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1928

Tageblatt für Rhön rmö Vogelsberg

Zulöa» unö Haunetal »ZulLaer Kreisbla«

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SachSnxk s« «r» * »«sth«rra Artikel mrr mit StzeSemtRsabe .ZulSa« AryAs»r"s»fia«tt.

Fulva, Montag, 26. März

/MZsgenprets: Für seyoroen, tötuojjenfujap« t-n,Banken usw. beträgt öreKleinzrile 0.30 Hit., für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für die ReSamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 M., Râmezeile 0.60 Mark Bei Rechnungsstel- hmg hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­ge« Tag- und Plahvorschrksten unverbindlich.

5. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser

# »je Vorbereitende Abrüstungskonferenz in Genf lehnte ,>cn Antrag Deutschlands, umgehend einen Termin für die gültige Abrüstungskonferenz sestzusetzen, ab.

» Die Kommission, die vom Reichstag mit der Untersuchung

Bhöbusassäre betraut war, hat irrest Bericht fertiggesteül MD an den Reichstag weitergegeben.

» Der aus der russischen Haft entlassene deutsche Ober- inaenieur Goldstein hat einen ausführlichem Bericht über seine Erlebnisse erstattet, aus dem hervorgeht, daß die Russen sehr Kichislos vorgegangen sind.

; 8 An der ungarisch-jugoslawischen Grenze wurden zweiund- einzig Waggons mit Sprengstoff entdeckt und beschlagnahmt, E wieder aus Italien kamen und angeblich für NirmäniM lämmt waren.

Ein gefundenes Fressen.

Der Franzose hat als Sprichwort den Satz, daß das -Änliche tötet. Nur das Lächerliche, aber nicht das iuMichc. Namentlich dann nicht, wenn ein solcher Asndal und Vorkommnisse dieser Art sind bekanntlich in Frankreich iiidjt gerade selten politischen Einschlag H an ihm Parlamentarier, höhere Beamte usw. de- Itiligt sind. Dann wird sehr schnell die Dementierspritze Isiangefjoit oder man schweigt die ganze Sache tot.

Manchmal klappt diese Taktik doch nicht so ganz. Über iirArt, wie nach dem Kriege in Elsaß-Lothringen beider Liq uid ati0n des deutschen Privat- ttzentnms verfahren worden ist, mußte doch eine ÄMentarische Untersuchung veranstaltet werden, weil Ä èache allzusehr zum Himmel stank. Darüber kam w auch ein Bericht zustande, der geradezu abenteuer- Ä! Mitteilungen enthielt. Poincarv und seine Ne- Mz setzten alles daran, das Erscheinen dieses Berichtes N Ändern, aber das mißlang, der Bericht wurde vor- iii«t

'festigt Das waren

-t Untersuchungskommiffion hatte sich nur mit der

- > ân der lothringischen Eisenwerke be- 'festigt. Das waren Riesenbetriebe allermodernster u , Gewaltige Kapitalien waren in die Werke hinein- W worden: so hatte die Firma Thyssen, der eines Werke gehörte, allmählich etwa 1,4 Milliarden Mark

-angelegt. Das war für die französische Schwer- ®*ie ein gefundenes Fressen, all nun Glfaß- ^riitgen an Frankreich fiel, dort der deutsche Privat­es liquidiert, als» zugunsten des Staates verkauft w. Die weitaus wertvollsten Objekte waren diese Wnwerke und die Kalibergwerke im Elsaß.

* lern Bericht des Untersuchungsausschusses geht her- 5 R gerade der Staat es der französischen Industrie g leicht, auffallend leicht gemacht hat, das alles zu er- und zwar zu einem geradezu lächerlich ge­igen Preise. An der Spitze des Konsortiums

Herr de Wendel, selbst lothringisch-saarländischer Mdustrieller, einst deutscher Neichstagsabgeoro- ß»Lund die Seinen machten ein großartiges j.^laft, denn sie bezahlten oder vielmehr sollen d^ wahren bezahlen für die Riesenwerke mit ihren ffÄ^cnwerten nur 180 Millionen Frank. Also ganze Klllionen Mark! Aber Herr Millerand, später Prä- i^.^k französischen Republik, war damals Ober- Assar für Elsaß-Lothringen und hatte bestimmt, daß " lequestrierte deutsche Privateigentum nicht öffentlich f^Mrt, sondernfreihändig" verkauft werden sollte.

