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Zul-aer Anzeiger

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ylr. 581928

Fulda, Donnerstag, 8. März

5. Jahrgang

Böllerbmdrat und Waffenschmuggel.

Sie Mmtion von Szent Gotthard.

Beschwerde der Kleinen Entente.

Große Spannung herrschte unter den Delegierten m in Gens versammelten Völkerbundrak, als Mittwoch alt der von Briand in der vorangegangenen vertrau» W Sitzung beantragten öffentlichen Aussprache über ^ Klage' der Kleinen Entente gegen Ungarn begonnen Mide. Nachdem Fotitsch als Vertreter Jugoslawiens, ^crta als Vertreter der Tschechoslowakei und General ramzos als Vertreter Ungarns am Ratstisch Platz ge* Hummen hatten, verlas der Vertreter Rumäniens, Titu» lkscu, unter vollkommener Stille des Saales eine kurze (Wärung im Namen der Mächte der Kleinen Entente des Waits, daß diese Mächte die Frage des Maschinen- Mhrschmuggels als eine Frage des allgemeinen Inter- chs, aber nicht als eine Frage betrachten, die die Kleine Mute im besonderen angehe. Wenn die Mächte der Minen Entente in dieser Angelegenheit etwas unter= mimen hätten, so sei das nur in ihrer Eigenschaft alS Merbundmitglieder geschehen und nicht in der Absicht, irgend jemanden anzuklagen, vielmehr lediglich im all- Minen Interesse der Einhaltung der Verträge, aber «ch zur Wahrung der Pflichten, die dem V öllerbundrat siegen. Nur aus diesem Grunde hätten die Regierung Stil der Kleinen Entente ihre Noten an das General- jüretariat eingereicht.

Die Vertreter der Tschechoslowakei und Jugoslawiens M ebenfalls kurze Erklärungen ab, in denen sie über- tiüiiimmenb zum Ausdruck brachten, daß es für sie schwer iti, iijren Denkschriften etwas hinzuzusügen. Sie hätten .M auf Grund der getroffenen Vereinbarungen an den A gewandt.

Der ungarische Vertreter,

ß®$ Tanczos, wies den Rat in seiner kurzen Er» ÄU zunächst aus die umfangreiche Denkschrift HL», die kl beut Generalsekretariat zu Händen des Rats überreicht w und die eine vollständige Darstellung der ganzen An» Willis enthalte. Er sei überzeugt, daß die Klugheit > Rats diesen Zwischenfall zu einer gerechten Lösung Wach werde. Die Beziehungen Ungarns zu seinen warftaaten, so führte er dann weiter aus, seien nicht mvorragende, und der Schritt, der von gewissen Nachbar- Mmmgen in Budapest unternommen worden sei, habe Beziehungen nicht verbessert, und die Durchführung ^ Maßregeln gegen sein Land würde diese Veziehun- M nach gespannter gestalten. Er dürfe nicht außer acht daß angesichts der in Ungarn wegen dieses ^Wenfalles herrschenden Stimmung es wenig an- MM sei, die öffentliche Meinung Ungarns auf eine iw Probe zu stellen. Jedes Volk, besonders wenn es ^ ui einer Lage befindet wie gegenwärtig Ungarn, ist * lUIlt® außerordentlich empfindlich gegen jede Antastung

der Reichskanzler M phöbusaffäre.

Um den Bericht des Sparkommissars Samisch.

noch an den Folgen seiner Erkrankung leidende - ^.'kanzler Dr. Marx empfing Mittwoch mittag die Ver» r der bisherigen Regierungsparteien, also der Deutsch- Analen, der Deutschen Volkspartei, des Zentrums und t-MWchen Volkspartei, zur Besprechung über die Das Ergebnis dieser Aussprache ist die Reichskanzlers, daß dem Hauptausschuß des 111 den nächsten Tagen ein Bericht über die vorgelegt werden soll, aber nicht, »ni r wird- der ursprüngliche Bericht des Ministers tu ^' ändern ein Bericht, der erst fertiggestellt wer» iN,âs.! .Reichskanzler verhandelte später mit den Irak- onJ c;2^. der Demokraten und der Sozialdemokraten °'»^^^ Wie cs heißt, hat der Spar- i«it inwisch das Ergebnis seiner Untersuchung Äl iniS, Umfange schriftlich fixiert, sondern zum Febril wsdlichem Vortrage bent Reichskanzler bekannt» --^.^leses Fehlende soll nachgetragen werden.

