Arl-aer Anzeiger
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Nr. 5 — 1928
Fulda. Frettag, 6. Januar
5. Fahrgang
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Nach einer Veröffentlichung des Statistischen Reichsaml»S beträgt die Höhe der gesamten Verschuldung Deutschlands an das Ausland etwa 10 Milliarden Goldmark, denen ungefähr ;; Milliarden Guthaben entgegenstehen.
* Im Berliner Osten ist ein Haus durch eine Explosion eiw- Ssstürzk. Sieben Todesopfer wurden bisher verzeichnet.
* Aus Washington kommen Nachrichten über amerikanische Pläne zu einer Konferenz, die das internationale Kriegs- schuldenproblem regeln soll.
* Die Besatzung des gesunkenen Unterseebootes „S. 4" ist jetzt t o t geborgen worden. __
M-Heidelberg, du seine!
In Heidelberg wird man sich freuen, denn biß 400 000 Dollar, die dieser Universität der amerikanische Botschafter in Berlin, Schurman, versprochen hat, wer-- den ihr hochwillkommen sein. Und wenn es sich zeigen sollte, daß recht viele Amerikaner „ihr Herz in Heidel« berg verloren" haben und dies „praktisch" betätigen, so werden wir Deutsche neben dem Gefühl der Dankbarkeit 'ür die Spende auch ein wenig stolz darauf sein dürfen, d^ß der Botschafter seinerseits diese Stiftung als einet» Abdruck der Dankbarkeit demgegenüber bezeichnete, was alles gerade der deutschen Wissenschaft und der deutschen , Universität Amerika schuldet. Wir können es uns also orts vielen Gründen gefallen lasten, daß sich dieser Daut in eine solche Form" kleidet, wie sie der Botschafter verheißt.
Solche Spenden sind ja in Amerika selbst durchaus gang und gäbe: man kennt ja Die riesigen Stiftungen, die von den amerikanischen Millionären besonders den Universitäten zugewandt werden. Es brauchen ja nicht immer die edelsten Beweggründe zu sein, dre dabei mit- sprechen: meist liegt eine gewisser Snobismus, eine Sensationshascherei darin, der Wunsch, Namen Les Spenders und Höhe der Stiftung in der Zeitung «b- gesrückt zu sehen. Daß eine solche gerade nach Heidel- berg gelegt wurde, findet seine Erklärung in der sehr stark feru -mental angehauchten Sehnsucht nach etwas, toaë ^»«»Mpèvir. * - ^H« . »r s WNHS» Lsti i,^; .,.: ^. . i . ,i.4^^*f ttC».*, TräditiM und Romantik.
Aber in Deutschland ist unter der Not der Zeit die blaue Blume dieser Romantik ebenso fast verdorrt wie die von finanzielle» Sorgen gehemmte Arbeit der Wissenschaft. Gottlob ist es nicht mehr ganz so schlimm wie in dèn Zeiten der Inflation, als beispielsweise die Platintiegel der chemischen Laboratorien besonders be- gehrte Diebstahlsobrette waren. Aber auch jetzt noch reichen die Mittel, die der Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden können, längst nicht aus, ist etwa das Kaisec-Wilhelm-Jnstitut oder das Institut' für Kohle- forschung kaum lebensfähig, wenn deren Arbeit nicht auch dorr der deutschen Industrie unterstützt würde. Auch den Universitäten ist der Gürtel ziemlich eng geschnallt, sind die meisten Stiftungen, die frühere Geschlechter au und für Universitäten errichtet haben, bis auf geringe Reste fortgespült worden. Nicht anders geht es den wissenschaftlichen Instituten wie den Bibliotheken, Museen usw. Ihre Leiter müssen sich geradezu als finanzielle Genies betätigen, um mit den beschränkten Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen, auch nur das dringend. Notwendige zu decken.