hatte man Politiker, Advokaten, ^r^?Ä"b eingesetzt, die sich dabei sehrraschrecht A! Yachten und sich beimfreihändigen" Der- Ä ,^ ergiebig füllen ließen. Was uns Deutsche Ile ^'^" besonders interessier^ ist nun die Aufrechnung, tobn:,' klsolgte. Der Erlös aus diesen Liquidations- $OrJ^ wllte zunächst dazu dienen, um die deutschen Hw VJ^schulden an Frankreich zu decken, laufe,-/ ^cherlich geringen Ergebnisses dieser Ver- W nn? e Deutschland, um jene Schulden abzudecken, iahten "n 8Fwaltig, Hunderte von Millionen Mark, zu- H ? beiOberverwalter des sequestrierten deut- helfen' \A&tumâ"' Herr Senator Alphand, rühmte sich noch auf diese Weiße noch 600 Millionen aus ^A herausgeholt habe. Diese Riesenschie- man also mit dem Nimbus einer

°!)Un^ natürlich gar nichts. Soeben ist tauf her Versuch, ähnlichen Vorkommnissen beim Ver- wer;. ^âeheuer ergiebigen elsässischen Kaliberg- ^wdeiliürk âugehen, schleunigst abgewürgt worden. Beim ^"ttekh- r in den zerstörten Gebieten Nord- und Ost- tnügeJ .mmen ja derartige Skandale und Be - ^wl bari.r ^"geradezu i n Massen vor; es wurde v^wL Parlament ein bißchen gereget. Aber m beutst ^v Deutsche hatte ja zu bezahlen. Jetzt hat

an^ .kgierung die Kriegslastenkommission in bom:«,. ^sen, auf Grund jenes Berichtes doch ein- s ^ Er â ? ^" werden bei der französischen Regierung. llltb ^wrd das ja kaum haben; denn an der Affäre CIc und allzu einflußreiche Personen beteiligt.

, s^ Arbeiter und Angestellte

uerung des Lohntarifs der V ^ u d nst r i e.) Der Lobntarif der chemischen W^ tooruS ^"l 31. März d. J. abläust, ist am 21. März i;töf 6 bet S ""d zwar mit der Maßgabe, daß eine Er- V^rutzd7y"6? etwa 9,5 Prozent eintritt. Für die ^» ' ^ohln!,?" Arbeiter in der chemischen Industrie beträgt N 31 M^ Pscilnige die Stunde. Das Abkommen gilt ' ^wrz 1929

Abschluß der Abrüstungstagung.

GchluWmpfe in Genf.

Neuer russischer Abrüstungsentwurf.

Deutschland und Rußland scheinen die einzige« Mächte zu sein, die bestrebt find, die Verhandlungen der Vorbereitenden Abrüstungskonferenz in Genf vorwärts­zutreiben. Der Vertreter Deutschlands, Graf Bernstorff, hatte beantragt, nunmehr einen Termin für die end gültige Abrüstungskonferenz zu bestimmen. Dieser Antrag ist von der Konferenz abgelehnt worden, des­gleichen ein Antrag Deutschlands, sofort die zweite Lesung der verschiedenen Abrüstungsvorschläge vorzu­nehmen.

Zur Überraschung der Konferenzteilnehmer hat Ruß­land einen neuen Entwurf auf teilweise Abrüstung cin- gereicht, nachdem sein Totalabrüstungsentwurf von der Konferenz abgelehnt worden ist. Der neue russische Ent­wurf verlangt, daß die Staaten mit über 200 000 Mann unter den Fahnen ihre Esfektivbestände auf die Hälfte herabsetzen, während die übrigen Staaten ihre Effekliv- bestände um ein Drittel oder ein Viertel verringern sollen. Im entsprechenden Verhältnis sollen auch die ausgebildeten Reserven herabgesetzt werden. Tanks und besonders weitreichende Geschütze werden vollständig ab- geschafft, während die übrige Ausrüstung in den gegen­wärtig in Gebrauch befindlichen Modellen beibehalten würde. Alle Kampfmittel gegen die Zivilbevölkerung müssen nach einem besonderen Zusatzabkommen vernicht« werden. Die Ausrüstung darf für die erste Staaten­gruppe nicht den Stand für zehn Jckhresklassen über- ffreiten, während für die übrigen Gruppen eine größere Zahl von Jahrgängen berücksichtigt werden kann. Über den gesamten Rüstungsstand und das g»Ug»$te Matsri al werden genaue Listen vorgeschrieben,

Ein Appell des Grafen Bernstorff.

