Zul-aer Anzeiger
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., 144 — 1928
Fulda, Donnerstag, 21. Zunt
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5. Jahrgang
Die Atlantikflieger in Berlin
Min huldigt den„V?emen"fliegem hie offiziellen Begrüßungsansprachen.
I Berlin wollte Bremen nicht nachstehen und den Manbezwingern einen ebenso herzlichen Empfang beizten wie die Freie Hansestadt, die sie zuerst begrüßen liritè. Seit Tagen schmückt sich die Reichshauptstadt mit tonen, und schon viele Stunden vor der Ankunft wogen «gezählte Menschenmengen nach dem Tempelhofer Feld, km modernsten Flughafen Europas, das die „Europa" mit Köhl, v. Hünefeld und Fitzmaurice erwartete.
Nach Ehrungen und Ansprachen im Bremer Stadion traten die drei Helden des Tages, umjubelt von einer nach Zehntausenden zählenden Zuschauermenge, ihren Whig vom Bremer Flugplatz mit der „Europa" an. Hauptmann Köhl selbst steuerte das Flugzeug, ein ganzes Wivader von Flugzeugen gab ihnen das Ehrengeleit. Zuerst aina cs nach Lambura. Bürgermeister Rose und
Die Amerikaflieger auf dem Tempelhofer Feld in Berlin.
Begrüßung auf der Ehrentribüne.
Erektor Böger von' der Hamburg-Amerika-Linie Sc- Süßten die Piloten, Freiherr v. Hünefeld dankte in besten Worten, denn auch Hamburg hat die Flieger zu Engerem Besuch eingeladen. Nach einem Aufenthalt von 81|r 1/» Stunden schieden sic von Hamburg und trafen ""ch zweistündigem Flug aus dem Tempelhofer Feld m Berlin ein.
, Zu ihren Ehren wurden 50 Raketenbomben in marz-rot-goldenen und anderen Farben mit Flug- Nen, Zeppelinen, Fallschirmen und Rauchschlangen "Bschossen. Dann bestiegen die Ozeanflieger geschmückte ullomobile unb machten eine Ehrenrunde um den yiug^ "atz, stürmisch begrüßt vom Publikum und ganz be,onderv «011 den Zaungästen, die das weite Tempelhofer ^eld zu ^hntaufenden umrahmen. ..
. Vizekanzler Hergt begrüßte die Flieger mit ^«Ansprache, in der es heißt: Im Namen der Regierung ?B)ch Sie, meine Herren Köhl, Fitzmaurice und ^rp . X^neMb, in der Hauptstadt des Deutschen Reiche^ N °Mn. In atemloser Spannung ist das deutsche Syrern Flug gefolgt, auf dessen BahnensKon so vw e Männer ihr Leben gelassen haben. ^>e tiefer w Schicksal getroffen sind, um so höher schlagen untere tvenn
■ tapfere Pioniere des Deutschtums
der Welt beweisen, daß wir ungebeugt im Vâwet - I ' um die großen Kulturfortschrttte unsern Man« zu D "wissen. Auf deutschem Boden, hier auf diesem Platz, I » wir im vorigen Jahre den hervorragenden amer - K Wn Flieger Chamberlin begrüßen.. ^etzt haben Sw IMexikanischen Volke unter den schwierigsten ^eroa K J den Gegenbesuch geleistet unb mit Genugtuung M2" wir fest, daß beide Flüge die Gefuhle gegenseitiger unb Freundschaft zwischen den beiden Landen, stärken können. — Sodann ergriff der amen
1, Botschafter Dr. Schurman
gort. Er führte nach einigen Begrüßungsworten ■ Sorten des Andenkens an Lindbergh aus.
fcta^ öffentliche Jubelschrei, der Ihren Erfolg m lnw Whim^rüßte, die Herzlichkeit des Empfanges, de» S,e e | & der uneingeschränkte Enthusiasmus einer ganze» »Leuten sehr treffend auf die große Seite des Ge Weld' ^uches der Abenteuer und Taten, bic h 3 ) |<* Tat reserviert ist. Es war fürwahr eine Wien ?? und ergreifende Leistung. Und indem ie leihen ,^ "och nie vordem getan ward, gaben - |bie Ljtuc» Begriff der Menschenkrast tlnd flositem^ , |6ftF*n »och größerer Siege über d.c MW« K "n- Lasset uns große Taten und^bcrüyuuc »Udkiä'»^reisen und auch ihre Vorfahren. 9$- ' I "'"lls. indem ich diese Helden ehre, der deutschen und
der irischen Rasse huldigen, die in so großem Maße zum Blut des amerikanischen Volkes und zur Macht unb Größe der amerikanischen Nation beigesteuert haben.
