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Zul-aer Anzeiger

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Str. 1651928

Fulda, Montag, 16. ZUli

5. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Das Reichskabinett wurde sich dahin einig, den Reichs- innenmii'istcr als zuständige Stelle mit der Einleitung der Reform in der Reichsverwaltung zu betrauen.

: * Die vom Reichstag beschlossene Amnestie soll alsbald in Kraft treten, so daß die ersten Entlassungen in den nächsten Tagen zu erwarten sind.

* In Hasloch bei Wertheim flog infolge einer Explosion ein Teil der Pulversabrck in die Lust. Die genaue Zahl der Toten ließ sich noch nicht feststellcn.

* Ter italienische Mpinihauptmann Sora, der diè Opfer bei Aab--Expedition suchen wollte und dann verschollen war i[t jetzt auch gerettet worden.

Oer Reichstag in Ferien.

Als die Reichstagsmitglieder die kühlen Hallen des Hauses ihrer Wirksamkeit verließen, da stöhnte ein jeder ['mit beim Hinaustreten in die sonnendurchglühten Straßen. Und die tropische Temperatur, der schon lang jam kochende Asphalt, die jetzt besonders infernalisch duf- ,enden Benzindämpfe mögen eine recht schnelle Erfüllung der Sehnsucht nach Berg und See, Wald und Wiesengrün Meigeführt haben; wenn das Gehirn so langsam zu brodeln beginnt oder, wie ein Kommunist in der letzten Reichstagssitzung äußerte, die Hitze den noch etwa vor­handenen Rest von Gehirnschmalz zum Auslaufen bringt, dann wird auch unseren Volksvertretern die politisch-par­lamentarische Arbeit allzu sauer.

Man ist daher in die Ferien gegangen, und zwar, wenn sich Besonderes nicht ereignet, gleich für fünf Mo­nate, bis zum Spätherbst. Man ist, als die Regierungs­bildung nach einigem Hin und Her gelungen war, auch mir einige Tage beisammen gewesen, hatte von vornherein z keine große Lust, sich parlamentarischen Arbeiten von Be- dentlamteit zu widmen. Und so kam denn von wich- : tigeren Dingen nur die Erledigung der Amnestie- r frage und der Initiativantrag auf Senkung der ßinto m m ensteuer für die unteren und mittleren Stilen zustande. Richt aber konnte der Kampf um den Mlouakfeiertag beendet werden. Das wurde vertagt, weil innerhalb der Regierungskoalition sich Differenzen zeigten, man daher die endgültige Regelung erst in An­griff nehmen will, wenn im Spätherbst eine festere Bin­dung dieser Koalition an die Stelle des vorläufigen Zu­sammenschlusses tritt. Die Regierung freilich hat keine Ferien und soll zeigen, ob sie in ihrer neuen Zusammen­setzung praktisch. Arbeit 31t leisten vermag. Mitten in die Ferienzeit des Parlaments fällt der Beginn desNormal­jahres" des Dawes-Planes, der ab 1. September von Deutschland die Zahlung von 2,5 Milliarden verlangt. Cie aufzubringen, wird Regierung wie Parlament genug Kopfschmerzen verursachen. Dann ist der Wiederbeginn der Handelsvertragsverhandlungen mit Polen ein be­sonders schwieriger und widerstrebender Gegenstand der politischen Ferienarbeit; ob man jetzt darin freilich schneller vorwärtskommen wird, ist angesichts der recht ungeklärten politischen Lage in Polen noch zweifelhaft. Und schließlich tritt im September auch der Völker­bund wieder zusammen, ohne daß man deswegen damit j zu rechnen braucht, daß die bekannten außenpolitischen I Wünsche Deutschlands hinsichtlich der R h e i n l a n d b e - I jehun g offiziell irgendwie zu Wort kommen können.

