Lul-aer /lnzeiger
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M. 146 — 1928
Fulda, Freitag, 22. Zum
5. Jahrgang
Sie SzeasliM teil WHWfihMii.
Das Geschenk Hindenburgs.
i Der Jubel der Massen will kein Ende nehmen, sooft 4 drei Ozeanflieger sich den Berlinern zeigen. Zuerst Nden die Flieger in der Reichskanzlei empfangen, wo A Reichskanzler Dr. Marx ihnen zu Ehren einen Tee gab.
, Tie Ojemi fliege: vor bcm Palais deS Reichspräsidenten. Im Höhepunkt aller Ehren bedeutete natürlich der
Empfang der Flieger beim Rerchspräsidenten bon Hardenburg. Er sprach in herzlichen Worten, dm Ozcanfliegern seine Glückwünsche für das Gelingen ihres kühnen Fluges und zugleich als alter Soldat Anerkennung !ür die hierbei bewiesene Tavlerkeit und Talkrast aus.
SW Junten - Amundsen uerslhöllen.
Maddalena bringt Mièe Hilfe.
Suche nach Amundsen.
Der Bericht des italienischen Majors Maddalena, der Ei seinem Wasserflugzeug „Savoia 55“ das Lager Eiles im ewigen Schnee und Eise gefunden hat, liegt nunmehr vor, denn Maddalena ist glücklich nach Kingsbay Drückgekehrt.
Er konnte das rote Zelt Nobiles, das Niiser Larffen und Lützow Holm nicht erkennen konnten, sofort auf- '«.'den. Als sich sein Flugzeug dem Zelte Nobiles näherte, winkten fünf Männer der „Jtalia"-Mannschaft miNarbl- ?en Tüchern und kleinen Fahnen. _
...Außer sich vor Freude sprangen die Schrft- briichigen umher und sammelten die zerstreutlregenden Gegenstände sofort auf.
Eine Landung war nicht möglich, da in der Nähe Nobiles weder eine größere Eisfläche noch Cln Wasserspiegel zu finden war. ,
Maddalena hat verschiedene Leute der „^talra latzung persönlich erkennen können. Er ist uHerzeughdatz «.erneut Eisbrecher gelingen wird, bis zu Nobrle vorzu- Wn. Schwierigkeiten haben sich brsher daraus - Fen, daß das Eis täglich kilometerwert, forttrerbt und "Wer Standort Nobiles dauernd verändert. ^Maddalena traf schon wenige Stunden nachdem er i Eile aufaeiunden batte. wieder in Kmgsbay ein. Iin kurzer Zeit einen zweiten Start unternehmen Z^ hofft, daß ihm dann ein Landungsversuch glucken
Mobile über das Ergebnis von Maddalenas Flug.
L W. Rom, 22. Juni. Ueber das Ergebnis des Flugs Malenas, dem es 311111 ersten Male gelungen 5. der Gruppe Nobile neue Vorräte Zuzufuhren, du? "an zuständiger italienischer Stelle mitgeteilt
& Mittwoch der Citta di Milano telegrafisch. über du. -^Bewegung berichtet, mit der er und se'.ne Kameraden Maâ s^ Maddalenas beobachtet haben. ElNige d
CT1-™ abg°w°rf-n°n SBotratepatoe wurbm »««- Ut, da der daran befestigte Fallschrm sich nicht offnere. L«H fi “um ein 'ffi & neue AM-m"-°tE '^ ÄW«H. Mobil? elfu* ins-Ig-d-KV'N °nd«e fe^m und verschiedene sonstige Gegenstände zu
L 'den. Er schlug vor, sämtliche flugbereften 'ta rem- lich âMzeuge zusammen zu ihm zu entsenden.« 6- «fe Flugzeug mit Gleitkufen, das ^ sFlua »b »n landen. Dieses Flugzeug solle dann Z Er ß.,^ .Mitglied der Nobile-Gruppe ubtrmrsp - b«t "'"Aussicht, daß er, sobald scine Akkumulatoren üS'i« normale Stärke wieder besitze, ausfuhrl ^qe tiefe über die Art telegrafieren wott ' dcr^man, e.etiâ°A°rschnngen nach der mit dem Lust sch ss ^
Ein°^""^ bisher noch immer verschölle! ycr, Edition durchführen solle. Der telegraf i )
Beim Abschied überreichte Reichspräsident v. Hindenburg jedem der drei Herren als Zeichen seiner Anerkennung und zur Erinnerung sein eigenhändig unterschriebenes Bild im Silberrahmen.
