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Zul-aer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg §ulöa- un- Haunetal »Zulöaer Kreisblatt Re-aktion unü Geschäftsstelle: Möhlenstraße 1 Zernfprech-Rnschluß Nr.-S- NachöruS -er mit * versehenen Artikel nur mit Quellenangabe »Zulüaer ^nzeiger'geflvttet.

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Fulda, Mittwoch, 27. Juni

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5. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Der Tibetforscher Wilhelm Filchner ist von seiner Asien- reife mit großer wissenschaftlicher Ausbeute heimgekehrt und wird seine Aufzeichnungen nun verarbeiten und der Öffent­lichkeit bekanntgeben. S

* In Kottbus wurde ein Chamberlin-Ehrendenkmal er­richtet. Bei der Einweihung waren die deutschen Ozeanflieger zugegen.

* Der österreichische Justizminister Dr. Dinghofer hat, weil Ilim die Großdeutsche Partei, der er als Mitglied angehöri, l^ Mißtrauen aussprach, seine Demission gegeben.

* Schlechtes Wetter in der Polargegcnd hat die weiteren Rettungsaktionen für die Flieger behindert. Die Suche nach beii Verschollenen wird jetzt im Eiltempo fortgesetzt.

Wer Hai schuld? -

Wir Deutschen sind stolz auf unsere Reichseisenbahn.' Sind immer stolz darauf gewesen, feit der unvergeßliche Maybach unter Bismarcks Anregung die Verstaatlichung der Eisenbahnen durchführte. Schwere Wunden schlug dem Eisenbahnwesen dann der Krieg und in der Nach­kriegszeit bedurfte es gewaltiger Anstrengungen, um all­mählich, ganz allmählich die Eisenbahn wieder zu dem zu machen, was sie einst war: zu einem Musterbetrieb.

Der Dawes-Plan aber, der die Reichsbahn zu einem privatwirtschaftlichen" Unternehmen umbildete und ihr eine Jahreszahlung von mehr als 1000 Millionen aufer­legte, hat die Reichsbahn gezwungen, immer nur an die Aufbringung dieser Riesensumme zu denken. Erst zahlen und zahlen und dann kann man daran denken, dringende Betriebsverbesserungen auszuführen. Noch hat die Geschwindigkeit unserer Schnellzüge nicht den Vor­kriegsstand erreicht und das schwere Eisenbahn- »nglück in Siegelsdorf, das zwei Dutzend Menschen das Leben kostete, wirst jetzt die überaus ernst zu nehmenden Frage auf: Ist unsere Eisenbahn überhaupt noch imstande, technisch über die Voraussetzungen zu ver­fügen, die erst eine weitere Steigerung des Betriebes zâffen?

Die Frage ist deswegen aufzuwerfen, weis.sich hin sichtlich der Schuld für das Unglück jetzt ein sehr merk­würdiges Nachspiel abrollt. Die Eisenbahn­direktion Nürnberg hat in mehrfachen Veröffentlichungen die Schuld an der Entgleisung einer Kette unglücklicher Umstände zugeschrieben, vor allem sei die Geschwindigkeit des Zuges eine allzu hohe gewesen. Betriebsmängel, wie etwa schlechte Gleisanlage, lägen nicht vor. Derartige Er­klärungen der Eisenbahndirektion haben nur den einen Nachteil, daß sie sozusagenin eigener Sache" ab­gegeben werden, man also die Schuld von sich selbst ab­wälzen will. Denn nun kommt der FürtherStaats- anwalt, der die gerichtliche Untersuchung leitet, und erklärt, er stehe den Veröffentlichungen der Eisenbahn­direktion durchaus fern, läßt außerdem durchblicken, daß er über die Schuld am Unglück ganz anderer Meinung sei. Und geradezu katastrophal für die Direktion wirkt das Gutachten des Sachverständigen, den die Staats­anwaltschaft herangezogen hat, eines Münchener Pro- essors für Eisenbahnbauwesen an der Technischen Hoch­schule. Er erklärt, daß Schäden am Gleis rind eine Senkung des Bahndammes schuld an dem Unglück gewesen sind, Schäden, die der Eisenbahn- oirektion bekannt waren und, allerdings sehr ungenügend, repariert worden sind. Trotzdem wurde die hohe Ge­schwindigkeit für den Lokomotivführer beibehalten und das Unglück geschah, die Lokomotive sprang aus dem Gleis und riß mehr als zwei Dutzend Menschen in den Tod.