^ ^aar und ihre Grenzgebiete.

, E r s ö n l i ch e U n t c r st ü tz u n g e n.

^?^Stagsausschütz für die besetzten Gebiete bcschäf» ^»rm-bitt ^iag mit der Notlage im Saar--, und Saar» b, daß di, KwMssckrctär Dr. Schmid gab die Erklärung ^haster "^regièrung die Notlage dieser Gebiete mit "âslcgi^, Zunahme »mb großer Sorge verfolge, ate potu" * den Beschluß gefaßt:Zur Linderung ^k Lmß'j der Arbeitnehmer, die im Jaargebiet oder m Heinisch L-^11 arbeiten und im deutschen Zollgebiet links '^vo»M°u., vom 1. März 1928 ab vorläufig auf hie fWifa M Monaten neben der Fahrgelderstattung wieder L-Mfters sgM^utzungen geniäß den RichttMen des Reichs F^ren." 1 die besetzten Gebiete vom 3H. Juni 1926 zu ge- ^;l?^ Aussprache über die cinschchgigem Fragen kok. ^aarqailâ, 'Agenden Inhalts einstimmig angenommen:

Ä vom Februar ab wieder im

F Â « ru ctfuLy^fattöt einztzführen; die Reichsregierung E/°dle g d'c Beniübungen auf MeUabnahmen von kk.^ foiilnic Deutschland im Einvernehmen mit allen tu Kf^taiX M*8'*1 nachdrücklichst zu unterstützen; 2. im Ku t^,vchsjjh.^ n den Länderrealerungen sofort Matznahmeu Lcr Nn m^ w. den Notstandsârvvixen im Gaargrenzgebiet I ^v 'schein -^vßerdem alle Bemühungen, die auf Hebung I Must des Gebietes binzielen, zu förderu.

seiner Souveränität und gegen fremde Einmischung. Der General kritisierte dann das Vorgehen des Ratspräsi­denten.

Der rumänische Außenminister Titulescu, der bereits bei der Stelle, an der General Tanczos von den Beziehungen zwischen Ungarn und der Kleinen Entente sprach, mit lebhafter Geste das Wort verlangt hatte, er­widerte dem ungarischen Vertreter, der mit einer fertigen Erklärung nach Genf gekommen sei:

Nach der von ihm im Namen der Kleinen Entente ver­lesenen Erklärung hätte der ungarische Vertreter besser getan, wenn er die Stelle gestrichen hätte, in der davon gesprochen wird, daß die Beziehungen Ungarns zu seinen Nachbarn nicht hervorragend seien. Sobald die jetzige Frage auf ein erweitertes allgemeines Terrain gestellt sei, werde man weiter sehen.

Die so eingeleitete Diskussion war vorher in einer Gc- Heimsitzung auf Vorschlag der fünf großen Mächte be­schlossen worden. Nach der Rede des rumänischen Ver­treters nahm der englische Außenminister das Wort.

Einsetzung eines Ltniersuchungsausschufses.

Chamberlain führte aus, der Rat könne das gesamte Aktenmatcrial nicht studieren. Er schlug vor, ein Rats- kornitee aus drei Mitgliedern zu ernennen, das den Auf­trag haben soll, über die tatsächliche Seite der Angelegen- heit und die daraus zu ziehenden juristischen Folgerungen Bericht zu erstatten. Auf Vorschlag des Ratspräsidenten wurden der holländische Außenminister Beelaerts van Blookland, der chilenische Gesandte in Rom, Villegas, und der finnische Außenminister Procope zu Mitgliedern dieses Komitees ernannt.

Damit schloß die bisher bedeutsamste Sitzung des Rates. Es wird abzuwarten sein, wie die Anlegenheit nach der Einsetzung des Untersuchungsausschusses sich ab wickeln wird. Der Rat wird von neuem auf Grund des Mr (Mes des Komitees in eir- sachliche Erörterung ein» treten und dann dazu Stellung nehmen. Man nimmt an, daß der Bericht des Ratskomitees am Freitag oder Sonn» abend dem Völkerbund vorliegeil wird.