Ein wenig liegt das alles auch an bem veränderten Geist der Zeit, der das heute Notwendige über das erst morgen Wertvolle stellt. Der außerdem Stadien und Sportplätze weit lieber errichtet, als die still und ohne Rücksicht auf den Tageslärm arbeitende Wissenschaft reich. Ucher zu unterstützen. Der Kunst geht es übrigens ebenso. Beide gehen nach Brot und darum tun es auch ihre „Lehrlinge", die Studierenden. Auch hier ist die Zeit des „Werkstudenten" — und wie viele waren das nicht? —, den uns auch die Inflation bescherte, zum großen Teil, aber keineswegs ganz überstanden; viele warf sie aus ihrer Laufbahn heraus. Und wenn jetzt wohl an den Universitäten mehr gearbeitet wird als früher, wenn die fröhliche Studentenzeit jetzt zu einer barten Arbeitszeit geworden ist, so steht dahinter die bittere Notwendigkeit, baldmöglichst zum Abschluß, zur Erlangung einer Lebensstellung zu gelangen. Die Gründe hierfür noch besonders anzufübren, erübrigt sich wohl, und wenn die Amerikaner uns wohlwollend Stiftungen zukonunen lassen, so können wir ruhig daran denken, daß wir ja doch gezwungen fhib, gewaltige Summen hinzu geben. Hoffentlich aber kommt endlich auch einmal die Zeit, daß wohlhabende Kreise in Deutschland dem amerikanischen Beispiel nachahmen. Der deutschen Wissenschaft kann es ja gleichgültig sein, wenn ihr aus diese Weise Mittel nur aus menschlich-allzu-menschlicken Gründen zur .Verfügung gestellt werden.
Tschechoslowakei.
X Die Waffenschiebung. Der Zwischenfall in Sankt Gotthard an der österreichisch-ungarischen Grenze mit den Maschinengewehren hat einen lebhaften Meinungsaustausch zwischen den Staaten der Kleinen Entente zur Folge gehabt. Nach Mitteilung von zuständiger Stelle wird die tschechoslowakische Regierung erst nach dem Ew" treffen genauer Nachrichten endgültige Entscheidungen treffen. Einige Blätter erheben heftige Angriffe gegen Ungarn und fordern diplomatisches Einschreiten. " Die polnische Regierung teilt offiziell mit, die von der ungarischen Negierung ausgestellte Behauptung, daß die ‘ von Italien abgesandien und nach Ungarn gehenden Waffen- sendungen für eine polnische Adresse gewesen wären, sei Frei erfunden.
Die ExpWonskaèasèroAhe in Berlin.
Ein KM in die Lust gestoßen.
Zahlreiche Tote und Schwerverletzte.
Die Reichshauptstadt lag in tiefem Schlummer, als plötzlich im Osten der Stadt eine furchtbare Detonation gehört wurde. In der Landsberger Allee, ganz dicht neben dem Cchlachtvirhhof, stürzte ein Arbeiterwohnhaus durch eine heftige Explosion ein. Die Feuerwehr bekam von den Straßenpasianten sofort die Meldung: Hauseinsturz, Menschenleben in Gefahr! Als sie zu Hilfe kam, bot sich ihr ein entsetzlicher Anblick. Das Haus Lands
berger Allee Nr. 115 war nur noch ein sneckt barer Trümmerhaufen, der durch große S t i ch s! a m- m e n weithin sichtbar war. So war cs nicht möglich, den Verschütteten sofort Hilfe zu leisten, denn zunächst mußt--» sich die Wehr durch haß Feuer und die einstürzendm.- ‘ Bakke« und Steine einen Wsa zu den Verletzten bahnen.
HeuWands Verschuldung an dasAusland
10 Milliarven Schulden, 3 Milliarden Guthaben.
Das Statistische Neichsamt veröffentlicht die Ergebnisse seiner Untersuchungen über das deutsche Schuldner- und Gläuüigerverhältni-Z zum Auslande. Nicht berücksichtigt, weil nicht erfaßbar, sind in dieser Ausstellung die ausländischen Kapitalanlagen in Form von Aktien und Grundbesitzerwerb unb in Form von Beteiligungen an deutschen Unternehmungen. Auch hier handelt es sich nach Schätzungen des Reichs- nmtes um nicht unbeträchtliche Beträge, die für die Zahlungsbilanz von ebensolcher Bedeutung sind wie Anleihen und Kredite.
