeln und Firmenschilder abgerissen hatten. Die Platz, kommandantur erläßt zu diesem Zwischenfall eine Er­klärung, wonach kein Deutscher von den Offizieren fest- genommen und in der Kaserne festgehalten wurde. Der .Kesselschmied August Sand, der vor der deutschen Unter- snchungsbehörde diese Angabe unter Eid gemacht hatte, wurde wegen. Meineides verhafte«

Amerikas Krieg in Meragna.

Weitere Truppensen düngen.

Unter dem Vorsitz des Präsidenten Coolidge fand ein Kabinettsrat in Washington statt, der die Entsendung weiterer StreitkrüftL nach Nikaragua bcschlcß. Man mißt also den Verwicklungen, bei denen amerikanische Sol­daten einfach fremdes Gebiet okkupierten, doch wohl größeres Gewicht bei, als die Newyorker Blätter cs zuerst wahr haben wollten.

Ein Brigadegeneral ist nach Nikaragua entsandt worden, der an Stelle des bisher dort kommandiercn^en Obersten die Leiwng des Feldzuges übernehmen soll. In­

zwischen sino amerikanische Verstärkungen im Kampf­gebiet eingetroffen: andere sind dorthin in Marsch gesetzt. Marincministcr Wilbur hat den Befehl gegeben, daß