Zul-aer Anzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Iulöa- und Haunetal *Zul-aer Kreisblatt Reöaktion unü Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 ♦ Zernsprech-Mschluß Nr.---
^r. 148 — 1928
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Fulda, Dienstag, 26. Juni
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5. Jahrgang
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Der neue Kelloggsche Kriegsvcrzichtspakt, der den Mächten jetzt überreicht worden ist, hat in Berliner diplomatischen Kreisen einen günstigen Eindruck gemacht.
* Fritz von Opel wird zu seinen Versuchsfahrten mit Raketenantrieb einen neuen Wagen bauen lassen.
* Das französische Parlament hat die Stabilisierungsgesetze angenommen.
* General Nobile ist von einem schwedischen Flieger gerettet und auf die „Citta di Milano" gebracht worden.
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Wunder der Technik.
Über die Schienen rast mit fast unwahrscheinlicher Geschwindigkeit der modernen Technik jüngstes Kind; rast dahin und zerschellt. Vielleicht wird bei den nächsten Versuchen dieses Naketenanto in Splitter zerschellen, aber eines Tages wird es uns als Beförderungsmittel gehorsam und gefahrlos dienen. Und unsere Kinder werden mitleidig lächelnd jener Zeit gedenken, als dieses Wunder der Technik wirklich noch ein Wunder, etwas Niegesehenes, etwas faum Geahntes, nur Erhofftes war, an das sich der Menschengeist nur tastend heranwagte.
, Vieles Gewaltige lebt und nichts
Ist gewaltiger als der Mensch
läßt ein alter griechischer Tragödiendichter den Chor sagen — und doch ist gewaltiger als der Mensch das Schicks« l. Wie das Raketenauto zerschellte, als die noch nicht gebändigte Naturkraft die hemmende Faust empor- Me und ein Halt, ein Ende gebot, so muß die moderne Technik alles, was sic kann, cinsetzcu, um einen Menschen zu retten, der diesem Können, diesen Wundern der heutigen Technik allzusehr vertraute. Heimlicher Knabentraum war es oft, dem Ziel der Menschheit Wegedienste zu leisten: tmPol zu entdecken. Viele sind verschollen in der Eiswiiste und auch von Nobile würde nur eine verschollene Kunde, würde ein Fetzen Ballonstoss, vielleicht ein zer- sÄMtterter Motor am Fuße eines Eisgebirges zeugen, Win nicht die Technik ihre Wunder entsetzen würde. Jetzt Meany sich das F l u g z e u g in Die Lüfte, um den «erschollenen zu suchen und zu retten, jetzt sprach der unsichtbare Funke von her einsamen Scholle, auf der Mile und die Seinen hilflos cinhcrtrieben. Von diesem Funken geleitet vermochte das Flugzeug den modernen Schiffbrüchigen Rettung zu bringen — und mit stolzer Freude darf der Deutsche verzeichnen, daß cs, Junkers- Flugzeuge gewesen sind, alsodeutscheArbcites war, tie imstande war, den Verunglückten zu helfen. Als die deutschen Ozeanflieger in Berlin willkommen geheißen wurden, da klang in allen Reden immer die Hoffnung und der Wunsch wieder, daß die Freude und der Stolz über ihre Tat nicht getrübt werden sollte durch das Schicksal jener, die im Luftschiff den Nordpol 31t erreichen hofften. Sie hat sich erfüllt, diese Hoffnung, und in größerem, höherem Stolz konnten und können die Deutschen die von ihnen beherrschten Wunder ihrer Technik als Werkzeuge zur Rettung des Lebens zahlreicher Menschen einsetzem Gewiß ist der Nordpol vom Biftschiff und vom Flugzeug überflogen worden, aber zum ersten Male wurde es gesagt, auf dem Eise der Arktis niederzu- liegen und zu landen, um Menschenleben zu retten, die der von Naturkräften errichteten Mauer gescheiter.
