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Fg- 1928

Fulda, Dienstag, 22. Mais

5. Jahrgang

Das Rätselraten um die Regierungsbildung.

Lkgebniffe des Wahlsonnlags.

Starke Beteiligung der Wähler. >

Ter W. Mai brachte nicht allein für das Reich, sondern ^ür die Landesparlamente in P r e u ß c n , B a y e r n, ritemberg, Oldenburg und Anhalt die Mhl der Abgeordneten, die in den nächsten Jahren § Amtes als Volksbeauftragte und Gesetzgeber walten tn. Durchgehend war die Wahlaktion nicht von der H des Wettergottes getragen, in vielen Gegenden mtè unaufhörlicher Regen hernieder, dennoch oder Ekicht gerade deshalb wuchs das Interesse und die teilnahme der Wähler anscheinend. Ganz abschließend j sich das Endergebnis der Wahlen vor der amtlichen im Abrechnung natürlich nicht übersehen, doch ist soviel [, daß die bisherige rechte Seite des Reichstages zu- ßm der Sozialdemokraten und Kommunisten ge» imcht worden ist, daß auch die Mittelparteien verloren bm, dagegen die W i r t s ch a f t s p a r t e i, die man hl zur Rechten rechnen darf, erheblich gewonnen hat. gesehen von einigen örtlichen mehr oder weniger hef- ,m Zusammenstößen ist der Wahltag überall ruhig ver- iiien, wozu das die Leidenschaften niederdämmend« l$k Wetter beigetragen haben mag.

Vorläufiges Ergebnis im Reiche.

Vom Reichswahlleiter wurde nach dem zunächst vor- zenden Endergebnis der Reichstagswahlen die Man- üvverteiluug im Reichstag folgendermaßen angegeben:

Toziatdemokraten

152, bisher 131

Deutschnationale

73,

fr

111

Zentrum

62,

ff

69

Kommunisten

54,

ff

45

Deutsche Volkspartei

44,

ff

51

Demokraten

25,

ff

32

Boyer, Volkspartei

16,

ff

19

Wirtschaftspartei

23,

ff

21

National-Soz. Partei

12,

ff

14

Christl.-Nat. Bauernb.

13,

ff

Deutscl(e Bauernpartei

8,

ff

Landbund

5,

*-

VolksrechtSpartei

2

ff

Sächsisches Landvolk

ff

httLussichtlich fallen die übrigen Splitterparteien Ua sie in keinem Wahlkreis die genügende Stimmen- M erhielten. Es haben 30 592 442 Wähler abgo und 489 Abgeordnete sind gewählt.

Regierungswechsel erst später. i^ichstagszusammentrittl 0.14. JunL - s Mehrfach ist die Vermutung ausgesprochen worden, ' 6k Reichsregierung vielleicht schon Dienstag zurück- m konnte. Demgegenüber ist darauf Hinzuwelsen, das; Rt das amtliche Wahlergebnis abgewartet werden t Die Regierung wünscht, wie verlautet, auch durch r Rücktritt eine Regierungskrise nicht eher herbeizu- M, als bis die Bedingungen für den unmittelbar bevor. Wen Zusammentritt des Reichstages gegeben sind. èlchstag dürfte in den Tagen zwischen dem 10. und i/unl zusammentreten. Wenn die Reichsregierung

! vorher zurücktreten würde, so würde sie mit der SnS,tier Geschäfte beauftragt werden müssen, was

5 Schwierigkeiten mit sich brächte.

bie fammende Legierung. ^ deutsche Volk hat gesprochen und es hat den An- i dabei die Wahlbeteiligung eine recht große ge- s jedenfalls sehr viel größer, als die Versamm- I Ser Parteien darauf schliessen ließen. Das Er- ftt ein deutlicher Ruck nach links; die Sozialdenlo- eine ganze Reihe von Mandaten erobert und weitaus stärkste Partei in den neuen Rerch-,- I^dläufig läßt es sich allerdings noch nicht übersehen, i^ârteikolnbinatiorr Träger der künftigen Regie- L/hrheit sein wird, hoch erscheint es nicht au»» daß ebenso wie in Preuße» die sogenannte rer Koalition", also das Zentrum die nj ^cn und die Sozialdemokraten, eine Mehrheit im Qieru, n Reichstag bilben uns damit die Trägerin der

