ulöaer Anzeiger
M>eÄ feöea Mrttag. Dezugsprslr: monat.
^zNark.B-i Lreferurrgsbehinörrungen Snrch Geroalter»", Stcelks, ^nsfperrungen, usw. erwachsen öem Bezieher keine
Sprüche. Verlag Krieörich EhrenNau, Zulüa, 8 des Vereins Deutscher Zertungsoer- Ä ,^r Postscheckkonto ^ankstrrt cuSL Hegtet»
Tagedlatt für Rhön mrK Vogelsberg' Iulöa- mrö Haunetal >Zul-ser KreisblsS ReöakSs« tmd Seschäftsfirlte: Mühlenstraßs 1 ♦ Irrnfprech-Mrsihlnß Vr.-SS
Len,Banken nfto. beträgt öirKlemzeile 0.30 Hit., für auswärtige Auftraggeber c.25 Mk.,für die Reflsmezeile 0.90 Mk. u. alle «nüeren 0.15 M., Reklamezeile 0.60 Mark ♦ Bel Rechnuugsstrt» hmg hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfolgen ♦ Tag» und platzvorschristen unverdmölich.
teW -tzig-L irifte tot
86- 1928
Fulda, Donnerstag, 12. April
5. Jahrgang
Wildwest im Berliner Kriminalgericht
NdW
! El
„ 6 konlNlnsWher Handstreich.
: m ^ange nen befreiung in Berlin-Moabit.
- - — ^- • - -------------
Eine durchaus wildwestlich anmutende Gesangenen-
feint ^i^n spielte sich im neuen Kriminalgerichtsgebüuds enw ^xrl j n - M 0 abit ab. In das Vorzimmer des & ^ericktsdircktors Dr. B 0 igt, in dem sich der wegen
^erichtsdirektors Dr. B 0 igt, in dem sich der wegen iverrates verhaftete kommunistische Schriftsteller j ü Braun, von zwei Justizbeamten bewacht, zu st ihm vom Untersuchungsrichter gestatteten Unter» Wg mit einem Fräulein Olga Benario eingefun- ii hatte, drangen plötzlich sieben bewaffnete junge 2 fette! ein, riefen das übliche: „Hände hoch!", bedrohten 2 Beamten mit Revolvern, schlugen den einen von ihnen S i| einem Gummiknüppel nieder und versuchten auch den S ßmi zu überwältigen, was ihnen aber nicht gelang. M! auf Alarmsignale hin von allen Seiten Beamte c steigen, konnten die Eindringlinge mit dem Gefangn Braun und der Besucherin entkommen und in
a uereitstehenden Auto entfliehen. Einer von den fei Kommunisten konnte am Haupttor des Kriminal- uiEZebnudes festgenommen werden. Er gab an, daß thrl $ hilipp heiße und Schlüchtergeselle von Berus Ei. über die Persönlichkeiten der Mitbeteiligten will er fein nichts wissen; er gab jedoch an, daß die Ent- Btiiitg Otto Brauns schon seit acht Tagen sorgfältig vor- tat worden sei.
[ M nun diesen Otto Braun betrifft, so war er der Mischen Polizei schon seit Jahren gut bekannt. Er Bit (citer der Nachrichtenzentrale in der Kom- knifedjeH Partei und führte im Jahre 1921 mit einigen Mi als „Kriminalbeamter" eine groteske „Haus- in der Wohnung eines früheren Obersten durch, Milben Besitz gewisser Akten zu gelangen. Sieben Gefängnis waren der Lohn für diese Tat. Fünf M lang hörte man dann nichts mehr von Otto eines Tages offenbar wurde, daß die Kom- Partei unter seiner Leitung „militärische Inszenierung von Putschen abhielt. Wegen M'^Mrtichen Lehrtätigkeit wurde gegen Braun ein
Verfahren wegen Hochverrates
l chM gleichzeitig aber auch gegen einige seiner Mtt- Bremen, München uns anderen Städten. Mitarbeitern gehörte die 19jährige Studentin MüaZènari o, die Tochter eines Münchener RechtS- P Sie wurde auf freiem Fuß gelaßen, während ® Oftober 1926 in Untersuchungshaft kam. Am E sollte vor dem Reichsgericht der Prozeß gegen imb seine Mitangeklagten beginnen. In den M Monaten besuchte ihn Olga Benario sehr häufig: I Tierhaltungen fanden stets im Sprechzimmer des '^Agerichtes in Gegenwart von Justizbeamten statt, lJ5 Vorschrift ist. Gelegentlich einer solchen Vc- nun ist Braun jetzt „entführt" worden.
>u7^ polizeilichen Ermittelungen zur Aufklärung des haben ergeben, daß die Tat wirklich von langer ^ vorbereitet gewesen sein muß. Die Polizei ver- »vereits gewiste Spuren, die vielleicht zur Ergreifung Zerführen rönnen.
