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^19 -1928

Fulda, Montag, 23. Januar

5. Jahrgang

Gröners Antritt - Geßlers Abschied.

Ikl Wechsel im

Rechswehnuitlisienmn.

Z Wei Min i st e r e r l a s sc.

Der Personenwechsel im Reichswehrministerium hat MWnmehr auch formell vollzogen. Sonnabend ver- Wedete sich der bisherige Wehrminister Dr. Geßler w seinen bisherigen Mitarbeitern im Ministerium mit M längeren Ansprache, in der er seinen Dank und seine Nennung aussprach. Der dienstälteste Osfizier der Mmacht, Admiral Zenke r, Kommandeur der Reichs^ Meine, antwortete darauf mit herzlichen Worten des Mauerns über den Abschied. Der neue Wehrminister total Gröner übernahm die Geschäfte ebenfalls, mit einer Ansprache an die versammelten Beamten und Merc.

Gröners Amtsübernahme

I tjab bei Minister der Wehrmacht durch folgenden Erlaß

I vekannt:

I Durch das Vertrauen des Herrn Reichspräsidenten

I«die Spitze des Reichswehrministeriums berufen, habe

- »itz heute die Amtsgcschâfte übernommen. In der festen - Urzeugung, daß unsere gemeinsame Arbeit, von rück- - taioieiu gegenseitigen Vertrauen getragen wird, rufe n ih allen alten und jungen Kameraden ein herzliches - » Waus zu. . .

n Der Reichswehrminister: Gröner.

. Dr. Geßler wird voraussichtlich zunächst eine längere »Oder Erholung auf seinem in Bayern gelegenen Gute H berkben.

t I Geßler an die Wehrmacht.

, I &i seinem Abschied richtete der scheidende Minister I r »»die Wehrmacht folgenden Erlaß:

4 M-èer'f RcichSprüsidcnt hat nur auf meinen Antrag ! I m Mied bewilligt und ich scheide mit dem heutigen Tage , I aus^rvi Amte.

r I M acht Jahre habe ich die Ehre gehabt, au der Spitze des . I Achswchrministeriums zu stehen; cs warm schwere Jahre

tau in ihnen war bie deutsche Entwaffnung nach dem Per- Antrag zu vollstrecken. Wir konnten in diesen Jahren t »Är auch Aufbauen und die gesetzlichen und organisatorischen hEiablagen für die junge deutsche Wehrmacht schaffen. Dentsch- , ^d Flotte sind wieder verwendungsfähig, im Jn-

e »«Auslande geachtet. Dieses Ziel wäre nicht erreicht worden, ich nicht in der hingehenden Arbeit aller Angehörigen I^^hrinacht eine so treue und unermüdliche Unterstü^ung »Anden. Dafür in dieser Stunde Dank zu sagen, ist mir ^ beste Kraft zogen wir alle aus der großen militärischcn »^mcstrung, die zu pflegen ich mich berufen fühlte, und bc- :*6 aus der Überzeugung, daß es Aufgabe des Soldaten alle Parteien hinweg, niemand zuliebe und niemand I mit dem Vaterland zu dienen.

tak bin ich darauf, so lange Jahre Reichswehrminister W^ru sein; aber am stolzesten darauf, daß sich in den ver- Jahren ein festes Band des Vertrauens mit Dffi« Ml^und Soldaten, Beamten und Angestellten kmlpftc, das, 7 ich. unzerreißbar ist.

Wk..^? und Marine rufe ich zum Abschied zu:Deutschland ' Es!" Der Reichswehrminister: Dr. Geßler. ,

Reichstag.

CB. Berli», 21. Januar.

t der Geltungsdauer des Meist- n Deutschland und Paraguay

I ^ ntymg.)

weiteren Verlängerung der

Ö zwischen Deutschland »nu

7" allen drei Lesungen zugestimmt.