Wenn also der Reichstag in die Ferien gegangen ist, I ohne alles Wichtige erledigt zu haben, so darf an. dem r Beschluß des A m n estiegesetzes nicht so ganz sang- W klanglos vorübergegangen werden. Gewiß bestehen I Bedenken, die gegen eine Amnestie an sich und vor allem â Wn allzu häufige Anwendung einer solchen Gnaden­maßnahme sprechen, aber das Ziehen eines Schlußstriches unter die politischen Kämpfe. Vergehen, Verbrechen ist ab und zu doch notwendig. Dabei war es noch besonders zu i begrüßen, daß sich für diesen Beschluß eine parlamen- : irische Mehrheit fand, die auch die Deutschnationalen, Nationalsozialisten und Kommunisten, also auch die Opposition, mit umschloß. Das wird dazu beitragen, der innenpolitischen Auseinandersetzung über diese Streit- Ilage viel von ihrer bisherigen Schärfe zu nehmen. 1 Das Reichstagsgebäude ist verödet und nur ein paar [ Beamte verrichten in der kommenden Zeit ihren Aufsichts- i menst. Von den vier Ecktürmen sind die Fahnen ver­schwunden, die hochgezogen werden, wenn der Reichstag lagt. Aber während der Ferien wird allmählich die Poli- wche Konstellation des Winters vorbereitet; bis dahin , haben unsere Reichstagsboten Zeit, Körper und Geist für me kommenden Kämpfe zu stärken, auch einmal an das Daheim und den eigenen Beruf zu denken.

Wetikonferenz zur Kriegsachiung.

Im Oktober.

Wie ans Washington gemeldet wird, nimmt man /'rt an. daß noch btt Lanke dieses Jahres, wahrscheinlich »n Herbst. eine Weltkon fcrenr zusammentreten "'rd. auf her bis Verhandlungen zur Unterzeichnung des n Staatssekretär Kellogg entworfenen Krieasächtunas- ertra»es abgefchlossen werden sollen. Man glaubt, dab ' ü Konferenz in Varis stattfinden und die grösste seit ^aqen von Versailles sein wird

m Staatssekretär Kellogg soll selbst bereit sein n^ch zu reisen: auch der deutsche Reichsauß-'umittist-'r ' Stresemann soll eine solche Zusammenkunft über die . ^werbaudlunaen befürworten Von anderer S^ie h> gemeldet, daß man eine solche Konteren^ für M Oktober erwartet, vorausgesetzt. dab die inzwischen iu führenden Verhandlungen über den Vakt ''Ungslas verlausen (Sine persönliche Teilnahme MW fei noch nicht sicher.

SHn Mitte eine

Zusammenstoß zweier Züge im Münchener Hauptbahnhof.

Bis jetzt 10 Tote und 13 Verletzte.

wtb. München, 18. Juli. Im hiesigen Hauptbahnhof fuhr Sonntag abend der Nürnberger Sportzug, Stamm­zug Nr. 52 841 auf den Vorläufer des Sportzuges auf.

Bisher sind 10 Tote zu beklagen. Die Zahl der Verletzten beträgt 13. Kurz nach dem Unfall fingen die beiden in- einandergeschobenen Wagen zu brennen an.

Die Schuldfrage.

Ueber die mögliche Ursache des Eisenbahnunglücks im Münchener Hauptbahnhof meldet der Sonderberichter­statter des Süddeutschen Korrespondenzbüros: Kurz nach der Ausfahrt des Vorzuges wurde festgestellt daß die Plombe der Notbremse in den 3 Abteilen des 3. Wagens des Vorzuges verletzt war. Die Polizeidirektion München sucht festzustellen, wer die Notbremse gezogen hat. Der Haupt­zug hatte Ausfahrtsignal. Unerklärlich bleibt jedoch, wie der Hauptzug Ausfahrt erhalten konnte, obwohl die Rück­meldung des Vorzuges und damit die Freigabe der Strecke für den Hauptzug von der nächsten Blockstelle noch nicht vorliegen konnte, weil der Vorzug den Block noch garnicht durchfahren hatte.

Schwere Pulverex-losion bei Haßloch.

Eine Pulverfabrik fliegt in die Lust.