9c9cn ihn erhoben worden und der Vorhand
ms
fc^ Sä
Die Llniersuchungshafi.
^en Akiba hat bisweilen unrecht. So etwas ist denn dmw , Moabiter Gerichtshallen noch nicht vor- w Em kommunistischer Schriftsteller, der in das ^üW^ ./"sungszimmer des Untersuchungsrichters geführt ?^i wirv^0 ^0^ durch gutbewaffnete Leute befreit, die h '^n9^611 Beamten werden überwältigt; es gelingt v« Ä , N^^olgung, nur einen der Täter zu erwischen. In ? . Kriminalgeschichte jedenfalls steht dieser re.iynJft.^^S da, der etwas an wohl nicht ganz seltene 'd^^^nisse im fernen Wildwest erinnern mag.
'S i Um^s,,^'^uldigte hatte schon anderthalb Jahre lang ii .»„M^ungshaft gesessen. Anklage Wegen Hochver- " L®9?^ ^>u erhoben worden und der Verhand- ^.'„, irhie Ä ^""^ unmittelbar bevor. Da mag ihm nickst ' fehl in ^«„h- ^sivas lang geworden sein, sondern er mochte s^i!» Gc'i ?-^?hl mit einigem Bangen entgegenfehen. K'J - J'^^ Seit, während der er in Untersuchungs- 11 '"ifehtL^ ^^ lange gewesen, aber das ist leider ttichtv rtosp, tszF"dcs mehr und besonders nicht bei Hochverrats- iit in“ üii^V Überhaupt mehren sich die Stimmen, daß die üb inon m-" U nte r s u chu n g s h aft allzu häufig in 11t fe, ^t, äks/ ^Knis mehr zu der zu erwartenden Strafe fl^L itijür eL1^1 unserer Justizvertvaltung liegt die Schuld -siel» tt§cfÄ nickst. Die Krimmalstatistik hat leider mit d^ ft 8 1 nur allzu recht, daß in der Nachkriegszeit «'i’Xh, der Verbrechen und Vergehen M gewachsen ist, infolgedessen auch ^ntcr i.a^' ^te 1)211 gesetzlichen Bestimmungen zufolge ^. X'^ genommen werden müssen. Die tiahl.V?d,>Ucfl ganz außerordentlich überlastet, zu ein^r^" häufig trotz besten Willens Nicht - ^lin^ ^ ins letzte gehenden Untersuchung und feil. X °2ä Einzelfalles die dafür notwendige Zeit ? f eine g roße G e f a h r, weil bann ih^'öerder Gerechtigkeit zum juristischen Aber an jeder Entscheidung, zum ben meisten von thuest, hängt ein Atenschen-
l^iieuANe Justizminister hat vor einiger Zeit iiiiÄ die Verhällgung der
't nur in wirklich dringenden und unbe- vigkn Fällen erfolgen soll; das gilt natur*
lich nur bei Vergehen, wo sie in das Ermessen des Untersuchungsrichters gestellt ist, während ja ihre Verhängung bei Verbrechen gesetzlicher Zwang ist. Man will es jetzt möglichst zu vermeiden suchen, daß durch eine nicht 'unbedingt notwendige Untersuchungshaft die wirtschaftliche und soziale Stellung des vielleicht zu Unrecht Beschuldigten in verhängnisvollster Weise untergraben oder gar vernichtet wird. Das ist aber nur allzuoft die Folge längerer Haft; man kann freilich dem Richter keinen Vorwurf machen, weil er unter seinem Beamteneid dazu verpflichtet ist, alles zu tun und nichts zu unterlassen, was die Findung der Wahrheit fördert. Aber wie bei allen menschlichen Einrichtungen, so ist auch hier Irrtum möalick: doch wirkt er hier besonders verhängnisvoll.
Das Kriminalgericht hr Berlin-Moabit. "
Dabei- soll aber nicht vergessen werden, daß manche Einrichtungen schon .getroffen sind, um die Untersuchungshaft möglichst abzukürzen. Nach englischem Vorbild haben auch wir jetzt den sogenannten S d) 11 c I I = richter, der für große Beschleunigung des Verfahrens und Erledigung des Falles in summarischer Weise sorgen kann. In England ist das in einem noch viel ausgedehnteren Maße alS bei unS durchgeführt und wenn man in Deutschland gleichfalls aus diesem Wege fortschreiten würde, so würde daS auch auf die Frage der Untersuchungshaft und ihrer Länge sich wohltuend auswirken. Einer Vermehrung der Zahl unserer Justizbeamten sind finanziell sehr enge Grenzen gesetzt, außerdem sorgt ein scharfes Prüfungsverfahren für sorgfältige Auswahl. Aber schon der neue Strafgesetzentwurf, der erfrenlicher- Weise den gestorbenen Reichstag überlebt hat und hoffentlich in dem neuen seine recht baldige gesetzgeberische Erledigung findet, strebt schon durch die Erweiterung der richterlichen Bewegungsfreiheit dahin, daß auch hier die bisherigen Härten der Untersuchungshaft vielfach gemildert werden können.
