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Zul-aer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön unö Vogelsberg Müa- und Haunetal *§u!öaer Kreisblatt Reöaktisn und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernfpeech-^nfchluß Hr. 929 Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit CPiellenangabeZulüaer Anzetgrr"gestattet.

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143 1828

Fulda, Mittwoch, 20. Juni

5. Juhrpan

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Abgeordneter Müller-Franken wird die Grundige des Mierungsprogramms als Ergebnis der Verhandlungen mit }tn Part-eien, die heute mittag fortgesetzt werden, dem Reichs- pröftbenten und den Fraktionsführern norlegen.

* Im Alter von 76 Jahren starb in Fürstenberg in Mecklen- tiira Tr. Otto Hammann, der einst vielgenannte Pressechef des Auswärtigen Amtes.

* DieBremen"-Flieger hielten unter großem Jubel der Bevölkerung ihren Einzug in die Hansestadt Bremen. Der Bürgermeister übergab ihnen goldene Erinnerungsmedaillen.

* Dr. Eckener will mit dem ZeppelinL. Z. 127" im nächsten Monat von Friedrichsbaien nach Longbeach fliegen.

* Das Scksickfal Nobiles ist noch immer ungewiß; Novils mli nicht mehr.

Die Frankstabilisierung.

Bei den letzten Wahlen zur Französischen Deputierten- hmmer konnte Poiucarö seinen entscheidenden Sieg vor allem seinen Verdiensten um die wirkliche Stabilisierung beS Franken verdanken. Es war d i e Wahlparole gc- ivesen. Nun soll auch die theoretische, also gesetzliche Fest- kMg des Wertes des Franken folgen und da fällt ein bitterer Tropfen Wermut in den Becher schäumender Wahlbegeisterung: es wird und kann nicht daran Stacht werden, den Frank wieder 31t dem zu machen, was etbor dem Kriege war, nach deutschem Geldwert: acht-, zitz Pfennig; sondern sein Wert bleibt der heutige: lüPfennig. Er wird alsodevalorisiert" auf ein Fünftel (ete Vorkriegswcrtes.

Das wird für viele Millionen Franzosen, diesem »Pârvolk", eine sehr, sehr bittere Pille bedeuten, so» weil sie Gläubiger aus der Vorkriegs-, aber auch noch aus der Kriegs- und Nachkriegszeit sind; denn auch in Frank­sch wird es jetzt heißen wie einst in Deutschland in ÄMdervoller Inflationszeit: F r a n t g e g e n Fran k. Auch in Frankreich wird es setzt die zahllosenA uf - ivertu n g s g e sch ä d i g t e u" geben, die man drüben freilich besser alsAbwertungsgeschädigte" titulieren mag. Dasselbe Frankreich, dieserS i e g e r st a a 1", befreit sich W durch diese Stabilisierung von vier Fünfteln seiner Aaatsschulden aus der Zeit vor und während des Krie- sies. Dasselbe Land, das aus Deutschland ab 1. Sep- iember alljährlich fast anderthalb Milliarden auf Grund des Dawes-Planes erhält, dessen Industrie und Handel W, das die Arbeitslosigkeit kaum kennt, das ein riesiges Kolonialreich besitzt, das militärisch die stärkste Macht der ^lt ist, dessen Handelsbilanz ein starkes Überwiegen der Ausfuhr über die Einfuhr aufweist dieses Land vermag "icht, wie England es fertig bekam, seinen alten Wäh- ^ngsstand wiederzugewinnen, bleibt mit dem Wert seines Franken sogar noch weit hinter der italie­nischen Lira zurück, für die vor dem Krieg der Kutsche ja auch 80 Pfennige bezahlte.