]ein wird. Ob auch andere Parteien wie i,n^Swftspartei und die Deutsche Volksparter hierfür werden, steht vorläufig noch aus, doch ist rZ* Mncii, daß die Partei Stresemanns, der wohl Leiten auch künftig als Äußemnmiücr gewünscht ubl konunenden Koalitionspartei zunt Mindestrn sollende Neutralität bewahren wird, wenn nicht c Koalition von Bollspartei bis ^ozial- i1 ^w neuen Reichstag und damit her .hegtentiig sieben wird. Auf der anderen Seite wird die h?» °" der Deutschnätionaleu und der Vottifche» der Linken noch durch die nicht nubcliachl ich Kommunistische Partei gestärkt sem, aber ß»ie! "V" notwendige Kraft aufbringe» wird, der oder einem Zusammengehen de rct Partei erhebliche Schwicrigkelten zu bereiten.

Das gleiche gilt für Preußen. Durch die dort gleich­zeitig mif den Reichstagswahlen erfolgenden Landtags­wahlen hat die bisher in Preußen regierende Mehrheit eine Stärkung erfahren, die jetzt jedem Angriff der ver­einigten Opposition besser standhalten wird, âls das früher geschehen konnte. Natürlich wird dies auch auf das Reich abfärben und dort zu Rückwirkungen führen, die zweifel­los zu einer ähnlichen Zusammensetzung der Regierung Veranlassung geben werden. Infolgedessen dürste die j e tz t bestehende Reichs regierung sehr bald ihren Rücktritt erklären, um den Verhandlungen der Par­teien freien Raum zu geben. Selbstverständlich spielen bei der Zusammensetzung der künftigen Regierung persön­liche Gründe eine große Rolle und es fragt sich infolge­dessen, ob der jetzige Reichskanzler Marx, der sich bei der Linken recht unbeliebt gemacht hat, auch künftighin in feinem Amte bleiben wird. Vielleicht muß er infolgedessen den Sessel des Reichskanzlers einer Persönlichkeit räumen, die weiter links eingestellt ist: es gibt dort eine ganze Reihe von Männern, die ihn zu ersetzen, sehr gern bereit wären.

Angesichts des Wahlerfolges der Linken dürfte der Reichspräsident nach Rücktritt der bisherigen Regierung an die stärkste Partei des neuen Reichstages, also an die Sozialdemokraten, wegen der Bildung des neuen Kabi­netts herantreten. Ihr Fraktiousvorsitzender Hermann Müller (Franken) ist bereits einmal Reichskanzler ge­wesen und es erscheint durchaus nicht ausgeschlossen, daß er dieses Amt von neuem übernehmen wird. Trotz des Sieges der Sozialdemokratie erscheint es aber aus- gesHlosseu, das; etwa eine noch weiter nach links orientierte Regierung, also mit den Kommunisten zusammen, gebildet werden dürfte. Eine reine Linksregicrung hat keine Mehrheit im Reichstag und infolgedessen dürften die Führer der Sozialdemokraten ihre Fühler nach rechts hin. also nach der Demokratie und dem Zentrum hin, aus­strecken.

So ist das Resultat des 20. Mai eine deutliche Ent- Wicklung nach links. Die bisherige Opposition hat, wenig­stens in ihrer stärksten Partei, der Sozialdemokratie, ge­siegt, die Mittelparteien aber haben nicht die Erfolge er­rungen, die sie gewünscht haben, vielmehr haben sich die schärferen Betorrer der rechten und der linken Richtung überraschend gut gehalten. Den Wahlkampf selbst wird man jetzt zu den Akten legen; das nüchterne Tageslicht, die nackte Wirklichkeit, wird stärker sprechen als Versamm- lungsredner und Wahllautsprecher.

Mir- und wiedergewählte Abgeordnete.

