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Nr. 166 1928

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

Krlöa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt

Redaktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernsprech-finjchluß Ür.^M Nachdruck -«mit* »ersehenen strittet nur mit «ftueUenongad«. Zu l-aer stnAetyer" geftattet.

Fulda, Dienstag, 17. Juli

Ttnzeigenprels: M Behörden, Genvffenschaf. ten,Banken usw. beträgt die Kleinzeile OJO DIL, für auswärtige st.ustr^ggeber 0.25 Mk., für die Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 015 Mk* Reklamezeile 0.60 Mark Bei KecbnungsffeU hing hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen Tag» und platzvvrsth elften unverbindlich.

5. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Durch das Inkrafttreten der Amnestie wurden schon am Sonntag ein Teil Gefangener entlassen.

* Infolge der anhaltenden Hitze werden aus allen Teilen des Reiches zahlreiche Todesfälle durch Ertrinken beim Bad und durch Hitzschlag gemeldet.

* Bei dem Rennen auf dem Nürburgring fand der Prager B. Junek durch einen Sturz den Tod.

* Die Antwort der französischen Regierung auf die Kriegs- üchtungsnote Kelloggs ist nunmehr in zustimmendem Sinne erteilt worden.

Hilse den Kriegsopfern!

Bald jährt sich wieder der Tag, da Deutschlands' wehrfähige Mannschaft hinanszog in den Kampf für die Heimat. Jungvolk und reife Männer, die Weib und Kinder daheim ließen. Millionen kehrten nimmer wieder, aber von den Millionen Verwundeter raubte vielen Tau­senden der Krieg die Möglichkeit, nach Friedensschluß den Kampf ums Dasein zu bestehen. Es ist während des Krieges an Versprechungen für die Kriegsopfer und ihre .Hinterbliebenen nickt gespart worden und der Dank des Vaterlandes sollte ihnen gewiß fein; nicht mehr sollte, wie nach 1870, der Invalide mit dem Leierkasten und dem Ttelzsuß eine Karikatur auf die selbstverständliche Pflicht des Vaterlandes sein, nicht das Wort Heines in seinen .Grenadieren" wieder zur Wirklichkeit werden:Was schert mich W">b. was scheut mich Kind, laßt sie betteln geh'«, wenn sie hungrig sind."

Viel ist aeschchen und im Haushalt des Reiches nehmen dieKriegslasten" einen breiten Raum ein. Die Kriegsbeschädigtenfürsorgc ist eine der wenigen über- smteilichen Fragen, dient nickt als Objekt des Portei- Mnks. Anck die jetzige Negierung hat in ihrer ErklÜ' rang darauf Bezug genommen; daß den Kricgsbcschädio- lG und den Kriegshinterbliebenen geholfen werden soll. 'Xu* die üyUKmi Ax-terunaeu ho kni. Hierin MyzuhLs öß leistet? wie auf der soeben in K 0 bleNz stattgesnndenen Tagung des N c i ch s v c r b a n d e s deutscher K r i e g s b e s ck ä d i q t e u dargelegt wurde, aber man will vor allem heraus aus den« niederdrückendcn Zustand derFürsorge". Genau so wie die Invaliden der Arbeit Anspruch auk ihre Rente, also aus Versorgung haben, Nicki deröffentlichen Mildtätigkeit" -- denn etwas an­deres ist schliefet ich die , Fürsorae" nicht - anheimlallen, ebenso wollen diese wirklichen Invaliden und die Hinter­bliebenen der Gekallenen einen Rechtsonsvrnch aus eine Rente haben, die ihnen wenigstens das Existenzminimum sichert. Atts Versorgung erheben sie" Anspruch und hciM darf die Bedürftiakcitsfrage ebensowenig eine Rolle spielen wie bei jeder Rente, fr st doch eine lolcke R'n^ nur ein geringer Teil des Dankes dm das deutsche ^'olk ben Kriegsopfern und dm Krieashinterbliebenen schuldet