Im Borbereitungsausschuß für die Abrüstungskonfe­renz gab der deutsche Vertreter Graf Bernstorff angesichts der Ablehnung der deutschen Anträge einen Überblick über die bisherigen Abrüstungsbestrebungen des Völker- brmdeS. Man könne wohl beobachten, daß der Ausschuß selbst den Zwang in sich fühle, vorwärtszukommen. Dieser Zwang, so betonte Graf Bernstorfs, rühre aber nicht etwa von Deutschland her, sondern die im Versailler Vertrag niedergelegten Verpflichtungen seien es, von beiten der vom Ausschuß empfundene Zwang ausgehe. Nicht Deutschland sei es, das die Völkerbund­satzung und die Friedensverträge entworsen Habx. Beide seien aber jetzt unterzeichnet und feierlich ratifiziert und

sie müßten deshalb auch ausgeführt werden. Dies hätten auch die Organe deS Völkerbundes wiederholt anerkannt.

Leider sind alle diese Mahnungen, so führte Graz Bernstorff weiter aus, vergeblich geblieben, und das Ar­beitstempo des Ausschusses zeigt einen beklagenswerten ' Mangel an Schwung.

Wie lange die deutsche Regierung diese Unfruchtbarkeit der Ausschußarbeiten mit ansehen wird, steht dahin. Nichts anderes bleibt mir übrig, so schloß Graf Bernstorff, als angesichts des Schlusses der fünften wiederum ergeb­nislosen Tagung Berufung an die Bundes­versammlung im Herbst dieses Jahres einzulegen, jenes Organs des Völkerbundes, welches den Auftrag zur Vor­bereitung der Abrüstung dem Ausschuß erteilt hat und dem dieser Ausschuß verantwortlich bleibt. Selbstver­ständlich würde ick mich febr freuen, wenn unser Ausschuß

Erlebnisse des verhafteten Deutschen.

Ingenieur Goldsteins Bericht.

Prozeßverhandlung erste Aprilwoche.

Der im Donezgebiet mit anderen Deutschen verhaftet gewesene und dann wieder entlassene Oberingemcur Goldstein ist bekanntlich nach Berlin zurüügekehrt und hat dort Bericht über seine Erlebnisse erstattet. Der Bericht ist nunmehr veröffentlicht worden, bringt aber immer noch keine volle Klarheit über die eigentlichen Ur­sachen zu dem gewaltsamen Vorgehen der Sowjet­behörden. Nach Moskauer Berichten soll der Prozeß gegen die noch in Haft befindlichen Deutschen in der ersten Aprilwoche in Moskau stattfinden.

Die russische Presse greift zwar nach bereiiyelt bic Deutschen an und kritisiert den Standpunkt Deutschlands in der entschiedenen Verteidigung der betroffenen Reichs­angehörigen, hüllt sich aber im übrigen in Schweigen und geht nicht näher auf das ein, was eigentlich vor­gekommen ist oder vorgekommen sein soll.

Was Goldstein erzählt.

In der Nacht zum 6. März ist Oberingenieur Goldstein plötzlick verhaftet worden. Nach einer eingehenden Haus­suchung wurde er in bic nächste Kreisstadt Stalin übergeführt. Hier wurde er 24 Stunden im Gefängnis gehalten, dann nach Charkow und von dort nach Rostow am Don gebracht. Im Rostower Gefängnis hat er die ganze Zeit bis zu seiner Frei» lassung am 17. März zugebracht. Aus seiner Berichterstattung geht hervor, daß die

in der Lage wäre, der nächsten Bundesversammlung den Entwurf eines Abrüstungsabkommens nach erfolgter zweiter Lesung vorzulegen, einen Entwurs, der geeignet wäre, die Zweifel und Befürchtungen zu zerstreuen, die ich hier vor aller Öffentlichkeit darzulegen gezwungen war. Allerdings ist bei der Wendung, die unsere Arbeiten bis jetzt genommen haben, zu befürchten, daß sich auch diese Hoffnung nicht verwirklicht. Dann wird die Bundesversammlung als Hüterin des Ansehens und des Einflusses des Völkerbundes diejenige Stelle sein -7 und hierbei folge ich einer Anregung des amerika-- nifchen Delegierten Gibson, die veranlassen wirtz, daß unser Ausschuß endlich aushört, in immer erneuten Tagungen

eine bedauerliche Unftuchtbarkett

zu beweisen. Die Bundesversammlung wird auch dafür zuständig sein, einen Bericht über den tatsächlichen Stand jener zwischen den Regierungen laufenden Besprechungen entgegenzunehmen, die aber keinerlei praktisches Ergebnis gezeitigt haben.

In seiner Schlußrede erklärte der Vorsitzende, Loudon, die unbestreitbare Bedeutung der abgelaufe­nen Tagung liege in der Tatsache, daß die russische Dele­gation ihre Borschläge in voller Freiheit entwickeln kennte.

