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ul-aer Anzeiger
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> -1928
Tageblatt für Rhön un- Vogelsbergs Zul-a- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt
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Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit Quellenangabe »KulSaer ftnzeiger'gegattet.
Fulda, Samstag, 9. Juni
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5. Jahrgang
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Kleine Zeitung für eilige Leser
$tr Reichspräsident empfing den Reichskanzler Dr. Marr Berichterstattung über die Neubildung der Regierung.
jcr Preußische Landtag ist eröffnet worden; in der Er- «iigssitzung kam es zu schweren Schlägereien.
«Bei Schletmünde an der Ostsee ist ein Minenleger er- fcrt; sechs Matrozen wurden getötet.
Dunkel um Nobile
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3. 6/ 17,0.
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‘ Ueber den Verbleib der „Italia" liegen eine Reihe sich chrechender Nachrichten vor. Während ein Telegramm Angsbay die funkentelegrapkischen Hilferufe dementiert, Ü)fct die römische Zeitung „Ägenzia Stephani", daß sie 11 ifunkspruch der „Citta di Milano" empfangen habe, in 'das Schiff mitteilt, daß es 20 Minuten mit Nobile radio- jiaphjsch in Verbindung gestanden habe.
* Die „Sremen“Flieger und ihre Angehörigen haben um Macht mit dem Lloyddampfer „Kolumbus" die Reise I Deutschland angetreten,
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Notrufe der „Italia"?
Die Funksprüche aus Franz - Joseph- Land.
Seit Donnerstag werden von verschiedenen amerikanischen Radioamateuren sowie von der „Citta di Milano", dem Hilfsschiff für die „Italia", Funksprüche gehört, die von Nobile stammen können. Am meisten entziffern konnte eine amerikanische Station, die folgenden Funkspruch gehört haben will:
MO 6-40 14-26 .0-24,5 .0-24,0 MO ,2-15,5 .0-17,0 ,0-28,0 ,8-19,0 ,0-23,6 ,2-15,4 ,6-21,2
.5-27,0 iianl' leleii- affen, ,ii da i, dir W- fomit * W
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Räder
Hochsaison.
! Zehnsucht nach dem Ministersessel. — Leichenreden. Lorbeeren für die „Brcmcn"-Flieger.
Ehe jeder, der cs sich leisten kann und leisten will, in Serien geht, wird es ein paar Wochen noch einen liüsch-parlamentarischen Hochbetrieb geben. Auch der iilamentarier, der in Deutschland und in Frankreich W gewählt ist, will sich sozusagen seine Ferien vermin. Allerdings ivirb er ebenso in Berlin wie in Paris ms Karten müssen, was die Führer der Parteien für it befinben, was ihm vorgeschlagen wird nnd was er m meistens nur zn billigen hat. Auch der Durchschnitts- igcoTbncle ist im parlamentarischen Dasein — namentlich den großen und ganz großen Parteien —recht häufig m keine Rull, erfüllt aber die Funktion einer Null, die intet einer Zahl steht, um dieser Gewicht und Einfluß ii verschossen.