. In Deutschland, dem auSgefogcuen, nur schweren ^sim beladenen, sich nur mühsam emporringenden Land, Wer der Hyp 0 thekeng l a u b i g e r nur drei Viertel seines Vorkriegsbesitzes; in dem blühenden Siegerstaat Frankreich aber vier Fünftel! Und doch regt sich W nur ein recht geringer Widerstand gegen diese Art °er Stabilisierung des Franken. M a n i st m ü d e g e » word en, resigniert. Höchstens, daß man noch hier und da ons die Art verweist, wie Deutschland die Mark stabut- lnrte, dann die Einlösung der Schuldenvcrpflichtungen "Msehen eben von den Hypotheken im allgemeinen

®T 15 bis 20 Prozent des ursprünglichen Wertes fest- !^ie. Und jene Gläubiger, die beim tiefsten Stand bcj "ranken fest an die Kraft Poincarös glaubten, die Wah- wieder zu verbessern und schließlich zu stabilisieren, onnten ihr Vermögen fast verdoppeln. Die Pariser Bor,e jetzt endlich von derFurcht" befreit, man wurde bte Ersuche, den Frank schließlich noch höher hmaufzubrm-

^och nicht aufgeben, an dem Plan einer vollen ^Wrisierung" festhalten, und beantwortete , die die sie von dieser Besorgnis erlöste, unt einer astigen Aufwärtsbewegung der Aktienkurse. Wat dem !. "> hier nämlich bem Gläubiger siN Uhl is' da st "in annern dem Schuldner, dem man vier ^un;n "^.Verpflichtungen abnahni sin Nachtigall.

: -acht einmal zu einer wirklichen Goldwährung wud â'^eich znrückkehren. denn auch der Frank, wieder letzt Uaffen werden soll, kann bei derBanque de Franke , Faazosischen Staatsbank, nicht gegen Gold emgclost

Gerade wie in Deutschland. Der Sieges- Der Boche wird alles bezahlen" -st a"^- mJ r 0 u m t und in Frankreich wird es mindestens cbenf ^. verhältnismäßig also viel mehr -Kleinrentner

ihrem Elend und ihrer Not geben wie in ^cuti* juX ^^ Deutsche aber mögen und können auv i u> L ^ Frankstabilisierung die Lehre z i e h c 11, ab ij« und die Umstände der MarkstabilisteriNlg trotz fÄI Härten und Fehler, trotz vieler Entiauscblingeu tz^ iaiibiger und Rentner doch ein kraftvoll - ^LV !"ar, das turmhoch über bent steht,J tvm 1"^' beschicht. Denn nie dürfen wir bei d.e cr - di/N und diesem Vergleich vergessen: wir s aln s - c wir schüfe,i die daraus folgende Aufwertung ^eiui-Wr^ ^us den furchtbarsten Zusammcubruch, i

x ^tc Inflation durchgemacht hat, tue L l

L »eueren Zeit kennt. Und aus der anderen diktierst das Volk, das den Frieden von.^na - ist.l^^und das bis heute erst einen ganzLermArn ~ ''kzahs^âwlden an die Kampfgenossen des Weltkriege.' brauchte Wir mußten wiederaufbauen au.. â Nichts heraus

Der Triumphzug derBremen"- Flieger

Bremen im Kestjubel.

Der Empfang Köhls und Hünefelds.

Die weltberühmte Freie Hansestadt Bremen hat ein besonderes Anrecht, die deutschen Atlantikflieger zu feiern, denn sie war auch Taufpatin des Flugzeuges, das den ersten Ost-West-Flug über den Atlantik vollbracht hat. Bremen, die Stadt nüchterner Arbeit, trägt jetzt schon seit Tagen ein Festkleid. Überall Fahnen, Girlanden und Willkommensgrüße auf den Straßen, dazu die ganze Be­völkerung, dieihre Flieger" sehen will.

Unter ungeheurem Jubel haben die Ozeanflieger ihren Einzug gehalten. Während eine Staffel von zwölf Flugzeugen das Rathaus umkreiste, näherte sich der Zug mit den Automobilen dem Rathaus, vor dem eine Ehren-

Begrüßungsakt an Bord desColumbus."

Im Vordergründe die dreiBremen"-Flieger Freiherr von Hünefeld, Fitzmaurice, Hauptmann Köhl.

kompagnie der Reichswehr ausgestellt war. Unter dem Läuten der Kirchenglocken und den Hochrufen der unüber­sehbaren Menschenmenge entstiegen die Flieger dem voll­ständig mit Blumen überschütteten Auto.