L?li erste Lesung des Reichshaushaltsplanes wurde fort«

Müller-Franken sSoz.) wies daraus hin, daß nach z Mcldimg der Deutschen Tageszeitung Reichsminister von sJ.ytl aus der Tagung des Pommerschen Landbundes rn ",. "klart habe, man werde es verstehen, daß er es für 7,7 schalten habe, in diese Versammlung zu kommen K, 'c Grütze der Reichsregierung zu überbringen, als tm Äte sich anzuhören, wie er persönlich angegriffen werde. J77 hört, hört! links.» Ist dem Reichskanzler, so fragte ! /ebner, diese Äußerung des Herrn von Keudell bekannt? : .""langen, daß er sein Bedauern über die Herabwürhi- kjj"'b Berächtlichmachung des Reichstages ausspricht. V links, Lachen rechts.)

8"- Guërard lZentr.), ber baun das Wort erhielt, er» L^; hoffe, daß über das eben geschilderte Auftreten des kCT^inifterS von der Reichsregierung die Aufklärung

7 werde, die auch seine Fraktion verlange. Der Redner s! I. daß seine,Fraktion dem Etat mit einer gewissen ^le k.seg^ da die Ausgleich,mg nur möglich ?" aus eine immerhin etwas problematische Weise nur in Auswirkung besonders gunsttger .Umstande. I' tz^uanzminister müsse über das Etatssahr hinaussehen.

Einnahmezöllen, wie sie in den Etat eingesetzt seien, him» nc Fraktion skeptisch gegenüber. Diese Einnahmen K n i einem guten Drittel aus der Einfuhr von Lebens- ..... es nicht gelänge, die heimischen Erzeugungen, der Landwirtschast, produktiver M gestatten, mäßig erfreuliche Bild des Etats, soweit

fejÄÄS^^ij» »"»s«-». umsfraktion werde mit dem

Hieß, wüstesten Willen äußerster Sparsamkeit

1 ârÄtu> eintreten. Mit größter Gorge muffe man ' tilftem.;929 entgegensehen. Der Redner wandte sich dann ^t di "«"uen politischen Fragen zu. Ein tiefer Gegensatz ^natin ^^uhruugcn des sozialdemokratrschen und' des «'^ Redners durchzogen. Man utuüe anertcunen, S Älbemntratie int letzten Jahre im Reichstag erue aßtron actrieben habe, während im Preußischen

Tragische Aufgaben.

Geßlers und GrönerS RedeU.

Nunmehr wird der genaue Inhalt der Reden bekannt, die bei dem Amtswechsel tm Reichswehrministerium gehalten wurden. Dr. Geßler gedachte des Tages, an dem er vor -acht Jahren in das Ministerium gekomnren sei, allein und als ein Fremder. »Wo wir alle," fuhr Dr. Geßler fort,bedrückt waren von der Sorge um den nächsten Tilg, um die Erhaltung unseres Vaterlandes, dem heute wie damals doch von einem großen Teil unserer früheren Gegner höchstens soviel des Lebens gelüsten werden will, daß wir die Lasten, die uns ber Vertrag von Versailles aufgezwungen hat, leisten können. Vor uns stand die ungeheure Ausgabe, die tragische Aufgabe, die Auflösung des alten Heeres.

Tausende von pflichttreuen Soldaten, Offizieren und Be­amten mutzten ihren Abschied nehmen, die in der Inflation einem sehr unsicheren Schicksal entgegengingen, Männer, btc das Gefühl und das Recht hatten, zu sagen, datz sic in ver schwersten Zeit Deutschlands mehr als ihre Pflicht getan haben. Die Jahre gingen hin; jedes Jahr hat uns neue Sorgen, neue Probleme gebracht. Ich bitte, es nicht unbeschei­den zu nennen, datz ich das Gefühl habe, datz mich auch jedes Jahr mehr mit denen verbunden hat, die ich hier als meine Mitarbeiter in diesem Hause gehabt habe, saß uns das Gefühl geeinigt hat, an einer großen Aufgabe mitzuarbeiten, das Ge­fühl, daß wir alles Persönliche zurückstellcn und uns selbst- los in den

großen Dienst unseres deutschen Vaterlandes zu stellen haben. Und wenn ich heute aus Ihrem Kreise scheide, so scheide ich nicht als Fremder, sondern im G e f ü h l der Waffenbrüderschaft, der Freundschaft und Kamerad­schaft, die mich mit meinen Mitarbeitern verbindet. Das be­ruht auf Gegenseitigkeit, und aus dieses Gefühl glaube lch stols sein zu können. Kann es für einen Mann etwas Köst­licheres geben, als wenn er aus dem Amte scheidet mit dem Gefühl, seine besten Kräfte hingegeben zu haben, wenn er aber auch die Überzeugung hegen darf, daß sein Werk gefördert ist, dessen Grundstein er gelegt hat." v m ,

