Fuldaer Anzeiger
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.^ feien Wrrttag. DeAugspreL«: monot- M»gIakk.Dei Lieferlmgsbehmüerungea öurch Mere Gewalten', Streiks, Kassperrungen, Äperrr usw. erwachsen Sem Bezieher keine SÄe. Verlag Krieörich Ehrenklau, ZulSa, Die- des Vereins Deutscher Zeirungsvee. ^ Postscheckkonto : Kranksurt a. EL Ut. 46a»
TagrblsK für Rhön rmö Vogelsberg
Ktlös- unö Haunetal »ZMaer krersblatt
Rröaküo« rmü GMLstsstelle: MuhlenftraKe 1 ♦ ZAmsprech-Mrsihluß Nr. 96*
*76- 1928
Fulda, Donnerstag, 29. März
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5. Jahrgang
Das Gängelband.
Es hat vor sechzig, siebzig Jahren eine Zeit gegeben, sprach man mit tiesinnerlichster Überzeugung von einer tzWächterrolle*, die der Staat zu spielen habe: er »sich nicht in all und jedes, besonders nicht in das Wirt- Meben hlneinnnschen, sondern dem einzelnen volle Weit seiner Betätigung geben, ihn ungehindert, aber Wohne ihn zu stützen, die Arme regen lassen. Dieses Mchestertum" war absoluter Glaubenssatz gerade des Uchen Liberalismus, der seitdem auch grundsätzlicher Mr der Zölle war und blieb, weil sie einen Eingriff MÄaates in den natürlichen Gang der Dinge, z. B. in ULMpf ums Dasein", darstellten. Aber diese damals iSptzierende Anschauung ist bis auf geringe Reste ge- KmW; der konservative Gedanke vom „Vater Staat", Wioiwendigkeit, für die Staatsbürger zu „sorgen", war Mund dazu kam dann noch der neue, von ganz teren Ursprüngen ausgehende, aber praktisch zu ähn- M Anschauungen führende Gedanke des. Sozialismus.
U Resultat ist schließlich über die reine staatliche „Für- Ml" hinausgegangen zu der Auffassung eines Rechts- ßchrnches an den Staat in allen nur denkbaren MLcr Rot. Zweifellos hat das zu einer starken Ver- Larimg des Gedankens der Selbsthilfe geführt; alles »Kit sofort nach Staatshilsc, wenn die geringsten lÄimgkeiten entstehen.
& ist ganz gut, daß der Reichsbairkpräsident Dr. iLacht bei der Eröffnungsfeier Les Königsberger Mbanlgebäudes auch einmal auf diese wenig erfreu- A Nil von wenig Selbstbewußtsein, Überlegung und tat Kraft zeugende Entwicklung hingewiesen hat. Sorten alle wie gebannt aus das Idol des Staates k iiÄMn es einem von uns schlecht geht, dann ruft er j fetmd) der Hilfe des Staates." Dr. Schacht bezeichnet IM al§ im Widerspruch stehend zum wirklichen I Mm der Demokratie — um es auf eine kurze Formel linsen: der Staat ist denn doch nicht für den I Wrba, sondern der Bürger muß sich als tätiges UM HM Staates ansehen. Demokratie heißt |M«>{ stelle der Auffassung vom „Baker Staat" das INM der Selbstverantwortlichkeit treten zu lassen, r , Miesem Gesichtspunkt aus richtet Dr. Schacht die I Ai Wers aktuelle Mahnung an die Kreise, die es k «Amund—Hoffentlich! —auch hören wollen, bei der I M uw für sich unbedingt notwendigen Reorganisation I "M wirtschaftlichen Genossenichasts- ^jküs alles nur von obenher zu machen, aber auch MM von obenher zu erwarten. Das gesamte deutsche ^Mschaftswesen, nicht zuletzt das landwirtschaftliche, |!W eigener Kraft entstanden und in gewaltiger, noch wachsender Form ausgebaut worden. Hier zeitigte «Gedanke der Selbsthilfe ganz großartige Resul- «Wdere darf nicht unterdrückt werden von oben- oder 1aufgegeben werden von untenher. Gewiß « die schweren Schicksalsschläge der iZ"n anderthalb Jahrzehnte die Unterleg besonders schwer betroffener Berufsstände und ISW^ durch das Ganze, also den Staat, not- i?!ger gemacht, als dies vordem zu geschehen brauchte.
deswegen darf der Staat immer noch nicht als ein k^-rgungsheim betrachtet werden, wo man draußen lin der Glocke zu ziehen braucht und die Tür sofort I gesperrt wird mit der liebenswürdigen Nufforde- WZchnellstens Hineinzuspazieiren.
