Fuldaer Anzeiger
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', 56 — 1928
Fulda, Dienstag, 6. März
5. Jahrgang
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Die 49. Pölkerbundratstagung wurde in Genf in Anwesen- . - ^r Stresemanns, Briands, Chamberlains und anderer ^Wismänner eröffnet
" - ^ti Haushaltsausschuß des Reichstages wurde der »'„ineetat erledigt und auch der Panzerkreuzer „A" be- j^t, dagegen die Phöbusangelegenheit noch zurückgestellt.
- ic Leipziger Frühjahrsmesse ist vom Ausland stark de- Plk? und zeigt bisher befriedigendes Geschäft.
> er Sonntag brachte die Neuwahlen für die polnische ft, metung. Im allgemeinen ließ sich bisher eine er- kI Verstärkung der Stellung des Mtnisterprastdenteu konstatieren.
« 'n der Nähe von Czenstochau erfolgte eine Explosion, ^ die fünf Personen sofort getötet wurden. Vier weitere fronen wurden schwer verletzt. ______
Kerkerlust.
Es ist ja eine Leichtigkeit, als Führer eines 50-Mil- lisM-Volkes schärf st e Drohungen gegen einen feinen, wirtschaftlich wie politisch ohnmächtigen Staat an sich zu geben, ihil mit Spott und Hohn zu überschütten, ie Mussolini es gegenüber Deutsch-Osterreich jetzt wieder :M hat. Es gehört nicht viel Mut dazu, die italienische i-hiie „über die Brennergrenze nach Norden zu tragen", 6 her „Duce" vor ein paar Jahren schon trompetete; um er findet dort ja kaum einen Gegner. Und es gehört -ich viel weniger Mut dazu, die Drohung gegen 250 000 Mische in Südtirol auszusprechen, Italien werde dort ich weit schärfere Maßnahmen gegen deutsche Sprache, Kultur und Gesinnung ergreifen, wenn „der antiitalie- â Feldzug jenseits des Brenners nicht aufhört".
Es soll auch überhaupt nicht bei diesen Drohungen &a. Zunächst werden die tausend „fremdstämmtgen", 4 deutschen Beamten aus Südtirol fortgenommen und «untere italienische Provinzen versetzt werden oder — «men entlassen. Er, der Duce, will aber darüber hin- « Tatsachen sprechen lassen", wenn noch einmal das DP Thema „Deutschtum in Südtirol" durch öster- Hische Volksvertretungen oder sonstwie behandelt Me. Eine etwas dunkel gehaltene Drohung, absichtlich imlel oder nur — Großmämigkeit?
Es lohnt gar nicht, auf die Haarspaltereien einzu- M so z. B., daß niemand verschickt worden sei, weil ein Deutscher, sondern nur, weil er Antifaschist, also evolutionär war. Ins Gefängnis wurde gefetzt, wer Mein deutsches Lied sang. Erinnert man sich noch, wie ? italienische Jrredentismus vor dem Weltkrieg in ml, in Triest und bis nach Wien hinüber fast ungestört arbeiten konnte? Mussolini tut es nicht und der Faschis- Ms auch nicht. In allen gewaltsam italienisch gemachten ylitten hängt das Bild eines „gemordeten" Jrreden- Mnführers, der — als österreichischer Offizier — nach Wien desertierte und dort gegen das österreichische Heer gefangengenommen und selbstverständlich als Merräter erschossen wurde; jetzt aber wird er als -Mihrer" gefeiert, Denkmäler wurden ihm errichtet. Aber Innsbruck erzwang der Jrredentismus ebenso eine »Mische Fakultät wie in Wien. Die alte österreichische Gierung hat nicht das geringste getan, seinen Annchen entgegenzutreten, während man sich ja schon da- 'n Rom nicht scheute, ganz offen von dem „unerlösten zu sprechen. Und zwar häufig ganz offiziell.