Im Anschluß an den Empfang beim Reichspräsidenten begrüßte die Stadt Berlin
die Ozeanflieger im Rathaus.
Am Eingang zum Festsaal hatte man das Goldene Buch ausgelegt, in das sich die deutschen Fliegerhelden mit ihrem irischen Kameraden Fitzmaurice im Anschluß an den Festakt eintrugen. Oberbürgermeister Bötz hielt während des Frühstücks eine kurze Ansprache an die Flieger.
Nach Abschluß der Berliner Feiern werden sich die Flieger eine kurze Ruhepause gönnen, dann den Einladungen der bayerischen und der Württembergischen Negierung Folge leisten und nacheinander nach München und Stuttgart kommen. Mit dem Eintreffen in Stuttgart rechnet man in etwa zehn Tagen. Nach Irland werden die Amerikaslieger erst nach Abschluß ihrer Deutschlandreise aeüen.
Ger kommende Ozeanflugvetkehr.
über neue deutsche Atlantikflugplänc ließ sich bereits der ReichsverkehrSminister in seiner Festrede in der Krolloper aus. Die Arbeiten hierfür sind bereits ziemlich weit gediehen.
Bei den Dornier-Werken am Bodensee befindet sich zurzeit ein Ricsenflugboot mit einer Leistung von 5000 PS. im Bau, mit zehn Notaren ausgerüstet, das auf der ge- planten Transozeanroute eingesetzt werden soll. Das Flugzeug, das in riesigen Abmessungen gehalten sein wird, soll imstande sein, auf dem Ozcan zu landen und wieder vom Ozean zu starten. Den Transozeanverkehr wird die Deutsche Lufthansa in enger Zusammenarbeit mit dem Rcichsverlehrsministerium einrichten.
Leiter dieses deutschen Transozean- slugverkehrs wird Hermann Köhl sein, bem eine führende Stelle in der Lufthansa augeboten worden ist. Hauptmann Köhl unterhielt sich bereits sehr eingehend mit bem Direktor Milch von der Deutschen Lufthansa.
kehr mit General Nobile wurde dann plötzlich unterbrochen, da eine Nebelbank sich über Kingsbay lagerte. Der Nebel, der sich bis an die Nordspitze von Spitzbergen und bis zur Virgobucht ausbreitete, hat den ganzen Tag über angehalten. Trotzdem hat der norwegische Flieger Lützow Holm am Nachmittag einen neuen Aufklärungsflug nach dem Nordostland und Kap Brunn unternommen. Er informierte Kapitain Sora, der mit einer Schlittenabteilung nach der Gruppe Mariano sucht, über die Eisverhältnisse in der Umgebung der Foyn-Jnsel, die wenig günstig sind und empfahl ihm, die Nachforschungen nach der Gruppe Mariano, die sich bekanntlich nach der Notlandung der „Italia" von Nobile getretennt hat, mit aller Energie fortzusetzen. Dem gleichen Ziel soll eine weitere Schlittenexedition gelten, die bereits vorbereitet wurde und bereits hätte aufbrechen sollen, aber wegen des Nebels noch aufgeschoben werden mußte. Am Donnerstag war der funktelegrafische Nachrichtenaustausch mit Nobile sehr kurz. General Nobile ersucht um Mitteilung über die Schlittenexpedition. Der Eisbrecher „Krassin" wurde gegen Abend in Berger erwartet, wo er seine Kohlenvorräte auffüllen muß, eh er nach Spitzbergen weiterfährt.