Nicht bloß jener kommunistische Schriftsteller saß in vielmonatlicher Untersuchungshaft, sondern es gibt auch eine ganze Reihe anderer, die sein Schicksal teilen. Genuß ist nicht anzunehmen, daß nun das Vorgehen seiner Freunde Nachahmung findet und daß der Ruf „Hände hoch!" etwa des öfteren in den Hallen der Justiz erschallt, — aber neben dieser fast komischen Seite darf doch die ernsthaftere nicht vergessen werden, daß schließlich durch die lange, zermürbende Untersuchungshaft nur allzu leicht die Häftlinge zu verzweifelten Entschlüssen getrieben werden.
Evangelischer Reichselismiag.
Zusammenkunft in Magdeburg.
^ic sechste Tagung des Evangelischen RcichseltcrnLundeS wurde in Magdeburg unter. Vorsitz des Vorstandes von Exzellen» Conze' eröffnet. Professor Dr. H i n d e r c r, der Geschäftsführer des Bundes, berichtete über die schulpolmsche Sage und über die Aussichten der bevorstehenden Parlamentswahlen.
Nach einigen weiteren Rednern, die sich über Praxls und Theorie des Schulwesens verbreiteten, hielt den Fesivortrag Generalsuperintendent Dr. Di b e l i u ö - Berlin über das Thema: r
„Die deutsche Schulnot und die Kulturkrisis der Gegenwart."
Dr DibeliuS führte u. a. aus: Nach dem Scheitern des Reichs- fchulaefebeë bat vorläufig die bisherige Rechtslage zu gelten. Aber die evangelische Elternschaft kann nicht beliebig lange warte» denn sie hat ihren Kindern gegenüber unaufschiebbare Pflichten. Wohl wissen wir, daß die Unsicherheit aus dem Gebiete der Schule ihre Wurzeln in der allgemeinen Kutturkrms hat, Rationalisierung, Spezialisierung, Technisierung und Verweltlichung sind ihre Kennzeichen. In bezug auf die sittliche -^inac besteht in unserem Volke keine Einheitlichkeit mehr und jede sittliche Extravaganz beansprucht in aller Öffentlichkeit Anerkennung. Gegenüber dieser Sachlage ist ent» schlöffe, re Gegenwehr geboten. Die katholische Kirche hat den Kampf auf allen Gebieten ausgenommen und eine zielbewußte Kulturpolitik eiiigelcitet. Auck wir dürfen darin nicht Zurückbleiben ^ic Autonomie der Pädagogik müssen wir ablebucn, denn sie scheitert an der Wirklichkeit. Daraus folgt für uns die Pflicht die evangelische Schule, auf die wir Rechtsansprüche haben von innen heraus wieder herzustellen ober neu zu schaffen. Diese Losung gilt znnächst für die evangelische Elternschaft die niemand von ihrer Verantwortung befreien kann An dem Kampfe um die evangelische Schule wird zum ersten-’ mal seit 400 Jahren der Gedanke des allgemeinen Priestertums sich bewahren; im Bunde mit wirklich evangelisch-christlichen Lehrern wird uns dieser Kamps gelingen.
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Eine internationale Notenbankkonserenz sindet zurzeit in Paris statt, an der auch die Teutsche Reichsbank beteiligt ist.
* Aus dem Berliner Kriminalgericht wurde ein in Unter- suchungshaft befindlicher Kommunist, der Schriftsteller Otto Braun, von sieben bewaffneten Genossen entführt und befreit.
* Die in Rußland verhafteten deutschen Ingenieure sind nach Moskau verbracht worden, wo alsbald der Prozeß gegen sie beginnen soll.
* Bei einem Prozeß in Pittsburg wurden entsetzliche Einzelheiten des sogen. Ku-Klux-Klan-Bundes enthüllt.
Deutschlands Reparatèsnszahlungen.
Ein Bericht des Neparationsagenten.
Der Reparationsagent Parker Gilbert veröffentlich: eine Übersicht über die im vierten Annuitätsjâhr bisher vorgenommenen Zahlungen. In der Zeit vom 1. September 1927 bis 31. März 1928 haben in Goldmark rund erhalten: Frankreich 450 Millionen, Großbritannien 185% Millionen, Italien 63% Millionen, Belgien 62 Millionen, Jugoslawien 31 Millionen, Amerika 39% Millionen, Rumänien 8,4 Millionen, Japan 3,6 Millionen, Portugal 4,8 Millionen, Griechenland 627 000 und Polen 177 000. In der Kasse des Reparationsagenten befanden sich am 31. März noch etwa 168 Millionen Mark, die bis zu diesem Zeitpunkt nicht verausgabt waren. Für Sachlieferungen wurden vom Reparationsagenten 419 Millionen und für die Besatzungstruppen 40,4 Millionen beglichen.
