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iftr. 142 — 1928
Fulda, Dienstag, 19. Juni
5. Jahrgang
Die „Bremen" Flieger in Deutschland.
MjjßAig der deuffchen
Atlantikbezwmger.
Hegcisterter Empfang in Bremerhaven.
Der festlich geschmückte Llohddampfer „Columbus" mit feinen Ehrengästen Köhl, von Hünefeld und Fitz- maurice wurde von der deutschen Heimat begeistert empfangen. Bremerhaven hatte die Ehre, als erste deutsche Stadt die deutschen Atlantikbezwinger zu begrüßen. Eine große Zahl von Ehrengästen des Norddeutschen Lloyd hchr dem „Columbus" entgegen, um die drei Helden von Nord abzuholen. \
Kurz nach Ankunft auf dem „Columbus" erschienen die Flieger Köhl, Fitzmaurice und v. Hüneseld mit ihren Angehörigen aus der Kommandobrücke, wo sie zunächst in ein Kreuzfeuer der zahlreichen Pressephotographen gc» nommen wurden. Alle drei Flieger trugen das von der amerikanischen Regierung verliehene Fliegcrehrenkreuz. Fitzmaurice irische Fliegeruniforrn. Alsbald begannen dicht besetzte Dampfer den „Columbus" zu umkreisen, deren Passagiere den Fliegern begeistert zujubelten. Flug- zcugstaffeln entboten den Heimkehreuden, die durch lebhaftes Tücherfchwenken dankten, die ersten Grüße aus der Lust. .
Geheimrat S t i m m i n g begrüßte die Siteger und überreichte ihnen alv Gabe der Erinnerung an die Überfahrt auf dem „Columbus" eine Medaille, die der Lloyd, der mit dem Flug ja innig verbunden sei, hat prägen lassen. Er brauche nicht hervorzuheben, was die Mèger geleistet hätten, aber er danke für den Idealismus, für ihm: so glänzenden Willen zur Tat, die
eine neue Brücke zu dem großen Polke jenseits des OzeanS
Magen habe. , , „
Ministerialdirektor Brandenburg vom Necchsverkehrs- iiümMuut, der darauf das Wort nahm, erklärte, sie Wcbsrcgierung habe den Wunsch gehabt, die drei Flieger beim Betreten deutschen Bodens willkommen zu heißen, ehe die offizielle Begrüßung in Berlin stattfinden werde.
Im Namen der Presie richtete dann Direktor Richter vom Reichsverband der Deutschen Presse Worte der Begrüßung an die Flieger. Nach weiteren Begrüßungsansprachen durch den amerikanischen und den englischen Konsul in Bremen ergriff
Hanptnmnn Köhl, von stürnlischem Jubel begrüßt, das Wort, um namens der Flieger den Dank für die herzliche Bewillkommnung zum Ausdruck zu bringen. „Wir bringen Ihnen," so erklärte Köhl, „die Grüße unserer Landsleute aus Pimenta. Wir haben zahlreiche amerikanische Großstädte besucht und überall sind uns unter den bc- q-isterten Begrüßungen die Worte entgegengerufen worden: Hoch Deutschland! Grüßt uns die deutsche Heimat. Hierauf stellte Köhl den treuen Kampfgenossen der beiden deutschen Flieger, Major Fitzmaurice, unter herzlichem Jubel der Anwesenden vor. Er schloß seine Dankrede mit einem GrußandieteueredeutscheHeimat.