ivaren. „ . . . und nichts ist gewaltiger als der Mensch I er hat den Raum überwunden itnb er beherrscht auch das, was das schnellste ist auf Erden und im Weltall, das ~ i dj t. 3
. Schon manche Versuche sind gemacht worden, um ba« Fernsehen zur Wirklichkeit zu gestalten. Vieles wurde seicht, doch nichts Vollkommenes. Auch dieses erhofste Wunder moderner Technik scheint jetzt vollkommene Wrrk- uchkeit geworden zu sein durch die Konstruktion einfacher separate, die jede Bewegung, jede Mienenverandcrung, Mn Wechsel des Ausdrucks auf die weiteste Entfernung M übertragen unb sichtbar machen. Zu den Stimmen, i von der Radiowelle durch den Äther getragen werden,
sich das Bild dessen, der in den Atherhinemspricht M sieht ihn vor sich, sieht ihn sprechen, Hort ihn mch ,L. Nichts Trennendes mehr, Verbliidende- 'wr ist der Raum, den noch vor hundert Zähren der grollt, Mche Philosoph als das jeden Begriff Bedingende cr> a."e. Moderne Technik zerschlägt die schönste Philo,0, tUiche Schreibtischarbeit. s
. Und trotzdem, trotz aller Wunder, die von der mo^ ernen Technik immer und immer wieder der Welt l Ä werden, gebietet das Gewaltigere, die Natur eben °°ft ein Halt. Muß die Menschheit Opfer bringen, mr e Grenzen der Natirrkräfte zurückzuschieben. Nicht m
Opfer, sondern auch ein inneres Ver»chtl«sten. iuch das Gewaltigste, auch die vollkommene Behm,schuns " ^-r läßt den Menschen in seinem Innerste" dock 2 kann die Schicksalsbestimmuttg des Menschen M) ausfüllen. Dieser Menschensehnsucht letzten U J itnb deutet immer noch, trotz allen Wundern der -echm . ^ Grenzen der Menschheit das Goethe-Wort an.
- „Denn mit Göttern Soll sich nicht messen Irgendein Mensch."
$*”6 des Vollsbundes für Krl-gergrK-rsME- ^ “ß^burfl. Hier findet der W^W^^ takt bn^?^ deutscher Kriegergräberfursorge statt. ^
fand -w°^°tn Festgottesdienst im
Maen A^ statt. Darau begänne- ° ^1,,;-
wt Dr' ^e der stellvertretende Präsident des Bu- - ^eschäfts- be ich Jacke-Berlin eröffnete und leitete. « W bau lotete bie Frtedhofsfürsorge^und bcrjnuere
des Bugges r ü ft I a fort.
Das Kabinett der Persönlichkeiten.
Stresemanns Antwort
an Hermann Müller.
Die Verhandlungen über die Regierungsbildung im Rerche nehmen ihren Fortgang. Die von Hermann Müller in Aussicht genommene Bildung der Weimarer Koalition dürfte nicht zustande kommen, da außer den Sozialdemokraten die anderen hierfür in Betracht kommenden Parteien doch schwere Bedenken haben, an einer solchen Regierung teilzunehmen. Indessen scheint jetzt die Bildung eines Kabinetts der Persönlichkeiten Aussicht auf Erfolg zu haben.
In maßgebenden Zentrumskreisen, die sich am Montag mit der politisch-parlamentarischen Lage im Reiche befaßten, war man der Ansicht, daß das Kabinett der Persönlichkeiten der Weimarer Koalition vorzuziehen sei, da dieses Kabinett die Vo r st u f e für die immer noch anzustrebende Große Koalition darstellen würde, die die einzig mögliche Mehrheitsbildung des gegenwärtigen Reichstages sei.
Diese Meinung vertritt auch Reichsaußenminister Dr. Stresemann, dessen Antwortbricf an den Abgeordue- ten Müller jetzt veröffentlicht wird, in dem Dr. Stresemann gefragt wurde, ob er bereit sei, als Fachminister in ein Kabinett der Weimarer Koalition und eventuell in ein sogenanntes Kabinett der Persönlichkeiten einzutreten.