Der Präsident des Senats, Bürgermeister Dr. D 0 n a n d 1, hieß die Flieger willkommen und wies in feiner Begrüßungsansprache darauf hin, daß die all­gemeine Freude deS deutschen Volkes über die glückliche .Heimkehr der wagemutigen Flieger nirgends tiefer emp­funden werde als in der bremischen Bevölkerung. Bre­mische Kaufleute haben die Fahrt gerüstet und das von Meisterhand erbaute Flugzeug hat den Namen Bremen durch Sturm und Nebel in die Welt getragen. Durch die Erfahrungen, die bei diesem Fluge gesammelt wurden, ist für den weiteren Ausbau des Flugwesens die unent­behrliche Grundlage geschaffen worden, und gewiß ist btc Zeit nicht mehr fern, in der ein sicherer Flugverkehr die Schranken von Raum und Zeit in ungeahnter Werse zurückdrängen und

die Völker des Erdballs als Nachbarn zusammen rücken wird. Nur in friedlichem Wettbewerb der Völker kann die frühere Wcltstellung Deutschlands errungen werden. Durch den Flug derBremen ist abermals dem Auslande vor Augen geführt, daß in dem bedrängten deutschen Volke trotz allem Kräfte lebendig sind, deren die Welt nicht entraten kann. Der Empfang, den'unsere Flieger drüben gefunden haben, gibt uns zu­gleich die Gewähr, daß die alte Freundschaft zwischen der großen a ni e r i k a n i s ch e n N a - t i 0 n und bem deutschen Volke, die vorüber­gehend. man möchte fast sagen, durch ein Versehen der Weltgeschichte zerstört Ivar, wieder aufbluyt. ^ ist ein Ergebnis ihrer kühnen Luftfahrt, dessen politische und wirtschaftliche Bedeutung gerade

von uns an der Wasserkante auf das tiefste empfunden wird. Darum ist der festliche Empfang auf deutschem Boden zugleich ein Dankes- und Freundesgruß an die Vereinigten Staaten von ^lmcrika. Der Bürgermeist.r überreichte icbem der drei Flieger eine

Große goldene Staatsmedaille,

Die auf der Vorderseite das bremische Staatswappen mit Der InschriftDer Senat der Freien und Hansestadt Bremen", auf der Rückseite einen Genius und die Worte: D e m Verdienst e" tragen. In den Rand der massiv goldenen Medaille ist der Name des bedachten Fliegers mit dem Vermerk:Erster Ost-West-Ozeanflug" und den Daten des Fluges sowie der Heimkehr eingeprägt.

Alle drei Flieger dankten bewegt in kurzen Ansprachen für die Ebrting. Gesangs- und Musikvorträge beschlossen die eindrucksvolle FeicrÜchkeit. Beim Betteten und beim

Verlassen des Saales wurden die Flieger von den zahl­reichen Anwesenden stürmisch gefeiert. Im Anschluß an diese offizielle Feier bot der Senat den Fliegern und ihren Angehörigen ein Frühstück im engsten Kreise.

Eine Bitte herBremens-Flieger.

Die Ozeanflieger Hauptmann a. D. Köhl und Freiherr von Hünefeld haben, zrigleich im Namen ihres Kameraden Major Fitzmaurice, dem Herrn Reichspräsidenten die Bitte unter­breitet, dahin zu wirken, daß die für die Ozeanflieger in ver­schiedenen deutschen Städten geplanten festlichen Empfänge in möglichst einfachen Grenzen gehalten werden und

etwa hierfür zur Verfügung gestellte Geldmittel der Wohltätigkeit zufließen.

So sehr sie auch über die Zeichen der Sympathie toeikftcv Bevölkerungsschichten des Vaterlandes erfreut seien, so seien sic doch überzeugt, daß die Herzlichkeit des Willkommens durch einfache Ausgestaltung der Empfänge in keiner Weise leibe, namentlich, wenn gleichzeitig Mittel für die Opfer der Kriegs- und Nachkriegszeit dadirrch frei geniacht werden.