über all diese. Dinge zu erörtern, hat ja gar keinen M Für den Faschismus ist dies alles nur Mächtige. Er will Südttrol mit allen Mitteln italienisieren, i' gleichgültig, wie die Welt darüber denkt. Und er Ä Macht dazu; die Welt aber — nun, die schaut ein- E fluchtig und meint achselzuckend: Es sind ja nur kVf$c! Vergeblich ist jeder Protest, der stille in ^nrol selbst ebenso wie der laute überall dort, wo man r deutschen Volksgenossen noch gedenkt. Deutlich genug ZUgolini geworden. Nur auf Ungnade ist ihm und faschistischen Rutenbündel das Deutschtum aus- 1 w ert. Alles, was frühere italienische Regierungen dem L^ten* Südtirol versprachen, gilt für den Führer des lieh;??5 nicht mehr. Daß Versprechungen sogar des A kühl "Agierenden" Königs darunter sind, läßt dèil^'nnU der Deutsche nach Südtirol, so ist es ihm bis-
als atme er Kerkerlnft. Niemand traut dem èifN^ nur in ganz seltenen, ganz vertrauten Stunden oittijJ^ Herz dem Fremden aus dem „Reiche , bi» an^ sich der tiefe, aber, âch, so ohnmächtige Haß gegen al)« »« ^ Nur noch innerlich ist dieser Widerstand, MfonnÄc "n Wunder, würde nicht Mussolinis Ge- >ra-« rk ^»en« doch nicht die von ihm erhofften Fruchte Kanton s er Wägt so wie niemand auf der Welt dem. doch üL Vet freien Selbstbestimmung ins Gesicht, obwohl
Kratze auf dieser Idee der Völkerbund aufgebaut ist
Volkstrauertag im Ausland.
i^T^ Störungsversuche in Hamburg.
^ VolkLN» zahlreichen inländischen Feiern anläßlich Ausland ^uertages gedachten auch die Deutschen im ^u der d-,,5Kriegsopfer und der schweren Kriegszert.
feUrlitin £? evangelischen Kirche in Budapest sand teilen lei^^auergottesdienst für die im Kriege ge- ^'Ucn de, Deutschen Soldaten statt. An der Feier »at N' Ätsche Gesandte Freiherr von Schön, Lega- "ver deuteler sowie zahlreiche Mitglieder der Buda- Die dem?» ^oIonic teil.
Äett S Kolonie in Sofia veranstaltete auf dem ^üesall^, Uutenfriedhof eine Totenfeier für die Welt- "^ Sie wurde mit dem Trauermarsch Beet-
Eröffnung des Bölkerbundrates in Genf.
Sie 49. Genfer Ratstagung.
Dr. Stresemann anwesend.
Die 19. Tagung des Völkerbundrates ist Montag vormittag unter dem Vorsitz von Urrutia-Kolumbien eröffnet worden. Der Rat stellte zunächst in nichtöffentlicher Sitzung die endgültige Tagesordnung fest und erledigte eine Reihe der Verwaltungsfragen. Zu den D a n z i g e r Angelegenheiten wurde beschlossen, die Frage eines polnischen Anlegehafens in Danzig und die Frage des Kontrollrechts auf der Westerplatte bis zum Abschluß der im Ganße befindlichen direkten Verhandlungen zwischen Danzig und Polen zu vertagen. In bezug aus das Klagerecht Danziger Staatsangehöriger im polnischen Elsenbahndienst, das soeben zugunsten der Eisenbahner vom Haager Gerichtshof entschieden wurde, wurde beschlossen, nach Eingang des Haager Spruches weiter zu entscheiden, über die Ernennung eines Berichterstatters für die ungarische Waffcuangelcgenheit wurde nicht gesprochen.
Im Anschluß an die Geheimsitzung des Völkerbund- rates fand eine kurze öffentliche Sitzung statt. Nachdem der Rat einen Bericht über die griechische Flüchtlintzs- fürsorge entgegengenommen hatte, beschäftigte er sich mit dem laufenden Bericht über die letzte Tagung der Mandatskommission. In diesem Bericht werden _bie Mandatarmächte ausgefordert, der Mandatskommission Mitteilung über das nationale Statut der Einwohner, über die postalischen Einrichtungen und Tarife zu machen. Es wird ferner hervorgehoben, daß die Arbeiten der Kommission in keiner Weise die gegenwärtigen Verhandlungen zwischen England und dem Jrakgebiet berührten. Nachmittags trat der Sicherheitsausschuß zusammen, so daß keine weitere Ratssitzung anberaumt war. Für Dienstag ist die zweite Ratssitzung vorgesehen.
Reichsaußenminister Dr. Stresemann traf Sonntag in Begleitung von Staatssekretär v. Schubert, von der französischen Riviera kommend, in Genf ein. Eine Abordnung der an der Universität Genf eingeschriebenen deutschen Studenten und Studentinnen überreichte dem Reichsminister einen Nelkenstrauß.
Ministerbesprechungen.
Montag nachmittag wurden eine Reihe von privaten Besprechungen der verschiedenen anwesenden Staatsmänner abgehalten.
