Söldner Anzeiger
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Alk. 160 — 1928
Fulda, Dienstag, 10 Zuli
5. Jahrgang
Die Zeppelintaufe in Friedrichshasen.
AkAsschland in der Lust voran.
Die Bedeutung des neuen Zeppelins.
Seit Jahren hat die Stadt Friedrichshafen nicht so viele festlich gekleidete Menschen und so viele festlich ge- schmückte Häuser gesehen. Eisenbahn und Dampfer brachten Tausende heran, die auf dem Luftschiffhafen der Taufe des neuen Zeppelinluftschiffes beiwohnen wollten. In der großen Luftschifshalle, die in Tannengrün und Fähnchenschmuck prangte, stand das Riesenluftschiff, dessen Führergondel am Bug ein aus Kornblumen gebundenes „3" trug. Bevor Beethovens „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" die Tauffeierlichkeittzn einleitete, überreichte
Dr. Eckener
der mit ihrem Gemahl erschienenen Tochter des alten Grafen Zeppelin, der Gräfin Brandenstein- Zeppelin ein prächtiges Blumengewinde. In seiner Begrüßungsansprache feierte Dr. Eckener das neue Luftschiff als eine
Brücke des Friedens zwischen den Nationen.
Der Name des neuen Luftschiffes solle eine pietätvolle Ehrung für den geistigen Schöpfer des lenkbaren Luftschiffes sein. Im Namen der Geburtsstadt des Grafen Zeppelin, der Stadt Konstanz, wünschte Oberbürgermeister Dr. Möhrickedem neuen Zeppelin eine glückliche Zukunft. Er begrüßte den Zeppelin mit folgendem Spruch:
„Stolzes Schiff, dir gibt an Bord
Heiße Wünsche mit der Ort,
Der die Wiege Zeppelins getragen.
So zieh' denn hin in nie geahnte Weiten^
Hilf deutscher Arbeit Ehr'
Und deutschen Geist verbreiten."
Darauf vollzog Gräfin Brândeüstein Zeppelin mit dem Riis „Mit Gott! Graf Zeppelin!" den Taufakt unter den Wagen des Niederländischen Dankgedets.
Der heutige Stand der Lustfahrttechnik.
Der Deutsche Lustsahrtverband hatte aus Anlaß des W. Geburtstages des Grafen von Zeppelin seine Mitglieder vom 7. bis 9. Juli zum 22. Lüftfahrertag nach Konstanz am Bodensee eingeladen.
Dr. Eckener sprach über die künftige Gestaltung der Luftschiffahrt und ihre Wirtschaftlichkeit. Er führte u. a. aus, daß das Luftschiff nur für weite Entfernungen mit großer Nutzlast in Frage komme. Die Hauptgefahren seien für die Luftfahrt die vertikalen Luftbe- tvegungen, die aber dank der Technik und Konstruktion des Luftschiffes leicht überwunden würden. Selbst
Blitzgesahr sei nicht zu fürchten,
da der Blitz nur das'Metall, nicht aber die Ballons aufsuche. Was die Wirtschaftlichkeit anbelange, so müßten in erster Linie die günstigsten Landeplätze gesunden werden. Ankermaste seien nur behelfsmäßig, aber nicht ans- rcichenv, es müsse erstrebt werden, Landung und Aufstieg m die Zeit von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang zu verlegen, da uni diese Zeit'die vertikalen Störungen launi bemerkbar seien. Wichtig sei die
Steigerung der Fahrtgcschwindigkeit und die allmähliche Ersetzung des Wasserstoffes durch
Über die Zukunft des Ozeanverkehrs äußerte Dr. Eckener, daß das Luftschiff das berufenste Fahr âsug hierzu sei und allen Gesahren standhalten könnte. geplante Weltflug des neuen „L. Z. 127" müsse vor- verschoben werden. Der erste große Auslandsslug W nach Nordamerika. Nach Dr. Eckene» sprach Prof. Pirath-Stuttgart über Weltluftverkehr und innen» plüschen Verkehr und ging dabei auf die Leistung der -echnik, von der der künftige Weltflugverkehr abhänge, und auf die Tarifpolitik ein.
Der Chefingenieur der „Stalin" gestorben
Die Lage der Mannschaft wird immer schlimmer.
Der Fliegerleutnant Lundborg hat Nobile nach seiner Rettung auf der „Citta di Milano" ausgesucht und ihm geraten, die Viglieri-Gruppe anzuweisen, keine selbstän- °lgen Rettungsversuche zu unternehmen.
