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Fuldaer Anzeiger

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Fulda, Montag, 27. Februar

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5. Jahrgang

Italiens Drohungen nach Wien.

-Ser Streit um Südtirol.

[ Der Wiener italienische Gesandte nach Rom berufen.

Die italienische Aufregung wegen der berechtigten jMerung der österreichischen Regierung, den Klagen der kstsMerung über ihre Unterdrückung durch Italien Ein- W .s gebieten, nimmt groteske Formen an. Im Lande »Amis schäumt man wieder einmal über vor Ent- Lteg. Der italienische Gesandte Auriti in Wien hat | M seiner Regiernng den telegraphischen Auftrag er- F MM unverzüglich nach Rom zu reisen, wo er am i NiÄi vom Ministerpräsidenten Mussolini empfangen I tote wird, um ihm persönlich über die Kundgebungen kiÈrrcichischen Nationalrat Bericht zu erstatten. Der lief* reiste alsbald ab. Einige römische Blätter kMD bereits von einer dauernden Abberufung zu be- lriArn, In Nom gebärden sich hauptsächlich die faschisti- lsilM Kreise so, als ob unmittelbar ein Heereszug über den Wremer und Österreich bevorstehe. Der Janhagel singt Lus den Strassen Schmähtreder und die Jugend wird in hänfen anfgefordert,sich bereit zu halten". }

. Ganz sinnlos schreibt die römischeTribuna":Jnter- Ititaal besteht keine Südtiroler Frage und binnen Item wird sie nicht einmal mehr als Chronikmaterial iejiftieren, weil Südtirol eine italienische Provinz ist, in M sich noch eine unbedeutende Sprachminderheit befindet." lèr sind solche Behauptungen zu verstehen,wenn MA das gern maßlos übertreibende südländische Tempo- tMMt abrechnet. Denn in Wirklichkeit hat das in die fMc Italiens gefallene Südtirol 80 % Deutschsprechende Min seiner Bevölkerung.

Mussolini wird reden.

i tot Gruppe von Abgeordneten hat in der Atalie- Mâi Kammer eine Anfrage eingebracht, in der sie den M s<ni«Mhes und Außenminister um Mitteilung seiner WUunk über dieschmähliche Haßkundgebung" ersucht, sich im Österreichischen Rationalrat abspielte, und Wki d Don verantwortlichen österreichischen Kreisen be-

Mutivlini.

^ âverschäM Lügenkampagne gegen vre crnracye ^ung der italienischen Gesetze in der ital?em?chen ^ nz Bozen".. Es wird gefragt, ob es nicht angebracht ^ m diesen Kundgebungen künftig eine unerträglcche b^AunS eines fremden Staates in die innere italre- LAsetzgebung zu erblicken. Mussolini wirw bei dem bista^^den Parlamentsebginn in dieser Woche die ^t sein ^^ântworterc. Man darf also auf etwas ge-

M» M Cr i ^mriwen Debatte:'tvenn die wären, daß man mit ih Adö^,?"Ä -s" ^er vom Abgeordneten Pi

Eine Wiener Sirmme.

^.Wiener BlattReichspost" schreibt u. a. zu der ^e in Ä "wischen Debatte:Wenn die italienischen i^ g ° beschaffen wären, daß man mit ihrer Hilfe ein Mder^ der vom Abgeordneten Professor Kolb k S Weise völlig entrechten und entnatronall- it ibrer ^? Klagerufe der Gepeinigten, die Hilfe. Wt ^ können sie nicht verhindern, solange ' Auf k?i?^ von Freiheit aus Europa verschwunden t'Wii^ Weise können die Appelle an das ^ allein h ^w ^erstummen gebracht werden als einzig ^ «eschaN'^^daß die Sudtiroler Anlässe aus der

. Kand am Brenner.

2D^ierlL°^^d Dörfern Südtirols findet man kürten a,. ' ^ltungskioskcn und Kleinkramlädcn 'chwer ^ ^Ht, auf denen zwei italienische e -W^^n v», i^^âffnet dieBrennerwacht" halten. vdwMng aus ^ren diese Darstellung, sprechen sogar L^e^ «etrag^â ernes Tages die italienische Flagge ^»'./ "^en ftei'l Ard über den Brenner hinaus, t "w bei ^n ^ngs der italienisch-österreichischen

^^erfschießübttngen kommt es nicht

gerade selten vor, daß italienische Granaten aus öster­reichischem Gebiet platzen. Auf Beschwerden erfolgt nidjt einmal immer eine lahme Entschuldigung und ein paar Lire als Entschädigung. Das sind so die dortigen Umgangsformen".