Die OstpreußenhiLse des Reiches.
Eine amtliche Aufklärung.
Gegenüber Presseäußerungen der letzten Tage, die sich mit der von Reich und Preußen angekündigten „Ost- Preußenhilfe" beschäftigten, wird amtlich darauf hin- gewiesen, daß die von der Regierung für diesen Zweck urlge forderten Ui i i ta t vom Reichstag erst am Tage vor seiner Auflösung, also am 30. März d. J., bewillig: worden sind, und daß daher die Reichszentralbehörden bis zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage waren, über die Mittel zu verfügen. Inzwischen ist bereits für einen Teil der beschlossenen Hilfsmaßnahmen eine größere Summe bereit gestellt und der zuständigen Stelle in Ostpreußen zugeleitet worden.
Nachdem noch in der letzten Woche des MonatS März in Königsberg erneut eingehende Verhand- lungen über die Durchführung der einzelnen Hilfsmaßnahmen mit den Vertretern der ostpreußischen Wirtschaft gepflogen worden sind, kann die Provinz Ostpreußen, deren schwere Schädigung durch die Abtrennung vom Mutterlande und deren gegenwärtige wirtschaftliche Not von den verantwortlichen Stellen in vollem Maße gewürdigt wird, darauf rechnen, daß auch die übrigen Teile deS OjtpreußenhilfeProgrammS in Kürze verwirklicht werde«.
StandderDmiersaatenimDeuischenReich
Anfang April 192 8.
Der Witterungsverlauf der ersten Wintermonate war für die Entwicklung der Getreidesaaten im allgemeinen nicht ungünstig. Erst der zu Beginn des Monats März einfetzende Nachwinter fügte den Saaten durch schroffen Tempcratur- wcchsel (frostige Nächte bei wärmeren Tagen) Schaden zu. Besonders stark machte sich dieser Tcmveraturwcchsel in den öft- Licken Gebieten des Reiches bemerkbar, wo demgemäß mit größeren Auswinterungsschäden zu rechnen sein wird. Vcr- Hälmismäßig günstig wird der Stand von Winterspclz beurteilt, dessen Hauptanbaugebiet (Württemberg) am wenigsten unter dem Witterungswechsel gelitten hat.
Die Frühjahrsbestellung ist in Gegenden, wo der Boden lange Zeit gefroren war, noch zurück, sonst aber bereits im vollen Gange. Allgemein bestehen noch lebhafte Klagen über starkes Vorkommen von Feldmäusen, denen daS März- wetter nicht in dem erwarteten Umfange geschadet hat.
Unter Zugrundelegung der Zahlennoten 2 = gut, 3 — mittel, 4 — gering ergibt sich im Reichsdurchschnitt folgende Begutachtung der Wintersaaten: Winterweizen 3,2 (im De« rembcr 1927 : 2,7), Winterspclz 2,6 (2,5), Winterroggen 3,3 (2,9), Wintergerste 3,3 (2,7).
Schreckenstaten des /Mu-Klnx-Man".
Aufsehenerregende Enthüllungen.
In Pittsburg in den Vereinigten Staaten wickelt sich zurzeit ein Prozeß ab, der entsetzliche Einblicke in die Tätigkeit des Ku-Klux-Klan-Bundes gewährt, der oft genannten amerikanischen Geheimverbindung, die sich jahrelang fast ungehindert eine Art Lynchjustiz anmaßen konnte, vorzugsweise in den Südstaaten.
Zeugen bekunden, wie diese Geheimorganisation Mitbürger tötete, katholische Kirchen anzündete und Bombenanschläge verübte. Acht Leute, die dem Geheimbund unangenehm waren, wurden vom Ku-Klux- Klan-Gericht zum Tode verurteilt und in Gegenwart von ungezählten Mitgliedern des Bundes in vollen Kostümen getötet. Entsetzliche Grausamkeiten, wie das Übergießen der Opfer mit CI und Teer, dann Verbrennen am . Scheiterhaufen, wurden von den Zeugen ausgesagt. In Obio erhielten organisierte Nachtreiter den Befehl zum Niederbrennen der katholischen Kirchen. Weiter geht aus den Vernehmungen hervor, daß der Leiter des Bundes Banden nach Mexiko schickte, um dort Unruhen anzustiften und so die amerikanisch-mexikanische Spannung zu verschärfen.