Tote und SchWerverw undete

In der Pulverfabrik Hasloch bei Wèrtheim, die schon vor zwei Jahren von einem schweren Explo- sionsunglück hart betroffen worden ist, ereignete sich wie­der eine Explosion, die nach allen Anzeichen dem früheren Unglück an Schwere nicht nachsteht. Betroffen wurden Räume der Fabrik, in denen das Pulver zur Trocknung gelagert wird.

Eine große Anzahl von Fabrikgebäuden sowie das Maschinenhaus wurden zum Teil zerstört. Im weiten Umkreis wurden durch den gewaltigen Luftdruck die Fensterscheiben zertrümmert. Alle Feuerwehren der Um­gebung wurden eingesetzt, um die unter den Trümmern begrabenen Arbeiter zu bergen und das Feuer, das an der Unglücksstätte ausgebrochen ist, einzudämmen. Die ersten Meldungen berichteten, daß vier Tote, acht Schwer- und 16 Leichtverletzte geborgen worden seien. Es ist aber zu be­fürchten, daß die Zahl der Todesopfer sich noch erhöht. Unter den Schwerverletzten befindet sich ein Pfarrer aus der Gegend von Hasloch, der auf die Detonation hin an die Unglücksstelle geeilt war.

Zur Zeit der Explosion betrug die Belegschaft etwa 130 Mann.

Der Brand gelöscht.

Es scheint sich zu bestätigen, daß die Exvlosinn vier Tndcsovfer gefordert hat doch liegt noch eHe Anzahl Schwerverlebter besnr^uiK-rrenend danieder. Der Brand d^r Fabrik ist neläsf^t. Die Zabl her Leichtverletzten ist nicht neuen feftneftcOf über die Ursache des Unglücks ist nichts Bestimmtes bekannt.

M'chsressrm.

Die Beschlüsse des neuen Kabinetts.

Das Reichskabinett befaßte sich in eingehender Aus­sprache mit der Verfassungs- und Verwal- tungsrefo rm. Auf der Grundlage der Beschlüsse der Länderkonferenz bestellte die Reichsregierung den R e ich s m in i ste r des Innern als diejenige Stelle, die zur Herbeiführung von Vereinbarungen über das Aufgehen kleinerer Länder in Nachbarländer sowie für die Auflösung von Enklaven und Exklaven in enger Fühlungnahme mit den Ländern anregend, vermittelnd und auf Anruf dm Beteiligten als Schiedsinstanz tätig werden soll.

Da die Berichte der von Verfassungsreformausschuß der Lünderkonferenz bestellten Berichterstatter bereits vor­liegen bzw. demnächst eingehen werden, hat die Reichs- regierung die Einberufung dieses Ausschusses für etwa Ende September dieses Jahres in Aussicht genommen.

Die Beratungen des Kabinetts erstreckten sich sodann auf eine Anzahl damit zusammenhängender Einzelfragen und auch hier kam das Kabinett zu der einmütigen Auf­fassung von der Notwendigkeit der Förderung der Reichs­reform.

Aus dem amtlichen Bericht.

In dem amtlichen Bericht der Reichsbahndirektion München heißt es: Von den 9 Leichen konnten bisher festgestellt werden: Niedermaier, Max, Hauptmann bei der Landespolizei Augsburg, Deisinger, Rudolf, Oberleut­nant bei der Landespolizei Augsburg, Deißler, Josef, Fri­seur, Alpenstraße, Wohnort unbekannt. Unbekannte Leichen: Eine weibliche Person (Leiche trägt weißes Kett­chen und Fingerring mit rotem Stein), eine männliche Person, 30 bis 40 Jahre alt, verkohlt, eine männliche Person, 20 bis 30 Jahre alt (trägt Siegelring), eine weibliche Person, etwa 20 Jahre alt (verheiratet, trägt Ehering), eine weibliche Person, etwa 50 Jahre alt. Der aus dem Wagen gerettete Wäscheresibesttzer Gottfried Rebele aus Augsburg ist sofort nach Ueberführung in die Klinik dort gestorben.