Diese Vorwürfe sind so schwerwiegend, so ernsthaft und stammen aus dem Gutachten eines so ernsten Sachverständigen, daß die Öffentlichkeit das Recht daraus herleiten darf, eine wirklich r e st l 0 s e K l a r un g der Schuldfrage zu verlangen. Eine Klärung außerdem, ik^m^t etwa nur von interessierter Seite ".und das die Eisenbahndirektion in die Wege geleitet wird. N A^r hat die Öffentlichkeit das Recht, zu verlangen, daß die Lehren dieses Eisenbahnunglücks sehr schnell und

gründlich beachtet werden. Gerade jetzt beginnt W.eder dre H g u p t r e i s e z e i t: es kommt aber nicht so feinem*«! ""' daß man ein oder zwei Stunden eher zu

Ziel gelangt aus Kosten der Sicherheit. Vor i" Tagen ist durch Zufall ein schweres Elsenbahn-

; del Biberach verhütet worden; auch dort durch aekäöÄ^ Schnellzug mit allzu hoher Geschwindigkeit eine ' 1 i Stelle und entgleiste. f

Awlß werden in einem so riesigen Betrieb, wie ihn Reichsbahn darstellt, Unglucksfalle nicht zu Ä sein, denn es sind Menschen, dw auf der Loko ^n, Menschen, die die Hebel der Stellwerte feiten. Menschen mit menschlichen Fehlern und Awachen. Aber die Reichsbahn muß alles tun, um > « J as nur irgend möglich diese ^^ i Schwachen a u s r u 1 di n 11 e n. Das Verkehrsmono- L' das die Eisenbahn besitzt, verpflichtet ^e unbedingt W' Ees zu tun, um die Betriebsgefahren auf e n mog- X Dinges Maß einzuschränken. Das erste und wich- stE^ Erfordernis ist Betriebssicherheit, und äußere Um Ä lüle die bittere Notwendigkeit, gerade die Spar- mW obersten Gebot zu machen, dürfen na 'Jip^ des Betriebes fuhren. Die Deutfoye in §/bahn hat ihren guten Ruf zu verlieren, den sw sich sL^ V harten Jahren der Nachkriegszeit in mühsamer 2! chiedererworben hat; diesen guten Ruf sich Zu

1 * lR ihre selbstverständliche Pflicht.

Die schwierige Regierungsbildung.

Der Streit um die Ministerienbesebung.

Die Verhandlungen über die Regierungsbildung im Reiche zogen sich auch den ganzen Dienstag über hin. Zwar war man sich über die neue Form der Reichsregie- rung unter den beteiligten Parteien dahin einig, daß'die neue Regierung ein Kabinett der Persönlich- kette n sein und nur in loser Verbindung mit den Fruk- tionen stehen soll, doch entstanden zu guter Letzt wieder Schwierigkeiten wegen der Besetzung der einzelnen Mini­sterien. Namentlich innerhalb des Zentrums, das am Dienstag verschiedene Sitzungen im Reichstag abhielt, ging der Kampf um die Vergebung der Portefeuilles hin und her. Der Abgeordnete Wirth hatte es abgelehnt, das ihm von dem Abgeordneten Müller angebotene Reichsver- kehrsministerium zu übernehmen, und bestand darauf, die Leitung des Ministeriums für die besetzten Gebiete zu er­halten. Dieses Ministerium wollte aber der Zentrums­abgeordnete Guörard, der ursprünglich als Minister für die besetzten Gebiete vorgeschlagen war, übernehmen. Des weiteren bot die Frage der Besetzung des Vizekanzler­postens eine neue Schwierigkeit. Für diesen Posten war der Zentrumsabgeordnete Wirth in Aussicht genommen, i jedoch konnte sich die Zenirumssraktion noch nicht eub« gültig entschließen, ihre Zustimmung hierzu zu geben. |

Nm Reltmzsmksllihe für die Polsksliezer.

Flieger und Eisbrecher

in erhöhter Bereitschaft.

WM Amundsen n 0 ch v e r s ch 0 l l e n.

Uber Spitzbergen herrschte außerordentlich schlechtes Wetter. Sowie eine Besserung in der Witterung einge­treten ist, wollen die Junkers-, Dornier-Wal- und Savoia- maschinen erneut starten. Sie wollen die abgetriebene Jtalia"-Besatzung erneut suchen. Wenn diese Gruppe auch dann nicht gefunden wird,

soll sie künftig als verloren betrachtet werden. Auch die Hoffnung, die Malmgreen-Gruppe, die aus drei Mann besteht, noch retten zu können, ist ziemlich aufge­geben worden. Nach einem neuen Funkspruch der Nobile- Gruppe befindet sich diese jetzt wohl, nachdem sie Proviant erhalten hat. Sie hat es außerdem fertiggebracht, mehrereEisbärenzuerlegenundso ihren Pro­viant durch Frischfleisch zu ergänzen.