Hovens eingeleitet. Dann sprach der deutsche Gesandte Dr. Rümelin vor den zahlreich erschienenen Mitgliedern der deuffchen Kolonie die Gedenkrede. Mit dem Deutschlandlied fand die erhebende Feier ihren Abschluß.
Unruhen gab es bei Hamburg. In Pinneberg hat ein Trupp Roter Frontkämpfer aus Hamburg verschiedene Flaggen, die aus Anlaß des Volkstrauertages getzißt waren, heruntergerissen. Es kam zu Auseinandersetzungen mit den Besitzern der Grundstücke, wobei die Besitzer von den Kommunisten zum Teil leicht verletzt wurden. Etwa 60 Angehörige des Trupps konnten in Lockstedt festgenommen werden. Neun Rädelsführer wurden in Haft behalten und ins Polizeigefängnis Altona eingeliefert. Nach Klarstellung desZTatbestandes werden sie dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden.
Panzerkreuzer A vom Ausschuß bewilligt. Phöbusangelegenheitnoch-in der Schwebe.
Im Haushaltsausschuß des Reichstages fand Montag die Abstimmung über die erste Rate für das Panzerschiff „A" statt. Sie wurde mit 15 gegen 12 Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten, Demokraten und des Bayerischen Bauernbundes bewilligt.
Nach der Abstimmung teilte Admiral Zenker mit, daß das im vorigen Jahre bewilligte Torpedoboot nicht gebaut, die Forderung überhaupt zurückgezogen wurde. Gleichzeitig teilte Admiral Zenker mit, daß die „Leetransporiabteilung", die im Zusammenhang mit der Phöbusaffäre viel genannt worden ist, im nächsten Jahre aufgelöst werden wird. . . ,
Die Mqrineverwaltung habe nach wie vor großes Interesse daran, in gutem Einvernehmen mit den Arber- fern der Werften zu bleiben. Im April würden neue Tarife vereinbart werden. Bei den augenblicklichen Lohn- Verhältnissen würde in Wilhelmshaven ein Panzerschlfs 71, in Kiel 75 Millionen Mark kosten.
Mit der ersten Rate für den Panzerkreuzer wurde auch der Rest des Marinehaushalts bewilligt mit Ausnahme der Posten, die mit der P h ö b u s a n g e I e g c it - heit in Beziehung stehen. Diese Punkte wurden einstweilen zurückgestellt.
Der Wahlausfall in polen.
Pilsudskis Stellung gestärkt.
Die am Sonntag stattgefundenen Wahlen zum Polnischen Sejm (Abgeordnetenhaus) haben, soweit bis jetzt ersichtlich ist, eine Stärkung für die Stellung des Ministerpräsidenten und Marschalls Pilfudski gebracht. Die dem jetzigen Regiment feindliche R e ch t^ verliert anscheinend eine große Anzahl von Mandaten. Sozialdemokraten und demokratische Kleinbauern konnten sich behaupten oder an
Der französische Minister des Bußeren, Briand, stattete dem Reichsminister des Äußeren, Dr. Stresemann, im Hotel Metropole einen Besuch ab. Ferner war eine Besprechung zwischen dem Italiener S c i a - l 0 j a und Chamberlain vorgesehen. Der ungarische Minister des Äußeren, W a l k 0 , hatte Unterredungen mit Briand, Chamberlain und beut deutschen Staatssekretär von Schubert. Zwischen Scialoja und Briand fand b»- reits vormittags eine Unterredung statt, die, wie verlautet, vor allem der Beschwerde gegen Ungarn galt.
Der englische Außenminister Chamberlain nahm mit dem aus Berlin kommenden englischen Staatssekretär Lindsah an einem Essen beim Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drummond, teil.
Der Völkerbundrai und Litauen.
Der Völkerbundrat hat nach der öffentlichen Sitzung sich in einer kurzen Geheimsitzung mit dem Stande der polnisch-litauischen Frage befaßt. Chamberlain erinnerte dabei an die Entscheidung des Rates vom letzten Dezember, mit der der Berichterstatter, der holländische Minister des Äußeren, Beelaerts van Blookland, den Auftrag erhalten hatte, mit den beiden Parteien in Fühlung zu bleiben. Chamberlain schlug vor, daß in einer vrr nächsten Sitzungen des Rates der Berichterstatter eine Darstellung der ihm etwa von den Parteien zugegangenen oder zugehenden Informationen gebe. Der Generalsekretär wurde beauftragt, sofort telegraphisch die litauische Regierung von dieser Entscheidung zu verständigen, für den Fall, daß sie sich bei der Erstattung dieses Berichtes im Rate vertreten lassen wolle.