Der Dank des Vaterlandes ist euch gewiß" mit einem bitteren Lächeln mag sich so manches Kriegsopfer oder mancher Kriegsteilnehmer an dieses Wort erinnern. Unsere Zeit vergißt schnell, viel zu schnell und will ganz bc! sonders nicht an alles das erinnert werden, was mit dem Btjeg zusammenhänat. Es ist eines anständigen Volkes nn* wbtg. daß man hier und da einmal das resignierend- bittere Wort hören muß, ein Wort, das leider eines ge­bissen inneren Berechtigung nicht entbehrt:Warum war ich so dumm, mich als Freiwilliger zu melden" weil so mancher deswegen schwere wirtschaftliche Nachteile noch jetzt tragen muß. Wie feierte man einstens tene Jüng­linge, jene Männer und mag ietzt von ihnen nichts lolsfcn. Sie müssen es erleben, wie sie, die vier Fabre hindurch litten und bluteten, dem Tode tausendfad' ins "Inge sahen und dabei doch nur an die Heimat und die daheim dachten und für sie ausharrten. Hernach verdrängt wurden durch andere, die in satter Ruhe und friebfam Geld verdienen. Oder durch ein Geschlecht, das noch zu jung war, das ernsthaft Furchtbare, aber auch das Ver* Pflichtende jener Zeit zu erkennen.

Nur manches Mal, wenn durch einen Führerhttnd ge leitet, durch das Menschengewühl mühsam und tastend ein Blinder Hindurchslenert, dem der Krieg das Augen licht nahm, dreht sich hier und da ein Vorübereitender um, wird das Gesicht dieses oder jenes Mannes der älte­ren Generation dunkel und ernsthaft Nachsinnend, fast verlegen. Grausiges taucht im Gedächtnis auf und ein Gedenken an die Männer, die Opfer des Krieges wurden Hub ein Gedenken daran, daß der Tod eines jeden dort urnnßen eine Lütke in der Heimat gerissen hat.

Aber sie heischen nicht bloß unser Gedenken, sie der laugen opferwillige a L Man spricht so viel vonwohl erworbenen Rechten", an die nicht getastet werben dürfe, größtes, unantastbares Recht haben jene, die Hn Blut oder ihre Gesundheit htuaegebeu haben für die Heimat oder die den Gatten oder Waler verloren haben als Opfer dafür, daß Deutschland leben durfle.Der Tank des Valerlandes" das Wort darf nicht zum CjwH werde».

Kongresse und Versammlungen

I Hnupturrsnmmlnttg deß Deutschen und tdslrrreichiscke» «lpknvvretn». In 3 I 1111 (1 n r I fand die M. Haupwersamm laug des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins unter dem Borsitz des ^laatsmintster» 0 ö. Dr hon SHd 0w statt. Tie Begrüßungsansprache hielt der württembergischr '-^aatsprälldenl Tr. Bolz, der 11. 0. betonte, daß trotz aller lluaterigkeiten, die der Berschiuelzung des deutschen und des asterreichjschen Bölkes bereitet würde», die beiden Völker tiu Gefühl längs« niiletuander verbunden seien. Als Tagungsort mr hie nnchstjährige Hauptversammlung wurde einstimmig " > a g e n s n r t in Aussicht gegnonuneu

3» Ser WnWMWO in Butlern.

Festnahmen wegen des Unglücks.

Das Eisenbahnunglück hat in der Bevölkerung Mün­chens ungeheuere Erregung hervorgerufen, da Bayern, insbesondere aber München, in den letzten Jahren wieder­holt der Schauplatz schwerster Eisenbahnkatastrophen ge­wesen ist. Mit ungewöhnlicher Schärfe fordern die Mün­chener Blätter T a t e n der Reichsbahn, nicht aber amtliche Entschuldigungsberichte.

Es wäre ein schweres wirtschaftliches Unglück, wenn die Deutsche Reichsbahn infolge der vielen Katastrophen in schlechten Ruf geriete.

wtb. München, 17. Juli. Im gerichtlich/medizinischen Institut wurden gestern die Leichen der Opfer des Eisen­bahnunglücks im Hauptbahnhof sezirt. Der Sektionsbe­fund ergab, daß sämtliche Tote sehr schwere Quetschungen und Brüche erlitten haben, so daß höchst wahrscheinlich bei allen der Tod schon eingetreten war, ehe der Brand ihre Gliedmassen teilweise bis zur Unkenntlichkeit ver­stümmelte. Die Untersuchung über den Hergang der Ka­tastrophe nimmt ihren Fortgang. Am Montag traf eine Unterfudjungsfommiffion der Reichsbahndirektion Berlin in München ein. Die Sachlage wurde an Ort und Stelle in Augenschein genommen. Das erste Ergebnis dieser amt­lichen Untrsuchung wird voraussichtlich heute bekanntge­geben werden.