^ann übergab Dr Geßler fein Amt an den Relchswehr- nintifter Gröner Dieser dankte Dr. Geßler, bat ihn. ihm die langjährige Freundschaft zu bewahren, und fuhr bann fort:Vielen von Ihnen bin ich persönlich aus gemeinsamer Arbeit, anderen bin ich mindestens durch schlechtes oder durch besseres Renommee bekannt. Jedenfalls komme ich nicht in dieses Haus als ein Fremder und als einer, der ^hnen fern« steht. Denn

meine ganze Liebe galt immer unserer Wehrmacht bis zum heutigen Tage und von heute an erst recht. Es ist keine Kleinigkeit für mich, aus dem beschaulichen Dasein des halben Gelehrten wieder in die Öffentlichkeit und in bie Politik einzutreten Ich tue es aber gern, weil ich berufen bin durch das Vertrauen unseres Reichspräsidenten, unseres attverehrten und geliebten Generalfeldmarschalls. Das ist der Boden, aus dem ich stehe:

das Vertrauen Hindenburgs!

.Herr Minister Geßler hat ja schon an das Vertrauen appelliert, das Sie mir entgegenbringen werden Wir werden uns keuuenlernen, wir wollen gemeinsam unsere Schuldigkeit tun und Vertrauen zueinander haben, in voller Offenheit, und rch bin überzeugt, daß wir die gute Grundlage, die in der Zeit meines Amisvorgängers geschaffen worden ist, ansbauen, Weiter Erfolge erzielen werden, wenn wir geradeaus den Weg bei Pflicht gehen. Außerdem bräugt cs mich. Ihnen zu sägen, daß Sic mich als Kameraden betrachten sollen, und aus bem Gefühl der Kameradschaft heraus wird manche ^chwrc- ngfeü, vic entstehen konnte, leicht überwunden werden."

Landtag die dortige Opposition immer erneut zur Obstruktion bei wichtigen Gesetzesvorlagen gegriffen habe.

Das Zentrum lasse sich seinen Blick durch koaUtlonsmaplge Liebe nicht trüben und hätte immer auf die volle Frcchctt feiner Entschlüsse gehalten. Der Redner billigte btc vom Rcichsanstcnminister geführte 'Änfjcnyohht, die heute von cincr sehr großen Mehrheit des Volkes getragen werde. Gew,y sei Reif über manche Hoffnungen gefallen, die man nach Locarno, Genf und Thoirn hatte. Modi herrsche fremdes Milttar am Rhein. Eine Herrschaft, die sich nicht mehr rechtfertigen lasse.

Im Einvernehmen zwischen Reich und Preußen mußten die Hilfsmaßnahmen für die notlcibenbcn deutsären Geblttc durckyeführt werden. Dieses Eurvernchmen, so erklärte der Redner, habe man oft schmerzlich vermißt. Es sei nutzt ver­ständlich. daß der rechtliche Anspruch Preußens auf ben Srtz -m Reichsbahnverwaltnngsrat noch nicht erfüllt sei. Auch das Te- legrâmm des Rcichsinncnministers an die Studenten tm Zirkus Busch kann das Zentrum nicht billigen. Ein müßiges Beginnen sei es, einen Gegensatz zwischen ihm und Marx der- ausznfinden. Der Redner trat für baldige Beratung der Wahlrechtsinterpellation in Reichstag, ei^ um zu einer Ände­rung des Wahlshstems zu gelangen. Auch eine

Reform der parlamentarischen Arbeitsweise müsse durchgeführt werden. Der Redner sprach zum Schluß die Hoffnung aus, daß es gelinge, die großen m Arbeit be­findlichen Gesetzentwürfe zu verabschieden. . Die Herbei, führung des endlichen Schulfriedens für Deutsch- land sei das Ziel seiner Partei, wobei sie aus ihre grundsätz­lichen kulturellen Forderungen nicht verzichten könne.