Weitere Begrüßungsansprachen hielten der Berliner Oberbürgermeister Böß, der die Flieger im Namen der Reichshauptstadt willkommen hieß. Der englische Botschafter Lindsay hieß besonders den irischen Major Fitzmaurice willkommen.
Eine Ansprache Köhls.
Unter großem Jubel sprach sodann Hauptmann Köhl:
„Wieder bin ich hier auf dem Platze, wo ich seit Jahren meine Tätigkeit gehabt habe, wo ich des Nachts über Berlin schweben durfte und mich berauschen konnte an dem Lichtmeer, das märchenhaft unter mir lag. Ich liebe diese große, unsere deutsche Hauptstadt Berlin. Heute widerfährt mir ungeahnte, nicht verdiente Ehre. Sie sind hier versammelt, um uns drei, die wir zurüâkehren aus dem großen. gewaltigen, arbeitsamen und enthusiasmiert
sportbegeisterten Amerika, zu begrüßen. Sie sind her- gekommen in einer Zahl, wie ich sic an festlichsten Tagen, die wir hier schon zusammen haben verleben dürfen, nie gesehen habe. Heißen, innigen Dank dafür."
Zum Schluß hielt Herr von Hünefeld mit weitklingender Stimme noch eine kurze Ansprache. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die politischen Gegensätze im deutschen Volke verschwinden mögen. In Amerika habe es ihn am meisten überwältigt, daß politische Gegner bei großen nationalen Feiern einmütig zusammenstünden.
Nach einem Imbiß fuhren die Flieger mit ihren Automobilen durch die Stadt zum Reichskanzlerpalais. In dem festlich geschmückten Hotel Kaiserhof nahmen sie dann Quartier. Währenddessen warteten Tausende vor dem Hotel, um die Flieger zu sehen.
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Das Festbankett zu Ehren der Ozranflieger in den Krollschen Festsälen.
wtb. Berlin, 21. Juni. Zu Ehren der Ozeanflieger fand gestern abend ein vom Reichsverkehrsminister Dr. Koch veranstaltetes Bankett statt. Dr. Koch überreichte den Fliegern nach einer Ansprache, in der unter anderem dem irischen, dem englischen, dem amerikanischen und dem kanadischen Volke den Dank für die Unterstützung und Ehrung der Flieger aussprach, eine Ehrengabe der deutschen Reichsregierung. Nach Reichsverkehrsminister Dr. Koch sprachen noch Reichstagspräsident Löbe, sowie Hauptmann Köhl, Major Fritzmaurice und Freiherr von Hüneseld, die für die ihnen erwiesenen Ehrungen dankten. Den Abschluß des Empfangstages der Ozeanflieger bildete ein Feuerwerk auf dem Tempelhofer Feld und ein Fackelzug, an dem sich unter anderem die Studentenschaft sowie Abordnungen von Sport- und Luftfahrtsverbänden beteiligten.
Das Schicksal der „Bremen".
wtb. Quebec, 20. Juni. Der Direktor der kanadischen transcoutinentalcn Lufverkchrsgesellschaft, der das erste Hilfsflugzeug für die „Bremen" nach Greenley Island gesteuert hatte, erklärte, daß die „Bremen" auf der Insel liegen bleiben werde, bis die deutschen Bersicherungssach- verständigen eingetroffen sein werden. Dann werde das Flugzeug verpackt und nach Deutschland verschifft werden.
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Fräulein Carhart in London.
In Southampton hatte sich bei der Landung von Fräulein Earhart und des Piloten Stultz ein Vertreter einer amerikanischen Filmgesellschaft eingefundcn, um Fräulein Earhart einen Vertrag anzubieten, nach dem sie während fünf Wochen ein wöchentliches Gehalt von 8000 Mark erhalten soll. Die Flieger fuhren nach kurzem Aufenthalt in Southampton mit dem Automobil nach London weiter, wo ihnen cm großer Empfang bereitet wurde.
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Der preußische Ministerpräsident Braun lehnt die Bildung der Großen Koalition in Preußen im gegenwärtigen Augenblick nach wie vor ab.
* Die Ozeanflieger flogen mit dem Flugzeug „Europa* von Bremen über Hamburg nach Berlin, wo sie auf dem Tempelhofer Feld von einer unübersehbaren Menschenmenge empfangen wurden. Dann fuhren sie in das Reichskanzlerpalais.
* Die bayerische Regierung ist anläßlich des Zusammentritts des neuen Bayerischen Landtages zurückgetreten.
* Amundsen, der Nobile zu Hilfe geflogen ist, scheint selbst verschollen zu sein. Er hatte nur für 30 Stunden Benzin Dei sich.
* Im Belgrader Parlament wurde bei einer Schießerei der Abgeordnete Paul Raditsch, ein Neffe des Bauernführers Stephan Raditsch, getötet; zwei andere Abgeordnete wurden schwer verletzt.
Das Negierungsprogramm
Müller-Frankens.