. Als verletzt wurden nach den bisherigen Feststellungen 13 Personen angegeben. Ein Verletzter hat eine Gehirn­erschütterung erlitten, die übrigen weisen weniger schwere Verletzungen, Prellungen und Kopfverletzungen auf. Außer­dem haben sich eine Anzahl von Reisenden wegen leich­terer, äußerlich nicht feststellbarer Verletzungen bei der Bahnstation München gemeldet. Auch einige bei den Rettungsarbeiten betätigte Angehörige der Eisenbahn und wohl auch der Feuerwehr und der Sanitätsmann­schaften haben durch die Rauchwirkung Schaden genom­men. Ueber die Ursache des Unglücks konnten die im Gange befindlichen Erhebungen bisher keine Klarheit schaffen. ; . .. . ,

^re Ann^börigen her Arbeiter sirnmte" herbei her** verreibende S'men sviesi-n sich auf der Landstrnbe ab. ^er ersten aroßen Ervlosion foOrf^n noth verschiedene kleinere, die bas Rettunqswerk äußerst erschwerten. An den Gebäuden innerhalb der Fabrik ist grober Schaden anaerichtet worden. Das aaure Werk T nebst Autaballe und mehreren kreiner-u Baulichkeiten ist völlig nieder- aebrannt. Die Eiplnsion bat auch in der näheren Nm- aehunq aewaltige mprsin.m|M/,n,1 anaerichtet. Fenster­scheiben Wurd-n eknaedrsickt. Dächer abgedeckt und Tele­phon- und Te^egr^tzb-"s-'?tnna''n Zerstört. '

Au der Nnoln^»^" eT^»^ eine Kommission her Stagisauwalischaft h<e hie o^cfm beschlaanabmte und die Untersuchung über die Ursachen der Explosion ein» leitet-

Schau einmal. im Mai 1M6 ist die Kaslocher Pulver- fahrif die Stätte eines a^abm (SrhsofionSnnafü^ ae» wei-u. D^n-ais ftoo bie Pulvermühle in die Luft und forderte 13 Todesopfer.

Braud in einer französischen Pulverfabrik.

Nach einer Meldung aus Bordeaux ist in der Pulverfabrik von Bergerac ein Brand ausgebrochen, der rasch großen Umfang aunahm. Mehrere Tonnen Pulver sind in die Luft geflogen. Dabei wurde eine An­zahl Gebäude zerstört. Mehrere Personen wurden ver­letzt. Ob auch Tote zu beklagen sind, ist noch nicht zu übersehen. Der Sachschaden ist sehr groß. Die benach­barten Wohnungen mußten geräumt werden. Die Explosion erfolgte mit solcher Heftigkeit, daß sich Rauch­schwaden von etwa 500 Meter Höhe entwickelten.

Die Amnestie.

Genehmigung des ReichsratS-

Der Reichsrat erteilte der Amnestievorlage ohne be­sondere Abstimmung seine Genehmigung. Die Vertreter Baverns, Thüringens und Badens gaben Erklärungen ab, in denen sie betonten, daß sie, obwohl die Amnestie ein Eingreifen in die Justizhoheit der Länder darstelle, der Vorlage in Anbetracht der großen Mehrheit, die sie im Reichstage gefunden habe, ihre Zustimmung nicht ver­sagen wollten. Dieser Auffassung schloffen sich die Ver­treter Sachsens, Hessens, Oldenburgs und Bremens an.

Preußische Ausführungsbestimmungen.

Der preußische Justizminister hat zu dem Gesetz über Straffreiheit die Ausführungsbestimmungen erlassen. Um die schleunige Durchführung des Gesetzes nach dessen Ver­kündung zu gewährleisten, haben die Strafverfolgungs- und die Strafvollstreckungsbehörden schon jetzt unverzüg­lich zu prüfen, tvelche Verfahren unter den Straferlaß, die Einstellung und die Strafmilderung fallen.

Die Entlassung der Begnadigten.

/ Das Amnestiegesetz tritt am Montag nachts um 12 Uhr in Kraft. Aber aus Grund der Aussrihrungsbestimmungen des preußischen Justizministers wird cs möglich sein, daß eine Anzahl von Gefangenen, deren Begnadigung zwei­felsfrei fcststeht, bereits âls entlassen gelten können.