att daß wir nun anfangen, von unten auf das I^imschastswesen zu reorganisieren, sehen wir wieder, IL^ Staat von oben her die Dinge meistern zu müssen | M tadelt Dr. Schacht sehr mit Recht. Bequemer mag I °^lleicht — für den einzelnen sein, sich von obenher KM ân gelband nehmen zu lassen, aber es wider- xA dem ursprünglichen, dem großen Gedanken des Ge- ^'.iMaftswesens? Nicht umsonst nannte Schultze- ÈfMMM Gründung den Verband der a u f S e l b st- L e beruhenden Genossenschaften, folgte ein Raiffeisen M^ser Anschauung auch auf dem Gebiete der Land-
" Leider aber sind wir schon viel zu weit auf ritz.,'bauz anderen Wege vorwärtsgegangen, der uns Meinen Verstaatlichung offenen oder noch ver- Lch, <; !dtakters immer näher führt und uns auch immer iitiM'6 Zsdst zur Selbstverantwortung und Selbsthilfe Kan ff laßt. Es ist also wirklich die höchste Zeit, daß
$ auf eine Umkehr besinnt.
„ Das Schicksal der Grenzländer.
^iasfr Dr. Schacht betonte in seiner in
^itbö u Pr. gelegentlich der Einweihung des neuen ^rhAnn-^ebâudes gehaltenen Rede, daß Ostpreußen nu
-um übrigen deutschen Vaterland in besonders Fische »„Jage sei, da auf diesem Land eine große N»en m r Von drei Seiten sei Ostpreußen v-m Men ein?»?t0lten umbrandet, ein Druck, der sich auf ^M-dün^" lege. Gerade er (Schacht), der aus der '^" Grenzmark stamme, habe hierfür tiefe» « n d er" Es scheine das Schicksal aller Grenz- M l^n, daß sie von den übrigen Gauen in ihrem ^ ZUlMer richtig eingeschätzt und oft verkannt ?'°^k N.?ltpreußen sei für Deutschland immer von M vem?tung gewesen. Dieses deutsche Land habe Mas Jy Kultur stets in einer Weise bewiesen, vag ??^hab/^ Deutschland immer wieder in Erstaunen ^l»! Eaum ein anderes Land habe so viel deutsche übrigen Reich gegeben wie Ostpreußen, was es an Ostpreußen habe und es i^ W (Mcn nie fallenlassen. Ostpreußen sei uns me. 1 W ^^mnerung, es sei uns immer noch eine Hoff-
Der ReiHshMhilt für 1928 Wemme«.
Fmüvzlage und Reparationen.
Deutscher Reichstag.
(412. Sitzung.) CB. Berlin, 28. März.
Für die zweite Beratung des Haushalts der Allgemeinen Finanzverwaltung wird vom Ausschuß eine schärfere Kontrolle der Ausgabebewilligungen vorgeschlagen.
Abg. Hilferding (Soz.) vertritt die Ansicht, daß der Etat sich unsozial entwickelt habe. Für den Ergänzungsetat sei keine Deckung vorhanden.
Abg. Dr. Quaal? (Dtn.) tritt für eine Stärkung der Stellung des Finanzminist ers ein. An einem guten Finanzausgleich werden wir durch die Daw»s-Ber- Pslichtungen behinden.
Diese Blutsteuer ans Ausland lastet auf jedem einzelnen. Jede deutsche Familie ist mit 600 Mark an den Auslandsschulden beteiligt.
Abg. Rcubauer (Komm.) schiebt dem Zentrum „für das Elend der Millionen" die Schuld zu, während Abg. Dietrich- Baden (Dem.) bedauerte, daß das Steuervereinheitlichungs- gesetz saug- und klanglos verschwunden und der Weg der. Zollsenkung verlassen worden sei.
Abg. Dr. Cremer (D. Vp.) betont, daß an der Spitze der Finanzpolitik der Grundsatz stehen müsse,
die Steuerkraft der Wirtschaft 311 schonen, damit sie den Wiederaufbau aus eigener Kraft und nicht durch dauernde Abhängigkeit vom Auslandskapital vornehnlen käme.
