Zul-aer Mzeiger
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Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg Krl-a» un- Haunetal. Zul-aer Kreisblatt
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Air. 169 — 1928
Fulda, Freitag, 20. Zuli
5. Jahrgang
Il' Kleine Zeitung für eilige Leser
' * Die deutsche Negierung hat ihre Zustimmung zu dem ß Transport Bela Kuns über deutsches Gebiet bei seiner Ab- I schiebung aus Österreich nach Rußland gegeben.
: * Der zum Tode verurteilte Massenmörder Hein hat durch L seinen Verteidiger Revision einlegen lassen.
* Das Deutsche Sängerfest in Wien hat nun offiziell am k Donnerstag, den 19. Juli, begonnen.
* England hat nunmehr ebenfalls eine zustimmende Ant- k wori zu dem Kriegsächtungspakt Kelloggs nach Washington l gesandt.
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Keine Zugeständniffe.
„Man spricht vergebens viel, um zu versagen. Der andere hört von allem nur das Nein!"
Dreses Wort Iphigenies zum König Thoas in ^ Goethes bekanntem Drama paßt auf das, was uns Deutschen von französischer Seite, jetzt aber auch von den Eng - l I ä n b e r n in bezug auf die R h e i n l a n d r ä u m u n g «gesagt wird. Gewiß hatte sich der Kongreß der franzö- i Men Sozialisten für eine baldmögliche Rheinland-- I räumung ausgesprochen, aber daran Bedingungen geknüpft, die für Deutschland unerträglich sind, wenn es den «Anspruch verwirklichen will, eine selbständige Macht zu I bleiben. Das ist ja schließlich die Hauptsache. Wir müssen »schließlich Herren auf unserem Gebiete sein, genau so gut »und unter den gleichen Voraussetzungen wie jede andere I Macht, und sowenig es sich Frankreich oder Polen gefallen L lasscn würde, sich vom Völkerbund oder von irgendeiner »anderen Institution kontrollieren zu lassen, darf Dcutsch- I land freiwillig solches dulden. Auch das noch jetzt besetzte »Met, das im Jahre 1930 bzw. 1935 geräumt werden ■ fol ist entschlossen, die Besetzung bis zum letzten Termin I zu ertragen, eher, als daß für eine vorzeitige Räumung I irgendwelche Zug est änd n iff e deutscherseits erfolgen, ' die über die Bestimmungen des Versailler Vertrages oder I der Mkerbundakte hinausgehcn. Darüber ist man sich im f MM Deutschland ohne Rücksicht auf parteipolitische Dif- f /Milzen absolut einig und lehnt es darum ab, wenn aus Par»s Anregungen lammen, durch irgendwelche Zugeständnisse die Rheinlandräumung schon jetzt zu erkaufen.
Immerhin soll man nicht verkennen, daß der Druck von Paris her nach dieser Richtung hin recht stark ist und nun bedauerlicherweise auch von London her eine Unterstützung erfährt. Im Unterhaus ist nämlich von einem Vertreter der Arbeiterpartei gefragt worden, ob die britische Regierung das vor kurzem gestellte Ersuchen des deutschen Reichskanzlers bezüglich der Rheinlandräumung in wohlwollende Erwägung stellen wolle. Gemeint ist dabei jener Teil der Regierungserklärung, der von der Rheinlandbesetzung und Rheinlandräumung handelt. Außenminister Chamberlain, der doch durch zahlreiche Zusammenkünfte mit Dr. Stresemann über die deutsche Anschauung unterrichtet ist, erwiderte darauf, daß deutscherseits eine ausdrückliche Forderung bezüglich der Räumung des Rheinlandes nicht gestellt, sondern ledig- I lich der Ansicht Ausdruck verliehen worden sei, das besetzte «Rheinland in Anbetracht der bestehenden Verhältnisse noch «vor Ablauf des Zeitpunktes $u räumen, der durch den I Vertrag von Versailles festgelegt war. Die britische Re- I Wmmq stehe dieser Ansicht w o h l w o l l e n d gegenüber. M7~ bod) nun kommt das große „Aber": eine „vorzeitige" 1 Räumung könne nur erfolgen auf Grund einer b e s o u - »deren Vereinbarung zwischen Deutschland und den Be- I Mmgsmächten. Es folgt sodann noch ein zweites „Aber": I Ach andere Mächte müßten noch befragt werden. Das âhlwollen Englands und die Bereitwilligkeitserklärung, t^tvaige Vorschläge anzunehmen, die von einer an dieser l ilfagc stärker interessierten Seite ausgehen, können diese beiden „Aber" nicht aus der Welt räumen. Chamberlain ™t es im Unterhaus ausdrücklich abgelehnt, in dieser ^rage „zurzeit mit irgendwelchem Nutzen eine Initiative i" ergreifen", betrachtet es außerdem als finanziell recht ^erheblich, daß die englischen Besatzungstruppen im Rheinland übermäßig viel Kosten verursachen, die den Er- lrag der Reparation für England schmälern. Chamberlain !wloß das Frage- und Antwortspiel mit dem Satze: „Ich l'ebe bereits gesagt, daß ich es zurzeit nicht für zweck- lhèßig erachte, eine Initiative zu ergreifen; die Zurück- Mung der britischen Truppen allein würde die Frage der Rheinlandräumung weder lösen noch sie einer Lösung läster bringen."