Russische Hilfe für Nobile.
wtb. Moskau, 21. Juni. Der russische Eisbrecher „Malygin" ließ ein Flugzeug aufs Eis hinab. Das Flugzeug soll am Freitag zu einem ersten Erkundigungsflug nach dem König Karl Land starten. Falls die Eisschmelze anhält, wird der „Malygin" zum Kap Leigh Smith vordringen, um zu versuchen, Nobile und die zweite Gruppe seiner Expedition zu retten.
Über Amundsen fehlt bis zur Stunde jede verläßliche
Nachricht. '
Da er nur für 30 Stunden Benzin mitgeführt hatte, nimmt man an, daß er verschollen ist, es sei denn, daß er bei Nobile selbst gelandet wäre. Nobile weiß aber nichts von einer Landung Amundsens und Guilbaucs. Der französische Marineminister hat daher bereits die Kreuzer „Straßburg" und „Quentin Roosevelt" angewiesen, nach Spitzbergen auszulaufen, um eine Suche nach den beiden Fliegern vorzrmehmen.
In Oslo ist man in bezug auf das Schweigen Amundsens etwas optimistischer und weist darauf hin, daß er vielleicht zu Fuß den zweiten verschollenen Teil der „Jtalia"-Mannschaft suchen wolle. Diese Nachricht klingt aber wenig glaubhaft, man nimmt bei der „Citta di Milano" vielmehr an, daß sein Flugzeug bei der Notlandung beschädigt wurde und er nun nicht fort kann.
Nach einer weiteren Meldung aus Kingsbay war Amundsens Maschine nur schlecht oder recht wenig für einen Flug in die Arktis geeignet. Sie war ursprünglich für den Afrika- dienst bestimmt und ist nur notdürftig für den Spitzbergenslug verändert worden. Es ist mit dieser Maschine kaum nchg- Uch, auf dem Eise zu landen, weil sich unter ihrer Tragfläche ein Schwimmer befindet, der bei der Landung auf dem Else tzängcubleibt und die Tragfläche beschädigt.
Kleine Zeitung für eilige Lesen
* Reichspräsident von Hindenburg empfing die deutschen Atlantikslieger. Reichsverkehrsminister Koch teilte mit, daß ein regelmäßiger deutscher Ozeanflugverkehr vorbereitet wird.
* Nobile ist von dem Flieger Maddalena gefunden worden, wertere Flugzeuge zu ihm sind unterwegs. Amundsen aber ist verschollen.
* Der Abgeordnete Müller-Franken wird am Freitag seine Bemühungen um die Bildung der Großen Koalition fortsetzen.
* Die Belgrader Skupschtina ist wegen des Mordanschlages auf mehrere Abgeordnete vertagt worden. Der Attentäter wurde verhaftet.
Noch keine Nachricht von Amundsen.
wtb. Oslo, 21. Juni. Die Radiostationen innerhalb Norwegens sowie auf der Jan Mayn und der Bäreninsel hören Tag und Nacht in der Hoffnung, Radiozeichen vom Wasserflugzeug Amundsen aufzunehmen. Bis jetzt hat man jedoch keinerlei Zeichen empfangen. Der Kreuzer „Tordenskjöld" und die beiden norwegischen Flieger, die sich zur Zeit auf der Suche nach Nobile befinden, wurden beauftragt, längs der Westküste von Spitzbergen nach Amundsens Flugzeug zu suchen.
Die Nachforschungen nach Euilbaud und Amundsen.
wtb. Paris, 22. Juni. Das französische Marinemini- sterium, das zwei Kriegsschiffe zu Nachforschungen nach dem Verbleib Euilbauds und Amundsens abkommandiert hat, hat außerdem sämtliche zwischen Norwegen u. Spitzbergen kreuzende Schiffe darum gebeten, Ausschau nach der Latham zu halten. Auch der russische Eisbrecher „Malygin" wurde davon in Kenntnis gesetzt, daß bisher keine Nachricht über den Verbleib des französischen Wasserflugzeugs eingetroffen sei. Gegenwärtig prüfe man, so berichten die Blätter, auch andere Nachforschungsmethoden, von denen man sich günstige Ergebnisse verspreche.
