Zul-aer Anzeiger
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Tageblatt für Rhön unö Vogelsberg Kulöa- unö tzauneèal * Zulöaer Kreisblatt
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FuldiL, Freitag, 13. Juli
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5. Jahrgang
Sie MlWM- Mb Lizlieri-EriWè gereitet!
Vierzig Tage auf dem Eise.
' Malmgren tot. — Seine Begleiter gerettet.
Große Freude erregte in ganz Norwegen und Schweden die überraschende Nachricht, daß es dem russischen Flieger Tschuchnowski gelungen sei, 25 Seemeilen von dem letzten Standort des ruffischen Eisbrechers „Krassin" entfernt, die aus drei Personen bestehende Malmaren-Gruvve der verunglückten Nobile-
Mariano. Zappi. Malmgren f.
Expedition aufzusinden. Überraschend mußte die Nachricht wirken, weil nach Nobiles Angaben über Richtung «Hb Ziel Malmgrens dessen Position dort, wo sie seft- xestât wurde — 80 Grad 42 Minuten nördlicher Breite, 25 Grad 45 Minuten östlicher Länge — gar nicht vermutet lverden konnte, und besondere Freud" mußte sie lluslösen, weil der schwedische Meteorologe M a l m g r e n durch seine Teilnahme an Amundsens Nordpolexpedition mit der „Maud" und an dem Polflug der „Norge" in ganz Skandinavien bekannt war.
Der Versuch Tschuchnowskis, zu der s e i t vierzig Tagen vermißten Gruppe zu gelangen, mißlang, weil der Flieger nach einem vierstündigen Flug infolge Nebels eine Notlandung vornehmen mußte, bei der das Flugzeug beschädigt wurde. Er erreichte mit seinen Begleitern unter Mitnahme der Sendestation und von Lebensmitteln, die für 14 Tage reichen, die Küste. Der .Krassin" aber begann, kaum daß die Nachricht von der Auffindung der Malmgren-Gruppe eingetroffen war, mit Volldampf einen Vorstoß zu der Gruppe und es gelang ihm, obwohl er mit ungeheuren Eismassen zu tropfen hatte, tatsächlich die Gruppe zu erreichen.
Malmgren selbst weilte nicht mehr unter den Lebende«. Seit einem Monat f r6 a n i ft er tot und die beiden Italiener Mariano und Zappi, die mit ihm auf den Eisschollen umherirrtew und jetzt gerettet sind, haben
LtmsturzgerüchLe Lu Spanien.
Hunderte von Personen verhaftet.
Lebhafte Beunruhigung ist in Spanien infolge zahl- teicher umlaufender Gerüchte über eine neue Umsturzbewe- gung zum Sturz der Monarchie entstanden. Die Behörden seien den an der Bewegung Beteiligten bereits auf der Spur, aber das wirksamste Mittel, so heißt es in einer halbamtlichen Erklärung, um eine solche Verschwörung zum Scheitern zu bringen, sei die Unterstützung der Negierung durch alle loyal Gesinnten und für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung Verantwortlichen.
Die spanischen Zeitungen sprechen von etwa 100 Verhafteten, während Ausländskorrespondenten diese auf über 500 beziffern. Unter den Festgenommenen sollen sich auch Offiziere befinden. Offiziell spricht man von einem geplanten Attentat auf den König.
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Oie Reichsbahn will Tariferhöhung.
Angeblich Ausgaben gesteigert.
Vom 10. bis 11. Juli hielt der Verwaltungsrat der Deutschen Neichsbahngesellschaft in Königsberg (Preußen) seine Sommertagung ab. Er nahm dabei Gelegenheit, sich ein Bild von der besonderen Wirtschafts-, und Ver- ^hrslage Ostpreußens zu verschaffen. Um bei der Ver- kehrsaufsckließnng der Provinz mitzuwirken, wurde eine Verewigung au der Kraftverkehrsgesellschaft Ostpreußen beschlossen.'
Die Tariferhöhungsfrage ivnrde in der Sitzung in der Hauptsache nur referierend behandelt, da eine endgültige Stellungnahme der neuen Neichtzregierung noch nicht vorlag. Durch die ein- lletretene Verzögerung habe sich nach Ansicht der Retchs- bohnverwaltung die Notwendigkeit einer Tariferhöhung tioch gesteigert. Der Ausgabenbedarf sei angeblrch boch gestiegen. Die Verwaltung behauptet, das An- wachsen der laufenden Einnahmen im Vergleich zum Vor- lahre fei zum Stillstand gekommen.
seine Leiche geborgen. Mariano hat durch Frost ein Dein eingeblltzt» befindet sich aber trotzdem wohl, obwohl er und sein Kamerad seit 13 Tagen kaum noch etwas zu essen hatten.
Die Viglieri-Gruppe ebenfalls gerettet.
Nach einem Funkspruch der „Citta di Milano" hat der russische Eisbrecher „Krassin" die Gruppe Viglieri am Donnerstag abend um 9 Uhr an Bord genommen.