Das Reichsamt kommt aus eine erfaßbare Gefamtverschul- dung von 8,8 bis 9,3 Milliarden Mark (ohne die Dawes-Anleihe von 950 Millionen Mark). Davon entfallen 4,1 Milliarden aus langfristige, 0,1 Milliarden auf kurzfristige Anleihen, 4,5 bis 5 Milliarden auf kurzfristige Kredite (Waren- lredite usw.». Von den langfristigen Schulden entfällt fast die Hälfte auf die öffentliche Hand
Von den industriellen Unternehmungen hat sich hauptsächlich die S ch w c r i n d u st r i e an das Ausland verschuldet, während zum Beispiel Industriezweige wie die chemische und die Teriilinvustrie mit nur 13,5 bzw. 24,0 Millionen Mark Auslandsschulden belastet sind. Der deutschen Verschuldung stehen auch deutsche Forderungen an das Ausland «hauptsächlich Warenkredile) in Höhe von 2,7 bis 3 Milliarden Mark gegenüber. Die deutsche Zinslast aus der Auslandsverschuldung wird vom Statistischen Reichsamt auf 480 Millionen Mark (ohne die Zinsen für die Dawes-Anleihe) geschätzt, denen Zinsforderungen in Höhe von 75 Millionen Mark gegenüberstehen.
Mehners Aückinii.
Eitl neuer Senatsprästdent beim Reichsgericht.
Ziemliche Beachtung hat der gemeldete Rücktritt des Präsidenten beim Vierten Strafsenat des Reichsgerichts, Dr. Niedner, gesunden. Niedner hat kurz vor Neujahr seiit Abschiedsgesuch eingereicht mit einer Begründung durch Gesundheitsrücksichten, Dem Gesuch ist entsprochen worden. Niedner ist 65 Jahre alt. Seine Person trat in den letzten Jähren mehrfach bei Anlaß politischer Prozesse in Den Vordergrund der öffentlichen Diskussion.
Dr. Niedner wurde 1924 von Reichspräsident Ebert zum Vorsitzenden des Staatsgerichtshofes zum Schlitze der Republik ernannt, der nicht mehr besteht. Dr. Riedner war vorher Oberlandesgerichtsrat in Naumburg. Aus dieser Zeit stammt eine häufig zitierte Schrift über Die
Die großen Stichflammen konnte man überdies nicht bannen, da sie durch Gas, das den schadhaft gewordenen Leitungen entströmte, immer neue Nahrung er' - n
Um Mitternacht ereignete sich die Katastrophe und bis zum frühen Morgen währte es, bis die Leichen und die vielen Verletzten geborgen werden konnten. In Dem Unglückshaus wohnten nicht weniger als 27 Familien mit etwa 160 Köpfen. Acht Personen, meist im jugendlichen Alter, wurden bisher tot aufgefunden und über fünfzehn erlitten entsetzliche Verletzungen, so daß mit dem Tod eines Teiles dieser Armen gerechnet werden muß.
Die Ursache der Katastrophe
ist noch nicht geklärt. In den Kellerräumen des Hauses befand sich eine ausgedehnte Fleischkühlanlage einer Einkaufsgenossenschaft. Diese Anlage wird mit Ammoniak betrieben. Ammoniak ist im allgemeinen zwar ein schwer entzündbarer Stoff; wenn es sich aber mit Luft im Verhältnis von 1 zu 4 mischt, dann ist es ausgesprochen explosiv und kann beispielsweise durch einen Schalterfunken oder durch jede andere Zündquelle zur Explosion gebracht werden.
Wunderbare Rettung.