Reichskanzler Dr. Marx

erklärte, er wolle gleich zu der Frage bezüglich des

Berwaltungsrates der Reichsbahn

Stellung nehmen. Wenn irgendwo, so sei die Reichsregierung gerade in dieser Frage loyal vorgegangen. Es wäre vielleicht besser gewesen, wenn diese Angelegenheit im Ausschuß erörtert worden wäre. Weil die Reichsregierung Wert daraus lege, daß diese Auseinandersetzung mit Preußen in durchaus ruhiger und,sachlicher Weise gelost werde. Die Reichsregierung hatte seinen Weg. den preußischen Wunsch, die durch den Reichs kauzlcr a. D. Dr. Luther besetzten Stellen sreizumacheir, zu er füllen Die Reichsregierung sei auch der Auffassung, daß, wenn Preußen dieser Anspruch zustehc, er ebenso den übrigen soge­nannten Eisenbahnländern Bayern, Württemberg und wachsen zustande. Sämtliche Herren hätten aber abgelehnt, au, ihre

Kleine Zeikung für eMge Leser.

* Der neue Reichswehrminister kündigte seine Amtsüber­nahme durch einen Erlaß an die Wehrmacht an, während Dr. Geßler sich ebenfalls durch einen Erlaß verabschiedete.

* Der Preußische Landtag hat feine Beratungen über den Etat 1928 bis zum 2. Februar vertagt.

* Die mitteldeutschen Metallindustriellen verfügten die Aussperrung der mitteldeutschen Metallarbeiter mit Wirkung vom 24. Januar ab.

Stellen zu verzichten, unter diesen Umständen tonnte eben Preußen nur nochmals den Staatsgerichtshos anrufen, damit dieser nun auch den Weg zur Erfüllung des preußischen An­spruches weist. Als der Kanzler sich daraufhin setzte, ertönten stürmische Rufe von links:Und Herr von Keudell?" Der Reichskanzler erwiderte daraus: Herr von Keudell werde selbst auf die ihm gemachten Vorwürfe antworten.

Abg. Dietrich-Baden , (Dem > erklärte, er könne nicht glauben, daß Herr von Keudell sich so geäußert habe, da er ja selbst Mitglied des Reichstages sei. Der Redner warf dem Finanzmiulster vor,, daß er einen Umweg gemacht habe. Erst hätte er die Finanzpolitik Reinholds getadelt und jetzt tue er dasselbe und schildere die Dinge so, wie sie sich auf Grund der Wirtschaftslage ergeben. Der Redner hält einen übertriebenen Pessimismus nicht für am Platze. Daß die Regierung führer­los sei, wisse man schon lange, aber daß es der Redner der Deutschen Voltspartei ausgesprochen habe, sei immerhin be­achtenswert. Die Länderkonferenz habe nichts Positives ge­bracht. Die Außenpolitik, so schloß der Redner, sei jetzt all­mählich für alle Parteien des Reichstages fest verankert. Be­züglich dèr besetzten Gebiete müsse man sich auf den Rechts­standpunkt stellen, daß die Besetzung beklommen unberech­tigt sei.

Rcichsinnenminister von Keudell

nahm dann unter lebhafter allgemeiner Spannung das Wort und erklärte, daß er es angesichts der großen Notlage der Landwirtschaft für notwendig gehalten habe, selbst an der Sitzung des Pommerschen Landbundes in Stettin teilzu- nehmen. Er hätte sich selbst über die Sachlage unterrichten wollen und dafür in Kauf nehmen müssen, auch einmal eine Sitzung des Reichstages zu versäumen, selbst wenn er dadurch dt die unangenehme Lage, gekommen sei, auf persönliche An­griffe selbst nicht sofort antworten zu können. (Lachen links.) Seme Äußerung fei im übrigen aus dem Zusammenhang ge­rissen und nicht richt:» wceoergegeben worden. Der Mrnrsrer erklärte weiter, eine Verächtlichmachung des Reichstages, dem er selbst angehöre, habe ihm durchaus fern gelegen. (Er­neutes Lachen links.) Auf Vorwürfe des Abg. Severing er­widerte der Minister, daß er bie Kürzung des Fonds zur Be- kämpsung des Alkoholmißbrauchs im Etat gleichfalls bedauere. Die Kürzung wäre notwendig gewesen, da mit den Sparsam- leitsmatznahmen des Finanzministeriums in erster Linie Zu- fchußlcistungen für die Länder getroffen werden sollten.