LMeVersuche,
Die Schwierigkeiten für die Große Koalition.
Die Verhandlungen über die Große Koalition hatten sich um Donnerstag außerordentlich zugespitzt. Es hatten sich so große Schwierigkeiten ergeben, daß Abgeordneter Mütter-Franken den Reichspräsidenten aufsuchen und ihm erklären wollte, daß er keinen Ausweg zur Beseitigung dieser Schwierigkeiten sehe. Die Deutsche Volkspartei stellte neue Forderungen auf, die der Sozialdemokratie unannehmbar erscheinen. Sie forderte u. a. die Steuerveranlagung nach einem dreijährigen Durchschnitt und die Beseitigung der Kapitalertragssteuer. Auch in militärpolitischen Fragen, namentlich in der Frage des Panzerkreuzers, sonnte man sich nicht näherkommen. Den Ausschlag gab aber vor allem das Festhalten der Deutschen Volkspartei an ihrer Forderung, daß die preußische Regierung zugleich mit der Reichsregierung in der Richtung auf die Große Koalition umgebildet würde. Auf diese Forderung her gleichzeitigen Umbildung fegt die Deutsche Volkspartei Wert, während von den übrigen Parteien erklärt wurde, diese Bedingung sei nicht zu erfüllen, da die Landtagsfraktion nicht vor dem 10. Juli zusammentrete.
Um alle Versuche auszuschöpfen, verhandelte Abg. Müller-Franken später nochmals mit den Fraktionsführern. In einzelnen wurde noch eine Verständigung berbeigeführt. die noch verbleibenden Differenzpunkte, die Steuerfragen, die Preußenfrage sowie die Frage des Ver- fassungstages und des Panzerschiffes sotten am Freitag durchgesprochen werden. Nach dieser Aussprache wird dann Abg. Müller-Franken dem Reichspräsidenten ausführlich Bericht erstatten.
Sie deuW-stanzösischen
Wl'rtWlstSverhandiuiigen.
EineamtlichefranzösischeVerlautbarung.
Die in Paris geführten Verhandlungen über gewisse Abänderungen, die sich in dem deutsch-französischen Handelsabkommen als notwendig erwiesen haben, sind beendet. Es wurde hierüber in Paris folgendes Kommunique ausgegeben: Der deutsche Botschafter in Paris, von Hoesch, und der Ministerialdirektor im Reichswirtschaftsministerium, Dr. Posse, haben mit dem französischen Außenminister Briand zwei Protokolle unterzeichnet, von denen das eine die Verzollungsbedingungen deutscher und franzöösischer Waren festsctzt, bei denen seit Inkrafttreten des Handelsabkommens vom 17. August 1927 Schwierigkeiten entstanden waren. Das zweite Protokoll ist ein Zusatzabkommen zum Handelsabkommerr vom 17. August 1927, das die durch das Augustabkommen für eine Anzahl von Erzeugnissen festgelegte Paraphierung richtigstellt. Des weiteren ist durch Notenaustausch eine Anzahl von strittigen Punkten geregelt und die Durchführung des deutsch-französischen Abkommens für den Warenaustausch zwischen Deutschland und dem Saargebiet vom 23. Februar 1928 auf Grund der gemachten Erfahrungen mit den notwendigen Abänderungen versehen worden.
Durch die Unterzeichnung der Protokolle haben beide Negierungen ihren Willen bekundet, jedes Hindernis für die gesunde und fruchtbringende Durchführung der von ihnen im vergangenen Jahr abgeschlossenen Verträge aus dem Wege zu räumen und einen möglichst reibungslosen Warenaustausch sicherzustellen.