Wir Deutsche hören aus allem nur das „Nein", empfinden es, daß auf der Gegenseite vergebens viel gerochen wird, um zu versagen. Die Ausführungen Cham- ^rlains bedeuten nichts anderes als eine Unterstützung bes französischen Standpunktes — und hierin sind sich alle Parteien von der radikalen Rechten bis zur radikalen unken einig —, daß die Rheinlandräumung, wenn sie vorzeitig" erfolgen soll, nur durch deutsche Gegenleistun- bezahlt werden kann. Nicht nur sollen diese Gcgen- ^'stungen am Rhein liegen, sondern auch an der e i ch s e l. Deutlich genug verweist gerade auf dieses Mere die Andeutung Chamberlains, daß auch „andere Mchtc" bei einer sofortigen oder baldigen Rheinland- ^umung mitzusprechen hätten. Darum ist deutscherseits ^«stellen, daß unser Standpunkt, das Rheinland sei zu ^umcn, gemäß den Bestimmungen des Versailler Verlages, der eine Zurückziehung der Besatzungstruppen Vorrat, wenn Deutschland die Entwaffnungs- und die l^egsentschädigungsbestimmungen des Versailler Verlages erfüllt habe, durch die englische Politik eine Unter» Atzung nicht findet, daß sich vielmehr die Londoner Regic-
auf den Standpunkt der französischen und der ihr bekundeten Regierungen stellt. Jede Hoffnung also, daß 1 Einblick auf die anders geartete politische Laae die ân-
Der Kampf der Gesänge in Wien.
Das deutsche Gängerfest.
Österreichs Nationalrat begrüßt die Sangesbrüder.
Wieviel Sänger zu dem großen Fest des Gesanges in Wien eingetroffen sind — wer vermöchte es zu sagen? Die Angaben schwanken zwischen 100 000 und 150 000 und immer neue Menschenmassen noch werden von den Sonderzügen aus nah und fern „herangerollt". Ganz Wien ist mit österreichischen und deutschen Fahnen festlich geschmückt. Die Beflaggung geht übrigens — das darf nicht ver- schwieaen werden — nur von den Mietern, nicht
Die Sängerhalle auf der Jesuitenwiese,
' wo die Aufführungen und Festlichkeiten stattflnden.
aber von den Hausbesitzern aus. Diese hatten ursprünglich sogar die Absicht, während des Sängerbundesfestes Trauerfahnen zu hissen, um vor den ausländischen Gästen ihre schlechte Behandlung in der Mieterfrage varzutun. Mittwoch nachmittag fand ein
Empfang für die Vertreter der Presse,
der inländischen und der ausländischen, statt. Der Vorsitzende des Festausschusses, Schulrat I a k s ch , begrüßte die Gäste und dankte ihnen für die im Interesse des Gelingens des Sängerbundesfestes bisher schon geleistete hervorragende journalistische Tätigkeit. Dann sprach über die Bedeutung des Wiener Festes, das nunmehr offiziell begonnen hat, der Vorsitzende des Deutschen Sängerbundes, Rechtsanwalt Dr. List- Dresden.
sammenarbeit Deutschlands mit den „alliierten und assoziierten Mächten" im Völkerbund zu einer Rheinland- «vthunung jetzt oder vor Ablauf der durch den Versailler Vertrag festgestellten Fristen erfolgt, ist jetzt auch durch die Erklärung des englischen Ministers als eitel zu bezeichnen.