UmdieRegierungsumbildunginPreuße«.
Das Regierungsprogramm des Abgeordneten MMer- Franken, das den Parteien zur Beratung und Rückäußerung übergeben worden ist, enthält 17 verschiedene Punkte, darunter einige, die bisher in den interfraktionellen Besprechungen noch nicht behandelt worden sind. Es stellt im wesentlichen eine Zusammenfassung des Ergebnisses der bisher gepflogenen Erörterungen dar. Einige strittige Punkte sind nicht darin enthalten, u. a. die Frage des Panzerkreuzers A.
Verschiedene Fraktionen haben sich bereits mit dem Programm des Abg. Müller-Franken befaßt. Während der Sitzung der Reichstagsfraktion der Deutschen Volks- Partei erschienen die preußischen Unterhändler der Deutschen Volkspartei, um über ihre Unterredung mit dem preußischen Ministerpräsidenten Dr. Braun zu berichten. Danach besteht bei Dr. Braun nach wie vor zurzeit keine Neigung, über eine Änderung der Regierungszusammensetzung in Preußen zu verhandeln. Einzig und allein von den staatspolitischen Notwendigkeiten Preußens hänge es ab, wann über eine Verbreiterung der Regierungsbasis in Preußen zu verhandeln wäre.
In volksparteilichen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß durch diese Haltung Dr. Brauns die weiteren Verhandlungen äußerst erschwert seien. Auf die weitere Entwicklung der Krise darf man gespannt sein.
Amundsen und Nobile in Noi.
Die einzelnen Rettungsexpeditionen.
Nach Kopenhagener Meldungen ist das Latham-Flug, zeug mit Amundsen an Bord im nördlichen Polarmeer in einer Notlandung gezwungen gewesen. Amundsen hat nach diesen Meldungen dringend um sofortige Hilse gebeten. Er hatte nur für 30 Stunden Benzin mitgenommen.
Der Stand der verschiedenen Rettungsexpeditionen für Nobile ist ungefähr folgender:
1. Die „B r a g a n z a", die jetzt das Mutterschiff der beiden Wasserflugzeuge Riiser Larsens und Lützow Holms geworden ist, befindet sich einige Meilen vom Nordkap Spitzbergens entfernt. Eine Hilfspatrouille mit Hundeschlitten befindet sich auf dem Wege zur John-Insel. Die „Hobby" hat die „Braganza" verlassen, befindet sich auf dem Wege zur Königsbucht und wird von dort aus nach Norwegen zurückkehren.
2. Die Hundeschlittenexpeditton, die von der „Hobby" ausgebootet wurde, ist auf der Insel Scoresby angelangt.
3. Das Wasserflugzeug „Jsaa13des Majors Maddalena ist in der Königsbucht angelangt, und wird in den nächsten Tagen zu Erkundungsflügen starten.
4. Das Flugzeug „Marina 12“ ist in Lulea und will in den nächsten Tagen nach Tromsö starten.
5. Das schwedische dreimotorige Flugzeug „Uppland" ist in Tromsö. *
6. Das Flugzeug Guilbaud-Amundsens „Latham 47*, ist seit 30 Stunden überfällig.
7. Das finnische Flugzeug „Torku" ist in Tromsö.
Neue Funksprüche von Nobile fehlen, von den beiden anderen Abteilungen der „Jtalia'-Mannschaft fehlt ebenfalls jede Nachricht. Man beurteUt ihre Lage allgemein febr ernst.
Äobile funkt um Hilfe.
Tromsö. Das hiesigc Meteorologische Institut hSrttr auf Welle 35 von der „Italia" ausgesandle sehr stark vernehm- Hdje Buchstaben IDRO, die wahrscheinlich das Rufzeichen des italienischen Luftschiffes darstcllcn. Weiter hörte das Institut, wie die „Italia" eine Reihe von Ziffern und Buchstaben telegraphierte, mit denen vermutlich die Lage angegeben und um Entsendung eines Flugzeuges ersucht werden sollte.
Die Verproviantierung Nobiles durch Maddalena.
wtb. Rom, 20. Juni. Maddalena meldete, daß er der Gruppe Nobiles 300 Kg. Vorräte verschiedenster Art übermitteln konnte. Er habe beim Ueosrfliegen des Lagers Zkobiles 5 Personen gesehen, die vollkommen munter waren.
Pariser Befürchtungen für (vuilbanv.
wtb. Paris, 21. Juni. Bis spät in der Nacht war man ohne direkte Nachricht von dem Verbleib des Majors Guil- baud, der zusammen mit Amundsen vor zwei Tagen in Tromsö aufgestiegen ist, um Nobile zu suchen. Man neigt letzt zu der Befürchtung, daß sie das gleiche Schicksal wie Nobile selbst erlitten haben und irgendwo im Eismeer haben niedergehen müssen.