Viel zu selten vermag irgendeine Regierung sich auf pme ihr durch dick und dünn der Wirklichkeit folgende Wehckuzu stützen, Ivie es augenblicklich nur in England Wer,Wist. Parlamente führen ihr Eigenleben, Parteien w ml mehr, und wenn persönliche Aspirationen dazu- mmen, wie z. B. die Schusucht nach einem Minister- sel, dann sammt es häufig zu den wunderschönsten Par- Anlèkrisen, die nur von geschickter Hand durch Er- siillg jener Sehnsucht gemeistert werden. Manchmal icrdings, Kenn nicht persönlicher Ehrgeiz, sondern sach- «e Meinungsverschiedenheit vorliegt, versagt auch dies lerprobte Mittel. Poincarö hat ja versucht, die elsässische Position lahmzulegen durch die Ernennung eines wfierâ zum Staatssekretär in einem Ministerium. Aber 15 hat nichts genützt, die Opposition zu bändige«. In !"tt Regierungserklärung hat er überhaupt nur die mie berührt, über die man sprechen darf. Aber seine >hörcr dachten an die Dinge, über die er nicht sprach. 'tr bic man freilich in den Debatten ausgiebig sprechen ^ Auch über die e l s ä s s i s ch e F r a g e. Auch über ' Stabilisierung des Franken. Auch über das außen- "iische Verhältnis zu Deutschland. In seiner Rede her» so es Poincarö, das Wort „Locarno" zu gebrauchen. " Palais Bourbon, wo die Französische Deputierten- "">cr tagt, wird man das nachholen. Schon um fest- Wien, was das Wort „Locarno" eigentlich bedeutet. "l-Vonconr, der zurzeit den französischen Außenminister wiif vertritt, wird möglicherweise endlich einmal sagen "en, was sich uic^t Deutschland, aber was sich Frank- R bei der „Locarnopolitik" eigentlich denkt. 4
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DÄNEN UNS.
S. O. S. Nobile. Kein Schutz für „Italia", die gegen Berg rannte. Position 84, 15, 10 nördliche Breite, 15, 20, 40 östliche Länge. Temperatur Nullpunkt. Sendet eiligst Nahrung. Alle am Leben. Einige verletzt. Hören keine Ruse. S. O. S. S. O. S. Rao, Rao, Rao. Nobile.
Die Tatsache, daß um eilige Sendung von Nahrung gebeten wird, läßt darauf schließen, daß sie nicht imstande sind, mit den Schußwaffen, die sie an Bord haben, Tiere zu erjagen, mag dies nun daran liegen, daß dort keine vorhanden sind oder daß man die Verletzten nicht alleitt lassen will.
Demgegenüber sind alle aus Kingsbay ausgesandten leblieben. Man
Rufe ohne Antwort von der „Italia" gi nimmt daher an, daß die Zeichen, die die
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SPITZBERGEN
lano" gehört hat und die in Amerika entziffert worden sind, von anderer Seite herstammen oder Irrtümer darstellen.
Amundsen äußerte sich zu den Nachrichten sehr skeptisch, da der Standpunkt nach seiner Meinung zu weit gegen Norden liege. Hauptmann Gottwaldt, der bekannte Polarkenner, ist der Auffassung, daß cs, falls die Meldung zu- trefse, sehr schwer werden würde, die Mannschaft zu retten. Auch er ist übrigens der Ansicht, daß Nobile weiter östlich sein müsse.
N i j s e r Larsen ist trotz schlechten Wetters nach Franz-Joseph-Land gestartet, um festzustellen, ob sich an dem im Funkspruch bezeichneten Orte die Jtaliamannschaft befindet. Die „Braganza" ist in Friesland eingefroren und „Hobby" ebenfalls in Mossel Bay. An Bord der „Citta di Milano" telegraphierte man die ganze Nacht mit „Hobby" und „Braganza". Es herrscht fieberhafte Aufregung an Bord der „Citta" und die Radioavparate des Schiffes arbeiten ohne Pause. Die anderen Stationen
wurden aufgefordert, mit ihren Wellen nicht zu stören.
Die italienische Hilfsmannschaft in Vadsö hat Befehl erhalten, nach Italien zurückzukehren. 15 Mann sind bereits auf der Rückreise durch Oslo gekommen.
Befehl
Mißglückter Start zum Atlantikflug.
Das Flugzeug „Columbia", das vom Curtiß Field zum Flug nach Old Orchard gestartèt war, kehrte nach dem Flugplatz zurück, nachdem es während der sechs Stunden Flugzeit fast ständig im Nebel umhergeirrt war.
Das Flugzeug „Friendship" unternahm mit dem Piloten Stultz, dem Mechaniker Gordon und Frau Amelie Gahart an Bord drei erfolglose Startversuche zu dem geplauter Europaflug. Offenbar war das Flugzeug überlastet und der Wind zu schwach.