Langsam fuhr unterdessen der „Columbus" in die Kaiferschleuse ein, die zu beiden Seiten von Taufenden jubelnder Menschen umlagert war, die ihrer Begeisterung in brausenden Hochrufen Ausdruck gaben. Köhl,, Fitzmaurice und v. Hünefeld standen auf der Kommandobrücke und winkten sichtlich erfreut der Menschenmenge zu. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Bürgermeister Bremerhavens nahm dann, sichtlich stark bewegt,
Freiherr von Hünefeld
das Wort zu einer Ansprache, in der er ausführtc: Alle für einen, einer für alle — das ist der Wahlspruch unferev „Bremen"-Fluges gewesen, und so soll es auch bleiben. Nachdem wir mit Gottes gnädiger Hilfe in die Heimat zuriickgekehrt sind, in diesem Augenblick, da der „Columbus" die deutsche Muttererde wieder berührt hat, möchte ich Ihnen, zugleich auch im Namen meiner Kameraden
tiefbewegten Dank lagen für den so herzlichen Empfang. Wir wissen genau: daß so wie wir unsere deutsche Heimat lieben, ehren und achten, unser unerschrockener Kamerad Fitzmaurice fem grünes Irland über alles liebt, und gerade deshalb habe 'ch das Bewußtsein, auch in seinem Namen die Gefühle ghszudrüüen, die uns in diesem Augenblick bewegen. Als lch beim Erwachen hinaussah aus dem kleinen ?ycnper Meiner Kabine und das deutsche Land vor mir lag, zum erstenmal nach den Monaten, die für uns so Unerhörtes au Geschehen und Erleben gebracht haben, wie wir es bus niemals erträumt hatten, da habe ich erst einen -Be» lü-sf von dem bekommen, was der alte Dichter Homer puren Odysseus erleben läßt, da dieser bei seiner yeum "hr niederkniet und
den heiligen Boden des Mutterlandes küßt.
Mehr jn sagen vermag ich im Augenblick nichts und so iatzen Sie mich für die Teilnehmer des „Bremen -Fluges
-unk sagen. Wir nehmen das herzliche Willkommen, oa-.> ^ie uns bieten an als für unsere Paterlander bestimmt.
, Die „Bremen" Flieger wurden durch erneuten herz- Zchen Beifall lebhaft gefeiert. Dann spielte die Kapelle das Deutschlandlied, dâs die Anwesenden mitsangen, und "le irische Nationalhymne.
Was die Flieger erzählten.
„ ..Die Ozcanflicgcr erzählten bereits viel von ihren leib ^ei,e schnurrigen Ertebüissen in Amerika. So hat F re t - "err v. 5> ü n e f c l d eine Fülle von Heiratsanträge,l trhasten. Nichts hat sich so schnell Herumaesprochen wie:
die Nachricht, daß èr noch Junggeselle ist. Er erhielt täglich einen großen Stoß von Briesen amerikanischer Damen und hätte manche gute Partie machen können. Das Flugzeug „Bremen" bleibt, wie Frhr. v. Hünefeld weiter erzählte, vorläufig auf Wunsch der Bersicherungs- gesellschaft in Labrador, später aber wird es in ein amerikanisches Museum kommen.
Hauptmann Köhl erzählte von der schweren Nacht im Flugzeug, als sie alle drei glaubten, in eine Eiswüste abgetrieben zu werden. Sie richteten ein Perzweiflungs- gebet zu Gott: „Herr, laß diesen Flug nicht mißlingen, u m Deutschlands Ehre willen." Der persönliche Erfolg war ihnen gleichgültig.
Von besonderem Interesse waren die Angaben Köhls über den künftigen Atlantikflugverkehr. Er ist der festen Überzeugung, daß der regelmäßige Transozeanluftverkehr bald kommen wird, und meinte, daß die Amerikaner ihn organisieren werden. Von der Aufnahme, die den Fliegern in Amerika zuteil geworden ist, sind sie noch ganz entzückt. Sie haben eine Unmenge Geschenke bekommen. Mit dem Auto, welches Köhl von den Amerikanern erhalten hat, ist er selbst von Bremerhaven nach Bremen gefahren.
Die Ankunft in Bremen erfolgte am Montag um 8 Uhr abends. Im Anschluß au den Empfang fand ein geselliges Beisammensein im Bremer Ratskeller statt
Willkommen in der Heimail
Erinnern wir uns noch?
Gar viele, die meisten wohl schüttelten die Köpfe, als die Kunde kam, daß ganz überraschend Zwei deutsche Flieger aufgestieaen waren, um erst nach Irland und von hort ans quer über den Dienn nach Amerika zu fliegen. Stärker wurde das Kopfschütselü. als sie mm wirklich in Irland starteten und hie Nietung gen Westen nahmen. Offizielle und offiziöse Stellen versicherten, daß die Flieger dies alles nicht bloß auf eigene Gekabr, sondern auch sonst ganz selbständig unternähmen. Das verstärkte nur das Kovfichütteln. verschärfte den Ton unverhohlenen Todels, der den be^nt auf ihrem Fluge mitgegeben wurde. Und man sah sie schon das Unheil teilen, das vor ihnen so manchen Ozeanllieger getroffen hatte.