; Abg. Drewitz (Wirtsch. Vgg.) nahm die Finanzpolitik des früheren Finanzministers Schlieben gegen Angriffe der Sinsen in Schutz.

Abg. Drewitz wendet sich weiter gegen die Ausgabcnpolitik des Reichstages. Es sollte bestimmt werden, daß Mehrausgaben des Reichstages nicht nur der Bewilligung durch den Finanz- minister, sondern auch durch den Reichspräsidenten bedürfen. Die Angst der alten Parteien vor der Wirtschastspartei zeige sich in den Plänen einer Wahlrechtsverschlechterung.

Abg. Leicht (Bayer. Vp.) sieht in der politischen Aus­sprache den Auftakt des bevorstehenden Wahlkampfes. DaS gelte auch von manchen Rednern der Regierungsparteien, die den nötigen Takt und die nötige Loyalität hätten vermissen lassen. Die Lage der Landwirtschaft sei geradezu verzweifelt. Wenn ihr nicht geholfen werde, gehe das ganze deutsche Bolk mit ihr zugrunde. Zur Ausgabenpoliktik erklärt Redner, seine Freunde hätten den Wunsch, mit allen Völkern in Frieden und Freundschaft zu leben, auch mit Preußen (große Heiter­keit). Daß der Einheitsstaat sich wesentlich bitter stellen würde, fei noch gar nicht erwiesen. Der Redner schließt: Wir werden kämpfen für die Freiheit des Reiches, für die Selbständigkeit der Länder und für die Erhaltung der christlichen Kultur auf dem Boden der Bekenntnisschule.

Abg. Feder (Nalionalsoz.) erklärt, für seine Freunde komme der Einheitsstaat erst in Frage, wenn Deutschland die drückenden Lasten der Dawes-Verpslichtungen abgeworfen habe. Man solle Banken und Börse stärker besteuern.

Darauf werden die Verhandlungen aus Montag vertagt.

Wirffchastliche Vernunft.

Unsere wirtschaftliche Lage beginnt schon etwas kri- Asch auszusehen; die Meldungen über Rückgang des Ab­satzes auch im Innern Deutschlands häufen sich. Der Ab­satz nach außen hin ist ja leider schon seit langem ein Sorgenkind gewesen und es hat nicht den Anschein, als ob die Schwierigkeiten, die ihm entgegenstehen, in abseh­barer Zeit beseitigt werden können. Wenn jetzt auf der Taqung der Internationalen Handels­kammer, und zwar ihrer deutschen Gruppe, der Reichs- wirtschaftsminlster Dr. Curtius des längeren über diese Schwierigkeiten spricht, so muß er leider dabei sich begnügen, Wünsche und Hoffnungen und vieles nur zu berühren, was doch für eine günstigere Entwicklung unseres Außenhandels von allerwesentlichster Bedeutung ist. Der Präsident dieser Internationalen Handels­kammer, Pirelli, der zugegen war, hat ja das Ver­dienst, vor vier Jahren als Mitglied der Dawes-Kou»- Mission dabei mitgewirkt zu haben, daß eine wirtschaftlich finanzielle Frage und nur eine solche sind die deutschen Zahlungen an die alliierten Mächte aus dem Bereich des .Politischen herausgeholt worden ist und jetzt rein wirtschaftlich behandelt wird. Bedauerlicherweise gibt es aber, solche politischen Tendenzen überall in der Welt, die die wirtschaftliche Entwicklung beeinflussen, in bestimmte Bahnen dränqcn »vollen, um sie höher zu führen. Dr. Curtius stellt dem.die Notwendigkeit gegenüber, in solchen Fällen doch recht genau zu prüfen, ob diese politische Be­einflussung Wirtlich die Früchte zeitigt, die man zu er­langen borst. Oder nm ein praktisches Beispiel zu