Die Löscharbeiten dauerten den ganzen Tag über an. Drei Feuerwehrleute wurden dabei ton den einstürzenven Balken verletzt. Die Rettung eines Insassen, Der unter Trümmern begraben lag, war dadurch möglich, daß sein H u n d am Leben blieb und die Feuerwehrleute zu seinem Herrn hinzog. Der erste Ruf dieses Mannes lautete: „Retten Sie meine Frau, sie liegt neben mir." Er konnte es aber nicht erkennen, daß sie nur als Leiche neben ihm lag. Derartige herzzerreißende Szenen spielten sich während der ganzen Rettungsarbeit ab. Ein junges Mädchen von acht Jahren, das sieben Stunden schwerverletzt und hilflos dalag, konnte schließlich noch lebend geborgen werden, ihre beiden Eltern sind tot. An den Auf- räumunggarveiten betesi cgicu sich euch zwei Hundertschaften Der Sckup», damit Die ReLtunsSarbeitrn beschleunigt werden konnten.
Die erste Hilfe.
Um der größten Nor abzuhelfen, hat die Stadt Berlin sofort 30 000 Mark für die durch die Explosion Geschädigten bereitgestellt. Eine derartige Summe reicht natürlich nicht aus und es bleibt dem privaten Lpferwillen über- lassen, die Geschädigten auszunehmen und ihnen Spenden zukommen zu lassen. Auf Postscheckkonto Berlin 26104 werden Beträge für die Opfer der Katastrophe in der Landsberger Allee auf Veranlassung des stellvertretenden Bürgermeisters Weber gesammelt.
Vor eineinhalb Jahren hatte sick in Berlin-Moabit eine ähnliche Katastrophe ereignet. Auch hier war die Ursache nicht ganz klar. Um so wichtiger ist es jetzt, die volle Wahrheit zu erfahren, damit die Bevölkerung wieder beruhigt wird.
Sozialisierung der Rechtspflege, die in den ersten Jahren nach der Revolution erschien und b"e vic.'fach angeführt wurde, wenn es sich um Entscheidungen unter Vorsitz Dr. Niedners handelte, die angefochten wurden, namentlich gegen Kommunisten.
Als Nachfolger Niedners nennt man seinen bisherigen Stellvertreter, Reichsgerichtsrat Lorenz, den Präsidenten des Fünften Strafsenats, Reichert, und den ehemaligen sächsischen Justizminister Bünger.
Internationale
KnLgsschulösNrsgrlNRg?
Amerikanische Pläne.
Sie Newyorker ernsthafte Presse beschsiftkot sich " Nachrichten ans WashrngtM, «ach denen . - T departement gegenwärtig einen Plan für eine umsm^T- Regelung der Reparationsfrage und der interalliierten Schulden vorbereite, der einer für die Mitte dieses Jahres einzuberufenden internationalen Konferenz vorgciegl werden solle. Der Schuldenregelungsplan des Staatsdepartements enthält den Blättern zufolge alS Hauptpunkte die Festsetzung einer endgültigen Gefauitjmnme der Reparationszahlungen, die beträchtlich niedriger alv die Summe der im Dawes-Plan vorgesehenen Zahlungen sein würde, den Verkauf großer Beträge von Obligationen z» sofortigen Leistungen an Frankreich, Berücksichtigung der britischen Ansprüche an Deutschland und Ausgabe neuer deutscher Obligationen zu Händen der Vereinigten Staaten zum Zwecke der Zahlung der interalliierten Schulden an Amerika.
1 Der ältere Plan des bekannten amerikanischen Bankiers Baruch, die deutsche Reparationsschuld an die Alliierten durch eine Schuld an amerikanische Privat- gläubiger abzulösen, wird damit in Verbindung gebracht und erneut aufgegriffen. Parker Gilbert, der bereits gelegentlich einer früheren.Reise sowohl mit Präsident Coolidge als auch mit Hanrelsminister Hoover die Angelegenheit besprochen habe, sei die trc'bendc Kraft. Der Baruchsche Plan, so heißt es in der Presse, regele zwar die Reparations- und Schuldenfrage, ohne aber Die Washingtoner Regierung als solche an den Reparations- Plan zu bindeu. Baruch erkläre, daß Deutschland niemals imstande sei, die am 1. Mai 1921 festgesetzten Betrage;