Mit einem Schlage wurde es freilich anders, als mm die zweite Kunde, die ihrer Landung auf dem amerika- Nischen Kontinent, kam. Da hob st 0 l z e st e Freude iedes Deutschen Herz, verstummten Tadel und krächzende Kritik. Denneswaretlvasgeschehen: M a n n e s t a t. Sie war uns Deutschen mehr als ein bloßer sportlicher Rekord, wurde tiefer empfunden, nicht bloß etwa, weil bei dieser Tat die beiden Deutschen im Vordergrund standen. In unserem engen, beengten Dasein als Volk fühlen wir stärker als jedes andere das Erhebende einer Tat. die. wenn auch nur geistig-svmbolisch aefehen, hinansführt über diese Enge unseres Daseins, binansträgt über die Gitter, die uns als Volk umgeben. Dort hinauf in die Luft griff keine .^anb des Siegers, den Flug 31t hemmen. Es war e i n e A r t leisen Erlös u n g s g e f ü b l s . das unser Volk burdiftrömte, als hie Nachricht von der Landung auf Greenlv Island kam. Die Kunde von der Überwindung feindlicher Gewalten
jeden Charakters.
Wir freuen uns über den Empfang, den bte Fueger in Amerika fanden: denn aus ihm sprach wiederkehrende Achtung vor dem deutschen Polk und seinem festen Entschluß, 'sich den Platz an der Sonne, der ihm gebührt nach Können und Leistung, nicht für immer versperren zu lassen. Sprach wiederkehrende Achtuna vor dem D! ut Deutschlands, nach tiefem Fall sich wieder zum Licht emvorzuarbeitcn. Und nur Können und Leistung erzwangen diese Achtung, ferne noch so gut gemeinten enthusiastischen Phrasen. Nur Können und Leistung und damit Achtung vermögen auch eine haltbare innere Verbindung herzustellen, vermögen innere Abnei- gung ober Mißachtung zu überwinden. Gerade hierfür aber arbeitete die Mannestat der deutschen Flieger, ebenso wie dies vor Jahren die Leistung Dr. Eckeners mit seinem Zeppelin es tat.
Auf dem Schiffe, das den Namen des Entdeckers Amerikas träat, sind sie jetzt nach Deutschland zurück- gekehrt, bewillkommnet und umgangen von dem Jubel eines ganzen Volkes ohne Unterschied von Rona. Stand nnd Partei. Auch alles Trennende überwand ihre Tat, ihre Leistung, ihr Können. Als vor Jahresfrist bh amerikanischen Ozeanflieger in Deutschland eingetroffen waren und ihren Triumphzug durch die deutschen Land? hielten, da mag bei dem Gilbet, der sie umtoste, auch Freude " " her „S e n sati 0 n" ettvas mitgesprochen haben Jetzt aber ist die tiefe. Herzliche Frcnd" darüber. daß es Deutsche waren, die die größere, gefährlichere die bedeutsamere Tat wagten und vollbrachten, hoch mit das einzige, was aus dem millionenfachen Bewill- k 0 m m u u n g s g r u s; d e s V a t e r l a n d e s der beiden Flieger spricht.
Über dem Tor des Schiffahrtsamtes jener Stadt deren Namen auch das siegreiche Flugzeug trägt, die fit als letzte deutsche Stadt grüßten, als sie abUogcn, und die letzt als erste deutsche Nadt die ^eimfehrenben begrüßen konnte. Bremen, steht der Spruch: .Navi^are necesse est, vivere non“. „Schiffahrt zu treiben ist not» wendig, zu leben aber nicht"; dieser Hanseatestgeist über. Wand die Meere. In gleichem Sinne von gleichem Geik getragen überwanden auch Köhl und Hünefeld den Ozean
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Die Verhandlungen über die Regierungsbildung dauern an. Abg. Muller-Franken setzte seine Bejprechungm über das Pro- graiwm mit den Parteien fort.
* Die „Vremen"-Flieger Köbl, von Hünefeld und Fitzmaurice wurden nach ihrer Heimreise mit dem „Collumbus" in Bremerhaven festlich empfangen.
* Die erste Frau, der der Ozeanslug geglückt ist, ist Fräulein Carhart, die zusammen mit drei Piloten einen Nonstopflug Neufundland—England durchgesnhrt hat.