Der Chefingenieur der „Italia" ist, wie Lundborg berichtet, auf der Eisscholle seinen Verletzunaen crlcaen.
Oeuischnaiionale parierbeschSüsse.
M i tz b i l l i g u n g für Lambach.
Im Reichstag zu Berlin tagten am Sonntag von Morgens 10 Uhr bis abends 10 Uhr die Vertreter der Deutschnatiünalen Volkspartei. Sie besprachen die durch
Reichstagswahl geschaffene politische Lage und die ^rschiedenen Verlautbarungen, die sich an den vom «eutschuationalen Abgeordneten L a m b a ch veröffent- hchtcn Artikel „Monarchismus" knüpften. Dazu wurde folgender Beschluß gefaßt:
„ »Die Parlèivertretung tritt der dem Herrn Abgeordneten -ambach seitens der deutschnationalcn Reichstagsfraktion ausgesprochenen Mißbilligung in vollem Umfange bei. Die weilerc Entscheidung bleibt den satzungsmäßig zuständigen Stellen vorbehalten. Deshalb werden die gestellten Ausschluß- antrage dem zuständigen Landesverband als Material über« Riefen. Aus diesem Anlaß bekennt die Deutschnationale /.E-Partei sich erneut zu den monarchischen Gruyd«
1 a »1 n ihres Parteivroaramms."
Akan befürchtet, daß Nobile tatsächlich der einzige sein wird, der von der „Jtalia"-Expedition mit dem Leben davonkommt. Die letzten Meldungen lassen erkennen, daß das Lager auf dem Eise wieder in östlicher Richtung vom Lande abgetrieben wird. Infolge der
außerordentlich schlechten Eisverhâltnisie
und des immer stärker werdenden Nebels erscheint es ganz ausgeschlossen, daß die schwedischen Flieger noch einmi! eine Landung beim Lager vornehmen können. Die einzige Möglichkeit besteht jetzt darin, daß das Lager von dem russischen Eisbrecher „Krassin" erreicht wird, der sich jedoch nur sehr langsam vorwärtsarbeitet.
Der Flieger Babuschkin hat die Versuche, Amundsen zu linden, aufgegeben und weilt an Bord des „Krassin".
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Oie Oauerflieger.
Die Dentschen Ristwz urh Zimmermann haSen den Dauerrekord im Flugzeug um sieben Stunden geschlagen unk blieben 65% Stunden in der Luft. Diese Leistung ist um so gewaltiger, als im allgemeinen derartige Rekorde nur um wenige Minuten überboten werden.
Me V^nun^Slieger auf der Preffa.
Der Streit um den Besuch in Doorn.
Während des Aufenthalts in Köln machten die „Bremen"-Flieger einen Ausflug nach Dortmund, wo ihnen ein großer Empfang zuteil wurde. Leider ereignete sich bei bem Andrang ein Autounfall, durch den ein Jung- ' deutscher tödlich verletzt wurde. In Köln erfolgte nach dem Dortmunder Ausflug ein Empfang auf der Pressa. Hier gab Köhl seiner Bewunderung für Risticz, der den Weltrekord im Dauerflug errungen hat, lebhaften Ausdruck. Anläßlich einer Zeppelin-Gedenkfeier rechtfertigten sich auch die Ozeanflieger gegen Vorwürfe wegen ihres Besuches in Döorn. Köhl führte dabei u. a. aus, daß er Privatmann sein. Er habe immer als Offizier gearbeitet, noch nie gewählt. Er kenne keine Parteien! Er kenne nur das deutsche Vaterland. Wenn ihm die Freiheit genommen werde, seinen ehemaligen Kriegsherrn zu besuchen, müsse er sich das verbitten. Er sei ein freier deutscher Mann. 1
Er liebe den deutschen Arbeiter noch mehr als den deutschen Kaiser.
Deutsche Arbeiterhände hätten das Werk geschaffen, das sie hinaus in die Welt getragen hätten, um ihr zu zeigen, daß Deutschland in friedlicher Arbeit vorwärtsdrängen wolle. Von Hünefeld bemerkte, daß aus dem Beispiel Zeppelins das deutsche Volk lernen könnte, wie nötig es sei, sich über Parteischranken hinwegzusetzen, um sich zusammenzuschließen in dem Allgenblick, wo der Name Deutschlands falle. Gerade, wenn sie von dem Mann als Privatleute zu Besuch kamen, der einst treu zu Zeppelin hielt, so meine er, es sei unehrlich und unehrenhaft, seiner Überzeugung nicht zu folgen.