EiiSmsmg ier Selkiertretiii in MM.
Außerordentliche Tagung des Parlaments.
Den letzten Nachrichten aus Mexiko zufolge wird die Volksvertretung baldigst zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen werden, um an Stelle des ermordeten Obregon einen provisorischen Präsidenten zu wählen. Andererseits gehen die Absichten der Anhänger des ermordeten Generals nach wie vor dahin, eine Verfassungsänderung vorzunehmen, dergestalt, daß Calles für einige Jahre noch im Amt verbleiben soll.
Die nordamerikanischen Blätter sind der Ansicht, daß selbst dann, wenn in Mexiko ein anderer, provisorischer Präsident gewählt würde, Calles sehr bald wieder in sein Amt zurückkehren würde. An der feierlichen Überführung der Leiche des Generals Obregon nahmen neben dem Präsidenten Calles die höchsten Beamten der Regierung sowie das Diplomatische Korps teil
Die polnische Grenzzonenverordnung.
, Nicht gegen Deutsche gerichtet.
Eine amtliche Mitteilung besagt, daß die Wiederaufnahme der deutsch-polnischen Handelsvertragsverhandlungen für den 10. September in Warschau vorgesehen ist. über die Grenzzonenverordnung der polnischen Regierung, die seinerzeit zur Unterbrechung der Verhandlungen geführt hatte, ist in den Vorbesprechungen, die dieser Tage in Warschau geführt wurden, eine Einigung erzielt worden. Der polnische Bevollmächtigte von Twardowski gab dem deutschen Verhandlungsführer Dr. Hermes bei diesen Vorbesprechungen die Versicherung ab, daß die polnische Grenzzonenverordnung eine allgemeine Maßnahme darstelle, die nicht gegen die Angehörigen irgendeines Staates, also auch nicht gegen die deutschen Staatsangehörigen, gerichtet sei.
„Unsere Bestrebungen," sagte er, „sind dem Dienst sur Volkstum und Vaterland gewidmet. Wir wollen auf allen Sängerfesten dem Gedanken der Einigkeit Ausdruck geben und so erwarten wir auch von dem 10.Sängerbundesfest nicht bloß eine gewaltige Kundgebung musikalischer Art, sondern zugleich die größte Kundgebung vaterländischer, nationaler Art. Wir wollen, daß unser Volk sich vorbereite auf eine Zeit, wo es nur noch e i n einziges Volk von deutschen Brüdern geben wird."
Die amtliche „Wiener Zeitung" begrüßte die deutschen Sänger mit einem Artikel des
Unterrichtsministers Schmitz, in dem die gemeinsame Kulturtradition und das gemeinsame Kulturschaffen vom Westen zum Osten und vom Norden zum Süden hervorgehoben wird, etwas, das alle Deutschen mit untrennbarer Einigkeit zu. sammenhalte. Die eindrucksvollste der bisherigen Kundgebungen wae die des Österreichischen Nationalrates. Vor Schluß der Mittwochsitzung hielt Präsident M i k l a s eine Ansprache, in der er sagte:
„Wien und Österreich stehen in diesen Tagen , m Zeichen des deutschen Liedes. Zu vielen Zehn- tausenden versammeln sich deutsche Sangesbrüder aus nah und fern in den Mauern Wiens, der Stadt der Lieder, der Stadt des unsterblichen Liederfürsten Franz Schubert. Nicht nur aus Deutschland und Österreich eilen sie herbei, sondern aus der ganzen Welt, der Alten und der Neuen, wo immer die deutsche Zunge klingt und deutsche Lieder ertönen. Ich weist mich Ihrer aller Zustimmung gewiß, wenn ich von dieser Stelle aus die deutschen Sänger und Gäste willkommen heiße und ihnen den herzlichen Gruß der Deutschen Österreichs entbiete. In- dem wir alle dem großen 10. Deutschen Bundessängerseft ein glückliches Gelingen wünschen, geben wir der Erwartung Ausdruck, daß sein würdiger Verlaus nicht nur Österreich zur Ehre gereichen, sondern auch der ganzen Welt in Wohlklang und Frieden die Ehre und Größe de 8 deutschen Namens künde."