Der russische EisbrecherMalygin" hat seit der vorigen Woche

keinen neuen Ruf von Amundsen empfangen können. Auch der russische Flieger B a b u s ch - k i n hat auf seinem Erkundungsfluge zwischen König-Karl- Land und der Hoffnungsinsel das französische Flugzeug Latham", auf dem sich Amundsen befindet, nirgends ge- sichtet. Der RegierungsdampferMichael Sars" hat öst­lich der Bäreninsel seine Suche beendet und sucht jetzt im Westen weiter fort.

In Kingsbay sind neue Flugzeuge angekommen, um sich an der Suche zu beteiligen. Auch auf dem Lande wer­den Nachforschungen durch zwei italienische Expeditionen angestellt, die aus vier Hundeschlitten und einigen Nor­wegern als Hundeführer sowie drei Italienern bestehen. Man kann wohl sagen, daß die Rettungsversuche, an, der sich alle Nationen direkt oder indirekt beteiligen, einen großsportlichen Charakter angenommen haben. Die Operationsbasis für die Rettungsarbeiten wurde von Kingsbay aus weiter nach Norden vorgeschoben.

Die Rettungsaktion dauert noch drei Wochen.

Nach einem vom FahrzeugQuest" abge- sandten Telegramm glaubt man nicht, die auf dem Pack­eis gebliebenen Mitglieder der Gruppe Nobile und Leut- nant Lundborg vor drei oder vier Wochen retten zu können. Man hofft, daß sich zwischen den Eisschollen Kanäle bil­den werden, breit genug, um den Wasserflugzeugen zu ge­statten darauf niederzugehen. Die Lebensrnittel, die dre Gruppe Mariano mitgenommen hatte, reichten nur bis zum oi ^itni Jetzt herrscht wieder Windstille, der Nebel ver­hindert aber die Flüge. Das Flugzeug Mariano wird wahrscheinlich in Tromsö bleiben. Es wird dann nach Spitzbergen fliegen, um nach derLatham" zu suchen.

*

Mussolini dankt Hauptmann Tornberg.

^urch den Befehlshaber derCitta di Milano" bat Ministerpräsident Mussolini dem Leiter der schwedischen Spitzbergenerpedition Hauptmann Tornberg ein Dank­telegramm für die tapfere Beteiligung an der Rettung der Nobile-Expedition übermittelt. Tornberg ist der Vorge­setzte von Lindbora.

Amundsens fünf Noröpslflüge.

Das tragische Geschick des großen Polforschers.

Roald Amundsen ist auf dem Nordpolfluge, der dem in Not geratenen General Nobile Hilfe und Rettung brin­gen sollte, selbst in schwere Not gekommen, und die ganze Welt bangt um sein Schicksal, denn kein Mensch weiß, was aus ihm geworden ist. Dieser Flug, der nicht der For­

Abg. Müller-Franken wollte deshalb im Einverständnis mit dem Reichspräsidenten davon absehen, überhaupt einen Vizekanzler in sein Kabinett zu nehmen, als plötzlich vom Zentrum wieder die Frage des Vizekanzlerpostens angeschnitten wurde. Um alle diese Fragen zu bereinigen, war es notwendig, daß die Fraktionen wiederholtzu Sitzungen zusammentraten und daß der Abge­ordnete Müller-Franken mit den Unterhändlern des Zen­trums mehrmals Rücksprache nahm.

Die Besetzung des Reichsernährungsmini- st e r i u m s wurde dahin geregelt, daß der Abgeordnete Dietrich- Baden (Dem.) sich bereit erklärte, dieses Mi­nisterium zu übernehmen.

Als endgültig feststehend konnte am Dienstag abend solgende Besetzung der Ministerien genannt werden:

Reichskanzler: Hermann Müller-Franken (S.P.D.), Außenministerium: Dr. Gustav Stresemann fD. Vv.), Reichsinnenministerium: Severing (S.P.D.).