Dik Streit Ml

Krassin" will weiter suchen.

Die Nachricht, daß auch Amundsen und seine beiden Begleiter von einem russischen Eisbrecher gerettet worden seien, scheint sich leider nicht zu bestätigen. In amtlichen norwegischen Kreisen weist mou ebensowenig von irgend­welchen sicheren Grundlagen dieser Gerüchte wie in Moskau. - , ,,

Der Kapitän derKrassin" soll ans der Foymnsel noch Menschen gesehen haben und will weiter suchen. Es muß sich in kurzem schon zeigen, ob es sich um eine Selbst- tänfdjnng handelt oder ob man tatsächlich der Alessandri- Grnppe ober gar Amundsen nahe ist. Wie ans Spitz­bergen gemeldet wird, soll es jetzt vollkommen klargestellt sein, daß

Malmgren ans eigenen Wunsch

allein auf dem Eise zurückgeblieben ist, um seine Kame­raden zu retten. Sehr eigenartig bleibt natürlich die Tat­sache, daß die beiden Italiener ben edlen Vorschlag Malm­gren S angenommen und ihn sterbend allein auf dem Eise ziirückgelassen haben. Der schwedische Minister­präsident erklärte, daß seine Regierung die Möglich­keiten eines Rechtsverfahrens wegen des Todes Professor Malmarens vrüfe.

Gereizte Stimmung in Schweden wegen bea Unterganges Malmgrens.

Times" berichtet aus Stockholm: der schwedische Pre- niierminiftet beabsichtige um eine volle Erklärung zu er­suchen über die Umstände, die 411 Dr. Malmgrens lobe führten. Es werde in Schweden nicht verstanden, wie General Nobile einem verletzten Manne erlauben konnte, die Hayotgruppe zu verlassen. Die Stimmung sei sehr ge­reizt. Major Zappis Beschreibung, wie er und Major Mariano Dr. Malmgren zuriickgelassen haben, habe eine schreckliche Wirkung gehabt. Dem Korrspondenten zufolge, hat die schwedische Expedition bisher Iö0 0110 Kronen ge­kostet ausschließlich des zerstörten Fokerslugzeuges. Es fei noch nicht beschlossen worden, ob die italienische Regierung ausgefordert werden soll, diese Ausgaben z» tragen ober nicht.

Delfters islark Hoover,

her auSsichiBâ Uondidoi her Republikaner her Ber. einigten Staaten für ben PräiideMfckajGposten, bot nach siebe, «jtthriaer Intigket« bad Amt eliiM ymckrlSsekretärs nieder- gelegt, um sich al« Unnbhängtgkr Politiker her PräsideMschasts- kampagne wtbnie 11 zu sönnen.

Der Reichspräsident und der Reichsverkehrsminister haben an den General­direktor der Deutschen Reichsbahngescllschast herzliche Bei­leidstelegramme gerichtet.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft München wurden im Verlauf der Untersuchung über die Ursachen des Eisen­bahnunglücks zur Klärung der Frage, wie der zweite Zug freie Fahrt bekommen konnte, obwohl das B l 0 ck s i g n a l gesperrt^ gestellt war, der Oberstellwerksmeister Schnellrieder, der Bahnarbeiter Joseph Hechtl und der Oberweichenwärter JohannScha l l. vorläufig festgenommen.

Ein zweites Eisenbahnunglück in Bayern.

Infolge Ausdehnung der Schwellen durch die große. Hitze entgleiste ein Zug aus b^r Waldbahn Reit in Winkel-Ruhpolding, wobei die Lokomotive und die beiden ersten Wagen über den Fahrdamm in einen Gebirgsfluß stürzten Drei Fahrgäste wurden leicht ver­letzt. Die Wagen ^-jeu.«. stark beschädigt-

Der Eisenbahnimmm MittenwaldScharnitz verschüttet.