Litwinow

zog seinerseits die Bilanz dieser Tagung, indem er noch einmal die Auffassung des Berichterstatters Politik kritifch beleuchtete, wonach die sofortige und vollständige Abrüstung mit bem Völkerbundpakt im Widerspruch stehe.

Der chilenische Delegierte Valdes gab mit Bezug­nahme auf die in dieser Woche gefallene Entscheidung Spaniens der Hoffnung Ausdruck, daß Spanien bei der nächsten Tagung im Ausschuß wieder mitarbeiten werde. Litwinow erklärte, er glaube im Namen aller Ausschuß­mitglieder dem Sekretariat und der Abrüstungsabteiluna für die geleistete Arbeit danken zu können, was Lord C u s h e n v u n zu der mit allgemeiner Heiterkeit auß- genommenen Schlußbemerkung veranlaßte, daß trotz tief­gehender Gegensätze in dieser Frage zwischen ihm und Litwinow vollkommene Übereinstimmung herrsche.

DiegegenDeutschlandundRußlandau- genommene Entschließung besagt, daß der Ausschuß nach Prüfung des russischen Projektes über sofortige, vollständige und allgemeine Abrüstung fast einstimmig der Meinung ist. daß dieses Projekt vom Aus­schuß nicht als Grundlage seiner Arbeiten angenommen werden kann, die auf dem bereits eingeschlagenen Wege fortgesetzt werden sollen.

Auf die ursprünglich vorgesehene Festsetzung eines äußersten Termins für die zweite Lesung wurde auf An­trag des amerikanischen Delegierten Gibson, der von Italien und von der Tschechoslowakei unterstützt wurde, verzichtet, weil, wie Gibson begründete, der Vorsitzende bei Einberufung der nächsten Tagung die Sicherheit haben müsse, daß die schwebenden Verhandlungen unter den interessierten Mächten zur Überbrückung der Gegen- sätze zu einem Ergebnis geführt haben, durch das die Aufstellung eines endgültigen Abkommensentwurses b^i der nächsten Tagung gewährleistet werde.

*

Neue britische Vorschläge zur Seeabrüstung.

Lord Cushendun setzte sich in einer Note an die Mächte, die das Washingtoner Abkommen unterzeichnet haben, für eine Herabsetzung der Seerüstungen ein und verlangt u. a. als höchstzulässiges Kriegsschiff das 30 000« Tonnen-Kriegsschiff an Stelle des 35 000-Tonncn-KriegS- fchiffes.

Gefängniszeit außerordentlich schwer für ihn war, weil die Gefängnisverhältnisse derart waren, daß Herr Goldstein die Leiden dieser Zeit noch nicht überwunden hat. Er wurde mit einer großen Anzahl anderer Gefangener in kleinen Zellen gehalten. So war seine Zelle vier Meter lang und 1,70 Meter breit. Darin waren gleichzeitig noch sechs andere Gefangene untergebracht. Unter dem Ungeziefer tote unter der schleckten Behandlung litt Goldstein gleichermaßen. Über den Grund seiner Verhaftung wurde Goldstein dauernd in voller Unklarheit gelassen. Erst ant 14. März fand das erste Verhör statt. Dabei stellte es sich heraus, daß ein

Moutagebericht, den einer seiner Monteure ihm nachgeschickt hatte, der Sowjet- geheimpolizei in die Hände gefallen und von dieser in so ent­stellender Form übersetzt worden sei, daß sich tatsächlich alles mögliche daraus konstruieren ließ Der Vergleich mit dem Original hat dann aber offenbar auch die Sowjets von der Haltlosigkeit der Anklagen überzeugen müssen, und so wurden Goldstein und Wagner ant 17. März freigclassen. Bis dahin ist es Herrn Goldstein aber auch nicht möglich gewesen, sich mit der deutschen Vertretung in Verbindung zu setzen. Die Russen haben die Verlragsvorschriften allerdings insofern formal eingehakten als sie der deutschen Botschaft am Abend vor der Verhaftung eine Ankündigung zugehen ließen, die freilich keine genauen Angaben enthielt. Der Zutritt zu den Gefangenen ist bisher noch nicht erlaubt worden. Nach den Vertragsbestimmungen haben die Russen das Recht, den Besuch hinauszuschieben. Auch die Bestellung eines deutschen Anwalts ist noch nicht genehmigt worden. Immerhin besteht die Mög­lichkeit, daß die Erlaubnis hierzu noch nach Abschluß bei; Untersuchung gegeben wird.