Die Ansprache des Präsidenten wurde mit stürmischem Beifall ausgenommen.
Der Begrühungsabend der Sänger in Wien.
wtb. Wien, 20. Juli. Der gestrige Begrüßungsabend in der Sängerhalle wurde durch Eesangsvorträge eingeleitet. Hierauf hielt der Vorsitzende des Festausschusses die offizielle Begrüßungsrede, in der er unter anderem betonte, daß alle hier Versammelten von dem Willen beseelt seien, daß alle politischen Grenzen zwischen den deutschen Stämmen fallen müßten und Allmutter Germania nur eine Grenze, ein Volk und eine Sprache kenne. Hieran schlossen sich Ansprachen des Bundeskanzlers Seipel, des Bundesministers Schmitz und des Bürgermeisters Seitz, dessen Rede in der Aufforderung gipfelte: Deutsche, seid stark im Willen zur Einheit. Der deutsche Gesandte Graf Lerchenfeld bezeichnete in seiner Rede das Bundessängerfest als ein Mittel, das östereichische Innenleben für das deutsche große Gesamtleben neu in Erscheinung treten zu lassen.
Die von polnischer Seite gegebenen Zusicherungen find' non erheblicher Bedeutung. Es unterliegt keinem Zweifel, daß durch die amtliche Erklärung die polnische Regierung rede Möglichkeit ausschließt, etwa einseitig die Bestimmungen der Grenzzonenverordnung gegen deutsche Reichsan- gehörige anzuwenden.
Landesökonomierai Dr. b. c. Herold.
80 Jahre alt.
Reichspräsident v. Hindenburg sandte an den Senior der Zentrumspartei, den greisen Abgeordneten Herold, bei der auf den 19. Juli entfallenden Vollendung des 80. Lebensjahres ein herzliches Glückwunschtelegramm.
Die philosophische und naturwissenschaftliche Fakultät der Westfälischen Wilhelmsuniversität in Münster hat dem Landesökonomiprat Karl Herold, Mitglied des Reichstages und des Preußischen Landtages, anläßlich seines achtzigsten Geburtstages in Anerkennung seiner großen Verdienste, die er sich um die Förderung der westfälischen und der deutschen Landwirtschaft und der Interessen der Universität Münster erworben hat, den Doktor der Philosophie ehrenhalber verliehen.
Der preußische Landwirtschaftsminister Dr. S t e i g e r hielt bei der offiziellen Feier des 80. Geburtstages Herolds eine längere Glückwunschansprachc. Auch lief ein Gratulationstelegramm des Reichskanzlers ein.
Vermischte Nachrichten.
Umtausch von Rcntcnbankscheinen.
Berlin. Die aufgerufenen Rentenbankscheine über 1, 2 mtb 5 Rcntcnmarl ohne Kopsbild vom 1. November 1923 werden vom 1 Oktober d. J ab nur noch von der Deutschen Rentenbank, Berlin W. 8, eingelöst Bis dahin kann der Umtausch noch wie bisher bei allen Reichsbankanstalten erfolgen Nicht aufgerufen und weiter im Verkehr verbleiben die Zweitausgaben der Rentenbankscheine über 5, 10 und 50 Rentenmark mit Kopsbild sowie die Abschnitte zu 100, 500 und 1000 Rentenmarl der Erstausgaben ohne Kopfbild.
Einigung in der bayerischen Koalitionssrage.
München. In den fortgesetzten interfraktionellen De- sprechungcn, an denen auch Landwirtschaftsminister Fehr für den Bayerischen Bauernbund tcilgenomincn hat, ist man vorbehaltlich der Zustimmung der beteiligten Fraktionen einig darüber geworden, daß die drei sogenannten Revolutions-