*

Die Türkei soll in den Völkerbundrat.

Der russische stellvertretende Volkskommissar für aus­wärtige Angelegenheiten, Litwinow, hat an den Generalsekretär des Völkerbundes ein Telegramm ge­richtet, in dem er unter Hinweis auf die Bedeutung der Türkischen Republik in der Weltpolitik und ihre geogra- phische Lage erklärt, daß die Arbeiten des Vorbereitender. Abrüstungsausschusses durch Teilnahme der türkischer Regierung viel gewinnen würden. Er beantragt desbalb, die türkische Regierung bereits zur nächsten am 15. März beginnenden Tagung einzuladen, und bitte um Benack- richtigung, welche Folge seiner Anregung gegeben wor­den sei.

Der neugewahlte polnische Landtag.

Zusammentritt am 20. März.

Der neugewahlte Polnische Landtag wird, den Be Stimmungen der polnischen Verfassung gemäß, am Diens- tag, dem 26. März, zu seiner ersten Sitzung zusammen- treten. Bei den am kommenden Sonntag ftattfinbenben Senatswahlen hoffen die Rechtsparteien besser avzu- schneiden, da zum Sejm alle Männer und Frauen über 21 Jahre, zum Senat dagegen nur die mehr als Drerßig- fährigen aktives Wahlrecht haben.

Im Landtag werden nach dem Wahlausfall der sieg­reiche Pilsudski-Block, die Linksparteien und die Minver- Heitsvertreter eine solche Mehrheit haben, daß sie unter Umüänven Verfassungsänderungen ohne Mitwirkung der Rechten durchdrücken können. Die RechtSblätter äußern zchon jetzt derartige Befürchtungen. So spricht man von der etwa einzuführenden Wahl des Staatspräsi­denten durch Volksmehrheit ähnlich wie in den Ver­einigten Staaten. Es werden heute schon dringliche Stim­men laut, die Untersuchung über die vorgekommenen Waülunrcgelmäßiakeiten verlangen.

i unter den Minderheits-Nationalitäten sind die LHranui mit rund 45 Abgeordneten (bisher 21) am stärksten der treten. An zweite Stelle rücken die Deutschen, tut einschließlich von zwei aus polnischen Listen gewählten Sozialisten 22 (bisher 17) Mandate erhalten. Sie wären ohne die amtliche Wahlbeeinflitssung in Oberschlesien uns ohne die Listengemeinschaft mit den anderen Minderl^rts- «Völkern noch stärker geworden. Nur 15 von ihren bis­herigen 35 Mandaten bringen die Nationaljuden zurnck ^ic' am schwächsten vertretene Mindsrheitsnational-itäi stellen die Weißrussen mit einem halben Dutzend von Man­daten dar, während die Litauer im Wilnagebiet und den «angrenzenden Wahlkreisen insolge ihrer geringen Zahl vollständige Wahlenthaltung übten.

Aman Mahs Abreise.

Die letzten Tage in Deutschland.^

Nach dem ausgiebigen Besuch der Leipziger Messe kehrte der König von Afghanistan nach Berlin zurück und sah sich selbst im Film. Am letzten Tage war im Palais dès Prinzen Albrecht, das der König bewohnte, noch reges Treiben. Die neugewonnenen Freunde, Wirtschaftler und offizielle Persönlichkeiten nahmen Abschied von dem fremden Herrscher. . ________

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Der Völkerbundrat in Genf verhandelte Mittwoch in öffentlicher Sitzung über die ungarische Waffenschmuggel- angelegenheit.

* König Aman Ullah ist von Berlin nach Essen gereist und geht von dort nach England.

* Das Große Los der Preußisch-Süddeutschen Klassen» lotterte wurde auf die Nummer 305 845 gezogen.

* ^uWnb hat das Ersuchen nach Genf gerichtet, die Türket in den Völkerbundrat aufzunehmen.

^ Ibn Saud, König der Wahabiten, hat den britischen Mandatsgebieten Irak und Ostjordanien den Krieg erklärt.