Von den Deutschnationalen: D. P. Dryander (Wahl-"' kreis Düsseldorf-West), Dr. Bang (DresdewBautzen), Dr. Everling (Mecklenburg), Dr. Oberfohren (Schleswig-Hol­stein), D. Mumm (Westfalen-Süd), Schlange-Schöningen (Pommern), Reichsminister Hergt (Liegnitz), Graf zu Eulenburg, Dr. Preger, Franz Behrens (alle Ostpreußen), Reichsminister Dr. Kock (Düsseldorf-Ost). Lettow-Vorbeck (Oberbayern-Schwaben), Walter Graef (Thüringen), Dr. Hanemann (Baden), Reichsminister Schiele (Magdeburg), Wallraf (Köln), Reichsminister Keudell (Frankfurt an der Oder), Staatspräsident Dr. Bazille (Württemberg), Gras Westarp (Potsdam), Dr. v. Freytagh - Loringhoven

Deutsche Bolksparter: Dr. Runkel (L>chleswlg-Hol- stein), Freg.-Kapitäu a. D. Hintzmann (Weser-Ems), Dr. Scholz, Staatssekretär Karl Schmid, Konteravmnal a. D. Brüninghaus (Chemnitz-Zwickau), Reichsminister a. D. Dr. Becker (Hessen-Darmstadt). Staatswrnrster Dr. Leut­heußer (Thüringen), Rèichswirtschaftsminifter Dr. Curtius (Baden), V. Kärdorff (Potsdam), Graf zu Stolberg- Wernigerode' (Magdeburg). ...

Zentrum: Staatsminister a. D. Bell (Du^loors-We,D Staatsminister Dr. Bolz (Württemberg), Pralat Karl Ulitzka (Oppeln), Reichsarbeitsminister Dr. Brauns, Dr. Drees (Weser-Ems), Reichskanzler Dr. Marx, Reichs­minister a. D. Giesberts (Düsseldorf), Reichsminister Dr. Köhler (Baden), Jmbusch (Westfalen-Sud).

Sozialdemokraten: Preußischer Mlnlsterpranderlt Otto Braun (Düsseldorf-West), Fleißner und ~om ^enber» (Dresden-Bautzen), Wilhelm Keil (Württemberg), Stelling (Oppeln), Limbcrtz (Düsseldorf-Ost), Robert Schmidt (Westfalen-Süd), Staatspräsident D. Ulrich (Hepen-Darm- stadt), Wilhelm Bock (Thüringen), Geck und ^>chopslm (Baden), Hermann Müller (Franken).

Bayerische Volkspartei: Dr. Pfleger, Dr. Bayers- dörser, Gerauer, Dr. Horlacher, Herbert Tropmann, Schwarzer, Loibl, Emminger, alle in Bayern.

Nationalsozialisten: General Epp (an toteste Luden­dorffs in Bayern).

Kommunisten: Klara Zetkin, Thalmann, Remmels Torgler.

Wirtschaftspartei: Professor Dr. Bredt (Düsseldors- Ost), Lücke (Chemnitz-Zwickau), Drewitz. ! r Demokraten: Georg Bernhard (Potsdam), Reichs- minister a. D. Külz (Dresden-Bautzen), Dr Ludwig HaaS (Thüri)igcn), Minister a. D. Hermann Dietrich (Baden), Koch-Wcstr' (Berlin). .....

Gesamtergebnis im Wahlkreis 19 Hessen-Nassau.

Aba, gült. St. 1 176 075, SPD. 378 579, DN. 120 918, 3.173 455, DBP. 119 384, K. 93166, D. 66 493. L. K. 4 593, WP. 47 850, NS. 42 472, D. Bp. 4 647, Völk. 6 369,

Christl.-nat. B. 88 973, VRP. 13 299, Eo. V. 9 334, USPD. 3 042, Jnfl.-Gesch. 1201, Deutsch. Reichsbl. d. Eesch. 450, Deutschsoz. 1850.

Prozentuale Stimmverschiebungen.

Bei der Sonntagswahl für den Reichstag verschob sich die Stimmabgabe für die einzelnen Parteien ungefähr nach folgender Aufstellung: Sozialdemokraten 16 Prozent mehran Stimmen, Deutschnationale 22 Prozent weni­ger, Zentrum 10 Prozent weniger, Deutsche Volks­partei 10 Prozent weniger, Kommunisten 20 Prozent mehr, Demokraten 25 Prozent weniger, Bayerische Volkspartei 16 Prozent weniger, Wirtschaftspartei und Deutsche Bauern etwa 100 Prozent mehr, Landbund ^twa 60 Prozent weniger, Nationalsozialisten 14 Pro­zent weniger. Einzelne Splitterparteien traten zum erstenmal auf. In den Mandatsziffern drücken sich die prozentualen Zu- und Abgänge nicht immer oder nicht genau aus, da viele Stimmen, namentlich bei den Splitterparteien, unter den Tisch fallen.

Das Echo der Auslandspresse.

W^WM: B Französische Stimmen.