Tumult im Preußenparlament
Eröffnung des preußischen Landtags
(1. Sitzuirg.)
tt. Berlin, 3. Juni.
. ^er neue Dentsche Reichstaq wird sich allerdings mit apolitischen Fragen vorerst saunt zu beschäftiget. !cn: Wenn er zusammeutritt, werden vermutlich du Merten beim Völkerbundrat gleich die Gelcgenhcr: »nach getaner Arbeit" — bis nach Vertagung 1 Streifragen — an die See oder in das Ge- überzusiedeln, deren Hochsaison die Diplo- en mehr interessieren mag als Aftenftaub und rogade namentsluft. Im Deutschen Reichstag wird man ftd "-"" W mir mit innenpolitischen Auseinander, e W "gen zu amüsieren verstehen. Man wird Reder ' 7' bie der Skatspieler als „Leichenreden" zu be.
7't gewohttt ist. über das Wahlresultat namhdt Mrd „feststellen", warum das deutsche Volk gerad, nicht anders gewählt hat. „Leichenreden — du " Zweck habe«. Trotzdem werden sie deu Amchen .uen, als sei parlamentarischer Hochbetrieb. Polltlsckn Wit Aber im Grunde des Herzens sehnt man mehr an die See. Oder in die Berge. Oder - Alscher Arbeit im Beruf. Weil die wirkliche polv Hochsaison in Dentschland erst im Spätherbst be. °" wird. Was bis dahin im Parlament gerede, ' w in der Hauptsache doch nur Lufterschtltteruug.
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Kommunistische L â rmszcncn.
Schon lange vor Beginn der Sitzung sind das Haus und die Tribünen stark besetzt. Aus Dem Platz des wieder in den Landtag zurückkommenvcn Sozialdemokraten Adolj Hossmann stand ein Strauß dunkelroler Nelken.
Alterspräsident Graf von Posadowsky eröffnet die erste Sitzung, wird jedoch von den Kommunisten lofort lärmend mit den Rusen lmterbtochen: Nieder mit der Koalition^ regierung! Raus mit den politischen Gefangenen! Amnestie I Als endlich Ruhe eingetreren ist, stellt Graf von Posa- dowsku fest, daß er das älteste Mitglied des Hauses ist, und übernimmt das Präsidiunt bis zur Wahl des endgültigen Bureaus.
Der Alterspräsident begrüßt sodann die Abgeordneten, wobei er sofort wieder von den Kommunisten lärmend unterbrochen wird: „Die Abgeordneten sitzen ja in den Gefängnissen!" Immer wieder von den Kommunisten durch lärmende Zwischenruse unterbrochen, betont der Alterspräsident, daß die eigene Verantwortung jedes Abgeordneten im neuen
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. Hochsaison ist nur auf dem Gebiet her, Leist u n g der m'^'en wir Deutsche erfreulicherweise ganz vorn ^ ^erhe. Wenn im sportlichen Wettkampf rn Amster. zj V6 J’^Öer Lorbeeren noch nicht beschert sind, so 6 doch jetzt auf jene beiden, dre bon
ij^ost zum erstenmal den Atlantischen Ozean über £ »Yb nun in die Heimat zurückkehren, dre den eAfVV sie bereithält. Leistung rst es, nicht em« ° c^»°^ereitete Fahrt ins Ungewisse, wie die ->^alta »„„Uysals Nobile sie unternahm und die setzt alle a?2" »wingt, Hilfe zu leisten. Schon einmal ver- ™ d'c Arktis in Andro einen Mann, der un Luft- tt 'W einmal im lenkbaren Luftschiff, den Nordpol ltl Ä't versuchte. Auch den Italiener zwangen d,e ?3C .zu Boden, hinab aufs Eis. Wirhoff-u istunaA^uiab in den Tod. Hoffen, daß ihm die "gh^whrgkeit der Luftfahrt von heute W cmng
Alterspräsident Graf Posadowsky.