Der Netter LiHuchnowstt.
Das Rettungswerk des „Krassin".
wtb. Moskau, 13. Juli. Nach einer Mitteilung des „Ztalia-Hilfskomitees" wird der Eisbrecher „Krassin", nachdem die Rettung Marianos und Zappio sowie der Viglieri-Gruppe geglückt ist, nunmehr Nachforschungen nach Amundsen und der Alessandri-Gruppe vornehmen. Der Eisbrecher „Malygin" wird voraussichtlich zurückbeordert werden.
Aufs tiefste zu bedauern ist das Schicksal der alten Mutter Malmgrens.
Auf die ersten Nachrichten von der Auffindung der Malmgren-Gruppe waren Zeitungsberichterstatter zu ihr geeilt, um ihr die Freudenbotschaft mitzuteilen. Sie sagte, sie habe die Hoffnung, ihren Sohn wiederzusehen» nie aufgegeben gehabt, aber die Ungewißheit der letzten Wochen sei dennoch schwer zu tragen gewesen. Kraft hätten ihr seit der Abfahrt ihres Sohnes die Worte verliehen, die er beim Abschied gesprochen habe: sie solle nicht unruhig werden, wenn er auch ein halbes Jahr lang nichts von sich hören lassen würde. Und nun ist die gan^ . Hoffnung der alten Frau zu Grabe getragen worden.
Deutsche Zustimmung zum KeilSM-pakt.
Einverständnis mit der Kriegsächtung.
Dem amerikanischen Botschafter in Berlin ist die deutsche Antwort auf den Vorschlag eines Kriegsächtungspaktes, nach den Vorschlägen Kelloggs, überreicht worden, nachdem in der Sitzung des Reichstagsausschusses für auswärtige Angelegenheiten die allgemeinen Grundlinien der Antwort von der großen Mehrheit der Reichstagsparteien gebilligt worden waren. Die deutsche Note ist verhältnismäßig kurz gehalten. Sie spricht die volle Zustimmung der deutschen Regierung zu den amerr- kanischen Vorschlägen und die Bereitwilligkeit zur Teilnahme an dem geplanten Kriegsächtungspakt aus.
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Die französische Antwort auf die Kellogg-Note hat die Billigung des französischen Ministerrats gefunden. Frankreich stimmt darin im Prinzip dem letzten Friedens- paktvorschlag der Vereinigten Staaten zn, hält aber nach mie vor seine Vorbehalte bezüglich des Völkerbundes, der Locarnoverträge, des Rechts auf legitime Verteidigung und der regionalen Sicherheitsverträge aufrecht
Aus London wird gemeldet, daß das englische Auswärtige Amt das Ergebnis der Beratungen über die juristische Tragweite der Kellogg-Note abwarte. Das englische Auswärtige Amt werde sodann den Dommzen seinen Standpunkt unterbreiten und erst nach deren Antwort die Antwort der britischen Regierung endgä'tlg scststellen.
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Der deutsche Botschafter in Paris, Dr. v. Hoesch, tjatfe eine längere Unterredung mit Poincarâ in Bezug auf die jüngste deutsche Regierungsbildung.
* Nach dem nun veröffentlichten Gutachten des sächsischen Staatsnrinisters a. D. Bünger ist die Täterschaft Jakubowskis, für die seine Verurteilung erfolgte, nicht als erschüttert anzusehen.
* Die Malmgren-Gruppe der Nobile-Expedition ist von dem russischen Eisbrecher „Krassin" gerettet worden. Malmgren selbst ist feit einem Monat tot.
Pläne und Entwürfe.
Das Sozialprogramm der neuen Regierung
Die Parteien melden im Reichstag nun auch schon ihre neuen sozialpolitischen Forderungen an, besonders, da in der Regierungserklärung nur Andeutungen nach dieser Richtung hin gemacht worden waren. Eigentlich war präzise nur gesagt worden, daß die Regierung entschlossen sei, das Washingtoner Abkommen über den Slchtstundenarbeitstag zu unterzeichnen — nur steht es im Augenblick gar nicht fest, wie dies aussieht, weil man beim Internationalen Arbeitsamt in Genf gerade dabei ist, es abzuändern.
Nun ist der neue Neichsarbeitsminister Wissell etwas deutlicher geworden und hat seine Absichten und Pläne dargelegt. In der Hauptsache handelt es sich dabei um die Weiter- bzw. Durchführung von sozialpolitischen Ge- setzentwürfen oder sonstigen Vorbereitungsarbeiten, die schon längere Zeit Vorlagen, aber infolge der Auflösung des Reichstages nicht mehr zur Erledigung kamen. Hier steht im Vordergrund eine Zusammenfassung der augenblicklich außerordentlich zersplitterten Arbeiter- schutzgesetzgebung zu einem einheitlichen Gesetz, das im Entwuf übrigens schon fertiggestellt ist. Eine Ergänzung findet diese Kodifizierung durch eine gleichartige auf dem Gebiete des Arbeits Vertrags rechts, also besonders für allgemeine und Betriebstarife, während das Schutzgesetz vor allem Arbeitszeit und Aufsicht behandeln soll.