*
Gedankenaustausch der Kleinen Entente.
Der Sonntag brachre eine Zusammenkunft der Minister der Kleinen Enlenre. Über das Ergebnis dieser Zusammenkunft wurde eine Mitteilung ausgegebcn. die besagt, daß Benesck, Marinkowiisch und Titulescu „einen GedankenauS- taufcf) über die allgemeine politische Lage hatten und sich über die von ihnen in ven Fragen von aktuellem politischen Interesse einzuhaltcnde Linie verständigt haben. Sie haben dabei von neuem die absolute Übereinstimmung ihrer Aus- fassungen sestgestellt" .
Diese Mitteilung wird -privat dahin ergänzt, daß die Länver niemals einen Konflikt mit Ungarn Hervorrufen wollten und die von ihnen beim Völkerbundrat eingebrachte Beschwerde nunmehr ausschließlich eine den Völkerbund und Ungarn betreffende Angelegenheit darstelle.
Mandaten gewinnen, die Kommunisten gewannen an vielen Stellen.
Die deuffche Minderheit
in Ostoberschlesien und Posen hat sich glänzend behauptet oder ihre bisherigen Sitze vermehren können. Die Minderheitsliste soll wenigstens drei Mandate in Dirschau und Bromberg und eines in Oberschlesien gewonnen haben.
i Das bis Montag nachmittag mit Sicherheit vorliegende Gesamtresultat verzeichnet etwa die Hälfte der Mandate. Danach erhielt der Regierungswahlblock (Pil- fudffi) 50 Mandate, die Sozialisten 27, die beiden Wahlblocks der Rechten zusammen 25, die radikalen Kleinbauern 14, die regierungsfreundliche Bauernvereinigung 8, die neue oberschlesische Sondergruppe Korfantys 3, die Kommunisten 6. Der Block der nationalen Minderheiten hatte um die gleiche Zeit bereits 21 Mandate, die übrigen Minderheitssplitter 10.
Die Sozialisten rechnen auf 60 (gegen 44) Mandate, die Regierungsliste dürfte 110 erhalten, der Minderheitenblock 70, die Radikalen 40 bis 45. Die Recht verliert stark.
Die Wahlbeteiligung war ungleichmäßig. Sie schwankte in den einzelnen Kreisen zwischen 60 und 98 Prozent, in Warschau betrug sie 72 Prozent. Die höchsten Beteiligungsziffern meldet der Westen des Landes, so Kattowitz und Bromberg je 90 Prozent, Gnesen 85 Pro- zent, Posen, Graudenz und Dirschau je 80 Prozent.
Die Bedeutung des allerdings zur Stunde noch nicht ganz feststehenden ^Wahlausfalles läßt sich vorläufig dahin zusammenfassen, daß zwar die Regierung Pilsudskt wie vorher auch jetzt noch nicht eine Mehrheit im Sejm hinter sich haben wird, daß aber die Pilsudski-Gruppe zusammen mit Oer Sozialdemokratie und den Minderheiten die absolute Mehrheit gegenüber der Rechts- und Linksopposition baden könnte.
Wahlreden Stegerwalbs und SirlsieserS.
Vor Zentrumsarbeitern.
In Duisburg fand bei regem Besuch eine gemeinsame Kundgebung der dortigen Arbeitsgemeinschaft der Arbeiterschaft innerhalb der Rheinischen und der Westfälischen Zentrumspartei statt. Außer den Rednern der Veranstaltung, dem Abgeordneten Stegerwald und Minister Hirtsiefer, die über das Thema „Der Kampf der christlichen Arbeiterschaft um den sozialen Volksstaal" sprachen, waren noch zahlreiche Reichs- tags- und Landlagsabgeordnetc anwesend.
Abgeordneter Stegerwald
betonte, vielfach repräsentiere sich die Einheitlichkeit des deutschen Bürgertums doch nur im plumpen Begriff von Besitz gegenüber dem Nichtbesitz. Diese geistige Einstellung in den breitesten Schichten sei auch heute noch nicht überwunden und sei Oie Ursache dafür, daß in den Parlamenten keine ziel- bewußte, organisch aufbauenbe, sittlich und religiös durchsäuerte Votkspolitik gemacht werden könne. Die Arbeiter- rentrumsvartei wolle mebr als die bürgerliche DemokratiL