Volksstaat schwerer wiege als im alten Staat. Die Regierung habe nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, die bc- ftehcude Staatsordnung gegen jeden Versuch der Vergewaltigung zu schützen. Mit der bestehenden Verfassung müsse sich jeder Staatsbürger abfinden. Diese Versassung sichere die Gleichheit jedes Bürgers und die Unverletzlichkeit des Privateigentums. Der Alterspräsident schließt seine Ansprache, indem er die Hoffnung auSfpricht, daß trotz aller Geâcnsätze
eine gemeinsame Arbeit der Parteien möglich sein werde. (Zuruf bei den Nationalsozialisten: Schluß mit dem Redeverbot für Adolf Hitler! — Schallende Heiterkeit.)
Zur Geschäftsordnung beantragt nunmehr Abg. Kasper (Komm.) sofortige Abstimmung über die von seiner Fraktion beantragte Haftentlassung der im Gefängnis sitzenden kommunistischen Abgg. Zobel und Bruhn.
Alterspräsident Graf v. Posadowskn stellt fest, daß das nur Möglich ist, wenn kein Abgeordneter Widerspruch erhebt.
Schwere Schlägereien.
Einige Abgeordnete d ^' Rechten erheben Widerspruch. Sofort erheben sich die Koiumnnisten unter stürmische!: Rufen: Pfui! Unerhört! Wer ist der Lump? Das ist ja gar kein Abgeordneter! Aufstehen, du Feigling! Schließlich lausen ine Kommunisten hinter den Banlreihen herum zur rechten Seite des Hauses und drängen den Abg. Ponsieck (Bauern- und Landvolkpartei), der sich zu dem Widerspruch bekennt, den Gang hinunter auf den Präsidentenstuhl zu.
Schließlich fallen sie mit den Fäusten über ihn her.
Abg. Ponsieck versucht nur mit erhobenen Armen seinen Kopf vor den Schlägen zu schützen, während die übrigen Abgeordneten der Rechten eine Einmischung vermeiden. Don den Kommunisten hört man Rufe: Haut ihn!
Darauf verläßt Alterspräsident Graf Posadowsky den Präsidentenstuhl und hebt die Sitzung auf.
Die Kommunisten lassen endlich von dem Abg. Ponsieck ab, während der Tumult im Hause noch anhält.
Nach kurzer Pause eröffnet Graf Posadowsky die Sitzung und schlägt vor, die nächste Sitzung Sonnabend abzuhalten. Aus Anträge der Kommunisten wird am Sonnabend über ein von ihnen eingebrachtes Mißtrauensvotum abgestimmt werden. Außerdem beschließt das Haus nach kurzer Aussprache, auf die Tagesordnung der Sonnabeudsitzung auch eine Aussprache über Amnestierung politischer Verbrecher zu setzen.
1 Bei den weiteren Beratungen kam cs dann
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wiederholt zu stürmischen Tumultszenen.
Als der Abg. Kube (Nat.-Soz.) erklärte, daß seine Partei allen Maßnahmen des Landtages solange widersprechen werde, als Adolf Hitler das Reden in Preußen verboten sei, erhob sich ein Kommnnist auf der Tribüne und schleuderte ein paar Worte in den Plenarsaal. Während von den Abgeordneten die Entfernung des Zwischenrusers verlangt wurde, klatschten die Kommunisten Beifall.
Unter großem Lärm nimmt dann ein anderer Kommunist aus der Tribüne das Wort und hält eine längere Rede. Schließlich verläßt der Alterspräsident den Saal, woraus die Sitzung geschlossen wird.
Nächste Sitzung Sonnabend.
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Die sozialdemokratische Landtagssrakt'ion hat beschlossen, wieder den Abg. Bartels zum Landtagspräsidenten in Vorschlag zu bringen. Abg. Bartels lag am Schluß der letzten Landtagssession schwer erkrankt danieder. Es bietz. daß er