Auch Dr. Stresemann hält die sogenannte Große Koalition für die beste praktische Möglichkeit, um einigermaßen stabile Regierungsverhälunsse in Deutschland zu schaffen. Dem Versuch, sie aus der Basis eines von den Fraktionen im voraus festgclegten Programms zu bilden, habe er von vornherein mit Skepsis gegenübergestanden, weil cs psychologisch kaum möglich sei, ein für Jahre berechnetes Rcgicrungsprogramm im voraus auf Jahre hinaus von allen Fraktionen billigen zu lassen. Dr. Stresemann teilt dann mit, daß er sich an einer Weimarer K 0 ali - t l 0 n nicht als F a ch m i n i st e r beteiligen würde, weil er dies angesichts seiner Stellung in der
Nvbilè Ms Sie „Silin bi Mil«««" zebn-t.
Ins bühne AiiSMtmehinW Lmbborgs.
Auf geradezu grandiose Weise wurde der Mann, um dessen Schicksal die ganze Welt jetzt feit fünf Wochen besorgt ist, aus der Lebensgefahr gerettet: General Nobile- dcr Führer der „Italia", wurde von einem mit Skis versehenen Flugzeug unter schwierigen Umständen abgeholt und auf das Hilssschiff „Quest", sodann aus den großen italienischen Dampfer „Citta di Milano" und nach Kingsbay gebracht. Der Führer des Flugzeugs war der schwedische
Der Retter Nobiles: Leutnant Lundborg.
Pilot L u n d b 0 r g, der vor seiner Landung noch Proviant und Geräte für die „Jtalia"-Mannschast abwarf. DieMaschine war das I u n k e r s s ch e G r oß s l u g z e ug Typ G. 24, also deutschen Ursprungs. Das Rettungsflugzeug hat sich daun bei dem zweiten Versuch, weitere Heute der Nobile-Gruppe abzuholeu, bei der Landung überschlagen. Der Pilot wurde glücklicherweise nicht verletzt.
Lnndborq befindet sich jetzt mit zwei Italienern im Lager Nobiles und harrt der Hilfe von feiten seiner schwedischen Kameraden. Die drei sind in größter Gefahr, da sich
das Packeis um das Lager türmt
und in der Richtung nach Norden abgetrieben wird.
Im ganzen verfügt die schwedische Rettungscxpedi- tion, deren Hilfsschiff in der Hinlopenstraße liegt, über vier Flugzeuge. Es besteht somit bie Hoffnung, daß eine Rettungsaktion für Lundborg und die zwei Italiener beschleunigt durchgeführt werden kann.
Nobile und feine Leute hatten die ganze letzte Nacht hindurch einen Verzweiflungskampf gegen das Eis kämpfen müssen, das in heftiger Bewegung war. Nobile wurde dabei von einer hochgepreßten Scholle getroffen.
Partei unmöglich tun könne und weil die Weimarer Koalition eine zu schwache Basis zur Lösung der außenpolitischen Fragen darstcttc. Er glaube nach wie vor, daß ein Zusammenwirken der Sozialdemokraten mit der VolkS- Partei notwendig und möglich sei. Dieses Zusammenwirken würde am besten zum Erfolge führen, wenn Per- sönlichkeiten aus den Fraktionen der Großen Koalition sich über das Programm klar werden würden, mit dem sie vor den Reichstag treten, und ihrerseits mit diesem Programm stehen und fallen.
Dr. Stresemann schlägt vor, einen solchen Versuch zu machen, da bei einem großen Komplex von Fragen völlige Übereinstimmung besteht. Der Reichsaußenminister weist zum Schluß daraus hin, daß auch Dr. Curtius, aus dessen Verbleiben im Reichswirtschaftsministerium Dr. Stresemann entscheidenden Wert legt, ganz seine Auffassung teilt.