Grung Vros Zunlers'und der Ozeansiteger in Aachen.
Professor Junkers, der vor seiner Übersiedlung nach Dess-u Lehrer an der Technischen Hochschule in Aachen war, stattete zusammen mit den beiden Ozeanfliegern, Hauptmann Köhl und Freiherrn von Hünefeld, der Stadt Aachen einen Besuch ab. Im Alten Kaisersaal würben Proftflor Junkers der Ehrenbürgerbrief der Stadt Aachen und die Urkunden über die Verleihung der Würden eines Ehrenbürgers und Ehren- scnators der Technischen Hochschule Aachen überreicht.
Am wioniag wurden die Beratungen fortgesetzt. ZB" Schluß nahm man einstimmig folgende Entschließung an:
„Die Partcivertrctung billigt einmütig die OppositionS» stellung der Reichstagsfraktion, wie sie in den letzten Reden der Partcivertretcr zum Ausdruck gebracht worden ist, und ersucht die Fraktion, die Politik der Tcutschnatioiialcn BoltS- Partei auf dieser Basis weiter^ufüdrcn."
*
Beratungen des AeiHSlavinetts.
Berlin. Das Neichskabinett ist am Montag zu einer Sitzung zusammengetrelcn. In der Sitzung sollte geschäftsordnungsmäßig der Arbeitsplan der Reichsregierung ausgestellt werden, b- h. wie und wann das Reichskabinett regelmäßig, wenn nicht besondere Angelegenheiten Ausnahme- beratungen verlangen, zusammentreten wird. Ferner war die Beratung des Schankstätiengesetzes vorgesehen. Außenpolitisch wurden einige Fragen über den deutsch-polnischen Handelsvertrag abgeschlossen" und der amerikanische Kriegsächtungspakt erörtert. Doch dürfte hier Entscheidendes nicht beschlossen werden, solange Reichsaußenminister Dr. Stresemann noch nicht, an Den Kabinettsützuuacn teilnimmt.
Kleine Zeitung für eiNge Leser
* In Friedrichshafen wurde das neue Luftschiff „2. Z. 127' auf den Namen „Gras Zeppelin" feierlich getauft.
* In Polntsch-Oberschlesien wurden 14 Kinder, die mit einer Handgranate spielten, getötet, acht weitere Kinder wurden schwer verletzt.
* Der Ingenieur der „Italia" ist nach einem Bericht Lundborgs auf der Eisscholle gestorben.
* Der Führer der mazedonischen Komitatschis, General Pro- togerow, nebst feinem Adjutanten sind auf der Straße erschossen worden.
Die Wettkohlenkrise.
Vielleicht auf keinen Zweig der deutschen Wirtschaft haben allgemein-weltwirtschaftliche Entwicklungen einen derart starken und leider auch verhängnisvollen Einfluß ausgeübt wie auf die Kohlenerzeugung. Es besteht eine Weltkohlenkrise, deren Ursache die allgemeine Überproduktion an Kohle ist oder, wenn man es von der anderen Seite her sieht, der Rückgang im Absatz, da die Konkurrenz durch das CI und die Elektrizität, die Braunkohle und andere Mittel der Wärme- und Krafterzeugung in geradezu rasendem Anwachsen ist. In allen kohleerzeugenden Ländern besteht die gleiche Absatznot und der Konkurrenzkampf zwischen ihnen ist ein dementsprechend erbitterter; längst spielt die Kohle nicht mehr die weltwirtschaftliche Herrscherrolle wie vor dem Kriege, ist vielmehr zu einem Sorgenkind geworden.
In Deutschland wurde die Kohlewirtschaft vor einer katastrophalen Krise durch das Göttergeschenk des langandauernden englischen Bergarbeiterstreiks bewahrt, aber seine Wirkungen sind völlig zu Ende; selbst in Deutschland vermag man sich nur noch mit äußerster Mühe und nur unter Aufgabe eines Teiles des „bestrittenen" Gebietes gegenüber der englischen Konkurrenz zu halten. Stilllegungen von Zechen im Ruhrkohlengebiet lassen sich nicht mehr vermeiden und darunter befinden sich auch schon solche Zechen, die staatlicher Besitz sind.