Nun kracht es wieder einmal, allerdings vorläufig

nur mit Worten. Das Vorspiel ist ja bekannt: Ausfüh­rungen des österreichischen Bundeskanzlers Dr. Seipel über die Unmöglichkeit, irgendwie den Deutschen in Süd-

Irrol helfen zu können, weil schon jeder Versuch dazu nicht bloß abgewiesen, sondern sogar mit noch schärferen Maß­regeln gegen die deutsche Sprache und Kultur beantwortet wird; dann der Entrüstungssturm im Tiroler

a n d t ag, wo wieder einmal der Gedanke auftauchte, den Völkerbunds für Südtirol in Bewegung zu setzen^ weiter eine Beschwerde des italienischen Gesandten in Wien über dieseitalienseindliche Geste" und die selbst-

BundeSkanzler Dr. Seipel.

verständliche Weigerring Dr. Seipels, die Äußerungen der Tiroler Landtagsredner zuverfolgen". Das alles sand noch einen starken Widerhall im Österreichischen Nationalrat, wo Dr. Seipel es wieder ablehnte, die Süd­tiroler Frage vor den Völkerbund bringen zu lassen, sich überhaupt in die innenpolitischen Verhältnisse Italien» einzumischen, aber das glückliche Wort fand, daß die internationale Moral noch über dem inter­nationalen Recht stehe. Mit bitterem Spott fügte er hinzu, daß den Schwachen doch nicht zu fürchten brauche, wer ein gutes Gewissen habe.

Daraufhin hat sich nun in Italien ein furchtbarer Spektakel erhoben. Zunächst erklärte eine Extra­ausgabe des regierungsoffiziösenGiornale d'Ftalia" die Rede Dr. Seipels und die Kundgebungen des National rates alsinternational ungebührlich" und demzufolge die Lage als getrübt. Da es in Italien überhaupt nur faschistische Zeitungen gibt, wurde diese Parole sofort von allen Blättern ausgenommen und in noch weit schärferer Tonart wiederholt. Im italienischen Parlament war schon die Jnterpellatton an Mussolini eingegangen, was er gegen dieunzulässige Einmischung" Österreichs zu tun gedenke eine Anfrage, die natürlich nur im Auftrag des zu Befragenden erfolgt ist und nun wohl die Plattform für eine der üblichen Donnerreden Mussolinis abgcbcn wird. Wenn von einer Abberufung des Wiener italie­nischen Gesandten gesprochen wird, so ist dies doch wohl nur als d r 0 h e n d c G e st e zu betrachten. Aber Deutsch- Österreich gegenüber, das nur über einHeer" von 30 000 Mann verfügt, kann sich Italien ja alles erlauben.

Einst, als Südtirol von den Italienernerobert" wurde in allen Städten gibt es jetzt auf Befehl von oben herab einStraße des 4. November!" bat der italienische König Versprechungen formellster Art dar­über abgegeben, daß man an eine Unterdrückung deusscher Sitte, Sprache und Kultur in denbefreiten Provinzen" niemals denken werde. Der Faschismus hat sich den Teufel um diese Versprechungen gekümmert und der Rs Piccolo" sitzt in seinem Palast und sammelt Münzen, während in Südtirol die brutale E r 0 b e r e r t a u st regiert. Sticht einmal die Grabinschriften dürfen deutsch verfaßt werden und der Faschismus hofft, auch dem Deutschtum Südtirols die Grabschrift baldmöglichst setzen zu können. Erfreulich bei diesem Lärm, bei diesen Drohun­gen Italiens ist es aber, das; sich die Augen der Seit wieder einmal auf die Zilstände in Südtirol richten^ freilich die Arme werden sich gegen diese Verknechtunqs- polittk nickt erheben, kaum auch eine Stimme.

Neuischer Sianhpunki

zur Krisgsverhüiung.

Eine Rede Simsons i n G c n f.

Das in Genf tagende Vorbereitende Sicherheit^' komitee begann mit der Eluzc Beratung der von den Be­auftragten entworfenen Gutachten und besonders mit der Besprechung der von dem griechischen Vertreter Politi-»' angeregten "Pläne.

Meine Zeitung für eilige Leser

* Vor dem König Aman Ullah wurde in Berlin-Döberiy eim Truppenschau mit anschließender Parade abgehalten. Tann wurde die Funkstation Nauen besichtigt

* Im Barmat-Prozetz beantragte die Staatsanwaltschaft iqt Gefängnisstrafen für die Brüder Julius und Henry Larmat

* Im Kanal ging ein italienischer Dampfer unter, wobei eine größere Anzahl von Menschen umgekonimen fein soll.

Die Erregung in Italien wegen der Äußerungen im £ creichischen Nanonalrul hat derart zugenommen, daß Brr i. ienische Gesandte in Wien zur Berichterstattung nach Rom b ufen wurde.