^eichsfinanzminister Dr. Köhler
stimmt den Vorschlägen des Ausschusses zu, die eine solide Etatswirtschast und klare, durchsichtige Finanzwirtschasi anstreben Von einer verschwendenden Reichsfinanzwirtschaft kann keine Rede sein. Der Minister weist daraus hin, daß allein die Reparationen von 1924 bis 1927 um mehr als 800 Millionen gestiegen seien. Die Ablösung der Martanleihen habe einen Mehrauswand von 350 Millionen verursacht, die Soziallasten und die Erwerbslosenfürsorge seien um 500 Millionen gestiegen, die Ruhegehälter um.Ä«0 Millionen Man könne also nicht davon reden, daß die Mil- liärdenreserve nutzlos vertan sei. Der Minister bespricht dann die Anleihrpolitik und fordert
größte Sparsamkeit auf allen Gebieten
der öffentlichen und der privaten Wirtschaft. Eine übermäßige Neuverschuldung der öffentlichen Hand würde unsere Wirtschasts-, Finanz- und Währungspolitik gefährden. Ausländsanleihen des Reiches und der Länder sind zurzeit nicht ratsam Nach dem in Kürze zu erwartenden Abschluß der Prüfung wird die endgültige Enischeidung über das als be- rechltal anLuerkennende Maß der Anleihen aetroffen werden.
Die Wie 9er Sonern uni Ruinierter.
Ankündigung des Hessischen Laadbuudes.
Ernste V e r lv a h r u ii g e n.
Der Landesausschuß des Hessischen Landbundes hat in einer Sitzung zu Frankfurt a. M. eine Entschließung angenommen, in der es heißt: „Die in dem Notprsgrainm der Reichsregierung vorgesehenen Mittel sind nicht hinreichend, um die schwere Notlage der hessischen Landwirtschaft mit Aussicht auf Erfolg zu beheben. Die von der hessischen Regierung bisher getroffenen ober in Aussicht gestellten Maßnahmen auf steuerlichem Gebiete lassen keine Hoffnung auf eine auch nur einigermaßen spürbare Erleichterung in der Überlastung des hessischen Bauernstandes durch die Landessteuern erkennen. Wir können und werden nicht weiter Zahlungen an die öffentliche Hand leisten, solange uns die entsprechenden Einnahmen aus dem Betriebe fehlen; wir werden keine Käufe tätigen, für die uns Barmittel fehlen; wir lehnen die Aufnahme weiterer Schulden, für welche Zwecke es auch sei, zunächst ab. Der hessische Bauernstand ist nicht gewillt, sich weiter zum Nusbeutungsobjekt eines Systems der Verantwortungslosigkeit machen zu lassen."
Reibungen in der Landwirtschafiskammer Hannover.
Politische Z u s a in m e n st ö b e.
Bei der Eröffnungssitzung der Landwirtschaftskammer Hannover hielt Oberprästdent Noske eine Ansprache, wobei er erklärte, daß er sich bemühen werde von ben staatlichen Hilfsmitteln so viel ivie möglich in die l'iet in» Ä," Ö* W™. J>> »x-Sim-mM- man aber durch eigene Arbeit ur.d aus etgencr u. 1 f den neuen Wiederaufstieg sorgen. Der Vor,ltzenoe bey Hannoverschen Landbundes, Cordes, wandte sich gegen die Attsführungen des Oberpräsidenten im Provmziallandtag und wies den Vorwurf agitatorischer Übertreibung zuruck, wobei er auf die Mängel des parlamentarischen Sypems èinaiita Oberprästdent Noske verwahrte sich im Namen der Staalsreaierung dagegen, daß die Tagung der^aiid- ivirtschastskammer zum Tummelplatz agitatorischer Fragen unb wnt S Debattierklub gemacht werde. Die Landwirtschaftskammer sei mcht der richtige Ort, um über hie Staatsform und die Politik ^rJ®^^ Darauf begann die Kammer ihre geschäftlichen ratunaen.
Der Haushalt wird darauf gegen vic «summen cer Sozialdemokraten, Demokraten und Kommunisten angcnom- inen, ebenso die Entschließungen des Ausschusses. Zum Haushalt des Reichstages wird ein Antrag des Vorstandes angenommen, wonach der Betrag für den Wirtschaftsbetrieb des Reichstages aus 60 000 Mark erhöht wird. Auch das Haus- Haltsgesetz wird dann in zweiter Beratung angenommen. Der Ausschuß hat hier Bestimmungen eingefügt, die eine Stärkung der Stellung des Finauzministers bezwecken. Zunl Ergänzungsetat werden auch die einen Teil des landwirtschaftlichen NotprogrninmS bildenden 25 Millionen Mark für die landwirtschaftlichen Genossenschaften bewilligt. In allen drei Lcsungetl wird ein Jnitiativgesetzentwurs angenommen, wonach für die
Durchführung des landwèrffchastlichen AoLprogkümms
ein RcichZtagsanSschnß eingesetzt wird, der das Recht erbettelt soll, feine Tätigkeit bis zum Zusainmcntrctcii des neuen Reichstages durchzusühreu. Die Schlußabstinnnung wird später ftattfinden, da hier eine verfassungsmäßige Zweidrittelmehrheit sestgcstelli werden muß.