Mat in": Die Regierung, die vorhanden war, ist nicht mehr ruöglich und eine neue Koalition wird unver­meidlich. Die Nationalisten haben weder das Recht noch die Hoffnung, weiterhin in einem Ministerium zu bleiben.

Petit P a r i s i e n": Die wichtigste Folge der natio­nalistischen Niederlage ist, daß künftig eine Rechtsregie­rung in Deutschland unmöglich erscheint.

Petit Journal": % der Wähler haben Strese­manns Annäherung und Friedenspolitik gebilligt. Da­durch wird aber die innere Politik des Reiches schwie­riger und verwickelter als je, da der Bruch des Gleichge­wichtes zwischen den Sozialisten und linksbürgerlichen Parteien die letzteren nach links führen müsse.

Ouotidien": Das Ergebnis der Wahlen ver­pflichtet die französische Politik, denn, wenn der Wille Frankreichs ein Friedenswille ist, wird es dann nicht an­gebracht sein, diese Gelegenheit zu ergreifen, um die zwi­schen beiden Ländern fortbestehenden Differenzen zu regeln und loyal von beiden Seiten die Aera der Ver­söhnung zu inaugurieren?

Im sozialistischenP op u l a i r e" schreibt Lèon Blum: Die Sache des Friedens und der deutsch-französischen An­näherung ist gewonnen.

Das GewerkschcrftsblattLe Peuple": Künftig ist Platz für eine gesunde Politik, der Annäherung zwischeir den beiden großen Völkern.

Die rechtsstehenden Blätter erkennen zwar ebenfalls den Erfolg der Sozialdemokraten und den Mißerfolg der Deutschnationalen an, sind aber hinsichtlich der möglichen Folgen skeptisch.

J o u r n è e I n d u st r i e H e": Die deutschen Wah­len zeigen, daß die Sozialdemokraten ernstlich auf ihrenr linken Flügel vom Kommunismus angefressen sind. Sie werden dies vielleicht zum Anlaß nehmen, sich auf die Mitte und auf eine neue Konzentration zurückziehen.

Journal": Nichts wäre gefährlicher als die jetzige Orientierung als eine Verstärkung der Friedensverträge anzusehen. Der jetzt gewählte Reichstag bedeutet die Reproduktion des Reichstags von 1920, des Reichstags, der die gesamte Kampagne für die Vernichtung der Frie­densverträge und für die Verbrennung der Republik ge­führt hat. Deutschland schwankt zwischen der Unzufrie­denheit der Rechten und der Unzusriedenhieit der Linken, unzufrieden ist es immer.

E ch o ö e P a r i s": Die Grunogeoanken der deutschen Politik werden durch die Wahlergebnisse kaum berührt werden. Diese Grundgedanken seien militaristisch, büro­kratisch und alldeutsch.

E a u l o i s" warnt vor Illusionen. Atan dürfe nicht vergessen, daß die deutschen Sozialdemokraten 1914 wie ein Mann in denfrisch-fröhlichen Krieg" gezogen seien.

Das Urteil derTimes".

Die LondonerTimes" führt aus: Bei den Ver- Handlun^n über die zu bildende Koalition werden die Sozialdemokraten eine ungewöhnlich starke Stellung ein­nehmen. Sie sind ebenso nachdrücklich für die Locarno- Politik wie Dr. Stresemanns eigene Partei und die Nie­derlage der Nationalisten war ein Schlag gegen jegliche Art von Potsdam-Politik und gegen die Ansprüche der Hohenzollern und der Monarchisten. Deutschland hat für Frieden und innere Reformen gestimmt. Das republikanische Deutschland ist eine Realität geworden und, welche Vorbehalte auch gemacht werden mögen, diese Tatsache ist, wie der PariserTemps" es ausdrückt, von klassischer Wichtigkeit in der Politik Europas". ' Eine Stimme aus Amerika. !

World" nennt das Ergebnis der Wahlen befried lugend für alle, die die Fortsetzung der Friedenspolitik Stresemanns wünschen, um so mehr, als die jüngsten Wahlen in Frankreich in einem ähnlichen Sinne ausge-' fallen seien. Außerhalb Deutschlands bleibe Hauptfrage die Beibehaltung S t r e s e m a n ns al s'A u ß e u minister, die wohl auch durch die Bestätigung seiner, Politik seitens der Wählerschaft gesichert sei.