Die Reichsbahndirektion München teilt mit: Am Sonntag wurde zwischen Mittenwald und Scharnitz der Eisenbahndamm »nd die Straße bei Kilometer 121,6 auf etwa 80 Meter durch eine Mure (Geröll-Lawine) ver­schüttet. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen auf- rcchterhalten. Pioniere sind zur Beseitigung der Erd­massen abgegangen.

Krassin gibt vorläufig die Suche aus.

wtb. Moskau, 17. Juli. (Telegrafen-Agentur der Sowjet Union.) Der Kommandant des Eisbrechers Krassin", Samojlowitsch, sieht sich gezwungen, nach der Advent Bay zu gehen, da Tfchulyeowskis Flugzeug einer Reparatur bedarf und ihm ein ausländisches Flugzeug zu Erkundungsflügen nicht zur Verfügung gestellt worden ist, ferner infolge der von den italienischen Führern, die Nachforschungen nach Amundsen als unzweckmäßig hin­stellen, geäußerter Bitte, die geretteten Italiener sofort der Eitta bi Milano zu übergeben.

Das PolarschisfPourquois Pas" ist gestern in Ber­gen cingeir^icu und hat am Nachmittag die L'B Herreise nach.Tromfov angetre^ u. Terzettes brr Expedition, Dr. Charcot, erttülte, es .u noch u> mer Oruud zu r Hüjf nung vorhanden, daß Amnndsm unb Euilbaud aufgefun­den werden.

Die Leiden derItalia-Schiffbrüchigen.

DieIribuna" erhält einen Bericht ihres Sonderbe- richtcrstattrs aus Kingsbay, in dein es heißt: Als die Mit­glieder der Nobile-Gruppe einen von Malmgren getöteten Bären auomeibeten, fanden sie in besten Magen Zeitungs­reste und Stoffstücke und waren erstaunt, als sie feststell­ten, daß das Papier mit italienischer Schrift bedruckt war. Die Art des Stoffes war kaum noch erkennbar, aber man glaubt, daß es sich um Fetzen der Luftschisfhülle handelt, die beim Ausstößen derItalia" auf den Boden sich los­gelöst hatten. Lundborg erzählte: Ich konnte mich nur mit Piglteri unterhalten, der Englisch versteht. Da es uns an Brennmaterial mangelte, brieten mir das Fletsch mit Hilfe eines Petroleumofens, aber das Petroleum war auch halb verbraucht, dagegen verfügten wir noch über beträchtliche Lebensmittelnorrüte. Usiglieri sagte mir, daß die Tage mkmtitelbar nach dem Absturz über die Verun­glückten furchtbare Leideir gebracht haben, die durch das äußerst schlechte Wetter, das fast einen Monat andauerte, noch unerträglicher mürben. Da uns all mählich keinerlei brennbares Material zur Verfügung stand, mußte Nobile seinen Fotvgrafennpparal und sogar seinen 91 oct zum Ver­brennen hergeben.

Oie Kriegsächiuttg.

Verträge werden genau soundsolange gehalten wie sie aufgelegt werden.

Der Krlegsverzlcktsuorschlag aus der Feder des ame* titanischen Staatssekretärs Kellogg hat eine Auslegung erfahren, die derart weitgehend ist, daß selbst das von ihm bisher keineswegs begeisterte Ar auf re ich feine Unter* sehnst beifügen kann. Enthalte doch, so führt die zn- siinuueude französische Ai«t>vortnote and, her Vertrag nicht das geringste, was das Recht zur elbstvertetdtgung eines Volkes irgendwie etnschränkt, dieses

SeU'stverletdigttugSrecht

bielmehr ausdrücklich aufrechlerhält. Weiter berWeif! die französische Note darauf, daß der neueKellogg-Vertrag" ja gegen teilten einzigen der bisher bestehenden Verträge verstoße, diese vielmehr - unb zwar besonders die von V 0 c a r 11 0 sozusagen noch unterstreiche und aiisdehne. Jnlolgedessti«freue sich" die französische Regierung, diesenKriegvächtungspakt" unterschreiben zu sönnen, der jeden Friedensbrecher der Verurteilung durch die ganze Welt unterwirft im Gefühl derinternationalen -oltdarttät" und so lange vorhanden ist. wie es die Interessen der einreluc» daran belciliaten Länder biilbeiL