Der König sprach in wenigen Worten seinen Dank aus für die freundliche Aufnahme in Deutschland, die ihm unvergeßlich bleiben wird, und betonte, wie sehr es ihn gefreut habe, in den Artikeln der deutsche» Presse so anerkennende Worte über sein Land zu fin­den. Nach der Presse wurde die islamische Kolonie empfangen, dann erfolgte der Abschiedsbesuch beim Reichs­präsidenten, den dieser unmittelbar daraus erwiderte. Dann ging die Reise nach Essen, wo eine Besichttgung der Kruppwerke stattsindet, und von dort geht cs über Calais nach England.

Heiliger Krieg.

Nun hat England wieder einmal neue Sorgen: eS ist nicht mehr so leicht wie früher, allüberall in. her Welt zu herrschen, denn die beherrschten Völker murren und groll»» nicht nur, sondern hier und da lodert auch Aufstand und Empörung empor. Mühsam hatte man den alten Imam Ibn Saud, den wirklichen Beherrscher des größten Teils von Arabien, im vergangenen Jahre durch einen Ver­trag beruhigt. Dieser Führer der Wahabiten hatte eine überaus starke militärische Kraft hinter sich und er wurde durch den ganzen geographischen Charakter seines Landes derart begünstigt, daß die Engländer einfach nicht mit ihm fertig werde» tonnten. Ruhig ist es ja eigenttich nie­mals gewesen in diesen Gegenden zwischen dem Demen bis hoch hinauf fast bis zum Euphrat und vom Jordan bis herüber nach Bagdad. Der alte Ibn Saud, der die Achtzig überschritten hat, ist ja kein absoluter, sondern nur ein von den Stämmen freiwillig anerkannter Herrscher über die zahllosen Stämme, die jenes gewaltige Gebiet durchstreifen. Er konnte die Führer räuberischer Stämme nicht verhindern, über die Grenzen des Iraks und nach Transjordanien hinein vorzubrechen und dort nach Mög­lichkeit zu plündern. Der religiöse Fanatismus dieser mohammedanischen Sekte, die die strikteste Inne­haltung aller Gebote des Korans vielleicht noch übertreibt, war dabei nicht bloß Deckmantel, sondern meist wohl auch wirklicher Beweggrund für diese Kriegszüge. Das hat nichts zu tun etwa mit der Idee eines Großarabiens, aber Ibn Saud ist im Besitz der helligen Stätte des Islams, nämlich Mekka und Medina, und damit tatsächlich auch das geistige Oberhaupt des Mohammedanismus. Außer­dem bestehen seit Jahrhunderten die schärfsten Gegensätze zwischen den frei streifenden Nomadenstämmen der Wüsts und den seßhaft gewordenen, vielfach großen Reichtum besitzenden Arabern an den Rändern der arabischen Wüste.

Nun hat Ibn Saud den heiligen Krieg er­klärt gegen jene Stämme im Osten, also am Persischen

Meerbusen in der Gegend von Kowett bis nach Basra heraus auf der einen Seite, und an das iransjordanische Königtum aus der Ostseite Palästinas, wo die in letzter Zeit vielgenannten Städte Amman und Maan au der alten Hedschasbahn liegen. Sic beherrschenden großen K a r a w a n e n w e g, der seit vielen Jahr­hunderten von Damaskus her nach Mekka und Medina, führt. Eiligst haben die Engländer dorthin Verstärkungen geworfen, aber die Araber der Wüste sind nicht mehr jene primitiv kämpfenden Lanzen- und Schwertreiter von einst, sondern sind ausgerüstet mit modernen Kampf» mitteln. Die ungeheure Ode Des Landes freilich ver­bietet es aber beiden Teilen, große Kampfmassen, cinzusetze»; nur weiß England ganz genau, daß seine Herrschaft in Transjordanien auf nicht minder schwachen Füßen steht wie im Irak. Diese Mandatsgebiete haben zu Königen zwei Söhne des einstigen Großscherifen vor Mekka, .Aussem, den England während des Weltkrieges Lum Abfall von der Türkei bewog, hernach aber beseitigte;