Man kann es also verstehen, wenn auf der jetzt tagenden Generalversammlung des Verbandes derBerq- arbeiter Deutschlands sehr, sehr ernsthaft auf die Folgeerscheinungen dieser deutschen Kohlenkrise hin- gewiesen wurde, da ihre Auswirkungen natürlich die Bergarbeiterschaft in erster Linie angehen. Die überproduktton und der Absatzmangel könne nicht ins Endlose nebeneinander bestehen, sondern der Absatzmangel erzwingt schon jetzt und in immer steigendem Maße — ganz besonders, wenn etwa die allgemeine Wirtschaftskonjunktur weiter zurückgeht — eine Einschränkung der Kohleerzeugung. Das heißt Zechen stillegung, heißt Einschaltung von Feierschichten. Heißt Ar- beiterentlassung und Verdienstminderung bei den Weiterarbeitenden. Denn daran ist nicht zu denken, notleidende Betriebe mit Hilfe öffentlicher Gelder durchzuschleppen, wie das in der Zeit früherer Krisen, namentlich 1924 und 1925 viel zu oft geschah und meist zu ebenso unerquicklichen Resultaten wie Anseinandcrsetzungen geführt hat. Immer wurden die Gesuche um die Überlastung öffentlicher Gelder damit begründet, daß durch sie größere Teile der Arbeiterschaft vor dem Schicksal bewahrt werden sollten, brotlos zu werden. Wo ist da eine Grenze z u z i e h e n ? Was dem einen notleidenden Unternehmen recht ist, ist dem andern billig, und gar nidjt feststellbar ist es, ob die Notlage hervorgeruscn wurde durch eigenes Verschulden, eigene Untüchtigkeil und wirtschaftliches Unver- nlögen oder ob durch Umstände äußerer Art, auf die daS Unternehmen keinen ober einen nur geringen Einfluß auszuüben in der Lage ist!
Unsere Kohlewirtsckast unterliegt ja in sehr wett- gehendem Maße den staatlichen Zwangseingriffen, und zwar — über das Schiedsgerichts- und Schlichtungswesen — sowohl lohn- und tarifpolitischer Art wie hinsichüich der Preishöhe. Beide Seiten, also Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, im Bergball unterliegen dieser Zwangsbewirt« schaftung und das führt dazu, daß der wirtschaftliche Kampf zwischen ihnen ein Kampf um die im Staat liegende entscheidende Macht wird. Und ein Kampf, der damit politisch wird, nicht mehr rein wirtschaftlich ist, dafür aber um so rücksichtslos-egoistischer geführt wird, da ja schließlich am Staat allein die Entscheidung und ihre Folgen Hängenbleiben. Der preußische Handelsminister hat das mahnende Wort an die Arbeitnehmer im Bergbau gerichtet, daß gerade sie im Hinblick auf ihre polittsche und soziale Emanzipation nun auch die ft örtere toirt» sch aftliche Verantwortung dahingehend trage« müssen, also die Fragen der Wirtschaft nicht vom Stand- pllnkt eines fürsorgebedürftigen Einzelinterestes oder einzelnen Betriebes aus zu betrachten, sondern diese Fragen in ihrer Verknüpfung und Abhängigkeit voneinander jn erwägen haben.
Vernünftige Lohn- und Sozialpolitik ist nur möglich auf dem Boden besten, was die Wirtschaft M tragen vermag. Wird diese Polittk aber in die leere Luft hinausgetrieben, so folgt immer auf den Augenblickserfolg der verhängnisvolle Rückschlag allgemein - wirtschaftlicker Natur. Im deutschen Bergbau erleben wir hierfür jetzt ein unerfreuliches Beispiel; aber auch andere Wirtschaft^ zweige können folgen.
Die Forderungen der Bergarbeiter.
Verbandsvorsitzender Husemann teilte beim Vortrag des Geschäftsberichtes des Verbandes für 1926/27 mit, daß der Verband der Auffassung sei, daß die Arbeitszeit soweit wie möglich zu kürzen und die Löhne zu erhöhen sind. Eine bedeutende Verbesserung der Lebenshaltung der Bergarbeiter sei unbedingt erforderlich. Im Ruhrgebiet seien drei Lohnbewegungen im verflossenen Ge- schäftsiahr zu verzeichnen gewesen mit Lohnerhöhungen.