Finanzen: Dr. Hilferding (S.P.D.), Reichswirtschaft: Dr. Curtius (D. Vp.), Reichswehr: Dr. Gröner (parteilos), Reichsernährungsministerium: Dr. Dietrich-Baden (Dem.),

Reichspostministerium: Schätzel (Bayer. Vp.).

schung und der Wissenschaft galt, war der fünfte Nordpol­flug des berühmten Norwegers. Das heißt: Nordpolflug kann er ja wohl kaum genannt werden, da nicht der Pol das Ziel war, sondern das unheimliche Packeismeer, das den Zugang zum Pol verbarrikadiert, aber es ging immer­hin in die Polargebiete, und so mag dieser Flug den frühe­ren vier Nordpolflügen, die Amundsen unternommen hat, als fünfter anaegliedert werden.

Drei von den erwähnten vier Nordpolflügen sind miß­glückt und blieben zum Teil schon im ersten Versuch, ja so­gar schon im Plane stecken. In die Zeit zwischen 1923 und 1926 fallen die vier Flüge. Der erste, der von Wainwright über den Nordpol nach Spitzbergen führen sollte, miß­lang aus technischen Gründen und wegen ungünstiger Witterung. Der zweite Flug mit der Fluglinie Spitz- I bergenAlaska kam wegen geldlicher Schwierigkeiten nicht zustande. Der dritte aber, der in das Jahr 1925 fiel, brachte den Forscher und seine Begleiter ein gut Stück dem Pol näher. Es ist kürzlich unter dem TitelPolarfahrten" in Berlin ein Buch erschienen, in dem Paul Gerhard Zeidler u. a. auch die Amundsen-Flüge ausführlich schil­dert. AM 21. Mai 1925 starteten zwei Flugzeuge von der jetzt wieder vielgenannten Kingsbai aus. Im ersten saßen Niiser-Larsen als Pilot, Amundsen als Beobachter und der deutsche Mechaniker Feucht, im zweiten Leutnant Diet- richson als Pilot, der bekannte Amerikaner Ellsworth als Beobachter und Leutnant Omdahl als Mechaniker. Die Flugzeuge, die sehr gut ausgestattet waren, mußten wegen dichten Nebels und wegen drohenden Benzinmangels fdum wenige Stunden nach dem Abflug der ganze Flug bis zum Pol war auf 18 Stunden berechnet notlanden. Während Amundsens Flugzeug, das zwischen Eisschollen in einen Eiskanal geraten war, verhältnismäßig glimpf­lich davonkam, hatte das zweite Flugzeug ein Leck erhalten, so daß seine Insassen sehr gefährdet waren. Dietrichson und Omdahl wären beinahe ertrunken. Schließlich mußte dieses zweite Flugzeug vollständig aufgegeben werden. Man brachte seinen ganzen Benzin- und Proviantvorrat auf Amundsens Flugzeug, das am 15. Juni mit allen sechs Mann, die bis über den 87. Grad nördlicher Breite hin­ausgelangt waren, wieder aufstieg; der Aufstieg erfolgte wider Erwarten sehr glatt. Nach 8 Stunden 35 Minuten sichtete man nordöstlich vom Nordkap Land, aber das Flug­zeug mußte, da ein Steuer versagte, mitten auf dem Eis­meer landen und eine Zeitlang auf den Wogen schwimmen, bis es von einem norwegischen Schiff ausgenommen wurde. Der eigentliche Nordpolflug war also wieder nicht restlos gelungen. Bis ans Ziel und darüber hinaus nach Alaska führte erst Amundsens vierter Polflug: der Nor- tveger unternahm ihn mit dem halbstarren italienischen LuftschiffNorge" und in Gemeinschaft mit Nobile, den er jetzt ivieber suchen wollte. Dieser 1926 unternommene Flug ist noch in aller Erinnerung und braucht nicht näher geschildert zu werden.

Oie /,Bremen"FlLeger in Koiibus.

Einweihung des Chamberlin-Denkmals.

Kottbus hatte wieder einen großen Tag. Wieder kamen Atlantikflieger in diese Stadt, die vor Jahresfrist die Amerikaner Chamberlin und Levine zuerst aus­genommen hatte. Diesen beiden Piloten hat sie jetzt ein Denkmal errichtet.

Bei der Grundsteinlegung für das Chamberlin-Denk­mal führte Oberbürgermeister Dr. Kreutz als erster Redner u. a. aus:Vor Jahresfrist durcheilte an einem Sonntag wie ein Lauffeuer die freudige Nachricht von der Landung des AmerikaflugzeugesColumbia" mit den Fliegern Chamberlin und Levine die Straßen unserer Stadt. Ein gütiges Geschick hat es gefügt, daß Sie, meine I Herren Köhl, Fitzmaurice und v. Hünefeld, die Sie zum erstenmal den Ozean von Ost nach West überquerten^