Wichtiger als die Ankündigung dieser Zusammenfassungen ist die Äußerung des Ministers über das Schlichtungs - 11 nb Schiedswesen. Wissell selbst ist ja langjähriger Schlichter gewesen: die Angriffe namentlich von Arbeitgeberseite auf das Schlichtungswesen sind gerade in letzter Zeit immer stärker geworden, weil bei den Auseinandersetzungen zwischen Arbeitgebern und -nebmern von irgendwelcher Freiheit der Entschließungen überhaubpt nicht mehr gesprochen werden könne, sondern die Regelung immer durch Zwangs- eingriffe des Staates erfolgt, damit von vornherein ohne weiteres gerechnet wird. Wissell erklärte kategorisch, daß daran nichts geändert werden würde, er sich nicht „der Verpflichtung entziehen könne, die Regelung der Arbeitsver- Hältnisse durch Gesamtvereinbarung auch dort zu fördern, wo die Parteien allein mit dieser Aufgabe nicht fertig werden". Das wissen aber beide Seiten und infolgedessen kommt es heutzutage nur in Ausnahmesällen zu einer wirklich freien Vereinbarung bei sozialen Auseinandersetzung. Hängt meist alles einfach von dem Eingrif und der Entscheidung des Staates ab. Erfreulich ist dieser Zustand, wie er sich tatsächlich beransgebildet bat, denn doch nicht, weil das Verantwortlichkeitsgefühl der beiden Seiten zweifellos darunter leidet.
Im letzten Reichstag war schon eine Revision des Arbeitslosen- und Arbeitsvermi"lungsqesetzes beschlossen worden, weil sich in der Zeit seiner Wirksamkeit einige Mängel und Schwächen herausgestellt hatten. Dabei handelt es sich vor allem um die Frage der Unterstützung von Sais 0 narbeitern im Winter, die nach den Bestimmung^ de^ Gesetzes sehr hohe Unterstützungssätze erbalten: das hat besonders auf dem flachen Lande zur Verweigerung sonst anaenotn« meuer Arbeit geführt und überaus Zahlreiche Mißstände und Klagen verursacht. In diesem Sinne kündigt Wissell eine Revision des Gesetzes an ebenso soll die Krisen- nnterstütznna den längere ^eit arbeitslos gewordenen öfteren Angestellten und Arbeitern rukommen, was gleichfalls fchon im letzten Reickstoa angeregt war. Freilich sind die Koste" ba-ür nicht unerheblich und man sollte — and) der Minister sprach b^on — doch endlich mehr daran denken, die ungeheuren Auftrage der öffentlichen Hand, die mindestens acht Milliarden betragen, besser als bisher dafür auszunutzen, daß man sie in Zeiten sinkender Wirtschaftskon junktnr und damit steigender Arbeitslosigkeit vergibt: das würde als ein ziemlich kräftiger Regulator und als Ausgleich wirken.
Auch die Kleinrentner sollen nun — wie es in der Regierungserklärung angekündigt war — endlich mit ihrer Forderung, ein Versorgungsgesetz zu erhalten, durch einen entsprechenden Entwurf Gehör finden. Dabei werden sich wohl sicherlich wieder die Auseinandersetzungen entspinnen, ob nun von einem solchen Versor- qunqsgesetz nicht auch die Sozialrentner insgesamt ümsaßt werden sollen oder nur die Kleinrentner allein Schon werden auch Ausdehnung der Unfallver- sicherung und Erhöhung ihrer Unterstützungssätze angekündigt, das gleiche für die Kriegshinterbliebenen. Aber wenn man schon Mehrausgaben für die Bedürftigen beschließen will, dann muß auf der anderen Seite auch das Versprechen des Ministers wirklich in Erfüllung gehen, daß eine bis zum äußersten sparsame Verwaltung eine Vermehrung der sozialpolitischen Lasten nicht eintreten zu lassen braucht, zumal die beabsichtigte Erhöhung der Dersicherungspflichtgrenz e für Ange- stellte sehr erhebliche Mehreinnahmen hereinbrmgen^ nnr^m übrigen wird dies alles erst im Herbst spruch- reif werden, sind alles noch Pläne und Entwürfe — die vielleicht ganz anders aussehen, wenn sie erst einmal die parlamentarische Mühle passiert haben.
Kongresse und Versammlungen
k. Afa-Gewcrkschaftstagung. Dom 1. bis 4. Oktober findet in Hamburg die Dritte Äfa-Göwcâschanstonferenz statt. Jin. Mittelpunkt der Beratungen werden die wirtschaftliche und gewerkschaftliche Bedeutung der Angestellten stehen Die Tagui g wird sich außerdem mit der Frage des Arbeitsrechts der seemännischen Angestellten, des modernen Wohnungsbaues sowi« mit inneren Angelegenheiten des Bundes beschäftigen.