Der Neichspräsident hat diesen Wunsch der Ozeanflieger dem für die Vorbereitung der Empfänge federführenden Reichsverkehrsministerium mit dem Ersuchen übermittelt, dieser Anregung bei den geplanten Empfangsfeierlichkeiten unter Be­rücksichtigung der örtlichen Verhältnisse nach Möglichkeit Rech­nung zu tragen.

Köhl-Staffel Münster i. WBerlin.

Der Magistrat der Stadt Münster veranstaltete zu Ehren derBremen"--Flieaer eine großeKöhl-Staffel Münster t.W. Berlin", an der sich Läufer, Freiballons, Schwimmer, Ruderer. Reiter, Radfahrer, Motorradfahrer, Kraftwagen und Flug­zeuge beteiligten.

Der Empfang er Bremen-Flieger im Bremer Stadion.

wtb. Bremen, 19. Juni. Unter großer Beteiligung fand gestern nachmittag ein Empfang der Bremen-Flieger durch die Bremer sportlichen Verbände und Vereine im Stadion des allgemeinen Bremer Turn- und Sportvereins statt. Die Flieger hielten gegen 6.30 Uh^ unter brau­sendem Hochrufen ihren Einzug tn_ das Stadion. Der Vorsitzende des Bremer Turn- und Sporvereius für Luft­fahrt hieß sie in einer Ansprache herzlich willkommen. Hauptmann Köhl und Freiherr von Hünefeld dankten im Namen der Flieger.

DieFreundschaft" in Souihampion.

Nach der Notlandung in der kleinen englischen Stadt Llanelly starteten Miß Earhart und die drei anderen Atlantikflieger mit derFreundschaft" nach Southampton, dem eigentlichen Ziele ihres Fluges. Dort wurde ihnen ein herzlicher Empfang zuteil, der vor allem der jungen Miß Earhart aalt. Sie ist heute 29 Jahre alt und hat

Oie drei neuen Ailantikflteger.

Don links nach rechts: Mechaniker Gordon, Miß Earhart (Passagieriujtz Pilot Stültz.

schon vor 18 Jahren ihre Pilotenexamen gemacht. Im Privatleben widmet sie sich dem sozialen Fürsorgedienst.

Wie jetzt mitgeteilt wird, hat sie selbst während des Atlantikfluges nicht gesteuert, da sie weder ihr Leben noch das ihrer Begleiter aufs Spiel setzen wollte. Als sie in Llanelly landeten, hatten sie nur noch für 10 Kilometer Benzin. Hs war ein besonderer Glückszufall, daß sie die englische Küste gerade erreicht haben.

Neue Pläne der Miß Boll.

Die Konkurrentin von Miß Earhart, Miß Boll, hat den Entschluß gefasst, nach Newyork zurückzukehren und dieColumbia" nach Southampton zu verfrachten, um von England aus einen Transozeanflug in westlicher Richtring zu unternehmen. Trotz ihrer Enttäuschung, daß ihr die erwartete Ehrcder ersten Atlantiküber- q u e r u n g entgangen ist, äußerte sich Miß Boll in warmen Worten über Miß Earhart.

Die deutsche Fliegerin Thea Rasche, die neulich bekanntgegeben hatte, daß sie die Absicht, den Ozcan zu überfliegen, aufgegeben habe, wird nun doch noch einen Flug über den Atlantik nach Berlin unter» nehmen. Thea Nasche startet in einem Bellanca-Flugzeug von 200 Pferdestärken nach Old Orchard im Staate Maine und wird von dort abflicgeii, sobald es die Witte- ruu^sverhältnisse gestatten.

Eckener fliegt nach Kalifornien.

Wie aus Longbeach gemeldet wird, erklärte der Bürgermeister von Longbeach (Kalifornien), Hauge, daß Dr. Eckener mit seinem neuen Lustschifs im nächsten M 0 n a t einen direkten Flug nach Longbeach unter* nehmen wolle.