* Tas kolumbische Kanonenboot „Herkules" ist beim Kreuzen des Magdalenenflusses explodiert. 50 Personen kamen dabei um.
* In Oklahoma (Nordamerika) wurden zwei Stähle, Blai»- Mountatn-Park und Snvder. von einem Tornado zerstört.
* Nobiles Lage wird immer verwickelter; die Erkundungsaktionen haben bisher kein Ergebnis gezeitigt. »
GeBüier Ozeanflug einer Frau.
Sltlantifflug in 21 Stunden.
Das Flugzeug „Freundschaft" mit Fräulein Amelia Earhart und den Piloten Stulz, Ellsworth und Gordon ist nach einem Nonstopflug von 21 Stunven im Hafen von Llanelly (Grafschaft Wales) in England niedergegangen. Der Start erfolgte in Neufundland.
Miss Earhart, die erste Ozeanbrawingerin.
Es herrschte während der ganzeri Zeit das denkbar beste Flugwetter, so daß die „Freundschaft" vorübergehend mit einer Geschwindigkeit von 150 Kilometern pro Stunde vorwärts kommen konnte. Sie wurde von mehreren Atlantikdampsern gesichtet nnd lebhaft begrüßt. Von allen bisher durchgeführten Ozeanflügen hat wohl dieser den schnellsten und glattesten Verlaus genommen.
Schon mehrmals sind Frauen zum Atlantikflug gestartet, bisher blieb ihnen aber der Erfolg versagt. Fräulein Earhart hat mehr Glück gehabt und wird nun nicht nur von den Amerikanern, sondern von der gesamten Frauenwelt gefeiert werden. Sie hat das Flugzeug selbst abwechselnd mit dem Piloten Stulz gesteuert. Der Flug wird weniger als ein sportliches Wagnis als ein Beweis dafür angesehen, daß ein regelmäßiger Luftpostdienst zwischen Anrerika nnd Europa heute schon möglich ist.
Nobüe im Eissiuni*.
Verschlimnierung seiner Lage.
Die Flieger Riiser Larsen und Lützow Holm haben einen Erkundungsflug unternommen, um Nobile und feine Leute zu suchen. Sie kehrten unverrichteter Sache zu dem Hilfsschiff „Citta di Milano" zurück, obwohl sie die geographische Lage Nobilcs genau kannten. In Der ungeheuer großen weißen Wüste war die „Jtalia"-Be- satzung bei bestem Willen nicht zu erkennen, wohl aber hat Nobile, wie er der „Citta bi Milano" funkentelegraphisch mitteilte, die Flieger gesehen,
doch konnte er sich nicht genug bemerkbar machen, obwohl er große Rauchwolken aufstcigen ließ, als die Flugzeuge in seine Nähe kamen, Infolge des starken Sonnenscheins und der Eisspiegelung haben die Flieger tragischerweise die Rauchentwicklung nicht bemerkt.
Die Lage Nobiles wird zu allem Unglück immer bedrohlicher. Es fehlt an Lebensmitteln, Verbandzeug und noch mehr an Gewehren und Munition, um sich gegen die Eisbären zu schützen. Tas Eis treibt überdies mit großer Geschwindigkeit nach Osten, so daß sich sein Standort ständig verändert, was natürlich die Auffindung durch Flugzeuge außerordentlich erschwert.
Der italienische Flieger Maddalena ist von seinem Flug zu Mobile ebenfalls unverrichteter Dinge nach Spitzbergen zurückgekehrt. Er war schon bis zu den Bäreninseln gelangt, doch war dort eine Landung des dichten Nebels wegen unmöglich. X
Auch Amundsen will seine Hilfsexpedition mit dem französischen Flugzeug sofort durchführen, doch wird er frühestens am Mittwoch Nobile zu Hilfe kommen können, vorausgesetzt, daß er mit seinem Flug mehr Sx» folg haben sollte als Riiser Larsen und Lützow Holm.
Der russische Eisbrecher „Krassin" bricht sich schnellstens eine Bahn durch das Eismeer; man glauo^ daß es ihm als erstem gelingen werde, Nobile zu erreichen.
Die italienische Presse verzeichnet mit len- Bafter Genugtuung die Bereitwilligkeit Deutschlands, sich an den Hilfs- und Rettungsmaßnahmen für die ,Jtalm*- Mannschaft zu beteiligen.