Tie Novelle zum Gesetz über die' 4
Errichtung der Deutschen Rentenbankkreditanstalt wird in zweiter Lesung angenommen, dazu noch ein deutsch- nationaler Antrag, wonach die Beteiligung an der Preußen- kasse 5 Prozent des Eigenkapitals nicht übersteigen darf.
Darauf wurde eine kurze Beratungspause eingelegt. Nach Wiederaufnahme der Sitzung wurde die Novelle zur Deutschen Rentenbankkreditanstall ohne Aussprache in dritter Beratung bis zum zweiten Artikel angenommen. Die Weiter- beratung wurde vertagt, weil in den zweiten Artikel noch der Termin des Inkrafttretens des ganzen Notprogramms eingearbeitet werden soll, so daß das sogenannte Mantel- gesetz zum Notprogramm überslüssig wird.
In namentlicher Abstimmung wurde dann mit 368 gegen 5 Stimmen die Einsetzung des 28gliedrigen Ausschusses beschlossen, der bis zum Zusammentritt des neuen Reichstages die Durchführung des landwirtschaftlich.'n Notproqramms überwachen soll. Die namentliche Abstimmung war, wie Präsivent Löbe bemerkte, notwendig, um festzustellen, ob die für verfassungsändernde Gesetze n 0 twenVige qualifizierte Mehrheit er- reickn fei. Das war mit der borgenommenen Abstimmung geschehen. Die darauf aus dem gleichen Grunde namentlich vorgenommene Schlußabstimmung über das
Überleitungsgesetz zur Strafrechtsreform ergab die Annahme mit 344 gegen 36 Stimmen, also mit der notwendigen Mehrheit.
Damit war die Tagesordnung erledigt und das Haus vertagte sich auf Donnerstag.
Gründung eines Viehabsatzvcrbandcs.
Hamburg. Auf Anregung aus Hofbesitzerkreiserr ist in: Hamburg ein Viehabsatzverband gegründet worden, der bc- zweckt, den Absatz der Landwirtschaft an Schlachtvieh jpnbt' katsmäßig zu organisieren und damit der Landwirtschaft eine Einflußmöglichkeit aus die Preise ihrer Erzeugnisse zu vcr- schassen. Der Verband soll sich über das uordwestveutsche Gebiet erstrecken. Die Organisation erstreckt sich jetzt bereit», über 85 Ortschaften.
Handwerk gegen GpLiiierparieien.
KeineSondergritppen.
- Die bevorstehenden Neuwahlen haben auch in Handwerkerkreisen Bestrebungen auftauchen lassen zur Aufstellung besonderer Kandidaten für die Berufsinleressen. Der Reichsverband des deutschen Handwerks und der D e u t s ch e H a n d w e r k s - u n d G e - w e r b e k a m in e r t a g als die maßgebenden Spitzenorganisationen des gesamten Berufsstandes lehnen diese Verquickung berufsständischer Interessenvertretung mit politischen Bestrebungen ab, da jede Verbindung mit fol- eben Zielen die berufsständischc Geschlossenheit des Handwerks zerschlagen müßte. Grundsätzlich nehmen die Spitzenverbände des Handwerks auch gegenüber den Plänen zur Gründung besonderer Handwerkerparteien eine ablehnende Stellung ein, da neue Parteien wegen der damit verbundenen Zersplitterung lediglich zu einer Schädigung und Schwächung des Bürgertums führen. Die Spitzenverbände des Handwerks halten daher an den Jenaer Beschlüssen aus dem Jahre 1920 fest, die eindring, lich vor Versuchen zur Bildung einer selbständigen politischen Handwerkerpartei warnen.
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Kleine Zeitung für eilige Leser
* Das Slotprogramm wurde im Reichstag in zweiter Lesung angenommen. Rcichsfinanzminister Dr. Köhler verteidigte die von ihm eittgeleitete Politik.
* In der letzten Sitzung des Barmal-Prozcsses ergriff Julius Barmat das Schlußwort und beteuerte darin feine Unschuld. Die Urteilsverkündung erfolgt am Freitag.
* Im Polnischen Landtag erlitt Ministerpräsident Pil- sudski eine erhebliche Niederlage, da nicht der von ihm vorgeschlagene Kandidat, sondern ein Sozialdemokrat zum Landtagspräsidenlen gewählt wurde.
* In der Gegend von Udine (Obcritalien) herrschte ein- Erdbeben, das zehn Menschenleben forderte. 1