In parlamentarischen Kreisen wird, natürlich ohne Verbindlichkeit, bereits eine Liste der kommenden Minister kolportiert. Danach würde Abgeordneter Müller-Franken (Soz.) das Kanzleramt übernehmen, von sozialdemokratischen Persönlichkeiten wird ferner Abg. Severing das Reichsinnenministerium erhalten und Abg. Hilferding das Finanzminsterium. Weiter würde noch ein sozialdemo- kratischer Minister, man spricht hier von Keil oder Wissel, an die Spitze des Verkehrsministeriums treten. Dr. Stresemann würde dem neuen Reichskabinett als Außenminister und Dr. Curtius als Wirt- schaftsminister angehören, ferner Dr. Koch (Dem.) als Justizminister, vom Zentrum die Abgeordneten ©uérarb als Reichsernährungsminister, Brauns als Reichsarbeitsminister und Wirth als Vizekanzler, weiterhin Gröner als Wehrminister und Schätzel als Postminister. Natürlich ist es möglich, daß diese Liste noch die eine oder andere Abänderung erführt. Abg. Müller-Franken hofft bestimmt, in den nächsten Tagen dem Reichspräsidenten eine Ministerliste vorlegen zu können, so daß dann Hindenburg die Ernennung des neuen Reichskabinetts vornehmen kann. Noch vor Ablauf der Woche beabsichtigt dann der neue Reichskanzler mit seinem Kabinett vor den Reichstag zu treten.
Er erlitt einen Beinbruch und wurde deshalb als erster geholt.
Die Heilung seiner Verletzungen dürfte ziemlich lange Zeit in Anspruch nehmen. Der General hat sich über seine Rettung wie folgt geäußert: „Ich wies den schwedischen Piloten Leutnant Lundborg an, zuerst Cicioni, dann Behounek, Troiani, mich, Viglieri und zum Schluß Biagi zu befördern. Lundborg lehnte dies ab und erklärte, daß er Befehl habe, zuerst mich zurückzubringen, da ich gebraucht werde, um
Anregungen für die Nachforschung nach den anderen
Vermißte« zu geben.
Lundborg und meine Begleiter bestanden darauf, daß ich als erster mitfliege. So habe ich mich widerwillig damit einverstanden erklärt. Bevor ich abflog, übergab ich Viglieri die Führung der Gruppe."
Nobiles Botschaft an feine Kameraden.
Unmittelbar nach seiner Rettung hat General NobiHg seinen auf dem Eis zurückgebliebenen Gefährten eine Bo« schaft geschickt, in der es heißt:
„Meine Lieben, seid unbesorgt, man bereitet den mit Kufen versehenen finnischen Apparat zur Landung auf dem Eis vor und zur Vorsicht sind in England zwei bis drei kleine Apparate bestellt worden. J^ werdet durch die Schweden weiteres Material erhalten^ Ich hoffe aber, daß Ihr es nicht mehr braucht, weil ich Euch bald zu umarmen hoffe. Vielleicht wird es gut sein, das Zelt nach dem Landungsplatz zu verlegen. Gebt mir vor allem Bericht und verliert den Mut nicht. Euer Nobile."
Amundsens Flugzeug weiter verschollen.
Bisher ist man noch ohne alle positiven Nachrichten über das verschollene Flugzeug Amundsens. Die Zeitungen entwickeln verschiedene Theorien über den Weg, den das Flugzeug von Tromsö aus nordwärts .ungeschlagen haben kann, doch stützen sich diese Ausfühurngen nur auf Vermutungen. Der Regierungsdampfer „Michael Sars" hat das Gebiet östlich der Bäreninsel abgesucht und wird jetzt die Suche westlich der Insel fortsetzcn. Man nimmt an, daß sich das Flugzeug in der Nachbarschaft der Bäreninsel befand als die letzten Funksignale einige Stunden nach dem Start Amunsens von Tromsö gehört müden. Der Kapitän des Seehundfängers „Hobby", der von Spitzbergen in Tromsö eintraf, erklärt, er sei über den Verbleib des Flugzeuges nicht besorgt. Wenn Amundsen die Bäreninsel überflogen habe, so sei es möglich, daß das Flugzeug auf dem Eise gelandet sei. Von Tromsö wird gemeldet, Guil- baud erklärte vor seinem Start, es würde den Fliegern schwer fallen, sich selbst zu retten, falls sie gezwungen sein würden, bei unruhiger See niederzugehen. Das italienische Flugzeug „Marina", das gestern abend von Bergen aufstieg, traf heute morgen 5.20 Uhr in Tromsö ein, nachdem es während der Nacht in Bodoe eine Landung vorgenommen hatte, um Oel an Bord zu nehmen.