Der deutsche Delegierte von Simson nahm dazu Stellung, indem er betonte, daß die Sanktion^ idee wie ein roter Faden sich durch den ganzen Beri^ ziehe, während die deutsche Auffassung in bezug auf b>e Mittel zur Vermehrung der Sicherheit sich auf die Mas- nahmen zur Kriegsverhütung stütze.An der Frage ter Erhöhung der Sicherheit ist," so führte Simson aus,lein Land weder in Europa noch in der ganzen übrigen Welt stärker interessiert als Deutschland, das vollkommea abgerüstet hat, während seine Nachbarstaaten nicht abgerüstet sind. Dieser Umstand zwingt Deutschland, mit allen Kräften das Sicherheitsproblem zu studieren, da ge­rade für Deutschland die Sicherheit erhöht werden muß." Herr von Simson bekräftigte ferner die deutsche Auf­fassung, daß der Abschluß von regionalen Sicherheits- Verträgen durchaus nicht das einzige Mitter zur Erhöhung der Sicherheit darstellt. Das Hauptziel des Völkerbundes müsse die Verhütung des Ausbruchs von Kriegen, nickft aber die Bekämpfung des Krieges durch Strafandrohunz sein. Sicherheitsmaßnahmen könnten überhaupt nur dann wirksam sein, wenn das wechselseitige Vertrauen unter den Völkern hergestelltAst. Wir glauben, daß Regional­pakte zwischen zwei oder mehreren Staaten nur bann c'ne Festigung des Friedens ermöglichen, wenn Zuvor tm» gehende Besprechungen zur vorherigen Klärung zwischen den betreffenden Staaten erfolgen, wie das auch für dir Locarnoverträge geschehen ist Nickt der Abschluß von Verträgen einzelner Staaten untereinander, sondern nur die allgemeine Anerkennung des Prinzips von der V4r» Hütung jeden Kriegsausbruchs könne helfen.

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Die ungarische Waffenfrage.

Der vom derzeitigen Präsidenten des Völkecbundrates erhobene Protest gegen die Beiseiteschaffung des Waffen- transports von St. Gotthard soll bei der Tagung im März besprochen werden. Nach Pariser Meinungen wird die Verschiebung bis zur Märztagung deS Völkerbundes auf die Uneinigkeit der Ratsmitglieder zurückgcführt. Musso­lini hätte offen erklärt, daß Italien gegen die Anwendung des Artikels 11 (Einspruchsrecht) sei, und auch Stress-" mann und Großbritannien hätten sich jeder Maßnahme gegen Ungarn widersetzt und unter keinen Umständen ein Verfahren angdwendet sehen wollen, das das Unter* suchungsrecht des Völkerbundes hätte in Erscheinung treten lassen.

llotprogramm W AegiermgserNânmg.

Letzte Feststellungen.

Das Reichskabinett beschäftigte sich in feiner unter öem Vorsitz des Stellvertreters des Reichskanzlers, Reichs- Minister Dr. Hergt, abgehaltenen Sonnabendsitzung mit »er am Montag abzugebenden Regierungserklärung, deren Inhalt sestgestellt wurde. Außerdem wurden die letzten Feststellungen an dem Notprogramm erledigt.

Im Laufe des Sonntags trat noch ein aus Mitglie­dern der Regierung gebildetes Redaktionskomitee zu­sammen, um sowohl die Regierungserklärung wie auch das Arbeitsprogramm noch einmal in formeller Hinsicht zu überarbeiten. Die einzelnen Teile des Arbeits­programms sind zum Teil, z. B. der Etat, bereits im Reichstag in Bearbeitung, zum anderen Teil liegen sie dem Reichsrat vor. In der Regierungserklärung des Vizekanzlers soll nochmals der Wille der Regierungs­parteien betont werden, an der einheitlichen Verabschiè» düng des Gesamtkomplexes festzuhalten. Auch der Gedanke, alle diejenigen Gegenstände, die auf dem Ge­setzeswege zu regeln sind, in einem Mantelgesetz zu­sammenzufassen, ist in der Kabinettssitzung aufrechterhalteu worden.

ünsteundlichleitenanDeutfKlandSAdreffe

Estlands Bündnis mit Polen.

Estland feierte den Gedenktag seiner zehnjährigett Unabhängigkeit. In einem Aufruf der Staatsversamm­lung an das Volk dieß es:

Das Selbstbestimmungsrecht Estlands achteten weder die russischen Revolutionäre nod) die siegreichen deutschen Miljtärführer. ^Die einen vertrieben mit ©etoalt alle unsere auf demokratischer Grundlage, errichteten Selbst­verwaltungs-und Regierungsbehörden, die anderen setzten ihre siegreichen Truppen in Bewegung, um unser Land und Volk zu unterweisen. Die Deutschen setzten/ die deutsche Sprache überall an die erste Stelle und beriefen endlich nach eigener Wahl Landtage, welche um Angliede­rung Estlands an Deutschland bitten sollten. Wir er­fuhren, was uns zuteil geworden wäre, wenn uns das Schicksal an das deutsche ^Kaiserreich gefesselt hätte. Der Zusammenbruch der deutsche» Militärmacht beendete die Ottupation und befreite uns von der ermedrigenden Un-